Harald Martenstein Über gefährliche Witze

Von
© Fengel
ZEITmagazin Nr. 29/2015

In England und den USA gibt es die schöne Tradition, Reden mit Scherzen zu würzen. Die Scherze dürfen ruhig frech und ein wenig anzüglich sein. Als der Nobelpreisträger Sir Tim Hunt in Südkorea vor jungen Wissenschaftlerinnen gesprochen hat, begann er so: "Es ist seltsam, dass ein chauvinistisches Monster wie ich gefragt wurde, vor Wissenschaftlerinnen zu sprechen. Lassen Sie mich von meinen Problemen mit Frauen erzählen. Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Männer und Frauen einrichten? Spaß beiseite, ich bin beeindruckt von der wirtschaftlichen Entwicklung Koreas. Und Wissenschaftlerinnen spielten dabei zweifellos eine wichtige Rolle. Wissenschaft braucht Frauen, und Sie sollten Wissenschaft betreiben trotz all der Hindernisse und trotz solcher Monster wie mir."

Daraufhin brach ein Shitstorm los, wegen Sexismus. Hunt wurde gezwungen, als Professor zurückzutreten, auch aus der Royal Society wurde er ausgestoßen. Es hat ihm nichts genützt, dass er sich entschuldigt hat. Als der Londoner Bürgermeister Boris Johnson sich vor ihn stellte und den "unerbittlichen Moloch politische Korrektheit" anprangerte, wurde auch Johnson sofort bedroht. Eine Abgeordnete sagte: "Johnson macht sich schuldig im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes." Hunt arbeitete übrigens in der Zellforschung, seine Forschungsergebnisse retten vielleicht Tausenden von krebskranken Frauen das Leben. Jetzt ist er erledigt, Berufsverbot, und kann niemanden mehr retten.

Mich wundert, dass keiner die Parallelen zwischen diesem Fall und den Anschlägen auf Charlie Hebdo gesehen hat. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man Leute erschießt oder ob man sie nur beruflich vernichtet. Aber in beiden Fällen geht es darum, dass Menschen es nicht ertragen, wenn über etwas Scherze gemacht wird, das sie für unantastbar halten. Und in beiden Fällen wird mit äußerster Unbarmherzigkeit vorgegangen, um ein Klima der Angst zu schaffen. Und die Akteure sind nicht "der" Islam oder "der" Feminismus, sondern radikale Gruppen.

Nein, noch deutlicher ist vielleicht die Parallele zum Amerika der McCarthy-Ära, als auf alles Linke eine Hexenjagd veranstaltet wurde und als jeder zum Kommunisten gestempelt wurde, der sich mit einem Buch von Bert Brecht erwischen ließ. Warum gibt es gegen eine so offensichtliche Ungerechtigkeit wie im Fall Hunt in den Medien keinen sogenannten Aufschrei? Der Fall berührt ja den Kern unseres Berufes, die Freiheit des Wortes. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man den Scherz von Hunt für dumm oder misslungen hält. Man kann nicht sagen, in Zukunft sind nur noch gute Witze erlaubt, schlechte sind verboten. Wenn falsche Meinungen oder falsche Witze in Zukunft den sofortigen Jobverlust zur Folge haben, dann gibt es für freie Medien keine Basis mehr.

In der ZEIT wird über die Glaubwürdigkeitskrise der Medien diskutiert. Ich glaube, diese Krise hängt auch mit solchen Fällen zusammen. Wenn wieder mal ein Shitstorm tobt, dann heulen zu viele von uns mit den Wölfen, statt den Bedrängten beizustehen, unabhängig davon, ob man ihre Ansicht teilt oder nicht. Wir verteidigen unsere Werte nicht, wir haben die Hosen voll, aber ich vermute, dass die meisten unserer Leserinnen und Leser etwas mehr Mut von uns erwarten. Der Forscher Hunt, dem die Menschheit manches verdankt, ist erledigt. Wer ist der oder die Nächste?

Harald Martenstein ist Redakteur des Tagesspiegels.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

128 Kommentare

Liebe Qualia,

sorry für die späte Antwort (ich musste mich erst um die notleidende Menschheit kümmern). Für Sie zum Mitmeisseln: Nichts von dem, was Sie mir unterstellen, habe ich irgendwann behauptet (lesen hilft;-). Und schon gar nicht mit Schaum vor dem Mund und Schnappatmung ( "mordende Frauenmonster" "...böse feministische Hexen einen armen Mann berauben und in den Hungerturm werfen...") Allerdings weisen die Fakten (auf die wir beide ja viel Wert legen) Frau St. Louis, in mehrfacher Hinsicht als eine Lügnerin aus (ein Ruf-Mord ist's allemal).

Gruss

The Moose

Ach, und übrigens: Ihr abgedroschenes feministisches Klischee vom zornigen Altherren-whatsoever weist sie nur als sexistisch und altersdiskriminierend aus. Wenn schon beleidigend, dann bitte originell, Sapere aude;-)

Die Indolenz mancher Kommentatoren gegenüber dem weiteren persönlichen und akademischen Schicksal eines verdienten alten Zellforschers mit wissenschaftlichen Meriten (und einem Hang zu Monty-Python-Scherzen bei Tischreden) verschlägt einem den Atem. Weitere Kostprobe gefällig? Die Società Italiana di Anatomia e Istologia hat den zuvor zu einem Vortrag eingeladenen Sir Tim Hunt von Kongress Mitte September in Ferrara wieder ausgeladen - man wolle nicht (so die Repubblica für Bologna vom 25.7.) "bellicose femministe di tutto il mondo pronte a irrompere in Università". Aktivismus gegen tatsächlichen (oder vermeintlichen) Verbal-Sexismus ist eine Sache - die unerträgliche universitäre Diarrhoe (incl. Sprechverbote für Inkriminierte) eine andere ...

Ähm, liebe Qualia, haben Sie auch Argumente? Oder wollen Sie nur "Hass versprühen"?

Gruss
The Moose

PS: Auschauungsmaterial zu zwei der üblichen argumentfreien, feministischen Immunisierungsstrategien, dem (männlichen) Disputanten
1) "hate speech"
2) Weinerlichkeit
vorzuwerfen. Gähn

Ich poste das nochmal doppelt, was ich unten schrieb. Ich weiß nicht, wie oft man das noch wiederholen muss. Auf Argumente wird ja von den beleidigten Altherrenrechtlern nicht eingegangen, sondern weiterhin die Lüge einer angeblich zerstörten Existenz durch mordende Frauenmonster weitererzählt. Bleiben Sie bei den Fakten, auf dem Boden und wenden Sie Ihre Energie lieber für wirklich notleidende Menschen auf.

Für Sie zum Mitschreiben: Der Mann hat eine mehr als unglückliche Aussage getätigt, die als verletzend wahrgenommen wurde. Daraufhin ist er aufgrund massiver Kritik zurückgetreten, er wurde nicht gefeuert. Er verliert nur einen Ehrenposten, keinen hauptbezahlten Job, er verliert keine Einkünfte , ihm nimmt niemand seine wissenschaftlichen Erfolge.

Und wenn sich jetzt hunderttausende Kommentare erboster Männer so darüber aufregen, als ob böse feministische Hexen einen armen Mann berauben und in den Hungerturm werfen, ist das hochgradig übertrieben und lächerlich.

Ihr seid doch nur beleidigt, dass man mit herabsetzenden Altherrenscherzchen über Frauen keine Blumentöpfe mehr gewinnen kann.

Und ich frage mich, wann der Feminismus sich mal wieder um die wirklich wichtigen Dinge kümmert. Es ist ja nicht so, als gäbe es nicht genügend Baustellen. Körperliche Gewalt gegen Frauen, Frauenverachtung in der Jugendkultur, Zwangsverheiratungen, aufgezwungene Verhaltensmaßregeln inklusive Kleiderordnung - all das geschieht wieder unter uns, mitten in Deutschland, mitten in unserer Gesellschaft. All das aber scheint den "modernen" Feminismus nicht die Bohne zu interessieren. Stattdessen arbeitet man sich an diesem ominösen Feindbild "alte, weiße, heterosexuelle, waschlappige, wehrlose Männer" ab. Und dann wundert man sich, daß der gesellschaftliche Rückhalt für den Feminismus schwindet?

Hallo?
Warum wurde dieser Beitrag eigentlich nach kurzer Zeit entfernt und durch einen alten ersetzt?

Kann es sein, dass er zu kritisch war? Ich zitiere:

In der ZEIT wird über die Glaubwürdigkeitskrise der Medien diskutiert. Ich glaube, diese Krise hängt auch mit solchen Fällen zusammen. Wenn wieder mal ein Shitstorm tobt, dann heulen zu viele von uns mit den Wölfen, statt den Bedrängten beizustehen, unabhängig davon, ob man ihre Ansicht teilt oder nicht. Wir verteidigen unsere Werte nicht, wir haben die Hosen voll, aber ich vermute, dass die meisten unserer Leserinnen und Leser etwas mehr Mut von uns erwarten. Der Forscher Hunt, dem die Menschheit manches verdankt, ist erledigt. Wer ist der oder die Nächste?

Hat bei der Zeit da mal wieder jemand die Hosen voll? Wurden straff linke Gemüter verletzt? Wird da gerade wieder ausgemerzt, was stört - in guter PC-Tradition?
Bitte um Aufklärung!

Es schreien die “Guten”:
Dafür muss er bluten!
Und in der Medien-Zeit
steht so mancher bereit,
lautstark bei der Jagd
ins gleiche Horn mit zu tuten.

Doch - kurze Zeit später:
Der jetzt blutende “Täter”,
stellt sich - oh Graus -
als unschuldig raus.
Und die “Guten” sind eindeutige
Wahrheits-Verräter!

Bloß - wo sind sie jetzt alle,
die Schnell-Schuss-Hornisten?
Die Blogger, die Kommentatoren
und - viel zu viele - Journalisten.

Jetzt, zur Wiedergutmachung,
gibt’s kaum einen, der was sagt.
Viel wichtiger ist allen schon
die nächste Jagd.

