Europaparlament Bernd bleibt

ZEITmagazin Nr. 44/2015

Nach dem Wahldesaster der CSU flog Bernd Posselt aus dem Europaparlament. Das ist anderthalb Jahre her. Aber noch heute fährt er zu jeder Sitzungswoche, als sei nichts geschehen. Was will er da nur? Von

Manchmal, wenn Bernd Posselt besonders glücklich ist, lässt er sich Badewasser einlaufen, steigt in die Wanne und beginnt zu singen. Er hat eine dunkle, kräftige Stimme, und man kann sich gut vorstellen, dass sie nirgendwo besser zur Geltung kommt als in einem hallenden Badezimmer. Posselt spricht sehr laut, er lacht sehr laut, und er singt sehr laut. Er ist im Parteivorstand der CSU. Dort hat er gelernt, Menschen zu widersprechen. Ohne diese Stimme wäre er ein Nichts.

Bernd Posselt liebt kroatische Volkslieder, gelegentlich singt er auch die Marseillaise. In der Badewanne stimmt er gern deutsche Schlager der zwanziger Jahre an, "Ich fahr mit meiner Klara in die Sahara zu den wilden Tieren". Verlässt er seine Wohnung im Münchner Norden und tritt auf die Straße, ist er meist guter Dinge. "Ich freue mich" – viele seiner Sätze beginnen so.

Noch immer läuft er unbekümmert durchs Leben, als habe es für ihn gerade erst begonnen. Dabei ist Bernd Posselt 59 Jahre alt, und er lebt seit 40 Jahren allein. Es gab Freundinnen und Beziehungen, das schon, aber geheiratet hat er nie. "Es hat sich nicht ergeben", sagt er. Zu Hause hat er keinen Kühlschrank, keinen Kochtopf und keine Waschmaschine, er kehrt nur zum Schlafen heim. "Meine Situation ist ganz normal", sagt er oft. Eines ist Bernd Posselt mit Sicherheit nicht: normal.

Wenn man ihn so sieht, mit seinem Seitenscheitel und seinem dürren Schnäuzer, könnte man glauben, er sei von der NPD. Dabei verachtet er kaum etwas mehr als den Nationalismus.

Er schreibt keine E-Mails, aber ständig versucht irgendjemand, ihn zu erreichen. Zu Hause hat er kein Telefon, keinen Computer und keinen Fernseher, er besitzt kein Handy und hat noch nie eine SMS geschrieben. Bis vor Kurzem wusste er nicht einmal, was ein Selfie ist.

Er ist in ganz Europa unterwegs, aber er hat kein eigenes Auto, nicht einmal einen Führerschein. Er hat für sich und sein Leben viele Umschreibungen gefunden. Er nennt sich zum Beispiel einen "Handlungsreisenden in Sachen Völkerverständigung". Posselt hetzt von einem politischen Termin zum nächsten, bis in die Nacht, aber er hat keinen Beruf mehr, seit dem 25. Mai 2014. Das war der Tag der Europawahl.

Als die Wahllokale schlossen, fuhr Bernd Posselt gemeinsam mit seiner Referentin Stephanie Waldburg zur Hanns-Seidel-Stiftung nach München, im Foyer begann die Wahlparty der CSU. Posselt war 20 Jahre lang Abgeordneter im Europäischen Parlament gewesen, er hatte einen sicheren Listenplatz, Platz 6. Doch als die ersten Hochrechnungen eintrafen, erkannte Posselt das Desaster. Gewaltige Verluste für die CSU. Der Kandidat auf Platz 5 schaffte es noch, aber Posselt war plötzlich draußen. Er war von nun an kein Parlamentarier mehr.

Man hätte annehmen müssen, dass er außer sich war vor Enttäuschung, wütend herumstänkerte oder sich in irgendeiner Kneipe volllaufen ließ. Aber Posselt blieb auf der Wahlparty, und er blieb ziemlich ruhig. Der CSU-Chef Horst Seehofer kam zu ihm und wollte ihn trösten. Es sei falsch gewesen, Stimmung gegen Europa zu schüren, habe Seehofer gesagt, Posselt habe recht behalten. "Aber ich muss es auslöffeln", antwortete Posselt. Ausgerechnet er scheiterte an einem Wahlkampf, der sich gegen den Euro gerichtet und im Lager der rechten AfD um Stimmen geworben hatte. Posselt hatte schon für die europäische Idee gekämpft, als es noch gar keine Europawahl gab. Nicht einen einzigen Sitzungstag hatte er in all den Jahren verpasst, nicht einen. Er war so stolz, dazugehören zu dürfen. Schon in den siebziger Jahren hatte er die Paneuropa-Jugend gegründet. Als Wortführer der Sudetendeutschen lässt er sich von Altkadern im eigenen Verband dafür beschimpfen, dass er auf die Tschechen zugeht und sie zu gemeinsamen Treffen einlädt.

