Wohnen Im grünen Bereich

In Mailand kann man hinter vertikalen Wäldern wohnen (Illustration). © Barcroft/Kontributor/Getty Images

Alle wollen in der Stadt leben und vermissen dann die Natur. Wie kann man beides miteinander verbinden? Von , und

ZEITmagazin Nr. 14/2015

Im Grünen wohnen – das bedeutete einmal, sein Dasein weit draußen auf dem Land zu fristen und dem urbanen Lebensstil zu entsagen. Heute allerdings will man beides: mitten in der Stadt leben – und mitten in der Natur. Scheinbar ist das ein Widerspruch. Aber manchmal führen solche Widersprüche zu den kreativsten Lösungen. Wir wollen eine kleine Reise unternehmen – zu den schönsten Antworten auf diese Sehnsucht nach dem grünen Wohnen in der Stadt.

Die erste Station ist ein Besuch in Kopenhagen, wo sie schon ziemlich gut darin sind, den Widerspruch zwischen Stadt und Land aufzulösen. Es ist ein bisschen wie ein Besuch in der Zukunft. Wenn man durch die Innenstadt läuft, bekommt man das Gefühl, dass die Dänen vieles von dem, worüber die anderen Europäer noch reden, schon verwirklicht haben. Die Stadtplanung ist auf öffentliche Plätze ausgerichtet, auf das Zusammenkommen unter freiem Himmel, auf Freizeit. Auch an diesem Märztag, an dem die Temperaturen nur knapp über zehn Grad liegen, strömen die Menschen nach draußen. Wir stehen auf einer riesigen Terrasse am alten Hafen, hinter dem neu erbauten Schauspielhaus, ein nachhaltiger Bau, der Meerwasser zur Kühlung und zum Heizen verwendet. Selbst die Schauspieler aus dem Theater zieht es an diesem sonnigen Nachmittag nach draußen auf die Freiluft-Bretter, um eine neue Szene einzustudieren.

Gleich nebendran entsteht ein neues Parkhaus. In Kopenhagen schaffen sie es sogar, dass ein derart funktionaler Bau zu einem grünen Projekt wird. Aber wie soll man das nennen, was hier entsteht: Unterwasserparkhaus? "Parkerlebnis", schlägt Martin Hedevang Andersen vor, ein junger Landschaftsarchitekt, der uns auf dieser Tour durch Kopenhagens grüne Architektur führt.

Wenn das Parkhaus fertig ist, wird sich vom Schauspielhaus aus eine riesige Promenade aus Holz auf dem Wasser erstrecken, die zum Sonnen und Feiern einlädt. Darunter, also unter der Wasseroberfläche, sollen einmal auf drei Etagen 500 Autos Platz finden. Kvaesthus nennt sich dieses Projekt, zu dem außerdem noch eine Brücke übers Meer nur für Radfahrer und Fußgänger gehört, welche die beiden Teile der Kopenhagener Innenstadt verbindet. "Das Hafenbecken ist mittlerweile so sauber, dass man darin baden kann", sagt Martin Hedevang Andersen.

In Kopenhagen wird man nicht nur Zeuge einer neuen Architektur, sondern eines neuen Lebensgefühls, das in vielen Großstädten herrscht: Die 2010er Jahre sind das grüne Jahrzehnt. Es gibt nicht nur einen breiten Konsens über umweltpolitische Themen – die Menschen wollen auch grün leben. Angefangen hat es mit dem Boom der ökologisch bewussten Ernährung. Nun kommt das natürliche Wohnen. Damit ist mehr gemeint als Energiesparhäuser und nachhaltige Baustoffe: Man will die Natur um sich herum haben. Auch in der Stadt.

Aber was hat so ein Parkhaus mit grünem Lebensstil zu tun? "Ganz einfach", sagt Andersen: "Für die neuen Parkplätze, die im Parkhaus entstehen, werden die alten auf den Straßen rundherum gestrichen." Ein ganzer Straßenzug um den Sankt Annæ Plads wird umgebaut, eine riesige Grünfläche wird in der Mitte entstehen, die Autos dürfen nur noch am Rand der Straße fahren, sie wird in Zukunft vor allem Fußgängern und Radfahrern gehören.

