Überwachung Agent in eigener Sache

ZEITmagazin Nr. 46/2015

Unser Autor wollte herausfinden, was der Verfassungsschutz über ihn weiß. Von

Der Tag, an dem ich stutzig wurde, war ein Dienstag im Januar vor drei Jahren. Als Reporter berichte ich über Sekten, Islamisten und immer wieder über: Neonazis. Das Schwierigste in unserem Job ist, Vertrauen zu Informanten aufzubauen und ihnen glaubhaft zu garantieren, dass sie und ihre Informationen sicher sind. Bis zu diesem Januartag ging ich davon aus, ohne Beobachtung der Sicherheitsbehörden frei recherchieren zu können. Mit einer Mischung aus Naivität und dem Glauben, einfach zu unrelevant für Geheimdienste und Polizeiermittler zu sein, schrieb ich unverschlüsselte Mails und plauderte mit Informanten unbefangen am Telefon.

Bis zum 31. Januar 2012. Mit Kollegen hatte ich einen mutmaßlichen Unterstützer der Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ausfindig gemacht. Es war schon dunkel draußen, als ich seine Nummer in mein Telefon tippte. Er war freundlich, wir sprachen ein wenig über die Vorwürfe, aber der ehemalige Neonazi war auch hörbar aufgelöst. Sein altes Leben schien ihn wieder einzuholen. Es war schon spät am Abend, und er bat mich, in einigen Tagen weiterzusprechen.

Nicht einmal zwölf Stunden später stürmten Beamte der Antiterroreinheit GSG 9 der Bundespolizei seine Wohnung. Der Mann sitzt heute neben Beate Zschäpe auf der Anklagebank im NSU-Prozess in München. Vielleicht war ich die letzte Person, mit der er in Freiheit gesprochen hat. Später erfuhr ich, dass die Polizei sein Telefon schon wochenlang abgehört hatte.

Seitdem nagt der Verdacht an mir, mein Anruf könnte etwas mit seiner Verhaftung zu tun haben. Hatten die Polizisten Sorge, dass ein Kontakt zur Presse die Ermittlungen beeinflussen könnte?

An diesem Tag schlich sich eine Verunsicherung in mein Leben.

Ein Jahr später verstärkte sich diese Irritation, als ich auf meiner privaten Webseite innerhalb weniger Tage Zugriffe von mir unbekannten Absenderadressen erhielt: 77.87.228.65, 77.87.228.67, 77.87.228.68, 77.87.224.98, 77.87.224.99 und 77.87.224.100. Noch nie waren mir Besucher mit diesen IP-Adressen aufgefallen. Die Gäste kamen über die Internetknotenpunkte Bonn und Berlin. Die Adressen gehören dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Das Amt betreut auch die Internettechnik von Bundesnachrichtendienst (BND) und Verfassungsschutz. Der Verfassungsschutz sitzt in Köln unweit von Bonn sowie in Berlin, der BND auch in Berlin.

In den Tagen der unerwarteten Besuche schrieb und recherchierte ich die letzten Kapitel eines Buchs über die Aktivitäten von NSA und dem US-Militär in Deutschland – und darüber, wie die deutschen Nachrichtendienste und unsere Regierung diese oft illegalen Aktionen unterstützen oder dulden. Das BSI konnte oder wollte mir schon damals nicht genau sagen, welche Geheimdienst- oder Ministeriumsmitarbeiter die IP-Adressen verwendeten, von denen ich plötzlich auffallend häufig Besuch bekam.

Der Guardian-Journalist Luke Harding berichtete fast zeitgleich, dass sich der Mauszeiger auf seinem Laptop manchmal ganz von allein bewegte oder vor seinen Augen eigenständig gerade geschriebene Zeilen löschte. All das geschah, während er an einem Buch schrieb: WikiLeaks: Julian Assanges Krieg gegen Geheimhaltung. Der taz sagte er: "Immer wenn so etwas passiert, ist klar, der GCHQ liest mit." Das Government Communications Headquarters ist der britische Partner der NSA.

Erst neulich sprach mich mein Chef an, was denn mit meinem Mobiltelefon los sei. Manchmal höre er ein Rauschen, wenn wir sprechen. Auffallend oft breche die Verbindung einfach mitten im Gespräch ab, ohne ersichtlichen Grund. Ehrlich gesagt, ist mir das auch schon aufgefallen. Nicht nur in Telefonaten mit dem Ressortleiter, sondern auch bei Gesprächen mit meinem Bruder, mit der Bankberaterin, den Eltern.

Ich wäre nicht der erste Journalist, der ohne sein Wissen von Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden in Deutschland belauscht wurde: Die Autorin Andrea Röpke durchleuchtet seit mehr als 20 Jahren die rechte Szene. 2013 wurde bekannt, dass der niedersächsische Verfassungsschutz jahrelang eine Akte über sie führte. Kurz darauf kam heraus, dass der amerikanische Geheimdienst CIA den NDR-Reporter Stefan Buchen ausforschte und dabei auch den deutschen Verfassungsschutz um Hilfe bat. Mit beiden Kollegen durfte ich bereits zusammenarbeiten – auch in den Jahren, in denen sie im Fokus der Nachrichtendienste standen.