Posselt hatte sein ganzes Leben einem politischen Ideal untergeordnet, der Versöhnung ehemals verfeindeter Völker. Über den missratenen Wahlkampf der CSU sagte Posselt: "Man soll nicht versuchen, ein Stinktier zu überstinken." Das ist ein amerikanischer Trapperspruch, den er irgendwo aufgeschnappt hatte. Lasst euch nicht auf ein Kräftemessen mit Rechtspopulisten ein. Das ist es, was Posselt meinte. Nehmt das S in der CSU ernst, das Soziale.

So stand er im Haus der Wahlparty, etwas zerknirscht, etwas unentschlossen, bis Stephanie Waldburg den erlösenden Satz aussprach: "Bernd, wir machen weiter." – "Jawoll", erwiderte Posselt. Er sagte diesen Satz noch ein paar Mal in dieser Nacht, und jedes Mal klang er fröhlicher. "Wir machen weiter." – "Und wenn wir dafür auf der Straße Musik machen müssen", meinte ein Mitarbeiter aus seinem Büro. Posselt würde seine Leute von nun an aus eigener Tasche bezahlen. Er hat bescheiden gelebt, er hat Geld gespart. Als ehemaliger Europaabgeordneter bekommt er im Monat rund 5200 Euro Ruhegeld. Das würde reichen. Stephanie Waldburg würde er privat anstellen, er würde ihre und seine eigenen Reisen von seinem Konto bezahlen, die Bahntickets, die Hotels, die Taxis, die Kosten für das Büro in München. Auf dem Klingelschild würde Stephanie Waldburg die vier Buchstaben neben seinem Namen mit einem schwarzen Filzstift übermalen. MdEP, Mitglied des Europäischen Parlaments, das ist er jetzt nicht mehr. Aber das ihm vertraute Wummern der Table Dance Bar im Erdgeschoss würde er weiterhin hören, und oben im Büro würde er weiterhin über sein Spezialgebiet nachdenken, den Balkan. Er würde sich keine neuen Visitenkarten drucken lassen, vielleicht die alten noch aufbrauchen.

Als Bernd Posselt in der Wahlnacht heimkehrt, ist es ein Uhr, vielleicht halb zwei. Normalerweise liest er dann noch in den druckfrischen Exemplaren der vier oder fünf Tageszeitungen, die er sich am Bahnhof gekauft hat, aber diesmal ist es anders, und er schläft schnell ein. Er grübelt nicht, er macht sich keine Sorgen, so erzählt er es später jedenfalls. "Schlafen geht bei mir so", sagt Posselt, "ich lege mich hin, schließe die Augen und schlafe."

Fast anderthalb Jahre liegt diese Nacht inzwischen zurück. Es ist ein Mittwoch im September, und Bernd Posselt stapft aus seinem Hotel in Straßburg, der Stadt des Europaparlaments. In einem unscheinbaren Zwei-Sterne-Hotel neben einem Tabakladen zieht er immer in dasselbe Zimmer, Nummer 179. Stephanie Waldburg hat auch immer dasselbe Zimmer, das neben Bernd Posselt, und der hat immer dieselbe Referentin, seit 26 Jahren, Stephanie Waldburg. Nennt man sie "Assistentin" oder "Sekretärin", wird man sofort von ihm verbessert. "Politische Referentin." Die 48-jährige Stephanie Waldburg drückt sich meist in Posselts Schatten herum, scheu und mit nach vorn gebeugten Schultern. Sie flüstert oft, manchmal stockend, manchmal unhörbar. Aber wenn sie sich äußert, dann spricht eine kluge, belesene Frau. Sie hat sogar ein Handy, einen abgenutzten Klotz von Nokia. Wer Posselt erreichen will, landet bei ihr. Sie schreibt ihm Wochenpläne in einer Computerschrift, die an die Typografie alter Schreibmaschinen erinnert. Eng bedruckt sind die Papiere, mit denen sie ihn in die Welt entlässt. "Dringlichkeiten", steht da zum Beispiel, "1. Russland, 2. Angola, 3. Aserbaidschan". An manchen Tagen ist der Kalender so voll wie der eines Ministers.

Bernd Posselt läuft mit Stephanie Waldburg zur Haltestelle der Straßenbahn und wartet. Als die Tram eintrifft und die Türen sich öffnen, steigen die beiden ein, und Bernd Posselt beginnt einen seiner wilden Vorträge, die den ganzen Planeten umkreisen. Er spricht über die besten bulgarischen Fleischspieße, den Wiener Kongress, Charles de Gaulle, das neo-wilhelminische Gesicht von Straßburg, das jüdische Viertel, die französische Küche als Weltkulturerbe, die Lage in Weißrussland und "Wladimirs Liste", Wladimir Putins Liste der 89 Personen, die nicht mehr einreisen dürfen. Bernd Posselt ist einer von ihnen, der einzige Bayer. Er war stolz, als er davon erfuhr. "Ich habe Erfahrung mit Einreiseverboten von autoritären Regimen", sagt er.

In das Rumänien des Diktators Ceaușescu schmuggelte er sich 1988 mit einer deutschen Touristengruppe ein, wurde von der Securitate beschattet und rausgeworfen. Er bestach, so erzählt er, rumänische Grenzer mit Zigaretten, damit Lastwagen aus Deutschland Hilfsgüter in Krankenhäuser bringen konnten.

