Wundertüte Techniken zum Schnelllesen

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Aus der Serie: Wundertüte ZEITmagazin Nr. 16/2015

"Die Menge der Informationen, die wir im Alltag aufnehmen, wird immer größer", sagt Christian Peirick. Wie man diese Flut bewältigen kann, lehrt er seit 15 Jahren in seinen Seminaren. Dort vermittelt er Techniken, mit deren Hilfe man schneller lesen kann und gleichzeitig das Gelesene besser behält. Dazu hat Peirick auch ein Buch veröffentlicht: Rationelle Lesetechniken . "Die Augen können Informationen nur dann aufnehmen, wenn sie zwischendurch immer wieder anhalten", erklärt er. Das machen sie automatisch, auch beim herkömmlichen Lesen. Doch die sogenannte Fixationstechnik unterstützt die Augen dabei, indem sie Haltepunkte vorgibt. Dabei wird der Text anhand von Strichen längs unterteilt: Die Augen machen dann automatisch vor und hinter diesen Strichen eine kleine Pause. Ziel ist es, bei jedem Augenhalt den Text zwischen den beiden jeweiligen Strichen besser aufzunehmen und zu erfassen. Möchte man nicht direkt in den Text malen, kann man eine durchsichtige Folie mit Strichen auf das Schriftbild legen.

Das Slalomlesen baut auf der Fixationstechnik auf – die Punkte verstärken die Aufmerksamkeit auf den Augenhalt.

Die beidseitige Lesehilfe hingegen ist ideal für das Lesen unterwegs. "Sie hilft einem, sich zu konzentrieren, auch wenn um einen herum gesprochen wird", sagt Peirick. Ein Daumen und in der anderen Hand ein Stift bewegen sich während des Lesens am Textrand hinunter, die Augen können sich an diesen Stützen festhalten.

Um einen Text systematisch, aber auch zügig nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen – ohne dabei Textinhalte aufzunehmen –, eignet sich die Spiraltechnik. Die kreisende Bewegung der Augen verhindert, dass man sich an interessanten Stellen festliest. Alle Techniken müssen regelmäßig geübt werden, damit sie funktionieren, sagt Peirick.

Kommentare

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Die Gefahr, durch mehr Effizienz mehr aufgehalst zu bekommen, ist tatsächlich nicht zu leugnen. Allerdings bestünde die Alternative darin, weiterhin an der Informationsflut zu scheitern. Um einen guten Kompromiss zu erreichen, ist ein wichtiger Part beim Erlernen "Rationeller Lesetechniken" daher auch die effektive Selektion von Informationen (und damit das Nichtlesen vieler Texte) .

Das Zitat verwende ich selbst gerne in Seminaren, denn es zeigt von einem absolut falschen Verhältnis von Effizienz (= optimierter Zeitfaktor) und Effektivität (= Wirksamkeit, hier im Sinne von "was habe ich tatsächlich verstanden und behalten"). Durch das Erlernen verschiedener Techniken gewinnt der Leser eine Bandbreite unterschiedlicher Möglichkeiten, um mal mehr auf das Verständnis und mal mehr auf das Tempo Wert zu legen - je nach der Leseabsicht, die er zuvor festgelegt hat.

diese lesetechnken sind für das recherchieren in wissenschaftlichen texten gedacht, oder? ist es heute wirklich noch üblich das mit auf papier gedruckten werken zu machen statt mit e-books? bibiotheken haben inzwischen gute online - datenbanken, es gibt suchmaschinen speziell für fachliteratur (z.b. google scholar), also wozu soll ich mich hinsetzen und mit der spiraltechnik alle seiten eines buchs nach bestimmten fachbegriffen absuchen?

Rationelle Lesetechniken sind nicht für für das Recherchieren in wissenschaftlichen Texten geeignet, sondern immer dann, wenn es um die Aufnahme von Informationen geht. Damit ist auch klar, dass ein nicht unerheblicher Teil der zu lesenden Texte immer noch auf Papier eintrifft.

Und selbst wenn die Texte online verfügbar sind, benötigt der Leser immer noch Aspekte wie eine klar formulierte Leseabsicht vor Beginn des Textstudiums (nur dann gibt er die richtigen Suchbegriffe ein) und Tipps für eine bessere Bearbeitung der E-Mails und auf sonstigen Kanälen eingehenden Informationen.

Und schließlich lassen sich die Rationellen Lesetechniken auch beim (nach erfolgter Selektion als zu lesenden) Online-Textpassagen einsetzen. Das Einsatzfeld ist also nicht kleiner, sondern durch die schier unendliche Menge an Online-Informationen vielmehr viel größer geworden.

Sie haben vollkommen Recht mit der Auffassung, dass die Rationellen Lesetechniken zum effektiveren und effizienteren Aufnehmen von Informationen dienen. Immer dann, wenn es um das Lesen in Muße / zur Unterhaltung geht, verbietet sich aus meiner Sicht der Einsatz - es sei denn, man möchte zum Ende des Kriminalromans schnell wissen, wer denn der Mörder war ;-)).