Und nebenbei ist diese neue, enorme Grünfläche auch eine Antwort auf die Klimaveränderung: Kopenhagen war in den letzten Jahren immer wieder von heftigen Regenfällen betroffen, bei denen in kurzer Zeit so viel Wasser fiel, dass die Kanalisation es nicht mehr aufnehmen konnte. Damit mehr Flächen zur Versickerung des Wassers entstehen, gibt es im ganzen Land Projekte zur Begrünung.

Die dänische Hauptstadt zeigt recht gut, wie der grüne Wandel in den Metropolen aussehen kann. Das Ziel einer CO₂-Reduktion um 40 Prozent bis 2020 ist in Dänemark gesetzlich verankert. Kopenhagen will bis 2025 sogar die erste CO₂-neutrale Hauptstadt der Welt sein. Die Kommunalregierung hat es sich außerdem zum Ziel gesetzt, die beste Radfahrerstadt der Welt zu sein, die Hälfte aller Fahrten zur Arbeit oder Ausbildungsstätte sollen auf das Fahrrad verlagert werden.

In Kopenhagen schaffen sie Grünflächen, wo immer es geht. Und sei es auf den Dächern von Häusern. Die wohl spektakulärsten Gründächer des Landes kann man sich etwas außerhalb der Stadt im recht neuen Bezirk Ørestad ansehen. Der Gebäudekomplex 8 House – der aus der Luft betrachtet aussieht wie eine am Boden liegende Acht – hat zwei Gründächer, die sich wie bei einer Pyramide in einem 30-Grad-Winkel neigen. Vom Fuß des Gebäudes aus betrachtet, sehen sie aus wie zwei gigantische Rasenschanzen, die geradewegs ins davor liegende Naturschutzgebiet führen.

Ørestad ist der jüngste Stadtteil Kopenhagens, er wird seit 1992 entwickelt. Das 8 House wurde 2010 fertiggestellt. Der 40-jährige dänische Star-Architekt Bjarke Ingels – der seiner Firma ganz unbescheiden den Namen BIG gab – hat es entworfen. Er ist einer der Vorreiter nachhaltiger Architektur und ist auch am Bau des neuen ökologischen Google-Firmensitzes in Kalifornien beteiligt. Im 8 House gibt es die Zukunft schon jetzt. Es ist eine kleine Stadt für sich: 500 Wohnungen haben darin Platz, Penthouses und Maisonettewohnungen, außerdem zahlreiche Büros und Läden.

Das Besondere am 8 House ist seine Form. Es hat zwei Innenhöfe, nach Süden hin öffnet sich das Gebäude und ist hier nur ein Stockwerk hoch, nach Norden hin erhebt es sich wie eine Pyramide bis zum zwölften Stock. So sollen laut Architekt optimale Lichtverhältnisse geschaffen werden, Sonne und Luft können von Süden her einströmen. Autoliebhaber fühlen sich im 8 House vermutlich nicht so wohl: Es gibt keine Parkplätze. Dafür kann man mit dem Fahrrad auf leicht ansteigenden und geschwungenen Pfaden bis ganz nach oben fahren – und auch wieder hinunterrollen. Der Weg nach oben ist fast ein sinnliches Erlebnis. Und von den Terrassen der Wohnungen aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Naturschutzgebiet.

Dieses ökologische Haus ist gemacht für Menschen, die gerne zusammenkommen: in einem der beiden grünen Höfe oder in einem der vielen Gemeinschaftsräume, die für Partys oder Yogastunden zu mieten sind. Im Sommer können sie im Regenwasser-Becken und in den Kanälen vor ihrem Gebäude Kajak fahren, im Winter Schlittschuh laufen. In dieses Becken fließt das Regenwasser von den Gründächern, so wird das Abwassersystem entlastet, und bei Trockenheit werden die umliegenden Felder damit bewässert.

Der einzige Nachteil für die Bewohner des 8 House: Ihr ungewöhnliches Zuhause ist nicht nur in Architekturkreisen sehr bekannt. Immer wieder laufen Touristen und interessierte Passanten die Wege nach oben, sodass die Bewohner mittlerweile Schriftzüge an die Fassade geklebt haben, die daran erinnern, dass hier Leute wohnen. Die "Öffnungszeiten" sind jetzt auf Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr beschränkt.