Als die Straßenbahn vor dem Parlamentsgebäude hält, steigen Bernd Posselt und Stephanie Waldburg aus und schlagen den vertrauten Weg ein. Posselt darf weiterhin den Eingang für Parlamentarier benutzen, der gilt auch für Ehemalige. Das meiste darf er weiterhin tun, er darf in Ausschüssen und Arbeitsgruppen sitzen, er besucht auch Treffen seiner Fraktion. Nur im Plenarsaal hat er nichts mehr verloren, dort hat er keine Stimme mehr.

Posselt steht vor dem Eingang und kramt in seinem zerfledderten Kartenetui nach dem Ausweis der Organisation für ehemalige Parlamentarier, aber er findet ihn nicht. "Ist auch egal", sagt er, die Pförtner kennen ihn. Plötzlich klopft ihm ein bärtiger Mann auf die Schulter. "Hallo, Bernd", sagt der Mann und lacht. Es ist Martin Schulz, der Präsident des Parlaments. "Bernd, wir sehen uns sicher später noch", ruft Schulz und verschwindet. Bernd Posselt nennt Schulz einen Freund. Schulz lud Posselt als seinen persönlichen Gast auf die Ehrentribüne ein, als der Papst im vergangenen November vor dem Parlament sprach. Es war das einzige Mal, dass sich Posselt auf die Besucherbank setzte. Er hält sich nicht für einen Zuschauer, er ist mittendrin. Im Parlament nennen sie ihn "das Gedächtnis".

In diesen verwinkelten Gebäuden kennt Bernd Posselt Hunderte Menschen persönlich, Tausende mit Namen (Ehemalige mitgerechnet), und Stephanie Waldburg kennt immer noch ein paar mehr als ihr Chef. Sie erinnert sich an die Namen von Menschen, die sie nur aus Posselts lange zurückliegenden Erzählungen kennt. Einige von ihnen hat Posselt schon vergessen. Wenn Bernd Posselt das Gedächtnis ist, was ist dann Stephanie Waldburg? Eine schwer zu ergründende Beziehung verbindet die beiden. Sobald er dicht neben ihr sitzt, wird Posselt leiser, und Stephanie Waldburgs Flüsterton verwandelt sich in eine wahrnehmbare Stimme. Dann nähern sie sich an. Posselt erzählt ihr amüsante Episoden aus seinem Leben, und Waldburg lacht befreit auf. Wer unterhält sich da, ein Mann mit seiner kleinen Schwester? Manchmal schickt er Stephanie Waldburg in Sitzungen, wenn er selbst verhindert ist. Manchmal spricht Stephanie Waldburg leise etwas vor, und Bernd Posselt bläst es dann dröhnend heraus. Sie könnte auch seine Souffleuse sein.

Stephanie Waldburg ermahnt ihn, die Sitzung der Menschenrechtsgruppe nicht zu verpassen. Vor dem Saal begrüßt Posselt den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister, dann geht er hinein und setzt sich auf seinen Platz. Waldburg hat die Papiere der Fraktion geprüft und herausgefunden, dass Posselts Änderungswünsche berücksichtigt wurden. "Alles drin", sagt sie. Den CSU-Abgeordneten hat Posselt dringend empfohlen, die Besetzung der Krim durch russische Truppen "völkerrechtswidrige Annektierung" zu nennen.

Ein paar Stuhlreihen entfernt sitzt der polnische Abgeordnete Jarosław Wałęsa, ein Sohn des Solidarność-Helden Lech Wałęsa. Dem Sohn streichelte Posselt schon übers Haar, als der noch ein kleiner Junge war. Wann immer in Osteuropa ein Krieg, eine Krise oder ein Aufstand ausbrach, machte sich Bernd Posselt auf den Weg. Oft fuhr er Freiheitsbewegungen hinterher, und viele der Widerstandskämpfer von damals trifft er heute im Parlament wieder.

Der Abgeordnete Tunne Kelam winkt zu Posselt herüber. Kelam stand an der Spitze einer Demokratiebewegung in Estland, als KGB-Funktionäre im Jahr 1991 gegen Gorbatschow putschten und sowjetische Panzer durch die estnische Hauptstadt Tallinn rollten. An einem geheim gehaltenen Ort am Stadtrand sprach Bernd Posselt vor Kelams Gegenparlament. "Europa ist solidarisch mit Ihnen", sagte Posselt in ein Mikrofon, und ein Fernsehsender übertrug seine Worte.

In Slowenien erlebte er 1991 den Angriff der Jugoslawischen Volksarmee, deren Luftwaffe Sturzflüge in Richtung des Platzes in Ljubljana unternahm, auf dem gerade die Unabhängigkeitsfeier begonnen hatte. "Heute sind wir zum ersten Mal in der Geschichte frei", sagte ein slowenischer Minister zu Posselt, "morgen sind wir wahrscheinlich alle tot." Posselt verbrachte Tage im Keller des Parlaments, ohne Gepäck, ohne Pass und ohne Geld, und er übermittelte per Telex Lageberichte an Stephanie Waldburg in München, die Posselts Nachrichten an den Kongress in Washington und die Duma in Moskau weiterzuleiten hatte.