Heute wissen wir, dass der Bundesnachrichtendienst am Internetknotenpunkt in Frankfurt seit mehr als einem Jahrzehnt die deutsche Netzkommunikation für die NSA scannt und abgefangene Informationen an die Amerikaner weitergibt. Auch über Politiker, EU-Behörden und deutsche Unternehmen.

Ich bin kein ängstlicher Mensch, leide nicht unter Verfolgungswahn, und auch Verschwörungstheorien stehe ich skeptisch gegenüber. Dass ich aktiv überwacht werde, glaube ich trotz Snowden-Affäre bis heute nicht.

Video: Fünf Tipps gegen die Überwachung Abspielen
Seitdem ZEIT-Autor Christian Fuchs weiß, welche Daten die deutschen Sicherheitsbehörden über ihn gesammelt haben, hat er seine Alltagsgewohnheiten drastisch verändert.

Trotzdem bin ich seit dem Telefonat mit dem NSU-Unterstützer vorsichtiger geworden. Kein Informant darf auch nur in die Nähe einer Gefährdung gebracht werden. Ich würde meiner Aufgabe nicht gerecht, wenn ein Whistleblower nach einem Gespräch mit mir seinen Job verlöre oder ein Informant in den Fokus von Ermittlungen geriete. Menschen wenden sich nur deshalb an uns Journalisten, weil sie über die Medien helfen können, Missstände ohne persönliche Nachteile aufzudecken. Vertrauen ist unser wichtigstes Kapital.

Immer öfter treffe ich mich darum mit Gesprächspartnern unter freiem Himmel. Ich schreibe Briefe, wenn ich Kontakt zu fremden Menschen aufnehmen möchte. Und ich nutze die Programme PGP, um meine E-Mails zu verschlüsseln, und Jabber, um sicher zu chatten. Die gleiche Technik sollen auch Julian Assange und Edward Snowden verwenden, um sich vor Mitlesern der amerikanischen Geheimdienste zu schützen.

Ob diese Programme wirklich sicher sind, weiß ich nicht. Ehrlich gesagt, will ich auch gar nicht in einer paranoiden Stasi-Gesellschaft leben, in der man solche Verschlüsselungsmethoden braucht.

Wenn ich in Internetforen und Sozialen Medien lese oder mit Bekannten spreche, habe ich immer öfter das Gefühl, dass die Bürger den Geheimdiensten überhaupt nicht mehr trauen. Äußert man auf einer Party, dass alles Gesagte und Geschriebene abgelauscht werde, nicken alle zustimmend. Es bleibt unwidersprochen, wenn mal wieder irgendwo geschrieben wird, dass sich BND und Verfassungsschutz einen "Staat im Staat" geschaffen haben – fern jeglicher demokratischen Kontrolle. Ich finde diese Haltung zynisch. Wir leben in einer Demokratie: Selbstverständlich werden die Dienste kontrolliert. Sie versuchen sogar, transparent zu arbeiten. Auch wenn vieles bei den Diensten in den vergangenen Jahren nicht korrekt lief, ist Deutschland immer noch ein Rechtsstaat. Ich wollte es mir nicht so einfach machen und die Sicherheitsbehörden von vornherein als böse abstempeln. Ich wollte den Agenten noch eine Chance geben. Darum startete ich ein Experiment.

Was wissen Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst und Bundeskriminalamt (BKA) über mich? Welche Telefonate haben sie abgehört? Welche meiner Lesungen haben sie besucht und was – wie im Fall von Andrea Röpke – mitgeschrieben? Gibt es den Mitschnitt meines Gesprächs mit dem NSU-Helfer noch?

In Deutschland sind Polizei und Nachrichtendienste dazu verpflichtet, Auskunft über Daten zu erteilen, die sie über einen selbst gespeichert haben. Über die Internetseite "Frag den Dienst" kann jeder Bürger sich einfach einen Vordruck für einen "Antrag auf Aktenauskunft" herunterladen. Ich druckte die drei Anträge aus, legte Kopien meines Personalausweises bei und wartete. Eine Woche. Zwei Wochen. Drei Wochen.

Als Erstes antwortete das BKA. Mit einem Standardbrief forderte mich das Amt auf, mich doch bitte durch eine "polizeilich bestätigte Kopie" meines Personalausweises zweifelsfrei zu identifizieren und mein "besonderes Interesse" an diesen Informationen offenzulegen. Was das allerdings sein soll, dieses "besondere Interesse", konnte mir keine der Behörden beantworten. "Das muss immer im Einzelfall entschieden werden", sagte mir die Sprecherin des Verfassungsschutzes.