Kopenhagen ist ein Vorreiter der grünen Stadtentwicklung. Aber mehr und mehr wird das grüne Wohnen zur globalen Bewegung. Es geht dabei nicht nur um Politik und Moral, es geht um ein schöneres Leben. Wer im eigenen Garten Tomaten und Salat zieht, bildet sich nicht unbedingt ein, die Welt zu retten, sondern hat wahrscheinlich einfach mehr Freude, weil Gartenarbeit, wie viele Studien sagen, glücklich macht. Wer seine Wohnung mit einer Pflanzenwand ausstattet, leistet keinen großen Beitrag zur Klimapolitik, aber vielleicht einen zum eigenen Wohlbefinden. Wer in einem Park spazieren geht, tut nicht unbedingt etwas Gutes für die Natur – aber er tut etwas Gutes für sich selbst. Die Väter und Mütter des grünen Gedankens waren eher konsumfeindlich eingestellt. Von ihren Kindern kann man das nicht behaupten. Sie wollen mit dem richtigen Konsum Gutes tun. Die Welt ein bisschen besser machen – und ihr eigenes Leben.

Zweite Station – ein Besuch bei dem Architekten und Designer Matteo Thun, 62, in Mailand. Er war einer der Ersten, die ökologisch gebaut haben. Der Innenhof seines Studios ist mit Pflanzenranken zugewuchert. Das entspricht Thuns Bauweise: Die Fassaden mancher seiner Entwürfe lässt er von Kletterpflanzen gestalten. In der grünen Architektur sieht er keinen Trend, sondern im Grunde eine Rückkehr zur Normalität. Naturnah zu wohnen ist für ihn ein Grundbedürfnis des Menschen. Thun kommt aus Bozen. Er hat die Natur als Kind nicht als Wochenendluxus kennengelernt, sie war Teil seines täglichen Lebens. "Menschen wollen sich wohlfühlen, und dazu brauchen sie Pflanzen und Wasser um sich herum", sagt er. Ein Zeichen dafür sei die Wiederkehr des urban farming, dabei sei das eigentlich schon uralt. "Eine bestimmte Form von Agrikultur war immer Teil des Städtebaus", sagt Thun. In den eigenen Gärten hat man früher nicht Rasen gepflanzt, sondern Obst und Gemüse angebaut. Und in den Frühzeiten der Industrialisierung gab es das Konzept der Schrebergärten, um Arbeitern Rückzugsorte für die Erholung und den Anbau eigener Lebensmittel zu bieten.

In Italien hatte man große Stadtgärten – Orte, an denen Gemüse angebaut wurde und wo ein guter Teil des öffentlichen Lebens stattfand. Heute fangen Großstädte wie Berlin wieder an, im öffentlichen Raum Obstbäume zu pflanzen, die von der Bevölkerung geerntet werden können.

Matteo Thun hat vor 25 Jahren das erste ökologische Solar-Fertighaus, O Sole Mio, entworfen. Eine Seite besteht aus einer Glasfront, so dass Innen- und Außenraum miteinander verschmelzen, und es gibt einen Wintergarten mit Platz für einen Baum. Thun lässt auch heute noch Bäume in Innenräumen wachsen. Er ist verantwortlich für das Design der Italian-Food-Kette Vapiano. In jeder Filiale wächst ein Olivenbaum in einem großen Pflanztopf. Auf den Tischen stehen Töpfe mit frischen Kräutern.

"Der Gegensatz zwischen Stadt und Land ist überholt", sagt Thun. Die Menschen wollten keine unerträglich verdichteten Städte mehr, aus denen sie dann am Wochenende "aufs Land" fliehen. Sie wollen das Land gleich vor ihrer Haustür haben. "Im Grunde erleben wir gerade eine Umkehrung von Stadt und Land", sagt Thun. Die Städte würden von ihren Bewohnern renaturiert. Dächer werden begrünt, auf Terrassen entstehen Pflanzenlandschaften, kanalisierte Flüsse bekommen wieder begehbare Ufer, in Parks werden natürlich belassene Flächen geschaffen. Seine Vorstellung von Natur verwirklicht der Mensch mehr und mehr in der Stadt. Als ersten Hinweis für die Umkehrung des Verhältnisses Stadt/Land sieht Matteo Thun den Honig: Immer mehr Honig werde heute in Städten gewonnen. Und er sei nicht schlechter, sondern oft besser als der sogenannte Landhonig. "In den Städten finden die Bienen mittlerweile die größere Vielfalt von Blüten – und dort werden auch keine Pflanzenschutzmittel verspritzt." So paradox es klingen mag: Manchmal ist die Stadt das bessere Land.