Im Jahr 1992 ließ sich Posselt an die Front in der Stadt Mostar in Bosnien-Herzegowina fahren. Nirgendwo im Land war der Krieg zwischen Kroaten und Muslimen verheerender. Posselt trug keine Schutzweste, und für einen Scharfschützen hätte es Ziele gegeben, die leichter zu verfehlen gewesen wären als der Mann aus Bayern. Aber niemand hatte Posselt davon abbringen können, sich ein Bild von der Lage zu machen.

Das alles sollte man wissen, bevor man sich darüber wundert, dass Bernd Posselt unbeirrt weitermacht und einen Fahrer bezahlt, der ihn an Wochenenden in einem Mietwagen zu Tagungen nach Tschechien bringt und in die entlegensten Orte auf dem Balkan. Das sollte man wissen, bevor man darüber Witze reißt, dass er so kolossal aus der Form geraten ist und sich an der politischen Rettung des Rohmilchkäses beteiligt hat. Das sollte man wissen, bevor man darüber lächelt, dass Posselt sein Münchner Büro als Zwei-Schichten-Betrieb organisiert hat, morgens bis nachmittags, nachmittags bis Mitternacht – und Posselt beide Schichten übernimmt. Das alles sollte man wissen, weil man sonst denken könnte, Bernd Posselt habe bloß einen Tick. Er hat aber keinen Tick, er hat sich selbst einen Auftrag erteilt.

Im Sitzungssaal fragt ihn ein Tscheche: "Wie geht es dir?" Ein Kroate sagt: "Ich muss Sie begrüßen." – "Kann mein Mann dich anrufen?", will eine Abgeordnete aus Polen wissen. "C’est compliqué, comme toujours", meint ein Franzose im Vorübergehen. Bernd Posselt spricht Englisch und Französisch, Italienisch und Spanisch, er versteht Tschechisch, kämpft sich mühevoll durch kroatische Zeitungen, in Ungarn kann er Straßenschilder lesen. Er hat sich alles selbst beigebracht. Europa hat es ihm beigebracht. Posselt hat nie studiert, er fing als 18-Jähriger ein Volontariat bei den Badischen Neuesten Nachrichten an, wurde Journalist, wechselte später als Assistent zu Otto von Habsburg, der 1979 ins Europaparlament einzog. Vorher waren die Abgeordneten nicht von den Bürgern direkt gewählt worden.

Wer durch Posselts Augen auf das Europaparlament blickt, der sieht keine unnützen Anträge und überflüssigen Debatten. Der sieht Szenen eines historisch einmaligen Experiments. Der sieht die Abgeordneten aus Lappland und jene aus den Karpaten. Der sieht die Sizilianer und die Katalanen und die Flamen, die alle paar Wochen zusammenkommen, um sich über die Vorbehalte in ihren Heimatländern hinwegzusetzen und etwas Unerhörtes zu versuchen: eine europäische Einigung, eine Verständigung über gemeinsame Werte, ein Hohes Haus der Menschenrechte. Wer durch Posselts Augen blickt, der hat nichts übrig für die Häme über die vermeintliche Machtlosigkeit der Europäischen Union, denn er kann etwas erkennen, was meist unsichtbar bleibt – die magnetische Kraft einer Idee und die verschattete Schönheit von Politik. "Ich lege doch die Demokratie nicht ab, nur weil ich nicht mehr gewählt wurde", sagt Posselt.

Schon Ende der neunziger Jahre stellte er im Europaparlament ein Papier vor, in dem er Quoten für die Verteilung von Flüchtlingen forderte. Und noch heute bitten ihn Abgeordnete am Rande der Sitzungen in Straßburg um Rat, wenn es um Osteuropa oder den Balkan geht. In diesen Ländern, die manche Parlamentarier allein von offiziellen Besuchsprogrammen kennen, ist Posselt oft auf eigene Faust unterwegs und sammelt Informationen. So kämpfte er für die Aufnahme Kroatiens in die EU, als viele Politiker kaum noch Lust verspürten, den Staatenverbund zu erweitern.

Im Juni dieses Jahres saß er an einem weiß gedeckten Tisch in einem Berliner Restaurant und begründete, warum er nicht viel vom Nationalstaat hält. Er sagte: "Der Nationalstaat ist zu groß, um Heimat zu sein. Aber er ist zu klein, um den Problemen der Welt zu begegnen." Das war ein mutiger Satz für jemanden von der CSU, der sich am selben Tag noch mit den Sudetendeutschen treffen wollte. Posselt findet, dass sich die Türken in Deutschland gut integriert hätten und dass "wir über Flüchtlinge viel zu viel jammern". Die Menschen aus Albanien und Serbien, aus Mazedonien und dem Kosovo sind "Europäer, die durch Zufall auf der falschen Seite gelandet sind". So sieht er das.