© CC-BY-ND, Bernd Gast, 2015

Sie haben immer noch nichts verstanden - ob die nochmalige Lektüre des Artikels Ihnen helfen würde, ist nicht sicher. Richtig ist, daß eine scherzhafte Aussage eines alten Wissenschafts-Dinos, der vor allem sich selbst bei einer Tischrede auf die Schippe genommen hat, vorsätzlich anders verstanden wurde, als beabsichtigt. Das ist zwar unfair, aber das gute Recht der KritikerInnen - auch daß sie das ins gut vernetzte Twitter-System gepustet haben. Schlimm wird die Geschichte erst dadurch, daß (männliche!) Präsidenten wissenschaftlicher Einrichtungen wider alle Regeln der Community und auch des Anstandes (Audiatur et altera pars!) reagiert haben - aus Angst vor Konflikten, und leider auch vorsätzlich inkorrekt (Es sei nicht der Twitter-Mob gewesen, der ihn zur Aberkennung der Honorarprofessur Hunts veranlaßt habe - so M. Arthur). Auch Kollegin Bishop lügt vorsätzlich in ihrem Blog (vgl. die Äußerungen von Dame Athene Donald) - und Sie übernehmen ungeprüft diese Lügen. Hexen, Hungertürme und Blumentöpfe sind nur rhetorische Girlanden Ihrerseits - es geht um die Maßlosigkeit der Folgen eines harmlosen, selbstironischen Scherzes und auch um die Böswilligkeit von Leuten, die meinen: Ja, so geht's.

Ich verstehe schon, was Sie und die anderen meinen. Nur ich beurteile den Sachverhalt eben anders. Die Dramatik der Konsequenzen hat mir noch nie jemand wirklich erläutern können, der Mann kann weiter super von seiner Rente leben und eine Honorarprofessur nicht mehr innezuhaben ist nicht mehr als ein symbolischer Akt. Es gibt genügend Ungerechtigkeiten auf der Welt, wo Menschen tatsächlich ihrer Existenzgrundlage beraubt werden, hier aber ist es eher eine symbolische Sache. Das große Drama, was hier durchgekaut wird, gibt es einfach nicht.

Ich persönlich fand Hunts Aussage nicht witzig und ziemlich deplatziert. Das wars. Die Konsequenzen die dann gekommen sind, hätte ich persönlich niemals gefordert und fand sie übertrieben, aber es kommt eben nicht immer alles wie es soll. Der Mann tut mir tatsächlich auch leid. Aber wenn die Feministinnen- und "PC"-Hasser aus aller Welt aus ihren Löchern gekrochen kommen und den Fall nutzen wollen, um undifferenziert wieder jeglichen verbalen Anstand fallen zu lassen, dann werde ich hellhörig.

Wahrscheinlich werden Sie darüber lachen - aber diese Art von herablassend beschwichtigender Argumentation ("kein großes Drama") schadet dem vollauf berechtigten Anliegen von wirklicher Gleichberechtigung (und zwar möglichst bald) mehr, als Sie sich offenbar klarmachen. Sie wollen dem Alten, der sein Leben der Zellforschung gewidmet hat, vorschreiben, wie er zu leben hat - einem wirklich engagierten Forscher können Sie nichts Gemeineres antun, als ihn seiner letzten Spielwiesen zu berauben (und darüber hat es im UCL und in der wissenschaftspolitischen Öffentlichkeit auf der Insel auch Tumult gegeben), nur weil er eine "deplacierte Äußerung" getan haben soll. Das ist schon ein Fall von Altersdiskriminierung und Meinungsterror, nicht wahr?

Für ihn persönlich ist es natürlich unangenehm gewesen. Aber wie gesagt, niemand nimmt ihm seine Forschungsergebnisse weg oder hindert ihm am weiteren Forschen. Die "Strafe" war eben eine symbolische.

Man kann das natürlich als übertrieben kritisieren, aber kaum einer der Kritiker macht sich die Mühe, auch mal die andere Seite zu sehen. Niemand hat Hunt gezwungen, solche Witzchen zu machen, die Wissenschaftlerinnen als emotional labile Labordummchen hinstellen. Ein solcher Mann sollte sich seiner Wirkung und Vorbildfunktion auch bewusst sein. Sehen Sie, ich habe selbst lange genug in der Wissenschaft gearbeitet und die war ab einer bestimmten Fallhöhe eben männerdominiert. Soweit so gut, aber es ist eben nicht nur einmal vorgekommen, dass man eher nach seinem Äußeren beurteilt wurde als nach Leistung. Und da verstehe ich jede Wissenschaftlerin, deren Ärger durch Hunts Äußerung noch Auftrieb bekommen hat.

Verehrte Kollegin, die "Strafe" (warum eigentlich?) war eben keine "symbolische", sondern hat konkrete Folgen, die jetzt nur von interessierter Seite (UCL-Spitze, Royal Society - und nicht vergessen, City University, Fressfeindin des UCL) verschleiert werden. Übrigens, die andere Seite, die Sie zurecht ansprechen, habe ich seit mehr als vier Jahrzehnten offensiv vertreten, beruflich und privat. Umso mehr schmerzt mich, wie eine solche heraufbeschworene Kabale zu solchen Rückschlägen (nicht nur menschlich für Sir Tim) in der Sache führt.

Liebe Qualia,

mit Ihrer Ignoranz haben Sie es geschafft, dass ich mir ein Benutzerkonto zugelegt habe, einzig und allein um auf ihre schmalspurige Bewertung des Sachverhaltes reagieren zu können. Glückwunsch dazu erstmal!
In der Sache: Es gibt mittlerweile eine Reihe von Fällen, wo selbsternannte Kämpfer für soziale Gerechtigkeit (Social Justice Warriors - SJW) und Feminist*Innen mit ähnlichen Anschuldigungen und Lügen Männer um Ihren Arbeitsplatz gebracht haben. Eines der Prominentesten Beispiele war eine "Journalist*in", die auf einer Entwicklerkonferenz einen Tweet darüber gesendet hat, dass sich zwei männliche Teilnehm*er in der Reihe hinter ihr über "big dongles" lustig gemacht habe. Zum Verständnis, "dongle" ist eine spezieller USB-Stick. Das Wort klingt aber auch wie "dong", ein umgangssprachlicher Ausdruck für das männliche Geschlechtsteil. So wie Sie, liebe Qualia, emfpand auch diese seriöse Journalistin diese Bemerkungen verletztend und unangebracht (so ein schönes Wort). Da sie auch ein Foto der beiden mitgetweetet hat, konnten diese beiden Herr*en schnell identifiziert werden, worauf beide ihre hauptberuflichen Jobs verloren. Nachdem die Sache aufgeklärt werden konnte, wurde anschließend die Klägerin gefeuert. Meines Wissens haben die beiden Opfer ihre Stellen aber nicht zurück bekommen.
Und das ist nur ein glimpflicher Fall von vielen, bei denen die Männer keine Gerechtigkeit erfahren haben. Ihre Unterstellungen muten daher äußerst naiv und beschränkt an.

Zitat: „Nein, noch deutlicher ist vielleicht die Parallele zum Amerika der McCarthy-Ära, als auf alles Linke eine Hexenjagd veranstaltet wurde und als jeder zum Kommunisten gestempelt wurde, der sich mit einem Buch von Bert Brecht erwischen ließ.“

Dieser Vergleich ist interessant. Wenn man diese Analogie weiterverfolgt, könnte man das Vorgehen von Connie St Louis, die auf Hunts Äußerungen per Twitter aufmerksam gemacht hat, und Deborah Blum, die St. Louis' Aussage stützte, mit dem Vorgehen McCarthys vergleichen. Denn neben diesem Artikel Martensteins es gibt weitere kritische Beiträge zu diesem Vorfall (vgl. https://blogs.faz.net/deu...).

Allerdings muss man bei diesem Vergleich auch berücksichtigen, dass deswegen die Idee der Politischen Korrektheit nicht in Gnänze verurteilt werden sollte, nur weil sie von einigen wenigen mutmaßlich missbraucht wird. Ebenso wie während der McCarthy-Ära die Kritik an der Politik der kommunistischen Partei in der SU ihre Berechtigung hatte.

Danke für den Artikel!
Es sagt ja schon kaum jemand mehr öffentlich etwas Gewagtes oder Provokantes oder auch nur Geistreiches.
Ich hatte hier neulich übrigens geschrieben, dass soziale Netzwerke die modernen Orte der Hexenverfolgung sind. Selbst dieser aus meiner Sicht völlig harmlose Kommentar wurde von einem Zeit-Studie gelöscht.

Dieser Artikel hätte vielleicht ein wichtiges Thema ansprechen können, aber leider ist er mit Ungenauigkeiten, Übertreibungen und kompletten Unwahrheiten nur so gespickt. Das kann nur dazu beitragen die Fehlinformationen noch weiter zu verbreiten. Toll gemacht!

1. Hunt ist nicht "erledigt" und hat sicherlich kein "Berufsverbot". Er ist weiterhin als Forscher tätig.

2. Er wurde nicht aus der Royal Society "ausgestoßen". Er ist von sich aus von einem Kommittee zurückgetreten. Er von niemanden dazu gezwungen. Der Präsident der Royal Society selbst sagte er wollte das nicht.

3. Er ist auch nicht als Professor zurückgetreten. Soweit mir bekannt ist war er nie Professor (d.h. er war nicht habilitiert). Er hatte eine Ehrenprofessur ohne besondere Pflichten oder Lehrauftrag. In wie fern er dazu "gezwungen" wurde diese Ehren niederzulegen ist immernoch unklar. Allem Anschein nach hat er die Entscheidung getroffen zurückzutreten ohne vorher direkt Stellvertretern der Universität zu sprechen.

4. Seine "Entschuldigung" direkt nach dem Vorfall war leider auch eher mäßig. Darin betonte er nochmals wie die Frauen einem das Leben im Labor doch schwer machen. Das alles hätte man ihm vielleicht verzeien können, aber besonders schlau war es nicht.

5. Auch ist es kompletter Blödsinn, daß er jetzt "niemanden mehr retten" kann (siehe Punkt 1). Er ist kein Chirurg und hat nie jemanden direkt "gerettet". Seine Forschung wird der Medizin allerdings weiterhin helfen.

@FacepalmTwentyFifteen
„Dieser Artikel hätte vielleicht ein wichtiges Thema ansprechen können, aber leider ist er mit Ungenauigkeiten, Übertreibungen und kompletten Unwahrheiten nur so gespickt. Das kann nur dazu beitragen die Fehlinformationen noch weiter zu verbreiten.“

Angenommen, der Artikel enthielte keine Fehlinformationen, welches wichtige Thema hätte er dann ansprechen können?

