Fußball Kurzer Einwurf

Die Bundesliga ist noch in der Sommerpause. Auf großen Fußball müssen Sie aber nicht verzichten: Wir zeigen elf Momente, die für immer in Erinnerung bleiben werden. Von
ZEITmagazin Nr. 29/2015

Vor einem Jahr wurde die deutsche Fußballnationalmannschaft im Finale von Rio de Janeiro gegen Argentinien Weltmeister. Es ist vor allem ein Bild, das von diesem Spiel geblieben ist: nicht das Tor von Mario Götze. Sondern Bastian Schweinsteiger, wie er sich blutend über den Platz schleppt. Als der Schlusspfiff ertönte, waren die Kameras nicht zufällig auf ihn gerichtet: Er saß am Boden, gerade dabei, noch einmal aufzustehen, weiterzumachen. Ein Schmerzensmann.

Für uns Fußballfans sind Jahre mit gerader Jahreszahl die schönsten. Weil dann der Fußball im Sommer keine Pause macht, weil dann EM oder WM ist und solche Turniere Bilder produzieren, die wir nie mehr vergessen. In Jahren mit ungeraden Zahlen dagegen sind die Sommer lang und fad, und die Sehnsucht nach dem Beginn der Bundesliga ist groß. So wie in diesem Sommer. Gut, es gab die Fußball-WM der Frauen, aber leider wurden viele Spiele, vor allem die entscheidenden, wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht gezeigt. Es gab die Copa América, für die das Gleiche gilt. Wir Fans sind also schon fast zwei Monate auf Entzug.

Vielleicht können die Bilder des Illustrators Osvaldo Casanova die Nebenwirkungen lindern: Der 41-jährige Italiener malt Szenen des Fußballs, sich uns eingeprägt haben, schöne, hässliche, umstrittene und bewunderte. Szenen, die zum kollektiven Fußballgedächtnis gehören, weil sie das ganze Drama in einem Bild zeigen. Denn hinter dem, was er malt, verbirgt sich immer eine Geschichte: Diego Maradonas Tor mit der "Hand Gottes" steht für Genialität und Hybris des besten Fußballers aller Zeiten. Roger Milla erfand mit 38 Jahren, als seinem kamerunischen Team 1990 in Italien die Herzen zuflogen, den Tanz an der Eckfahne. Zicos zerrissenes Trikot steht für Brasiliens wohl beste Fußballergeneration, die nie einen Titel gewann. Und Zidanes Kopfstoß war mehr als nur ein Foul: Es war der irritierende und tragische Schlusspunkt einer großen Karriere.

Falls Sie übrigens beim Anblick der Illustrationen Lücken in dem Bildarchiv in Ihrem Kopf festgestellt haben: Macht nichts. Besorgen Sie sich einfach einschlägige Literatur und dazu Videos. Die Zeit bis zum ersten Spiel der Bundesliga ist noch lang.

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Frau Kemper macht nun auch noch in Fussball? Donnerwetter!
Soweit ich das mitbekommen habe, ist jene gerne ironisch unterwegs (was ich durchaus schätze) - aber bei diesem heiligen Thema verstehe ich keinen Spaß!
Nun las ich, dass die Autorin wohl tatsächlich mit der Kugel und dem Spiel darum etwas anfangen kann. So verbleibt für mich nur die Frage: Warum haben die alle so einen kleinen Kopf?

Kennen Sie den selbstkritischen Ausspruch von Zettel-Ewald Lienen: "Manchmal denk ich, was da auf meinem Hals sitzt, ist nur ein riesiger Fußball"? Diese Selbstanklage wollte der Zeichner widerlegen - und sei es nur mit einem Knülleskopp. Das ist immer noch besser als "Wenn der Kopf nicht da ist, sondern nur eine Hülle, dann ist es egal, ob du mit einer Viererkette spielst oder einer Schneekette" (Klaus Augenthaler, niederbayerischer Strafraum-Kettensägenterrorist). Und noch eine weise Erkenntnis (ausgerechnet von einem Golfer - wenn es doch wenigstens ein Schachspieler gewesen wäre!): "Bernhard Langer hat mal gesagt, Leistungssport spielt sich zwischen den Ohren ab, Da war teilweise Brachland, das neu bepflanzt werden mußte" (Rainer Bonhof, Kenner niederrheinischer Kohlwüsten). Eben - jeder Zwerg hat mal klein angefangen ...

Was für einen Sinn macht es, Szenen, deren Fotos wir alle noch im Kopf haben, zu zeichnen?

Doch nur den, neue Perspektiven aufzuzeigen, die über die Originalfotos hinausgehen.

Kann ich hier aber nicht im Ansatz erkennen. Das ist Langeweile pur.

Und dass irgendein echter Fußballfan diese Szenen noch einmal in einschlägiger Literatur oder Videos nachsehen muss, kann ich mir nicht vorstellen. Ok, vielleicht die Event-Fans, die seit 2006 in Massen dazugestoeßen sind.