Die Familie seines Vaters stammt aus dem Isergebirge in Böhmen. In einem Roman seines verstorbenen Freundes Otfried Preußler, der dort aufwuchs, kommen viele Menschen vor, die Posselt heißen. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Vertreibung. "Der Nationalismus hat eine 800-jährige Familiengeschichte zerstört und diese Welt vernichtet", sagte Posselt, "ich bin gegen jeden Nationalismus." Er verehrte Franz Josef Strauß für etwas, an das sich heute kaum jemand erinnert – für ein frühes Bekenntnis zu Europa. Das alles erzählte Posselt im Restaurant.

Er aß ein Wiener Schnitzel und trank ein Glas Veltliner. Dann fiel ihm eine Gabel herunter. "Das ist mir noch nie passiert", sagte er verwundert. Die Kellnerin brachte ihm eine neue Gabel. Als er in ein Stück Schnitzel stechen wollte, fiel die nächste Gabel unter den Tisch, und Posselt schaute verlegen zur Seite. Zum Schluss erhob er sich zufrieden und trat hinaus auf die Terrasse. Er kannte keinen der anderen Gäste, aber er verharrte einen Moment lang mitten unter ihnen und lächelte. Wärme macht ihm nichts aus, er hält sich für hitzebeständig. Der Sommer, sagte er, sei seine Jahreszeit. Posselt ließ sich von der Sonne anstrahlen und stand da wie ein Mensch, der noch alles vor sich hat. Die Kellnerin sah ihm nach wie einem fremdartigen Kind. Unter dem Tisch im Restaurant blieben drei Gabeln liegen.

Während der Sitzungen in Straßburg ist Bernd Posselt oft der Erste, der sich meldet. "Yes, Bernd", sagt dann der Vorsitzende. Manchmal redet Posselt einfach drauflos. Es weiß ohnehin jeder, wer er ist und dass er etwas zu sagen hat. Manchmal wird er vom Vorsitzenden nicht drangenommen, obwohl Posselt ausdauernd aufgezeigt hat. Dann kann es passieren, dass er kurz einschläft. Friedlich liegt Posselt da, mit ruhigen Atemzügen, die Hände über der Brust verschränkt und gefaltet, so, als wolle er sein Herz beschützen.

Sobald er erwacht, richtet er sich auf und ruft spontan in eine Sitzung hinein. "Muy bien" oder: "Very important!" In der Arbeitsgruppe zum Thema Minderheiten fehlt er nie, er ist ja selbst eine schützenswerte Minderheit. Weil Bernd Posselt findet, dass die bedrängte Minderheit der Raucher unfair behandelt werde, steckt er sich in Biergärten demonstrativ ein Zigarillo an. Dabei raucht er sonst nie.

Posselt hat einen Freund, der die kornische Sprache in Cornwall neu beleben möchte. Posselt interessiert sich für die Südtiroler in Italien, die Serben im Kosovo, die Polen in Litauen, die Korsen und Sorben und Kaschuben, er hat sich für Kinderbücher auf Bretonisch und für die walisische Sprache in Radiosendungen eingesetzt.

Bernd Posselt war auch dafür, dass die EU ein Fernsehprogramm für Tataren fördert. Von den Tataren erzählt er gern. Viel hat er über sie gelesen. Seine Wohnung ist voller Bücher, und er würde niemals wagen, ein Buch wegzuwerfen. Es käme ihm vor wie Mord. "Mord", so drückt er das aus.

Posselt war zu Gast in Dörfern der Tataren in Polen, auch in Bulgarien, er aß bei ihnen Hammelfleisch. "Man kann ein Volk nur kennenlernen", sagt er, "wenn man mit ihm gegessen hat." Bernd Posselt ist viel herumgekommen, er kann sich Ortsnamen wie Kota Kinabalu auf der Insel Borneo merken, aber in der Republik Tatarstan war er noch nie. Bernd Posselt auf Tournee in Tatarstan, das würde man gern erleben.

Er war fünf Jahre alt, als er seine erste Rede hielt. Bernd klingelte bei Nachbarn, die Tür öffnete sich, und der Junge begann zu referieren, über irgendetwas. So ging es los. Während eines Spaziergangs mit seinen Geschwistern und Eltern in der französischen Stadt Colmar verirrte sich der sechsjährige Bernd und landete schließlich auf einem Marktplatz. Als die Eltern ihn wiederfanden, stand er auf einem Podest und sprach vor Zuhörern über das erstaunliche Gefühl, verloren gegangen zu sein. Später, in der Politik, hielt er mehr als tausend Reden, und wenn es stimmt, was er behauptet, dann behalf er sich nie mit einem Manuskript.

Denkbar ist auch, dass die Politik ihn gesund gehalten hat. Krank wurde er, als er den Europawahlkampf seines früheren Chefs Otto von Habsburg unterstützte. Posselt sprach auf Marktplätzen, 100 Auftritte, oder 120, er brüllte – so lange, bis seine Stimmbänder versagten. Er verbrachte eine Woche in einem Krankenhaus, danach ging es weiter. Das ist gemeint, wenn Posselt sagt: "Ich war zuletzt 1979 krank."