Noch ein Fall von "witch-Hunt" - man werfe dem Gegner "Fehlinformationen" vor und trage selbst dazu bei, Un- bzw. Halbwahrheiten ad personam zu verbreiten. (Wenn Sie wenigstens dazugeschrieben hätten, woher Sie Ihre halbgaren Weisheiten beziehen ... nämlich aus der Erklärung des UCL-Präsidenten und dem von ihm ausdrücklich lobend erwähnten Blog der Oxforder Neurophysiologin Dorothy Bishop).
1. Hunt hat sich selbst als "erledigt" bezeichnet, es ging ihm um seine zerstörte Reputation. Seinen Arbeitsplatz samt Honorarprofessur am UCL hat er binnen 24 Stunden verloren - eine Katastrophe für einen enthusiastischenZellforscher, dem sein Wissensdrang über alles ging. The Francis Crick Institute ist dagegen der Dachverband von 6 Krebsforschungszentren, darunter auch UCL, und im Umbau befindlich.
2. Der Chef der Royal Society, Sir Paul Nurse (ebf. 2001 Nobelpreisträger), hat sehr kurzfristig scharfe öffentliche Kritik an Hunt geübt, worauf dieser seinen Platz im Fachkomitee anbot - kein Wunder, nachdem Kollegin Bishop (ebenfalls Royal Soc.) verlangt hatte "to ban Sir Tim from any committtees that makes decisions about fellowships, appointments, promotions and policy". Das ist Rauswurf auf Raten. Nurse hat später das Ausscheiden Hunts bedauert.

Ergänzung: Dieser Vorgang ist nur richtig einzuordnen, wenn man die (berechtigten) wissenschaftspolitischen Querelen um den strukturverkrusteten Altherren-Club Royal Society berücksichtigt (S. Blogs Bishop und Dame Athene Donald). Nurse steht unter Beschuss - der Fall Hunt kam gerade recht zur eigenen Entlastung.
3. Hunt war nach 2001 (Nobelpreis) und 2006 (Nobilitierung) zum Honorarprofessor wg. seiner unbestrittenen Verdienste in der Forschung ernannt worden. Also ist er "Professor" - das deutsche Habilitierungssystem auf englische Professuren anzuwenden, ist abwegig; im übrigen gibt es auch hierzulande hochverdiente nicht-habilitierte Professoren.
Die Punkte 4 und 5 sind schlicht indiskutabel. Aber dennoch eine Nachbemerkung: Ist Ihnen denn nicht klar, wie sehr Sie mit solchen Zeilen zur persönlichen Abwertung des Sir Tim beitragen?! (Vom hämisch-widerlichen Pamphlet Ariane Bemmers, "Tagesspiegel", über wissenschaftliche Dinosaurier ganz zu schweigen. Sie hat so nebenbei eine herausragende Vertreterin von "Women in Science", nämlich Hunts Ehefrau Prof Mary Collins UCL, diffamiert. Dazu noch ein Kommentar, lieber Kolumnist?).

Die Informationen, die ich hier erwähne, sind alle weit zugänglich. Hunt hatte keinen "Arbeitsplatz" am UCL und der einzige Beweis dafür, dass er seine Honorarprofessur "verloren" hätte, ist, dass seiner Frau angeblich gesagt wurde er müsse entweder zurücktreten oder das Amt würde ihm entzogen. Was genau wirklich dort vorgefallen ist, wissen nur die innersten Kreise vom UCL. Bei der Royal Society ist es noch unklarer in wiefern jemand dort Druck ausgeübt hat. Nur beim ERC wurde er offiziell aus einem Kommittee entlassen. Das Verhalten von Paul Nurse war in der Tat ziemlich konfus. Ein typischer Politiker.

Er war sicherlich unter Druck, egal ob er es sich eingebildet hat oder nicht. Das ist bedauerlich. Aber es stimmt auf jeden Fall nicht, dass er "Berufsverbot" hat oder keine Wissenschaft mehr betreiben kann was sonst noch an Schwachsinn in diesem Artikel geschrieben wurde. In der Tat hat diese ganze Geschichte dazu beigetragen, dass er sehr im Licht der Öffentlichkeit steht und viele Leute, die vorher noch nie von ihm gehört hatten, jetzt nicht nur von seiner Forschung wissen sondern auch davon, daß er sich während seiner gesamten Arbeitszeit für Frauen (und Männer) in der Wissenschaft eingesetzt hat.

Und das Crick Institut ist schon sehr aktiv, ob sie es glauben wollen oder nicht.

Zum Thema Habitation: es stimmt natürlich, daß es das nicht in England gibt. Aber Hunt hatte auch keine Professur im britischen Stil. Er war in erster Linie Forscher und wollte nichts so viel mit dem ganzen Amtskram anfangen. Und noch einmal, das Amt am UCL war ein Ehrenamt, ohne Lehrauftrag, ohne Arbeitstelle, ohne Gehalt und ohne irgendwelche andere Pflichten.

Zum Thema Habitation: es stimmt natürlich, daß es das nicht in England gibt. Aber Hunt hatte auch keine Professur im britischen Stil. Er war in erster Linie Forscher und wollte nichts so viel mit dem ganzen Amtskram anfangen. Und noch einmal, das Amt am UCL war ein Ehrenamt, ohne Lehrauftrag, ohne Arbeitstelle, ohne Gehalt und ohne irgendwelche andere Pflichten.

@Pedroleum: Es wäre meiner Meinung nach nicht falsch mal ernsthaft darüber zu diskutieren, wie man mit vermeintlichen sexistischen/rassistischen/fremdenfeindlichen oder sonst irgendwie anstößigen Kommentaren und Taten ungehen sollte. Die Reaktion auf Hunts Rede oder Matt Taylors Hemd usw. im Internet war auf jeden Fall alles andere als gut und hilft niemandem. Die Hexenjägerei, erst gegen Hunt und danach gegen seine Ankläger ist ein Paradebeispiel für Lynchjustiz. Traurig so etwas im 21. Jhd. zu sehen.

Rückfrage: Und wo genau am Crick-Institut hat Hunt seinen Arbeitsplatz (wie von Bishop behauptet)? Das ist doch eine Nebelkerze, diese behauptete "affiliation". Die Abläufe im UCL um Hunts "Rücktritt" waren skandalös (das Council hat später zugestimmt, wohl oder übel, mit reichlich Wellengang) - im übrigen kommt man da sehr gut weiter, wenn man sich die Person von Provost Michael Arthur genauer anschaut; diese Art, sofort aus der Hüfte zu schießen, hat ihm als Vizekanzler in Leeds 2009 ein gewerkschaftliches "motion of no confidence" (wg. Stellenkürzungen) eingebracht. Der Mann gilt als Senkrechtstarter in Sachen Wissenschaftsorganisation - und das heißt, der Fall Hunt bot gerade scheinbar ein geeignetes Beruhigungsopfer, welch ein Irrtum.

Und zu guter Letzt, lieber Don Quichote: Sie sollten lieber weiter Windmühlen bekämpfen, als zu versuchen Gedanken zu lesen. Meine Quellen sind nicht das Statement von Michael Arthur und Bishops Blog, sondern die selben "Quellen", die diese Leute auch haben. Es ist ja nicht so, als ob wir hier über große Geheimnisse sprechen. Hunts Ehrenamt, sein Radio-Interview, die Zeitungsartikel die für und gegen ihn argumentierten, all das ist frei erhältlich.
Ich habe hier überhaupt nur kommentiert, um auf diese eindeutigen Fehlinformationen in dieser Kolumne hinzudeuten. Herr Martenstein kann gerne dazu Stellung nehmen. Oder auch nicht. Wahrscheinlich ist es ihm egal ob er Unsinn schreibt solange es nur schön viele Leser anlockt. Genau wie auch Frau St Louis und Frau Mensch und wie sie alle heißen.

Auch diese Seite war mir bekannt: Beim "Emeritus Scientist Tim Hunt" ist (unter "Research" am Francis Crick Institute) seine wissenschaftliche Biographie in Kurzform aufgeführt. Das ist soweit ja auch in Ordnung, weil seine ursprüngliche Arbeitsstelle, die Clare Hall Laboratories, im Crick-Institut aufgegangen ist. Dort war er seit 2010 also nicht mehr. "Als Emeritus kann man trotzdem Forschung betreiben" (Ihr O-Ton) - ja, aber wo?? Wo ist sein Telefon? Eine Email-Adresse habe ich als Emeritus auch (und kann sie zu Hause aufrufen) - zur konkreten Arbeit braucht es mindestens einen Schreibtisch im Institut. Wie heißt seine Gruppe, wie sein Doktorand? Das sind doch alles Luftbuchungen ...

@FacepalmTwentyFifteen
Zitat: „Es wäre meiner Meinung nach nicht falsch mal ernsthaft darüber zu diskutieren, wie man mit vermeintlichen sexistischen/rassistischen/fremdenfeindlichen oder sonst irgendwie anstößigen Kommentaren und Taten ungehen sollte. Die Reaktion auf Hunts Rede oder Matt Taylors Hemd usw. im Internet war auf jeden Fall alles andere als gut und hilft niemandem. Die Hexenjägerei, erst gegen Hunt und danach gegen seine Ankläger ist ein Paradebeispiel für Lynchjustiz. Traurig so etwas im 21. Jhd. zu sehen.“

Es wäre in der Tat richtig, über anstößige Kommentare zu diskutieren, die eine Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit transportieren. Leider ist dieses Beispiel dafür ungeeignet. Auf Grund der widerstreitenden Fakten ist es schwer, hier überhaupt ein Urteil zu fällen.

Allerdings scheint es schon richtig zu sein, dass die Reaktion von Frau St. Louis und Frau Blum überzogen waren.

Sehr geehrter Herr Quichotte, können Sie mir vielleicht erklären wobei hier das Problem sein soll? Als Emeritus hat er wahrscheinlich dort kein Büro (obwohl das nicht sicher ist, aber so wie ich Londoner Büroverhältnisse kenne, scheint es in der Tat unwahrscheinlich). Aber das ist bei Pensionären meistens so. Daran haben auch seine Rücktritte (oder, wie es weitläufig behauptet wird, Rausschmisse) auch nichts geändert. Er hatte vorher auch kein Büro oder eine Telefonnummer, weder im UCL, noch in der Royal Society oder im ERC. In den letzten beiden saß er nur in Kommittees. Das er das nicht weitermachen kann ist vielleicht traurig, aber kein massiver Verlust für die Zellforschung. Das Ehrenamt im UCL war wie schon gesagt nicht mit irgendwelcher Lehr- oder Forschungsarbeit verbunden. Also hat sich in der Tat auch nichts an seiner Forschungsarbeit geändert. Ich kenne viele Wissenschaftler, die als Emeritus weiterforschen, ganz ohne Festnetztelefon und Büro. Das wird auch Sir Hunt schaffen.

