© Silvio Knezevic

Wochenmarkt Ein Hackbällchen für den Frieden

Von
ZEITmagazin Nr. 22/2015

Überall auf der Welt sind die Menschen früher oder später auf die Idee gekommen, Hackbällchen zu essen. In Japan heißen Hackbällchen tsukune, im Nahen Osten kufta, in Südafrika bobotie. Überall werden sie innig geliebt. Die Gemeinsamkeiten der Kulturen sind vielleicht größer als die Unterschiede, das ist die Friedensbotschaft des Hackbällchens. Im Kochbuch, das ich von meiner Großmutter geerbt habe – es stammt von 1912, denn sie hat es von ihrer Mutter geerbt –, heißen Hackbällchen Fleischküchlein. Das über 100 Jahre alte Rezept geht so: Rinde des Brötchens abreiben, das Innere in Stücke reißen, beides mit Wasser knapp bedecken, kurz einweichen lassen. Zwiebel und Petersilie in einer Pfanne mit der Brötchenmasse sanft erhitzen, sodass die Flüssigkeit verdampft. Mit Hackfleisch, Ei, Muskat, Salz und Pfeffer verkneten. Flache Küchlein formen, in Semmelbröseln wälzen. Öl und Butter in einer Pfanne erhitzen, die Küchlein darin braten.

Für ca. 12 Fleischküchlein

Zutaten – 1 Brötchen, 1 Zwiebel (fein gehackt), 1 EL gehackte Petersilie, 500 g Hackfleisch, 1 Ei, Muskat, Salz, Pfeffer, Semmelbrösel, Olivenöl, Butter

Kommentare

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naja, man kann die Dinger ja auch aus allen Fleischsorten machen. Ganz besonders aus den Teilen die im Ganzen gegart ggf. zäh/sehnig etc. wären, aber eigentlich sehr viel Geschmack haben. Und man kann die Dinger präzis abwürzen und füllen und verschiedene Fleischsorten mischen und andere Sachen untermengen (Mein Favorit: Lamm mit Chilifrischkäse, sabber... ;-) und und...
Wenn es um den Magen geht ist der Mensch sehr einfallsreich.
Guten Hunger!

1x pro Woche steht in meinen Hotels in Afrika ein "typisch deutsches Gericht" mit auf dem Speisenplan, welches ich - zugegebenermaßen - angepasst = verändert habe: Kartoffelsalat und Frikadellen (German Potato Salad with Meatballs, West-African Taste).

Man kann sich vorstellen, wie schwierig das dort ist. Einserseits die Zutaten zu bekommen und schnellstmöglich zu verarbeiten (u.a. Haltbarkeit wg. der schwülheißen Luft), andererseits sind die Geschmäcker halt sehr verschieden.

Deshalb habe ich die Gerichte angepasst: Beides ist erheblich schärfer als in Deutschland aufgrund der Zugabe von "Hot Pepper" (Scharfer gemahlener Chili) und scharfem Senf, verfeinert sind die Frikadellen zudem zusätzlich mit Basilikum, Knoblauch und Ingwer.

Ich hatte damit ein wenig experimentiert, bis ich die richtige Mischung zusammen hatte. Inzwischen esse ich es so sogar lieber als die urdeutsche Form oder alle anderen mir bekannten. Und die Zubereitung ist bis heute "Chefsache"...

Es stimmt schon. Hackbällchen gehören zu den universalsten Gerichten überhaupt. Und selbst da, wo es kaum Fleisch gibt, weil um die Insel so viel Wasser herum ist, gibt es dann halt Fischbällchen. Kaum ein anderes Gericht lässt sich ja auch so wunderbar vielseitig würzen... Rezepte aus über 50 Ländern: http://goccus.com/magazin...
Es ist sehr interessant zu sehen, wie sich die kulinarischen Besonderheiten der jeweiligen Länder in der Bällchenmasse spiegeln.