Nicht gemeint ist der doppelte Schulterbruch, den er sich vor 13 Jahren zuzog, als er auf dem Weg zu einer politischen Veranstaltung in Oberfranken in einen Zug sprang, böse ausrutschte und anschließend in einer Klinik ambulant operiert wurde. Posselt musste einen Arm in eine Schlinge legen, die vor seiner Brust fixiert wurde. Im Europaparlament saß er dann mit einem Pullover. Das Malheur wollte er vor seiner Mutter, die heute 94 Jahre alt ist, verbergen. Aber die Mutter sah ihn im Fernsehen, rief in seinem Büro an und fragte: "Warum trägt Bernd einen Pullover?"

Für Posselt war es ein unwesentliches Ärgernis. Eine Krankheit ist etwas anderes, etwas, das ihn von der Politik abhält. Krank ist er, wenn er einem Saal voller Meinungen nicht mehr seine Stimme hinzufügen kann.

An einem Sonntag im Oktober besucht Bernd Posselt den Tierpark Hellabrunn in München. Posselt versteht von Tieren mindestens so viel wie von Tataren. Er sagt: "Das Wichtigste ist, dass sie nicht überrascht werden." Schon als Kind besuchte er Pferderennbahnen, aber es interessierte ihn nicht, welche Pferde gewannen. Ihre Anmut bewunderte er. Zoodirektor wollte er werden, fuhr schon als 12-Jähriger mit dem Zug zu den Zoos in Frankfurt, Hamburg und Wien. Stundenlang stand er vor den Gehegen und beobachtete so fasziniert die Tiere, dass einige Zoodirektoren auf ihn aufmerksam wurden. Er lernte Bernhard Grzimek kennen, den berühmten Chef des Frankfurter Zoos.

Dank seiner guten Beziehungen zu den Wärtern drang Bernd oft in die Nähe der Elefanten vor, die er liebte. Sobald er aufgetaucht sei, hätten sie ihn erkannt, sagt er. Bernd streckte seine Hand auch nach den Affen aus, und einmal durfte er einen Käfig mit frei laufenden Löwen betreten. Seine Eltern glaubten die ganze Zeit, der Junge gehe einer harmlosen Beschäftigung nach, aber er setzte sein Leben aufs Spiel, weil er mehr erfahren wollte als das, was in Büchern stand.

Wenn Posselt heute für ein paar Tage in den Urlaub fährt, zu Weihnachten und zu Ostern, dann zieht er sich in einen Gasthof in einem österreichischen Dorf zurück. An manchen Tagen setzt er sich in einen Weinberg und liest, an anderen Tagen fährt er nach Wien in den Zoo. Er kann die Willkommenslaute der Löwen von denen der Tiger unterscheiden, "Wuff" und "Buff". Er hat herausgefunden, dass Flusspferde ihr Maul weit aufreißen, wenn sie guter Laune sind. Er hat auch die Sprache der Affen gelernt. Bernd Posselt beherrscht zwei verschiedene Affen-Dialekte. In einem Wald in Malaysia brachte er einmal eine Horde Affen gegen sich auf, weil er die Dialekte verwechselt hatte, aber er wird nicht müde, zu behaupten, sein Leben verlaufe ganz normal.

56 Kommentare

Was für ein großartiger Artikel, vielen Dank dafür. Bernd Posselt geht seiner Sache mit großer Leidenschaft nach. Ich denke, beide Seiten haben etwas davon - er selbst sowieso, aber auch die europäische Idee braucht solche Enthusiasten, gerade in dieser Zeit.

Hätte ich noch einen Anhaltspunkt gebraucht, meine Meinung zu festigen, dass die Politik ihre Aufgabe verkennt, für die Wähler zu arbeiten und stattdessen um sich selbst kreist, jetzt hätte ich ihn.
Ungeachtet der Tatsache, ob es sich um einen sympathischen Menschen handelt oder nicht, hat der Mann für mich nichts mehr in den Ausschüssen des Europaparlaments verloren. Er ist nicht gewählt. Warum darf er dort mitmischen? Woher nimmt er die Legitimation, sich in diesen Ausschüssen einzubringen? Kann ich demnächst auch nach Strasbourg oder Brüssel fahren und mich einfach mal dazu setzen, weil ich mich dazu berufen fühle? Was denkt sich der Mann, und warum werden ihm keine Grenzen aufgezeigt?
Merkwürdiges Demokratie verständnis!

Her Posselt, ein Mensch der für seine Mission lebt, sicher ein wenig verschroben, aber ein überzeugter Europäer. Irritierend herablassend einige der Mitkommentatoren auf in niederschauen. Über die Gründe des Einzelnen kann nur gemutmaßt werden: Arrgoganz? Neid weil die eingen Mission fehlt? Ich jedenfalls bewundere Menschen, die in einer Mission ganz aufgehen, wenn ich auch selbst diese Selbstaufgabe leben kann und auch nicht will

"Er hat auch die Sprache der Affen gelernt. Bernd Posselt beherrscht zwei verschiedene Affen-Dialekte. In einem Wald in Malaysia brachte er einmal eine Horde Affen gegen sich auf, weil er die Dialekte verwechselt hatte,"

Ist denn schon erster April?
Hab extra geguggelt, aber den Herrn Posselt gibt es wirklich.
Irgendwie entzieht sich dieser Artikel meinem Verständnis.