@Pedroleum: Ja, ich stimme vollkommen zu, daß St Louis und co übertrieben reagiert haben. Ich denke allerdings auch, daß sich daran nichts weiter ändern wird. Sie werden sich nicht entschuldigen und die Beweislage ist nicht stark genug, daß sie in größere Schwierigkeiten kommen könnten.

Sehr geehrter Herr Quichotte, können Sie mir vielleicht erklären wobei hier das Problem sein soll? Als Emeritus hat er wahrscheinlich dort kein Büro (obwohl das nicht sicher ist, aber so wie ich Londoner Büroverhältnisse kenne, scheint es in der Tat unwahrscheinlich). Aber das ist bei Pensionären meistens so. Daran haben auch seine Rücktritte (oder, wie es weitläufig behauptet wird, Rausschmisse) auch nichts geändert. Er hatte vorher auch kein Büro oder eine Telefonnummer, weder im UCL, noch in der Royal Society oder im ERC. In den letzten beiden saß er nur in Kommittees. Das er das nicht weitermachen kann ist vielleicht traurig, aber kein massiver Verlust für die Zellforschung. Das Ehrenamt im UCL war wie schon gesagt nicht mit irgendwelcher Lehr- oder Forschungsarbeit verbunden. Also hat sich in der Tat auch nichts an seiner Forschungsarbeit geändert. Ich kenne viele Wissenschaftler, die als Emeritus weiterforschen, ganz ohne Festnetztelefon und Büro. Das wird auch Sir Hunt schaffen.

@Pedroleum: Ja, ich stimme vollkommen zu, daß St Louis und co übertrieben reagiert haben. Ich denke allerdings auch, daß sich daran nichts weiter ändern wird. Sie werden sich nicht entschuldigen und die Beweislage ist nicht stark genug, daß sie in größere Schwierigkeiten kommen könnten.

Sehr geehrter Herr Quichotte, können Sie mir vielleicht erklären wobei hier das Problem sein soll? Als Emeritus hat er wahrscheinlich dort kein Büro (obwohl das nicht sicher ist, aber so wie ich Londoner Büroverhältnisse kenne, scheint es in der Tat unwahrscheinlich). Aber das ist bei Pensionären meistens so. Daran haben auch seine Rücktritte (oder, wie es weitläufig behauptet wird, Rausschmisse) auch nichts geändert. Er hatte vorher auch kein Büro oder eine Telefonnummer, weder im UCL, noch in der Royal Society oder im ERC. In den letzten beiden saß er nur in Kommittees. Das er das nicht weitermachen kann ist vielleicht traurig, aber kein massiver Verlust für die Zellforschung. Das Ehrenamt im UCL war wie schon gesagt nicht mit irgendwelcher Lehr- oder Forschungsarbeit verbunden. Also hat sich in der Tat auch nichts an seiner Forschungsarbeit geändert. Ich kenne viele Wissenschaftler, die als Emeritus weiterforschen, ganz ohne Festnetztelefon und Büro. Das wird auch Sir Hunt schaffen.

@Pedroleum: Ja, ich stimme vollkommen zu, daß St Louis und co übertrieben reagiert haben. Ich denke allerdings auch, daß sich daran nichts weiter ändern wird. Sie werden sich nicht entschuldigen und die Beweislage ist nicht stark genug, daß sie in größere Schwierigkeiten kommen könnten.

Aber natürlich. Wenn ein gut versorgter Ruheständler, der mit seinen Aussprüchen daneben gegriffen hat, nach öffentlicher Kritik von einem Ehrenamt von selbst zurücktritt, soll der Kritiker genauso schlimm sein wie die Todesschützen von Paris?

Der wahre Shitstorm tobt hier im Kommentarbereich, auf deren hassversprühende Anti-PC-Mühlen Herr Martensteins larmoyanter Artikel ein dicker Wasserschwall ist.

Was ist das Schöne an einem Shitstorm?
Man kann ohne langes Nachdenken durch einen einfachen Klick seine "Empörung" äußern - schnell und effektiv.
Das ist zwar nicht immer logisch (oder moralisch), wie man bei Hunt gesehen hat, aber es beruhigt doch so sehr das "soziale" Gewissen :-). Man kann sich dann so "edel" vorkommen, weil man "etwas getan hat".
Das es eigentlich zum Kotzen ist, stellt sich dann - eben auch wie bei Hunt - erst hinterher heraus, wenn es für den Angegriffenen zu spät ist.

Ich stimme Ihrem Beitrag größtenteils zu, insbesondere dem letzten Absatz zur Glaubwürdigkeitskrise der Medien . Und gerade im Fall Hunt sehen ich die Zeit als aktive Mit- Täterin in der Verantwortung, der sie bislang nicht gerecht wurde. Soll nun Ihr Beitrag Herr Martenstein als verschwurbelte Entschuldigung und Korrektur herhalten?

Eher fließt die Themse bei Glasgow in die Nordsee. Man muß sich mal die abschließende Erklärung des Präsidenten und Provost des UCL, Michael Arthur, in Ruhe genau durchlesen und dann auf der Zunge zergehen lassen: Es ist ein Dokument von geradezu Orwell'schem Format, voll der schamlos hingebogenen "Wahrheiten". Es sind ja nicht die "Sisters of Perpetual Grievance" das eigentliche Problem, sondern die windelweiche universitäre und akademische Gremienpolitik, die auf Geld, Klienten und Zielvereinbarungen schielt und damit erst gegenüber massivem Lobby-Druck nachgiebig erscheint. Ein alter Nobelpreisträger ist da nur die Petersilie auf der Salatplatte - ein Mann mit "Foot-in-the-Mouth-Syndrom", wie es eine noch wohlwollende alte Kollegin (Athene Donald) ausgedrückt hat, die ihm ansonsten die besten Zeugnisse in Studierendenförderung ausstellt. Dergleichen Statements lehnt der Präsident des UCL als "less supportive" ab. (Nicht daß ich mißverstanden werde - ich bin strikt für eine 40%-Quote, allerdings auch in der Genderforschung).

...man vermisst (immer noch) einen Kommentar von Frau Behrend. Zuerst schlecht recherchierten Müll daherblöken, dann in Schweigen verfallen und so armen Herrn Martenstein zwingen, die zweifelhafte Ehre der ZO wiederherzustellen. Aber Spass beiseite, ich bin natürlich total PC und habe das oben Geschriebene nur als didaktischen Trick gemeint. Sonst müsste man diesen Beitrag ja ganz schnell wieder verschwinden lassen...

Meine Sicht von Humor ist die: Humor ist, wenn man auch über sich selbst lachen kann. Wenn man immer nur über andere lachen kann, dann ist es Schadenfreude. Stefan Raab war so ein Vertreter. Irgendwann habe ich aufgehört, ihn zu verlogen. Er war zwar immer ganz groß, wenn es gegen andere ging, aber wenn es mal gegen ihn ging, scheute er sich nicht, auch mal den Klageweg einzuschreiten. Er hat sich immer nur da selbst durch den Kakao gezogen, wo er die Kontrolle behalten konnte, wie bei seinen Shows (Schlag den Raab, Wok-Rennen ect.) und wo sich somit gutes Geld verdienen ließ. Aber sobald jemand mal einen bösen Witz über ihn gemacht hat, war Vorsicht geboten. Das hat nichts mit Humor zu tun, das ist einfach nur billige Schadenfreude.

Endlich bringt jemand das ganze Zitat, nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Und hat den Mut, die Verbindung zu Charlie Hebdo zu ziehen.

Bravo Herr Martenstein, genau dafür liebe ich Ihre Kolumnen. Was nützen die ganzen JeSuisCharlie-Schilder, wenn keiner den Mut hat geradeaus zu schreiben?

...Die "Journalistikdozentin" Connie St Louis, die Hunts Äußerung bei Twitter öffentlich gemacht hatte...ist offenbar eine Lügnerin, die nicht nur den Inhalt von Sir Tim's Rede verfälscht, sondern auch ihren Lebenslauf jenseits aller intellektuellen Redlichkeit "aufgehübscht" hat (und 50.000$ Vorschuss für ein Buch eingestrichen, das nie geschrieben wurde). Wo sind die Hüter einer journalistischen Ethik, die solche Praktiken ächten? Welche Konsequenzen hatten solch üblen Machenschaften für Frau St. Louis? Ein Berufsverbot? Verlor sie ihren Lehrstuhl? Welche Dienste hat sie (im Gegensatz zu Sir Tim) der Menschheit erwiesen?
http://www.breitbart.com/...
http://www.dailymail.co.u...

Gruss

The Moose

Es ist schon erschütternd, daß zwar die Vorwürfe gegen Sir Hunt von allen Medien wiedergekäut wurden. Wenn aber ein paar Tage später sich herausstellt, daß die Ankläger nachweislich gelogen haben, und das nicht nur in diese Angelegenheit, sondern offensichtlich auch schon vorher und notorisch, dann findet man das allenfalls in Blogs oder Martenstein-Kolumnen.
Wenn sie auch nur einigermaßen ihr Gesicht wahren wollten, dann müßten die Medien diese Entwicklung der Geschichte mindestens genauso groß bringen wie die ursprüngliche, falsche Story.

Lieber Herr Martenstein, wo Sie recht haben, haben Sie recht!
"Political correctness" kann dermaßen humorlos und spießig sein. Sie nimmt in diesem Fall fanatische und fast totalitäre Züge an. Fühlen wir Frauen uns denn wirklich so hilflos, dass wir uns durch so einen Witz bedroht fühlen müssen?
Ich denke nein. Einen dummen Witz kontert man am besten mit einem weiteren dummen Witz.
Vorschlag: "Drei Dinge passieren, wenn man mit einem Chauvi im Labor arbeitet: Er verliebt sich; er glaubt, frau wäre in ihn verliebt; er macht doofe Witze. Kein Grund getrennte Labore zu fordern - doofe Witze können wir auch."
Vielleicht gibt es noch bessere Vorschläge!? ;-))

Recht hat er hiermit, der Martenstein:

"Wir verteidigen unsere Werte nicht, wir haben die Hosen voll, aber ich vermute, dass die meisten unserer Leserinnen und Leser etwas mehr Mut von uns erwarten."