Um Beispiele für die bewohnbare Natur in Metropolen zu finden, muss man nur in Thuns Nachbarschaft suchen. Im Mailänder Geschäftsviertel Porta Nuova stehen die beiden Wohntürme Bosco Verticale, "senkrechter Wald". Der Architekt Stefano Boeri, 58, hat diese spektakulären Hochhäuser mit begrünter Fassade entworfen. An den 76 und 110 Meter hohen Außenwänden zieht sich tatsächlich ein ganzer Wald empor: In großen schubladenähnlichen Trögen wachsen 20.000 Pflanzen und 800 bis zu neun Meter hohe Bäume.

"Als ich 2007 den Auftrag bekam, zwei Hochhäuser in Porta Nuova zu entwerfen, hatte ich das Ziel, etwas zu bauen, das es so noch nicht gegeben hatte. Ich wollte Menschen und Bäume in eine neue Beziehung zueinander bringen", sagt Boeri.

Noch handelt es sich bei den Wohnungen in Mailand um Quartiere für Wohlhabende. Der Quadratmeter in den Eigentumswohnungen kostet durchschnittlich 8.000 bis 9.000 Euro. Doch für Boeri ist das nur der Anfang, er träumt davon, dass daraus eine massentaugliche Wohnform wird: "Wir müssen die flächenmäßige Vergrößerung der Städte stoppen. Das demografische Wachstum können wir nicht aufhalten, also müssen wir uns auf die vertikale Bauweise konzentrieren und die Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen neu überdenken." Für das neue Wohnkonzept musste viel Pionierarbeit geleistet werden. Es musste erforscht werden, welche Pflanzen mit den erschwerten Bedingungen, der starken Sonneneinstrahlung, dem Feuchtigkeitsverlust und dem in den höheren Stockwerken sehr starken Wind, zurechtkommen. Noch völlig unklar allerdings ist, wie die Bewohner damit umgehen werden. "Wie die Menschen darauf reagieren werden, im 15. Stock einen Garten mit Bäumen vor der Tür zu haben – und auch mal die Blätter und Äste der Nachbarn –, wissen wir noch nicht", sagt der Architekt.

Das Gebäude der Banca Catalana in Barcelona von 1978 © Xabier Mikel Laburu/Bloomberg/Getty Images

Boeri ist nicht der Erste, der Mensch und Baum wieder zu engen Nachbarn machen will. In den siebziger Jahren pflanzte der Architekt Friedensreich Hundertwasser in Mailand während der Triennale Bäume durch Fenster in die Wohnungen der Via Manzoni. In Barcelona wurde 1978 das Gebäude der Banca Catalana berühmt. Die Fassade ist mit Hunderten Pflanzkästen versehen, die es wie ein Dschungel aussehen lassen. In den neunziger Jahren ließ sich die Commerzbank von Sir Norman Foster ein neues Headquarter in Frankfurt bauen – mit einem Indoor-Garten im 19. Stock.

Doch erst heute ist aus dem grünen Bauen eine globale Bewegung geworden. Beispiele dafür findet man in allen Metropolen, in New York, in London – und im Hamburger Hafen. Im alten Baakenhafen, in der sogenannten Speicherstadt, wird kräftig gebaggert. Hier entsteht eine grüne Halbinsel inmitten eines neuen Wohnviertels. Das, was einmal ein grüner Zufluchtsort werden soll, ist zurzeit noch eine Wüste aus Erde und tiefen Gräben. Das Quartier Baakenhafen ist einer von zehn Abschnitten, die zusammen die Innenstadterweiterung der Hamburger HafenCity bilden.

Der Entwurf stammt vom Landschaftsarchitekturbüro Atelier Loidl aus Berlin, das dort schon den beliebten Park am Gleisdreieck gebaut hat. Am größten Hafenbecken der HafenCity, wo 1.800 Wohnungen entstehen, soll der 1,5 Hektar große "Baakenpark" Platz für Erholung, Sport und Freizeitgestaltung bieten. "Inmitten der harten Formen des Hafenbeckens wird ein weicher grüner Raum entstehen", sagt Landschaftsarchitekt Andreas Lipp.