Gerade lese ich - Zitat: " ...Endlich ein wählbarer Mensch, von denen brauchen wir mehr ..."
Wie bescheiden sind doch die Deutschen. Es würde einen, hierzulande lebend, noch mehr deprimieren, hätte es nicht mal einen Willy Brandt gegeben. Gerade im Vergleich zum aktuellen politischen Personal wird doch überdeutlich, wie sehr er fehlt.

Schon möglich, dass Herr Posselt sich auf einer Mission befindet. Ich finde getriebene Menschen, die scheinbar nichts haben und für nichts anderes Leben als ihre selbstauferlegte Sendung suspekt. Ich denke dann immer, dass die Fülle der Aufgabe die gigantische Leere dahinter verbirgt.
Mir tut er leid.

@DeeSnider: Ist dann nicht jeder mensch suspekt?
Beispiele:
Der Familienvater der alles für seine Familie macht!
Der "CarpeDiem" Mensch, lebt mehr oder weniger bewusst in den Tag hinein, aber es ist seine Mission!
Der Fussballfan, der kein Spiel seiner manschaft ausläßt!
Der Kino-Freund, der immer weis was aktuell läuft...
Der politisch, interessierte Bürger der mehr als ein Medium konsumiert um zu den einzelnen Themen möglichst breit informiert zu sein!
man kann zu Herrn Posselt steehen wie man will, aber er folgt nun mal seiner Berufung - Europapolitiker zu sein, naja und eigentlich finde ich es gut, wenn "alte Hasen" einem Neuling den Weg weisen, wie es organisatorisch im EU - Parlament läuft! Dies spart letztlich Zeit und Geld!
etc.
Und letztlich sie Selbst , die offensicht lich die Mission verfolgen, andere auf ihre Mission aufmerksam zu machen....

Posselts Abenteuer

„Posselt spricht sehr laut, er lacht sehr laut, und er singt sehr laut.“ … „Als die Tram eintrifft und die Türen sich öffnen, steigen die beiden ein, und Bernd Posselt beginnt einen seiner wilden Vorträge, die den ganzen Planeten umkreisen. Er spricht über die besten bulgarischen Fleischspieße, den Wiener Kongress, Charles de Gaulle, das neo-wilhelminische Gesicht von Straßburg, das jüdische Viertel, die französische Küche als Weltkulturerbe, die Lage in Weißrussland und "Wladimirs Liste", Wladimir Putins Liste der 89 Personen, die nicht mehr einreisen dürfen.“ Wenn er so laut spricht, konnte niemand in der Tram dem wilden Vortrag entgehen. Nicht sehr höflich, so ein Benehmen.

„Er würde sich keine neuen Visitenkarten drucken lassen, vielleicht die alten noch aufbrauchen.“ So macht man das, wenn man nicht viel von der Wahrheit hält.

„Posselt verbrachte Tage im Keller des Parlaments, ohne Gepäck, ohne Pass und ohne Geld, und er übermittelte per Telex Lageberichte an ... Waldburg, ... die Posselts Nachrichten an den Kongress in Washington und die Duma in Moskau weiterzuleiten hatte.“

„Dann fiel ihm eine Gabel herunter. "Das ist mir noch nie passiert", sagte er verwundert. Die Kellnerin brachte ihm eine neue Gabel. Als er in ein Stück Schnitzel stechen wollte, fiel die nächste Gabel unter den Tisch, ... Unter dem Tisch im Restaurant blieben drei Gabeln liegen.“ Herr Posselt hat einen Hang zur Lüge. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit des Arikels.

Pseudovertriebene wie Bernd Posselt und Erika Steinbach sind mir mehr als suspekt. Von Herrn Posselt hatte ich nie eine gute Meinung. Er ist auch nicht der einzige, der sich im "Jugoslawien-Krieg" vor Ort informiert hat. Und dass er in Mostar keine Schutzweste trug, ist kein Heldentum. Vielleicht hat ihm keine gepasst. Aber dass er den Rohmilchkäse gerettet hat, versöhnt mich dann doch ein wenig mit ihm. Und dass ein CSU-ler gleich zwei Affensprachen kann, ist natürlich eine wunderbare Erkenntnis.
Der Artikel ist sehr schön geschrieben. Den kann Posselt 2019 als Wahlwerbung verteilen.

Er scheint ohne Europaparlament sehr unglücklich zu sein. Man muss schon sagen, dass die Parlamentarier eine sehr privilegierte Position haben. Sie arbeiten mit internationalen Kollegen in einem wunderschönen Ambiente, genießen hohes Ansehen, kaum ein Wähler kennt sie, deshalb bleiben sie unbehelligt. Straßburg ist eine wunderschöne Stadt, die Küche ist sehr gut, das Elsass hat viel Charme. Da kann man sich als internationaler Parlamentarier viel Wichtigkeit zuschreiben, ohne je für sein Verhalten verantwortlich gemacht zu werden, was bei einem Lokalpolitiker ganz anders ist. Mir ist der Herr ziemlich unsympathisch.