Allerdings stellt sich die Frage, ob es wirklich die eigenen Werte sind, wenn man sich nicht dafür einsetzt.

Klar, die öffentliche Inquisition, die hier häufig frei von Verstand gepflegt wird, die keine rationale Widerrede zulässt und alles diffamiert, was nicht durch Logik zu begründen ist, die längst in den Kommentarbereichen der Presse gängige Kultur ist, die kann Karrieren zerstören. Die wenigen, die dumme Anklageschreie erheben, sind nunmal mächtig, wenn man solche UNgerechtigkeit nicht bekämpft. Es sind wenige Fälle, wo sich die verstandfreie Hetz-Hysterie der wenigen der Widerrede hat stellen müssen. Brüderle ist hier das passende Beispiel, aber auch die Verleumdungsversuche gegen Augstein sind zu nennen.

Solange man die Hetzer nicht ebenfalls mit dem Umstand konfrontriert, dass deren verstandfreie Hetzkultur auch deren Karrieren beinträchtigen kann, werden die Schreihälse schreien, statt zu begründen.

Ja, wir leben in eigenartigen Zeiten. Auf der einen Seite werden es (gefühlt) immer mehr religiöse Fanatiker und Neokonservative, die sich (gefühlt) immer weniger schämen, Homosexualität als Krankheit oder Verbrechen zu bezeichnen, und die Rolle der Frau als Untergebene des Mannes zu definieren. Und auf der anderen Seite eine immer hysterischer werdende Überkorrektheit und Moralisierung. Wobei die Homophobiker sich witzigerweise ja auch als Moralisten sehen, und dort liegt vielleicht die Verbindung: daß die Menschen, die anderen ihre Werte aufzwingen wollen, und die psychisch einfach keinen Widerspruch, kein "Anderes" mehr ertragen und dieses Andere dann letztlich nur noch zerstören wollen und manchmal das auch können, irgendwie immer mehr werden. Egal, ob sie sich gerade Muslime, Feministen oder was auch immer nennen.

Woher hat Herr Hartenstein den genauen Wortlaut von Hunts Aussage? Im Spiegel steht: „Was wirklich am Tisch gesagt wurde, ist schwer zu überprüfen. Die amerikanische Journalistikdozentin Deborah Blum, die mit Hunt an dem Essen teilnahm, wollte die Schilderungen des Protokolls gegenüber der "Times" weder bestätigen noch dementieren. Die ebenfalls bei dem Mittagessen anwesende Journalistikdozentin Connie St Louis, die Hunts Äußerung bei Twitter öffentlich gemacht hatte, sagte der Zeitung, die Worte ,Jetzt im Ernst‘ seien nicht gefallen. Hunt selbst wollte sich zu dem Fall und auch zu der Gesprächsnotiz gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht äußern.“ (vgl. http://www.spiegel.de/uni...).

Wertes Pedroleum, Sie sind nicht ganz auf der Höhe der Nachrichtenlage. Vergleichen Sie bitte hierzu die FAZ vom 24.7., Blog Don Alphonso, mit den nötigen Belegen und v.a. Links zur englischsprachigen Presse. Es wäre wirklich schön, wenn Frau Behrend (ZEIT, Ressort Wissen), die sich so früh (26.6.) und explizit auf die Seite der Hunt-Persecutors geschlagen hatte, dazu noch mal Stellung nehmen könnte.

@fullmetalbiochemist
Zitat: „Ich darf annehmen, dass Sie als guter Demokrat noch entrüsteter über Hunts Ausschluß aus der wissenschaftlichen Gesellschaft sind, weil nur eine Behauptung und kein objektiver Beweis seiner Verfehlungen vorliegt?“

Bevor ich mich entrüste, muss ich mir erst einmal eine Meinung bilden. Basierend auf der Kolumne von Hr. Martenstein scheint mir das aber nicht möglich, weil im Internet widerstreitende Angaben zu dem Vorfall kursieren.

Der erste Eindruck ist, dass die Reaktion der UCL und der Royal Society überzogen erscheint, und dass dieser Vorfall leider von Kritikern der Political Correctness missbraucht wird, um dieses Kommunikationskonzept, das ich als eine Art Netiquette verstehe, in Gänze in Verruf zu bringen.

@ Pedroleum: Es sind mittlerweile Tonaufzeichnungen zumindest von Teilen der Rede aufgetaucht, die Connie S. und ihre Mittäter eindeutig als Lügner entlarven. Der Scherz-Charakter von Hunts Rede ist eindeutig erkennbar, und es wurde auch ordentlich gelacht.
Ausführliche Aufarbeitung bei Don Alphono:
https://blogs.faz.net/deu...
Im Rahmen der Affäre kam übrigens durch eine Recherche des "Guardian" heraus, daß Connie S. eine notorische Lügnerin ist, die auch ihren Lebenslauf an entscheidenden Stellen massiv gefälscht hat.

Korrektur: es war die "Daily Mail", die herausfand, daß Connie St. Francis ihren Lebenslauf hauptsächlich mit Lügen gefüllt hatte.
Der "Guardian" hingegen hatte sich eifrig daran beteiligt, Sir Hunt fertigzumachen, auch noch als lange klar war, auf welch wackligen Beinen die Vorwürfe gegen ihn standen.

Darf es wirklich wahr sein, dass Sie sich mit Ihrem Kommentar auf einen Spiegel-Artikel vom 25. Juni beziehen und nicht zu Kenntnis genommen habe, wie die von Connie St. Louis zu verantwortende Hexenjagd gegen Tim Hunt durch die nachfolgende Berichterstattung im Netz wie in Printmedien sich als üble Verleumdungskampgne erwiesen hat?

@Talenti
„Darf es wirklich wahr sein, dass Sie sich mit Ihrem Kommentar auf einen Spiegel-Artikel vom 25. Juni beziehen und nicht zu Kenntnis genommen habe, wie die von Connie St. Louis zu verantwortende Hexenjagd gegen Tim Hunt durch die nachfolgende Berichterstattung im Netz wie in Printmedien sich als üble Verleumdungskampgne erwiesen hat?“

Ja, denn so richtig aufmerksam wurde ich auf die Geschichte erst durch Martensteins Kolumne. Nachdem ich daraufhin recherchiert und meine frage formuliert habe, wurde ich bereits auf den aktuellsten Stand hingewiesen. Wenn ich das richtig verstehe, lässt sich der Wortlaut, den Hr. Martenstein wiedergibt, so nicht rekonstruieren. Die Tonaufnahme, die ich gefunden habe, enthält nur einen Satz (allerdings in der Tat mit Lacher, was Frau St. Louis' Vorwurf niemand habe gelacht als Falschbehauptung entlarvt).

"Wenn wieder mal ein Shitstorm tobt, dann heulen zu viele von uns mit den Wölfen, statt den Bedrängten beizustehen, unabhängig davon, ob man ihre Ansicht teilt oder nicht. Wir verteidigen unsere Werte nicht, wir haben die Hosen voll, aber ich vermute, dass die meisten unserer Leserinnen und Leser etwas mehr Mut von uns erwarten."

Ich will dazu nur einen Gedanken loswerden: Die macht hat nicht der klügste, sondern der lauteste.

Es ist zu wünschen das sich so manch einer ein Mikrofon schnappt bzw. das der anderen zertrümmert.

Wir leben in einer guten Demokratie, die gilt es gerade jetzt, wieder zu verteidigen und bewahren :)
Fazit:
-Vor einzelne Menschen die keinen Humor verstehen, sollten wir aufpassen.
-Vor dummen großen Menschenmassen die keinen Humor verstehen, sollten wir immer auf der Hut sein..

Frauen sind sehr oft Heulsusen um der Kritik aus dem Weg zu gehen.

Und natürlich muss der Mann dann etwas falsch gemacht haben, dennsonst würde die Frau ja nicht heulen.

In Wahrheit ist es ein billiger Manipulationsversuch und ein Zeichen von Charakterschwäche.

Gut auf den Punkt gebracht. Respekt.

"Ich glaube, diese Krise hängt auch mit solchen Fällen zusammen. Wenn wieder mal ein Shitstorm tobt, dann heulen zu viele von uns mit den Wölfen, statt den Bedrängten beizustehen, unabhängig davon, ob man ihre Ansicht teilt oder nicht. Wir verteidigen unsere Werte nicht, wir haben die Hosen voll, aber ich vermute, dass die meisten unserer Leserinnen und Leser etwas mehr Mut von uns erwarten. "

Ganz genau so ist es.
Im Grunde verteidigen die Menschen im Lande mit ihrer Enthaltsamkeit gegenüber den Presse-Erzeugnissen im Lande eben auch ein Stück weit die Ehre der zu Unrecht angegriffenen und allein gelassenen im Lande.

Das ist ein recht ungesunder Zustand, im Lande Dänemark.

Guten Tag

"diese Hetzer", "die Ideologen in der Redaktion", "ein krakelender rassistischer Pöbel", "Moral-Taliban", "Social Justice Bullies", "Anmaßung und Arroganz", "Grausamkeit & Brutalität", "Mob".... Nette Bezeichnungen.^^

Ganz ehrlich, wenn ich mich so durch diesen und andere Diskussionsthreads lese, sehe ich nur einen empörten Shitstorm. Und der richtet sich nicht gegen Hunt (auf den wurde ja von den Kritikern eher humorvoll, z.B. mit Fotos von Taschentüchern in Laboren etc. reagiert), sondern gegen die zum Feindbild erklärten "Gutmenschen", Feministinnen, und Social Justice Warriors.

Der wahren Skandal an der Sache ist doch, dass der Arbeitgeber dem Shitstorm nachgegeben hat. Mit den 'Shitstürmen' an sich wird man wohl leben lernen müssen - schlussendlich bestehen sie ja aus nichts anderem als aus vielen Einzelnen , die sich über den gleichen Menschen aufregen. Aber man muss lernen, damit angemessen umzugehen. Dem Mob nicht in vorauseilendem Gehorsam nachgeben. Aber ihn auch nicht mit Gewalt zum Schweigen bringen.

Das Problem ist, dass es kein Pendant zum Shitstorm gibt. Die Wutmasse äußert sich auf Twitter und co., aber die Anderen, die nichts dagegen einzuwenden haben, die treten nicht als Masse auf, wenn gleich es sicher mehr sind, als die Kritiker. Auf diese Art werden Mehrheiten im Netz völlig falsch dargestellt bzw. wahrgenommen. Das kann man sehr gut in Kundenforum zu Produkten erkennen. Der Wütende schrei(b)t, der Zufriedende schweigt.