In London wird derweil die Garden Bridge geplant, entworfen von dem Designer Thomas Heatherwick, einem weiteren Visionär der grünen Architektur. Die Garden Bridge folgt der Idee einer grünen Verbindung Nord- und Südlondons. Eine grüne Schneise, die eine kurze Atempause vom Alltag bietet.

Ähnlich spektakulär ist ein anderes Projekt von Heatherwick, der Floating Park in New York, auch Pier 55 genannt. Ein Park über dem Wasser, angelegt auf 300 pilzförmigen Pfeilern. Knappe 100 Meter soll sich die Grünfläche in jede Richtung erstrecken, fünf bis 19 Meter über der Wasseroberfläche und 57 Meter entfernt von der Promenade des Hudson River. In vier Jahren soll der Park, der auch noch ein Amphitheater mit 700 Plätzen umfasst, eröffnet werden. Finanziert wird er zum Großteil von Medienmogul Barry Diller, dem Ehemann von Diane von Fürstenberg. Er hat 113 Millionen Dollar für den Bau versprochen – die höchste Privatspende, die in New York je einem öffentlichen Park zugedacht wurde. Insgesamt soll der Park über 130 Millionen Dollar kosten.

Woher kommt diese große Sehnsucht nach der Natur, was lässt uns Hafen- in Parklandschaften umgestalten und Hochhäuser bewalden? Vielleicht ist es ähnlich wie im 19. Jahrhundert. Damals folgte auf die Fortschritts- eine Sehnsuchtswelle: Die Dampfmaschinen eroberten die Städte, der Fabrikarbeiter löste den Bauern ab. Und wenig später wurde eine Naturbewegung geboren, die uns heute noch viele Motive liefert. Zum Beispiel den Mythos vom deutschen Wald. Der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl etwa schrieb in seinem Werk Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Social-Politic, dass jedem Volk eine Landschaft zuzuordnen sei. Charakteristische Umgebungen der Engländer und Franzosen seien der gezähmte Park und das bewirtschaftete Feld, deren Gegenbild sah er in der Wildnis des deutschen Waldes. Schon zu diesem Zeitpunkt war der "deutsche Wald" allerdings eine Wunschvorstellung. In Wirklichkeit war der Wald zu dieser Zeit längst vom Vieh, das die Bauern hineintrieben, zerfressen und vom Holzeinschlag bedroht. Die Waldlandschaft, die es heute gibt, ist in Wahrheit ein Kulturerfolg. Sie ist das Ergebnis der modernen Forstwirtschaft.

Schon die Romantik orientierte sich also nicht an der Natur selbst, sondern an einer Vorstellung von der Natur. Und so sollte man sich auch heute fragen, ob es die reine Natur ist, die wir als Nachbarn wünschen – oder nur unser romantisiertes Bild von ihr. Man wird spätestens daran denken, wenn einem nachts im Bosco Verticale aus dem Garten im 14. Stock die Schnecken in die Wohnung kriechen.

8 Kommentare

Nein, man kann auch in der Stadt im Grünen wohnen. Es ist halt immer eine Frage des Preises.

Im Gegensatz zu Kopenhagen erleben wir in den deutschen Großstädten eine umgekehrte Entwickung: Eine Verdichtung des Siedlungsraums auf Kosten der Grünflächen, damit die hochverschuldeten Städte noch ein paar Euro zur Schuldentilgung abgreifen könne.

Da die Pfege von Grünflächen auch zeitaufwändig und teuer ist, findet dort ebenfalls eine immer stärkere Verarmung der stadt(nahen) Biotope statt.

Nebenbei: Wer mein Vieh einfach so in einen naturbelassenen Wald treiben zu können, kennt wohl weder Vieh noch Wald. Dort gibt es weder genug Futter noch genug bewegungsfreiheit im Unterholz. Es war eher so, dass sich dort die Bauern zunehmend zur Brennholzversorgung bedient haben.