Diesen Artikel brauchte ich jetzt. Hervorragend geschrieben , inhaltlich super.
"Posselt war zu Gast in Dörfern der Tataren in Polen, auch in Bulgarien, er aß bei ihnen Hammelfleisch. "Man kann ein Volk nur kennenlernen", sagt er, "wenn man mit ihm gegessen hat." "

Wie recht er doch hat, das sagt Andrew Zimmern auch immer. Und ich habe es selbst erlebt. Bei den Polen,Russen und Türken und anderen. Alleine deren Küche finde ich hervorragend. Golonka(Eisbein) ,Zapekantki in Polen, Rote Beete Suppe und Piroggen bei den Russen und Kisir und Mante bei den Türken. Meine Lieblingsgerichte. Aber auch die kroatische Küche ist Knaller.

Wer kann das schon von sich behaupten:
(Zitat): "...Bernd Posselt beherrscht zwei verschiedene Affen-Dialekte."
Und dennoch - was ist das doch für ein einsamer Kerl. Aber - vielleicht sind wir ja alle so. Bei ihm fällt es halt nur auf ...

wer bitte ist denn "euch" ? quasi alles arschgurken ausser sie + posselt.....!?
ich glaube aber dass der dann ihre denke gar nicht so dolle finden würde + anstatt ihr arschgurkengegenüberspezi zu sein eher in die arschgurkenbande wechseln würde

Wow. Es braucht viel mehr solch Politiker im besten Sinne, ob mit oder ohne Mandat. Denn er baut Brücken wo andere Zäune ziehen.

Liebe ZON was ist denn da los? Hab heute schon den zweiten ausführlichen tollen Artikel gelesen. Bitte unbedingt weitermachen.

Man muss kein Freund der CSU oder des Europa-Parlamentes sein, um ehrlich sagen zu können, dass Herr Posselt etwas besitzt, was sich bei vielen Politikern nicht mehr erkennen lässt: eine eigene Persönlichkeit und Liebe zur
"Berufung". Ein gelungener, lesenswerter Artikel- auch wenn man politisch woanders steht..

Ein sehr berührender Artikel. Zugegebenermaßen bin ich mir nicht sicher wo Geschichte in Fiktion übergeht, so ein bißchen wie in dem Film"Big Fish": "Er hat auch die Sprache der Affen gelernt. Bernd Posselt beherrscht zwei verschiedene Affen-Dialekte."

Witzig.

Ein Konservativer, CSU, Vorsitzender der Sudentendeutschen, christlich-konservativ, Prsident der Paneuropa-Union, die sich für ein christlich geprägtes Europa einsetzt, Mitbegründer des Studienzentrums Weikersheim, das rechter Umtriebe verdächtigt wird,.......

aber ein positiver Artikel in der ZEIT, und jede Menge positiver Kommentare.

Durchaus bemerkenswert.

Und lässt die Hoffnung zu, dass das konsequente Einstehen für seine Überzeugungen auch dann Respekt abnötigt, wenn man diese Überzeugungen nicht teilt.

Eine gelungene Hommage an einen interessanten Menschen!
Er stellt das dar, was aus Europa werden kann. Diese Toleranz kann in der Flüchtlingskrise auf keinen Fall schade.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass man - besonders die nationalen Parlamente - die Europapolitik bürgernäher und effektiver machen sollte.

Dieser Artikel hat mir sehr gut gefallen und er zeigt mir das es wirklich Menschen gibt die in ihrem Beruf aufgehen und sich engagieren für ein gutes und besseres Europa. Aber ist es nicht immer so, das nur Menschen im Rampenlicht gelobt werden, und die hinter den Kulissen die alles zusammenhalten vergessen werden. Ein toller Mensch der Herr Posselt.

Ich glaube nicht das Politik hinter verschlossenen Türen stattfinden kann. Vielmehr ist dieser Mann Teil eines politischen Projekts, das durch Gespräche und gut gemeinten Rat(in diesem Fall bin ich mir da sogar sicher) auf diese Art und Weise verbessert wird.
Auch sonst haben politische Vereine, Stammtische und Privatpersonen, sowie die Kirche auch schon durch Wünsche und Ratschläge Einfluss auf politische Prozesse genommen. Und dabei ganz aussenvor gelassen Lobbyarbeit.

Die Dichte der Lobbyisten in Brüssel und Straßburg ist so hoch, dass man kaum andere Menschen findet. Der Einfluss der Lobbyisten auf die EU ist gewaltig - wenn dagegen ein ehemaliges Mitglied des EP zulässigerweise an Sitzungen der Fraktion teilnimmt, um Entscheidungen mit fundierten Ansichten und auch historischer Perspektive zu unterstützen, habe ich wenig Bauchschmerzen.

Werte Sandra13,
Sie kennen doch sicher die Realtität in unserem Parlament? Die übrigens weltweit nur graduelle Unterschiede hat.
Da ist mir so ein Idealist doch lieber, als die Lobbyisten, denen das Gemeinwohl am Hi... pardon, vorbeigeht und die nur die Unternehmerinteressen im Auge haben.

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