Taliban-Keule ...

Ich glaube, dass es den feministischen Anliegen nicht hilft, Jemanden wie Herrn Hunt so zu behandeln. Ich glaube, ihm ist Unrecht geschehen. Ich glaube, es ist wichtig, hier mit mehr Augenmaß zu handeln.

Und ich glaube, diesen Sachverhalt in eine Beziehung zum militanten Islamismus zu setzen, ist ebenfalls in keiner Weise hilfreich. Auch nicht, wenn man den Unterschied zwischen Mord und Berufsverbot benennt und dann die angeblichen Ähnlichkeiten weiter betont. Denn diese Unterschiede sind ganz erheblich weitreichender und elementarer.

Um extreme Positionen zu relativieren (von mir aus: sich vor ihnen zu schützen, aber wie gefährdet ist Herr Martenstein ?), hilft es nicht, extreme Gegempositionen einzunehmen oder sie mit anderen extremen Positionen zu verbinden.

Was hilft, ist, die Mitte zu stärken. Was hilft, ist Vernunft.

Dies Zitat von Sir Hunt soll sexistisch sein? So ein Unsinn! Das Wesentliche daran ist doch die Selbstironie, die mit dem Sexismus-Thema in der Wissenschaft spielt. Mehr ist das doch nicht - wie man an dem vollständigen Zitat-Text sieht, der in den meisten Shitstorm-Texten offenbar gar nicht oder unvollständig zitiert und berücksichtigt wurde. Da sieht man einmal mehr, wie irreführend aus dem Zusammenhang gerissene Zitate sein können. Ergo: falsch liegt nicht Hunt, sondern im Irrtum sind all die humorlosen Empörungs-Fetischisten, die nicht zwischen echt und falsch unterscheiden können.

Dass (echter) Sexismus nicht akzeptabel ist, steht damit nicht in Frage, wohl aber dass blinde Empörung sinnvoll ist und wichtige Bollwerke gegen das "Böse" verteidigen hilft.

Wir erleben in den letzten Jahren immer wieder, dass Shitstürme Existenzen vernichten - und das sogar in den höchsten Hallen der Politik - s. Alt-BP Wulff. Mit einem gerechten Urteil sollte man das nicht verwechseln, dazu fehlt die tatsächlich gleichberechtigte Verteidigung und die sorgfältige Abwägung der Meinungen beider Seiten durch emotional unbeteiligte Dritte. Das ist am Beispiel von Tim Hunt sehr deutlich zu sehen. Die populistische Entscheidungen seiner Uni und der Royal Academy zeigen, dass die Angst größer war als der Gerechtigkeitssinn. Jeder vernünftige, kühl überlegende und gerecht denkende Mensch wird bei Kenntnis des gesamten Zitates diese Reaktionen für ziemlich feige halten müssen.

Einheitsbrei

"Wer wird der oder die nächste sein"

Irgendwann Harald Martenstein, wenn er seine Vision einer multikulturellen Gesellschaft nicht aufgibt.

Warum? Weil es eine gesellschaftliche Gruppierung gibt, die sehr laut und stetig darauf pocht, dass die Gesellschaft gefälligst ihrem Interesse an einem Einheitsbreikonsens zu folgen hat, weil nur der allein seligmachend ist.

Dieser Einheitsbreikonsens beruht dabei auf der Vorstellung, dass alle Abweichungen von der Norm letztlich unerwünschte Kanten, Grate oder Spitzen darstellen, durch die andere, meist weit außerhalb der eigenen Lebenswelt existierende Personen, eventuell, ggf. vielleicht verletzt werden könnten. Die Betonung liegt dabei auf "eventuell, ggf., vielleicht... könnten".

Die Norm selbst legt nun fest, was ist Hinsicht auf die eventuellen Risiken als "gut" oder "böse" zu gelten hat. Insofern sind natürlich "nur noch gute Witze erlaubt" und schlechte im Sinne der Norm verboten. Die Norm ist außerdem Ausdruck eines Weltbildes, das jegliche Individualität negiert und nur noch vermeintlich kollektive Interessen vormundschaftlich exekutiert.

Ausgerechnet von den lautesten Befürwortern einer multikulturellen Gesellschaft, welche das Miteinander verschiedener Kulturen, eigener Traditionen, Lebensstile, Werte und Ethik, kurz gesagt von Eigensinn beinhaltet, ist seltsamerweise immer dann ein "Aufschrei" zu hören, wenn sich jemand auf seine Traditionen, seine Individualität beruft.
Doppelmoral?

Gerade diejenigen, die Toleranz fordern, entpuppen sich meist als die Intolerantesten. Die sogenannten modernen Medien werden für mittelalterliche Methoden genutzt. Es werden Menschen an den Pranger gestellt (diesmal weltweit), wahre Kreuzzüge gegen Andersdenkende geführt. Im Wort shitstorm steckt bereits was es ist: ganz großer shit. Demokratische Grundrechte werden immer mehr beschnitten. Das Moralempfinden Einzelner wird mit missionarischem Eifer zum über alles stehenden Recht erhoben. Eine unglaubliche Anmaßung und Arroganz verbirgt sich hinter der Maskerade des "gut meinens, nur das beste wollen". Was bin ich froh kein Nutzer der sogenannten sozialen Medien zu sein, sie werden leider immer mehr unsozial. Und das sollte sehr zu denken geben. Wir steuern auf eine Diktatur zu, deren Grausamkeit & Brutalität im Moment noch nicht absehbar ist. Grausamkeit & Brutalität ist nicht immer körperliche Gewalt.

@Martenstein - Wenn ich so brilliant formulieren könnte, würde ich selber schreiben ...
@ Atan: Parteilichkeit von Medien KANN per Definition nicht schlecht sein - jedenfalls wenn nicht ALLE Medien "mit den Wölfen heulen". Der Guardian - oder wer auch immer - darf parteiisch sein - sonst hätten wir "das Gleiche in grün". Schlecht (und üblich) ist lediglich, dass Witze über bevorzugte / herrschende Bevölkerungsgruppen (heutzutage im "Westen" die Frauen) auch noch in unserer angeblich demokratischen Gesellschaft wie zur "besten" Zeit der Zensur durch Könige führt - während umgekehrt z.B. Altersdiskriminierung (Auslöser der missglückten Replik Brüderles) nicht einmal erwähnenswert scheint.

Medien wie der "Guardian" sollten in erster Linie eine Parteilichkeit wahren, nämlich die zugunsten einer wahrheitsgemäßen und vollständigen Berichterstattung. Diese wurde nicht gewährleistet, indem nämlich die Reaktion der Koreanerinnen auf Hunt unterschlagen wurde. Darauf hingewiesen, hat der "Guardian" trotzdem darauf bestanden, mit seiner Rechtfertigung der Entlassung Hunts im Recht zu sein.
Damit setzt die Zeitung ihre rein ideologische Wertung sowohl über die Fakten als auch über die Adressaten der Rede Hunts - ziemlich chauvinistisch gegenüber bedeutenden asiatischen Demokratie mit weit fortgeschrittener Bio-Technologie.

Es gilt das gesprochene Wort. Das schöne daran ist dessen rein zeitlicher Charakter, der, einmal ausgesprochen, der Vergänglichkeit zum Opfer fällt. In der Regel folgt befreiendes Lachen, segensreiche Stille oder der Trost eines belanglosen Plätscherns weiterer Worte in ebenso belanglosen Stehgrüppchen.

Interessant, dass jeglicher denkerischer Umgang mit Elementen der Dauer (former Ewigkeit), als purer Aberglaube abgetan wird, jedoch mediale Äußerungen in Bild und Ton quasi materiell in eine Form von Ewigkeit gepresst werden. Gnadenlos irgendwie.

Manches erinnert längst an die mittelalterlichen Spukpranger, wie man sie zB. noch in Heppenheim auf dem Marktplatz betrachten kann.

Nicht der Witz ist gnadenlos, sondern der denkschwache Materialismus und dessen formelhafte Anpassungszwänge

Nennen wir es einfach mal beim Namen:

Tim Hunt wurde von seinem Posten weggemobbt.

Genau darum handelte es sich. Eine Gruppe "Social Justice Bullies", die sich auf einen Einzelnen gestürzt haben um ihn zu vernichten, und auch noch der Meinung waren daß sie im Recht sind.

Das sind exakt die gleichen psychologischen Mechanismen wie bei einem Mobbingfall in einem Unternehmen.

Die bizarre Koalition der Moral-Taliban mit den Islam-Taliban wurde mir auch erst kürzlich bewusst. Der syrischstämmige Blogger Kaya Cahit wird als Ex-Muslim und Islam-Kritiker sowohl von Islamisten als auch von Antifa und Islamverteidigern gemobbt.
Am Ende von Houellebecqs "Plattform" (2002!) erklärt die Terrorgruppe ihr Massaker mit der moralischen Verwerflichkeit der ermordeten Touristen. Genau so wie jüngst beim Anschlag auf die Touristen in Tunesien geschah. In Plattform zeigt dann eine angeblich linke, progressive Gruppe, die auch den Mediendiskurs beherrscht, Verständnis dafür.
Ähnliches habe ich auch schon oft gelesen, z.B. paternalistisches Gehabe gegenüber "prolligen Jungs" vom IS, die halt von der Gesellschaft nicht anerkannt werden, usw..
Unter dem Titel "Das dröhnende Schweigen" wurde in der ZEIT versucht das Phänomen zu beleuchten.
Es ist verstörend wenn man sich selbst für links und progressiv hält zu erkennen wie gnadenlos und gnadenlos dämlich das eigene Lager aus Political Correctness eine Art fundamentalistische Religion gemacht hat. Was die Rechten erst recht in Rage bringt, und was man dann leider auch schon wieder verstehen kann.

"Die Meute" sind immer die, die meine Meinung nicht teilen. Interessant ist übrigens, dass der Artikel von Alice Schwarzer zu dem Thema nirgendwo erwähnt wird. Wahrscheinlich, weil die Aussage von Frau Schwarzer nicht ins Feindbild passt, das Männer wie Martenstein sich von ihr gemacht haben.

