Deutschlandkarte Pfandleihhäuser

Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 33/2015

Wer finanziell in der Klemme steckt und sich nicht um einen Kredit bemühen mag, der trägt schon mal den Familienschmuck ins Pfandleihhaus. In mehr als der Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte gibt es mindestens eines. Die meisten Pfandleihhäuser pro Einwohner findet man allerdings nicht in Regionen, wo die Armutsquote am höchsten ist, in Mecklenburg-Vorpommern oder Bremen etwa – sondern in den wohlhabenden Kreisstädten Rosenheim und Baden-Baden. In Rosenheim ist die Nachfrage deshalb groß, weil es Zentrum eines Ballungsraums ist und es im umliegenden Kreis kein anderes Pfandleihhaus gibt. In der Kasino-Stadt Baden-Baden können glücklose Spieler zur Not ins Leihhaus gehen. Das Klischee, das Pfandleihhaus sei die Bank des kleinen Mannes, ist wohl falsch: Laut Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes entwickeln sich Leihhäuser immer mehr zur Finanzierungsquelle für Handwerk und Mittelstand. Die bringen als Pfand nicht Omas Perlenketten, sondern Bohrmaschinen und Firmenwagen.

Recherche Anton Dorow; geografische Verortung Lutum+Tappert

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