Die Wundertüte Kaputtes Geschirr kleben

© Alex Walker
Von
ZEITmagazin Nr. 23/2015

In Japan sind zerbrochene Lieblingstassen schnell verschmerzt, denn dank Kintsugi, einer traditionellen Reparaturmethode für Keramik, gewinnt das kaputte Stück zusätzlich an Wert. Dabei werden die Bruchstücke mit einem speziellen Lack zusammengefügt, in den feinstes Goldpulver eingestreut wird. Megan Pflug, Designerin aus Brooklyn, hat ein japanisches Fertig-Kit für Kintsugi ausprobiert – und dabei allergisch auf den Lack reagiert: Das traditionelle Rezept enthält ein Baumharz, das ähnlich giftig ist wie Efeu. Inzwischen hat die Profibastlerin Pflug eine verträglichere Variante der goldenen Klebmasse entwickelt. Auf ihrer Website meganpflugdesigns zeigt sie in einem Video, wie das funktioniert: Anstelle von Baumharz verwendet sie Epoxidharzkleber und verrührt ihn mithilfe eines Zündhölzchens mit Goldpulver auf einem alten Brett zu einer goldenen Masse. Das Mischverhältnis: Auf etwa einen Flaschendeckel voll Kleber kommt ein haselnussgroßer Klecks Goldpulver. Die Masse wird mit dem Zündholz dünn auf die Bruchstellen aufgetragen, und die Scherben werden so lange zusammengedrückt, bis der Kleber getrocknet ist.

Mitarbeit Corinna Liebreich

Kommentare

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Ohne Gold, mit Expo-Harz ging das schon lange,
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aber wenn man die Kanten glatt zieht, kriecht wieder Feuchtigkeit unter die Klebung und nach gar nicht so langer Zeit hat an Tee & Kafferänder un dann wieder den Knaxs.
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Für die Vitriene baruchbar, aber sonnst?
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Wirklich wertvolles Porzelan wird vom Fachmann wieder eingeschlämmt und gebrannt und die Glasur erneuert. Wie das genau geht ???
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Habe ich aber bei alten Familienerbstücken schon mal machenl lassen.
Teuer, aber wenigstes optische kaum zu sehen und von der Funktion lange haltbar.
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Gruss
Sikasuu
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Ps. Expo Harz schmeckt scheusslich und das auf lange Zeit. Für nen Henkel geht das vieleicht??? Für einen Becher oder Tasse:-((

Sie glauben: "Wirklich wertvolles Porzelan wird vom Fachmann wieder eingeschlämmt und gebrannt und die Glasur erneuert. Wie das genau geht ???"

Öhm, gar nicht...;-)
Porzellan wird bei über 1200°C gebrannt. Keine Keramik, die über 675°C gebrannt wurde, kann wieder eingeschlämmt werden, chemisch unmöglich.

Der Fachmann organisiert entweder Ersatzporzellan (was ich bei Ihrem vermute) oder er klebt und retouchiert ggbfs. die Sichtbarkeit der Bruchstellen <-Vitrinenversion.
Epoxydharz-Kleber (mit oder ohne Goldpuder) hat für die Klebung glatter Brüche viel zuviel Volumen. Sekundenkleber hat zwar wenig Volumen, ist aber giftig und verträgt kein Wasser <-noch mehr für die Vitrine.

Kintsugi ist eine Reparaturtechnik mit Urushi-Lack (Efeu? giftig? Unsinn) und aufgelegtem Blattgold, beides ist ungiftig und man muß es können.
Bei Kintsugi geht es um die Hervorhebung des Makels, das ist eine Gestaltungsphilosophie, kein Do-it-yourself-Konzept.

Im Zweifel: wenn's runterfällt, ist der Topf kaputt (nährt den Töpfer).

Zugegeben, ich habe keine Ahnung von Kintsugi, aber für mich tönt die von Megan Pflug entwickelte Variante wie eine Hauruckmethode, welche die Philosophie, die hinter Kintsugi steckt, ausblendet. Es geht ja nicht darum, einen Flick einfach originell zu machen, sondern um die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit.

Wie man auf den Leim allergisch reagieren kann, ist mir ein Rätsel. Es gibt Handschuhe, Pinsel und Stäbchen, so dass man gar nicht direkt mit dem Leim in Kontakt kommt.

Statt hier Werbung für die Flickerhei von Megan Pflug zu lesen, wäre ein Artikel über Kintsugi viel interessanter gewesen.