Ich hasse political correctness im Alltag, und ich verwende das Verb hier nicht leichtfertig. Allerdings mag ich auch Empathielosigkeit nicht sonderlich. Die Frauen in der Wissenschaft bilden sich die Probleme genauso wenig ein, wie Minderheiten in einer rassistischen Gesellschaft. Frauen in der Wissenschaft sind als Minderheit genau den gleichen Mechanismen wie diese ausgesetzt und folglich muß man auch hier mit denselben Reaktionen für geschmacklose Witze am Mikrophon rechnen.
Übersetzen wir Hunts "Scherze" jeweils für andere Minderheiten, die eben vor diesen geäußert werden, dann wird vielleicht klarer, daß nur einer Schuld trägt an Hunts Schicksal. Hunt selbst.
Privat darf man fast alles, jedenfalls sollte es so sein, aber wer Privatsphäre am Mikrophon auslebt, übt im schlimmsten Fall Gewalt aus. Verbale Gewalt, und das können solche Scherze dann durchaus sein, ist weder harmlos noch tolerierbar.

Hunt hat seinen Witz vor einer Versammlung junger koreanischer Wissenschaftlerinnen gemacht - wer hat den "Guardian" oder irgendwelche westlichen Internet-Schreihälse zu deren Vormund erhoben? Der arrogante Rassismus, der darin steckt, diesen Frauen vorzuschreiben, sie könnten nicht selbst beurteilen, was Sexismus ist, dämmerte den Beschuldigern vermutlich selbst -weshalb sie das Gelächter als spontane Reaktion aus ihren "Beweisen" herausschnitten. Im Prinzip steckt dahinter ein perfider Machtkampf von Ideologen, die gerne bestimmen möchten, wie an Unis gedacht werden muss - Meinungsfreiheit und akademische Freiheit verachten sie zutiefst.
Zum Glück steht bei uns Freiheit der Wissenschaft im Verfassungsrang, ein krakelender rassistischer Pöbel müsste sich hierzulande immer noch dem Richter stellen.

@FdKatzoo7: "Privat darf man fast alles, jedenfalls sollte es so sein, aber wer Privatsphäre am Mikrophon auslebt, übt im schlimmsten Fall Gewalt aus. Verbale Gewalt, und das können solche Scherze dann durchaus sein, ist weder harmlos noch tolerierbar."
Es war weder privat noch rein öffentlich - dies wurde es erst durch die twitternde "Journalistin". Der Begriff "Gewalt" nimmt dem Vorgang jegliche Grautöne. Ich kann in dem Scherz keine Gewalt erkennen, denn das Wesen eines/dieses Witzes ist, dass er in seinem Sinn eben NICHT wörtlich gemeint ist sondern im Kontext seiner sonstigen Worte seinen Sinn erfüllt. Was an solchen Scherzen NICHT tolerierbar sein soll, bleibt offen. Btw. die Grenze für Toleranz haben die Aufschreienden nicht für alle zu ziehen. Ein Grund, ein Leben zu vernichten, sind etwaige Befindlichkeiten noch lange nicht! Darum geht es. Auch ich habe schon denkbar blöde Kommentare gemacht, so wie jeder hier. Wollen sie allen ernstes die Entziehung jeglicher Lebensgrundlage (Job, Reputation, öffentliches Ansehen, anderweitige Betätigungsfelder) als angemessene Reaktion propagieren? Wo bitte bleibt ihre Toleranz?? Wir reden hier nicht von einer öffentlichen Rüge für Hunt, wir sprechen von der totalen Vernichtung des Wissenschaftlers Tim Hunt in der öffentlichen Wahrnehmung. Das ist beschämend.

Nur fällt es doch auf, dass diese Aufregung und diese totale Demontage einzelner Personen immer nur ein gewissen Ecken kommt.

Gerade aus feministischer Ecke werde doch schlimmste Herabsetzungen von Männern und pauschale Beleidigungen nur so rausgehauen. Und die sind nicht mal als Witz gemeint. Folgen hat das nie.
Gegen die Gruppe der "alten, weißen, heterosexuellen Männer" ist jede Schmähung erlaubt. Die dürfen auch für das gesamte Übel der Menschheit verantwortlich gemacht werden. Man stelle sich mal vor, man würde in den Statements über die alten, weißen Männer diese durch bsp. "Junge Frauen", "Schwarze" oder gar "Juden" ersetzen. Das gäbe Gefängnis.

Mir ist übrigens auch noch kein Fall bekannt, in dem irgendjemand für einen männerfeindlichen Witz seinen Posten räumen musste.

@grufelio
Daß jemand sozial zerstört wird ist (fast) immer ungerecht und auch verstörend. Aber im Gegensatz zu Herrn Martenstein kann ich deshalb als Konsequenz auch nicht die völlig freie Rede einfordern, und schon gar nicht Hunt gleichstellen mit politisch Verfolgten z.B. Hier geht es nicht um politische Freiheit, Pressefreiheit, oder das Recht von Kolumnisten pol. Inkorrekt zu sein.
Machen Sie sich doch bitte die Mühe, und stellen Sie sich einen weißen, einflußreichen Texaner vor, der vor Schwarzen Sklavenwitzchen von sich gibt. Mögen die noch so "harmlos" sein, glauben Sie, es würde ihm helfen, wenn er diese gleich wieder relativiert? Natürlich nicht, oder?
Ich sehe die Gewalt übrigens auch nicht unbedingt in seiner Rede, hätte aber damit gerechnet, daß andere sie sehen würden.

Wieder diese Diffamierung mit "wenn" und "als ob". Der einzig rassistische Aspekt ist in dieser Hinsicht koreanischer Wissenschaftlerinnen durch westliche Journalisten, warum wird den Adressaten nicht selbst zugestanden, über diesen Witz zu urteilen.

Und übrigens: die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler von den deutschen Universitäten war politische Verfolgung. Was ist dann die Entlassung eines Wissenschaftlers, der sich weigert, einer intoleranten Art der politischen Korrektheit zu huldigen?

Da mein erboster Kommentar weiter oben gelöscht worden ist (obwohl er thematisch überaus einschlägig war), sei hier die Gelegenheit genutzt, Ihnen Maßlosigkeit im Vergleich inkommensurablen Auftretens vorzuhalten. Perfide ist daran, daß Sie tatsächlich rassistisches Benehmen in Beziehung zu einem selbstironisch gemeinten (und auch so verstandenen) Auftritt eines altgedienten Wissenschaftlers setzen, der in seinem privaten wie öffentlichen Leben Frauen beruflich gefördert hat.

Tim Hunt ist also der weisse Texaner und die koreanischen Wissenschaftlerinnen sind die Sklavenmädchen?

Merken Sie es denn nicht selbst.?
Die Maßlosigkeit Ihrer Übertreibung soll jetzt die totalitäre Anmaßung rechtfertigen, die über ihn hereingebrochen ist.
Diesen Shitstorm und diese lächerlich feige Reaktion seiner Universität kann man nur als Gesinnungsterror bezeichnen.

Das nehme ich gelassen hin, da Vergleiche oder Metaphern naturgemäß auch immer dann hinken, wenn sie etwas verdeutlichen sollen. Ich kenne die Person Hunt nicht, und es ist für mich auch nicht notwendig zu wissen, ob er
tatsächlich der väterliche Charakter ist, wie von Ihnen behauptet, oder der dummdreiste Chauvinist, als der er von vielen anderen wahrgenommen wird. Und zwar deshalb, weil ich es, genau wie die meisten anderen Leser/innen nicht wissen kann (Ihnen geht es da ja offenbar besser). Genau deshalb ist eine öffentliche Ansprache an Minderheiten so sensibel zu behandeln. Wer gegen diese Regel (die es ja wohl auch schon vor der PC gab) verstößt, und über die anwesende Minderheit Witzchen reißt, ist kein Rebell, sondern bestenfalls unsensibel.
Bestenfalls.

Bitte, von welchen Minderheiten sprechen Sie?
Weder sind Frauen eine Minderheit (höchstens Wissenschaftlererinnen), noch sind es Koreanerinnen. Und warum wird diesen koreanischen Wissenschaftlerinnen durch eine kleine selbsternannte Elite westlicher Wissenschaftsbürokraten, Web-Aktivisten und Journalisten abgesprochen, für sich selbst zu urteilen? Diese waren die Adressaten des Witzes, sie hätten laut protestieren können, stattdessen wurde gelacht.
Wenn man also für andere sprechen will, sollte man in einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft ein Mandat haben.
Ich kann hier nur eine Gruppe sehen, die in chauvinistischer Weise Diskurs-Dominanz übt, und das sind weder die Koreanerinnen, noch Tim Hunt.

Und hat deswegen den abrupten Abbruch seines Berufslebens verdient?! Sie sollten sich wirklich besser informieren über Sir Tim Hunt und sein Umfeld, ehe Sie kalten Herzens und mit eingestandener Ignoranz, aber voller Überheblichkeit (und offenbar auch Unkenntnis) urteilen. Nochmals Franz Werfel: Für Sie ist offenbar der Ermordete schuldig und nicht der Mörder (ein albanisches Sprichwort aus einer archaischen Gesellschaft, die Blutrache übt). "Anwesende Minderheit" in Seoul?? Das war ein Kongress für Nachwuchs-WissenschaftlerINNEN, die von Hunt ausdrücklich ermutigt worden sind, ihren Weg an die Spitze ihrer Fakultäten zu machen - freilich durch Fachleistungen, und nicht befördert durch haltlose Denunziation.

was für ne Minderheit? Es sind mehr Frauen an den Unis als Männer. Und obwohl es weniger weibliche Professorinnen gibt, liegt es sicher nicht an Diskriminierung. Die läuft heutzutage wenn dann in die andere Richtung. Fakultäten haben z.B. bei der Vergabe von Professuren trotz teils weniger weiblicher Bewerber erheblichen Druck eine Frau einzustellen. Es geht soweit, dass man sich auf manche Geldtöpfe als junger männlicher Forscher erst gar nicht bewerben darf, so z.B. beim Minnerva-Programm, einem begehrten, millionenschweren Forschungsstipendium der renommierten, durch Steuergelder finanzierten, Max-Planck Gesellschaft. Das ist übrigens die schärste Form von sexueller Diskriminierung, der komplette Ausschluss vom Bewerbungsverfahren, weil man(n) einen Penis hat...