Nettes Konstruckt dieses Hochaus... Mal schauen, wann ihnen auffällt, dass Pflanzen zum wachsen nicht nur Platz sondern auch Licht brauchen. von oben kriegen die eingezeichneten Bäume jedenfallskeins. So hübsch grün werden diese Hochhäuser wohl von der Nordseite nicht aussehen. Mal abgesehen davon, dass man auch die großen Bäume regelmäßig drehen müsste, damit sie unter solchen bedingungen gleichmäßig wachsen. Hoffentlich haben die auch an Gärtner mit fundiertem Pflanzenwissen gedacht...

Man muss nicht die ganze Stadt umbauen um "Natur" rein zu bringen!
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Viele Fassaden und auch Dächer eignen sich mit geringen "Umbauten" (Netzen, Kletterhilfen, Pflanzgruben von 30x100x100 auf den Brügersteig mit Schutzgitter... usw) zur Begrünung. Macht duie Dächer/Fassaden langlebiger, bringt GRÜN mit allen vorteilen wie Stabreduktion usw. in die Stad....... Aber wie sieht die Wirklichkeit aus?
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Allein in dem Viertel in dem ich wohne ist an mehreren Häusern an denen alter Wilder-Wein, bzw. Efeubewuchs war der Bewusch gekappt worden. Nicht weil er die Fassade zerstörte (Bewuchs ist in der Regel ein Schutz, Dämmung usw) sondern weil sich die Bewohner wegen "Ungeziefer" beschwerten. Mücken, Käfer, Spinnen kletterten da durch ...IIIh giit. wie unsauber.
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Die Schnecke im 14 Stock ist der "einsame Wolf" auf der Weide:-((
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"Ich liebe Natur, die muss geschütz werden, muss in die Stadt!" sagt der Städter im der 1. Satzhälfte ".... aber nur hinter der Glasscheibe wenn die an mich nicht rankommt!" bummt er fast unverständlioch in der 2.ten :-((
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Meint
Sikasuu

Wie toll!! Ich lebe in Frankfurt am Main und blicke voller Bewunderung nach Kopenhagen, wo man Dinge vollbringt, die hier undenkbar scheinen. Und das nur, weil der Mut zu völlig neuen Wegen fehlt. Stattdessen nur Stückwerk, was die Fahrradwege anbelangt und ansonsten: freie Bahn für Autos und ein Flughafen, der weite Teile des Rhein-Main-Gebietes ( und somit auch der Grünflächen wie Parks, Frankfurter Stadtwald, usw) mit Lärm verseucht. Einfach nur schade, denn Frankfurt hätte jede Menge Potential, eine grüne und fahrradfreundliche Stadt zu sein - wenn es Leute gäbe, die es angehen wollten.

Schöner Artikel!

Schöner Artikel!

An den ArchitektInnen und StadtplanerInnen wird das ökologische, ästhetische Bauen sicher nicht scheitern, allenfalls an der Engstirnigkeit von InvestorInnen und der Kleinkariertheit von PolitikerInnen.
Was möglich ist, zeigen u. a. Beispiele wie Kopenhagen. Nur wollen muss man es eben auch.

Was mich bei Urban Gardening stört ist dass es entweder zur Zersiedelung führt und damit jeden ökologischen Vorteil von Städten negiert oder aber nie einen wirklich signifikanten Beitrag zur Ernährung liefern kann, weil einfach die Fläche von Städten im Vergleich zur Bevölkerung, die ernährt werden muss, winzig ist. Von daher ist es Blödsinn, das als Lösung irgendwelcher Probleme zu sehen. Wer den Platz eh hat und das Hobby mag, na klar, gerne.

Mehr Pflanzen in Häuser und Flächen einbauen hingegen: Na klar! Wer würde das nicht wollen?

Nettes Konstruckt dieses Hochaus... Mal schauen, wann ihnen auffällt, dass Pflanzen zum wachsen nicht nur Platz sondern auch Licht brauchen. von oben kriegen die eingezeichneten Bäume jedenfallskeins. So hübsch grün werden diese Hochhäuser wohl von der Nordseite nicht aussehen. Mal abgesehen davon, dass man auch die großen Bäume regelmäßig drehen müsste, damit sie unter solchen bedingungen gleichmäßig wachsen. Hoffentlich haben die auch an Gärtner mit fundiertem Pflanzenwissen gedacht...

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