"Der Forscher Hunt, dem die Menschheit manches verdankt, ist erledigt. Wer ist der oder die Nächste?" - Ach das werden ganz viele Menschen sein, die unliebsame Meinungen äußern und das öffentlich oder im Netz unter ihrem Klarnamen tun. Wer bspw. als Politiker, danach fragt, warum die einfachsten und besten Lösungen für das Asylanten/"Flüchtlings"problem (Wiedereinführung der Grenzkontrollen, Flüchtlinge ohne Papiere im Normalfall abweisen und sofortige Abschiebung abgelehnter Flüchtlinge) nicht sofort umgesetzt werden, der darf damit rechnen, als rechts abgestempelt zu werden, obwohl andere Länder sehr viel rigider mit Flüchtlingen vorgehen als hier beschrieben und deren Politiker und Menschen im dt. Diskurs nicht als rechts/ rechtsradikal gelten. Auch die Frage nach dem Vermögen der reichsten Familienclans der Welt (Rothschild, Rockefeller) und danach, welche Rolle sie wohl heute in der Politik spielen, dürfte für viele Politiker den polit. Tod bedeuten. Die Frage danach, wer und was hinter TTIP und TPP wirklich steht oder warum TTIP durch die EU durchgeboxt werden soll und wer wiederum hinter der EU steht und solche Projekte anregt und durchzieht, wenn es die Bevölkerungen offensichtlich nicht sind. All das sind so Thesen und Fragen, die für Establishmentgrößen das Karriereende bedeuten können. Und das ist der größte Witz unserer heutigen "Zeit".

wenn beim 'pc-kritiker' die lichter ausgehen

dieses affairchen um einen gelehrten proll-opa mit dem islamisten-massaker von paris zu assoziieren , ist ja wohl mehr als daneben.
aber ich schätze, es werden sich wieder genug 'politisch inkorrekte' einfaltspinsel einfinden, die diese relativierung blutigen terrors total 'mutig' finden und irgendwas mit 'meinungsfreiheit' daherblubbern.

Gut gebrüllt Löwe! Humor ist nach wie vor das klarste Anzeichen untherapierbaren Prolltums. Fällt denn niemand auf, dass alle vernünftigen Menschen, also Grüne, völlig humorlos sind, weil einzig dies die zeitgerechte Art zu Leben ist? (Das hätten übrigens auch die Witzbolde von C.H. wissen können).
In diesem Sinne: Ab in den Keller!

achtung! achtung! ein deutscher doziert über humor

zwei Dinge passieren, wenn deutsche im labor sind: sie schwören dem cheflaboranten gefolgschaft bis in den tod, und sie widmen sich dem klonen kleiner hitlers. und wenn du sie kritisierst, marschieren sie ins nachbarlabor ein. vielleicht sollten wir getrennte labore für zivilisierte und deutsche einrichen?
nicht lustig? nein, weil antiquiert und stereotyp deutschfeindlich, also: diskriminierend. aber immer noch komischer als die miefigen humorigkeiten des verbal inkontinenten professors .

Sie lachen!
"zwei Dinge passieren, wenn deutsche im labor sind: sie schwören dem cheflaboranten gefolgschaft bis in den tod, und sie widmen sich dem klonen kleiner hitlers. und wenn du sie kritisierst, marschieren sie ins nachbarlabor ein. vielleicht sollten wir getrennte labore für zivilisierte und deutsche einrichen?"

In den angelsächsischen Ländern werden tatsächlich immer noch gerne solche Deutschenwitze gerissen! Und Deutsche lachen immer mit, was bleibt ihnen auch anderes übrig. Aber wegen Deutschenwitzen hat meines Wissens noch niemand seinen Job verloren.

Was zählen schon ein paar Hundert Menschenleben, wenn es um politische Korrektheit geht? Jeder moderne Mensch weiß, dass ein sexistischer Witz auf alle Zeiten unentschuldbar ist und mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft der Zivilisierten bestraft werden muss. Und zwar so lange, so lange das Übel nicht ausgerottet ist
Ich glaube inzwischen, Martenstein wird immer in der Vergangenheit verhaftet bleiben.

Sexismus in der hier dargestellten Form ist kein wirkliches "Übel", da gibt es ganz andere Themen. Z.B. die zunehmende Tendenz und Bereitschaft vieler, das Recht auf freie Meinungsäusserung zu diskreditieren und zu untermninieren. Sexismus wie hier dargestellt ist einfach schlechtes Benehmen. Im konkreten Beispiel eben sehr schlechtes Benehmen. Und das ist nicht ausrottbar. Jemandem, der am Ende einer Party seinen Gastgebern besoffen in die Schuhe kotzt, verordnet man schließlich auch kein Berufsverbot. Man lädt ihn maximal nicht mehr ein. Im Übrigen billige ich den ganzen "Seximismus-ProtagonistInnen" erst dann wirklich seriöse Motive zu, wenn sie sich auch gegen den allgegenwärtigen Sexismus gegen Männer wenden. Oder ist es keine Sexismus, wenn Männer in etwa jedem dritten Werbespot als Volltrottel dargestellt werden? Oder wenn alleinerziehende Mütter die Notwendigkeit männlicher Rollenvorbilder für Ihre heranwachsenden Söhne negieren? Den meisten Akteurinnen geht es doch weder um Gleichberechtigung noch um die Sexismus-Frage, sondern ganz simpel um mehr Macht für Frauen. Einige werden jetzt sagen "das ist dasselbe". Denken Sie nach, gnädige Frauen, denken Sie nach und sie werden feststellen, dass es nicht daselbe ist.

Dieser Artikel ist wichtig und richtig.
Nur leider ist er im Zeitmagazin unter der wöchentlichen Rubrik von Hr. Martenstein am völlig falschen Platz.
Der Artikel ist durch die Überschrift "Martenstein" sozusagen diskriminiert da viele Leser, und vor allem die, die ihn lesen sollten, ihn aus diesem Grund leider "überlesen".
Warum kann ein solcher Artikel in einer der größten deutschen Wochenzeitungen nicht einen ihm gebührenden und ernst zu nehmenden Platz in Politik- oder Gesellschaftsressort einnehmen sondern wird diskriminierend als "Spaß" im Feuilleton veröffentlicht?

Sehr berechtigter Artikel, der auf eine echte Gefahr für Meinungsfreiheit und Rechtsordnung hinweist. Gerade die explizite Parteilichkeit von Medien (wie z.B. des "Guardian" im Falle Hunts) wird dabei problematisch - werden weitreichende Forderungen nach Sanktionen erhoben, selbst wenn Fakten falsch oder verzerrt dargestellt sind.
http://blogs.faz.net/deus...

Der Trend schwappt aus den USA nach Großbritannien, hoffentlich setzen wir bei uns weiterhin auf rechtsstaatliche Verfahren und verfassungsmäßige Grundrechte, und nicht darauf, wer den jeweilig "offiziös" richtigen Sprachregelungen und Ideologien anhängt.

Wow,
sehr gelungener Text, besser hätte man es nicht formulieren können. Die Meute einiger Wenigen, die sich vermeintlich in der Mehrheit wähnt, bricht bei jeder noch so belanglosen Kleinigkeit einen Sturm der Entrüstung los. Es täte den Medien gut, sich konsequent gegen diese Hetzer zu stellen und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.
Danke dafür Herr Martenstein.

tL

Woher hat Herr Hartenstein den genauen Wortlaut von Hunts Aussage? Im Spiegel steht: „Was wirklich am Tisch gesagt wurde, ist schwer zu überprüfen. Die amerikanische Journalistikdozentin Deborah Blum, die mit Hunt an dem Essen teilnahm, wollte die Schilderungen des Protokolls gegenüber der "Times" weder bestätigen noch dementieren. Die ebenfalls bei dem Mittagessen anwesende Journalistikdozentin Connie St Louis, die Hunts Äußerung bei Twitter öffentlich gemacht hatte, sagte der Zeitung, die Worte ,Jetzt im Ernst‘ seien nicht gefallen. Hunt selbst wollte sich zu dem Fall und auch zu der Gesprächsnotiz gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht äußern.“ (vgl. http://www.spiegel.de/uni...).

Ich hasse political correctness im Alltag, und ich verwende das Verb hier nicht leichtfertig. Allerdings mag ich auch Empathielosigkeit nicht sonderlich. Die Frauen in der Wissenschaft bilden sich die Probleme genauso wenig ein, wie Minderheiten in einer rassistischen Gesellschaft. Frauen in der Wissenschaft sind als Minderheit genau den gleichen Mechanismen wie diese ausgesetzt und folglich muß man auch hier mit denselben Reaktionen für geschmacklose Witze am Mikrophon rechnen.
Übersetzen wir Hunts "Scherze" jeweils für andere Minderheiten, die eben vor diesen geäußert werden, dann wird vielleicht klarer, daß nur einer Schuld trägt an Hunts Schicksal. Hunt selbst.
Privat darf man fast alles, jedenfalls sollte es so sein, aber wer Privatsphäre am Mikrophon auslebt, übt im schlimmsten Fall Gewalt aus. Verbale Gewalt, und das können solche Scherze dann durchaus sein, ist weder harmlos noch tolerierbar.

@FdKatzoo7: "Privat darf man fast alles, jedenfalls sollte es so sein, aber wer Privatsphäre am Mikrophon auslebt, übt im schlimmsten Fall Gewalt aus. Verbale Gewalt, und das können solche Scherze dann durchaus sein, ist weder harmlos noch tolerierbar."
Es war weder privat noch rein öffentlich - dies wurde es erst durch die twitternde "Journalistin". Der Begriff "Gewalt" nimmt dem Vorgang jegliche Grautöne. Ich kann in dem Scherz keine Gewalt erkennen, denn das Wesen eines/dieses Witzes ist, dass er in seinem Sinn eben NICHT wörtlich gemeint ist sondern im Kontext seiner sonstigen Worte seinen Sinn erfüllt. Was an solchen Scherzen NICHT tolerierbar sein soll, bleibt offen. Btw. die Grenze für Toleranz haben die Aufschreienden nicht für alle zu ziehen. Ein Grund, ein Leben zu vernichten, sind etwaige Befindlichkeiten noch lange nicht! Darum geht es. Auch ich habe schon denkbar blöde Kommentare gemacht, so wie jeder hier. Wollen sie allen ernstes die Entziehung jeglicher Lebensgrundlage (Job, Reputation, öffentliches Ansehen, anderweitige Betätigungsfelder) als angemessene Reaktion propagieren? Wo bitte bleibt ihre Toleranz?? Wir reden hier nicht von einer öffentlichen Rüge für Hunt, wir sprechen von der totalen Vernichtung des Wissenschaftlers Tim Hunt in der öffentlichen Wahrnehmung. Das ist beschämend.

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