Also bat ich die Beamten des nächstbesten Polizeireviers um eine Beglaubigung. Sie schauten mich verdattert an und wollten mich wieder wegschicken. Polizeilich beglaubigt hatte hier noch nie jemand etwas. Dann aber stempelten sie meine Ausweiskopie, die ich gleich wieder an das BKA sandte – zusammen mit meiner Motivationsauskunft. Ich schrieb den Diensten, dass ich als Journalist arbeite, bereits Kollegen bespitzelt wurden und ich immer wieder mit Menschen zu tun habe, für die sich auch die Sicherheitsbehörden interessieren. Nur mit einer Ahnung davon, was die deutschen Dienste über mich gespeichert haben und wie sie an diese Informationen herangekommen sind, könne ich meiner vom Grundgesetz geschützten Aufgabe als Journalist weiter vertrauensvoll nachgehen und meine Informanten optimal schützen. Ich brachte die Briefe zur Post. Dann wartete ich wieder. Zwei Wochen darauf teilte mir das BKA mit, dass keine Unterlagen über mich vorlägen. Weder in Inpol noch in der Antiterrordatei und auch nicht im "versteckten Bestand des BKA".

Die Affäre um die unbegrenzte Massenüberwachung durch die National Security Agency scheint auch andere Deutsche sensibler für die Hoheit über ihre Daten gemacht zu haben. Nach der Veröffentlichung der Snowden-Dokumente stiegen beim Auslandsgeheimdienst BND die Auskunftsersuchen um fast das Doppelte, beim BKA um ein Drittel und beim Verfassungsschutz noch um 14 Prozent.

Allein beim BKA wollten vergangenes Jahr über 1.500 Personen Einsicht in ihre Akten nehmen. All diese Menschen wurden aufgefordert, eine beglaubigte Ausweiskopie einzusenden und ihr "besonderes Interesse" für einen Auskunftsanspruch darzustellen. Viele verzichteten dann aber darauf. Lag es an dem umständlichen Verfahren oder daran, dass sich Bürger nicht selbst denunzieren wollten?

Nach der Logik der Dienste sollen Interessierte, die ihre eigenen Daten einsehen wollen, zuerst einmal zugeben, dass ihr Bruder sich dem IS angeschlossen hat, man als Reporter einen militanten Bundeswehrgegner getroffen hat oder als Geistlicher ein Gemeindemitglied betreut, das sein bisheriges Leben als Drogendealer bereut. Nach elf Wochen lag ein Brief des BND in meinem Kasten. Fast feierlich teilte mir der Auslandsgeheimdienst mit, dass ich mein nun bereits "gesteigertes Auskunftsinteresse" erfolgreich begründet hätte. Die Spione schrieben mir, dass sie angeblich keine eigene Datei über mich angelegt hätten. Aber "andernorts" hätten sie etwas gefunden. Es folgte eine Liste von Texten und Fernsehbeiträgen aus den vergangenen zehn Jahren, an denen ich mitgearbeitet hatte. Die Agenten hatten meinen Namen außerdem in einer dpa-Nachricht und in einem Dokument des Bundestags gefunden. Es klang für mich, als würden BND-Mitarbeiter den gesamten Tag nur Zeitung lesen und Fernsehen gucken.

Ähnlich liest sich auch der Brief des Verfassungsschutzes, der mich jedoch erst mehr als sieben Monate nach meiner ersten Anfrage erreichte. Das Bundesamt habe keine Daten zu meiner Person verdeckt gespeichert, aber doch Hinweise in seinen Akten gefunden. Zwei dicke schwarze Punkte sind das Ergebnis der Suche. Unter dem ersten Punkt steht, dass ein Neonazi in einem rechten Fanzine ein Buch rezensiert habe, das ich mitverfasst hatte. Unter dem anderen Punkt schreibt der Verfassungsschutz, dass ein Antifa-Blatt über dasselbe Buch geschrieben habe und die Partei Die Linke in Thüringen auf seiner Webseite darauf hinweise.

Diese Informationen sagen mehr über den Geheimdienst als über mich. Eine "rechtsextremistische Publikation" wird von den Agenten gleichrangig ausgewertet wie das Internetangebot des damaligen Oppositionsführers und der heutigen Regierungspartei eines Bundeslandes.

Ganz am Ende des dreiseitigen Schreibens informiert mich der Verfassungsschutz noch, dass meine Telefonnummer, meine Mailadresse und meine Adresse bei der Pressestelle "hinterlegt sind". Ich selbst hätte dem Dienst diese Informationen durch Anfragen übermittelt. Habe ich das wirklich? Ich kann mich nicht erinnern, dem Verfassungsschutz jemals meine Postanschrift gegeben zu haben.

Die Antworten der Sicherheitsbehörden verunsichern mich mehr, als dass sie mich beruhigen. Wissen die Spione und Ermittler wirklich nicht mehr über mich? Dann wäre das ein Zeichen, dass sie bestimmte Extremisten, mit denen ich Kontakt hatte, nicht genau genug überwachen. Oder wissen sie vielleicht noch ganz andere Dinge über mich und wollen sich durch die Bekanntgabe von Lappalien nur vor der ganzen Wahrheit drücken? Für diese Annahme gibt es starke Indizien. Da sind zum einen die überwachten Journalistenkollegen. Und da sind zum anderen befreundete Reporter, die in diesem Jahr Briefe vom Generalbundesanwalt erhielten. Der oberste Strafverfolger der Bundesrepublik informierte sie, dass sie in der Vergangenheit zufällig als unbeteiligte Personen in eine Überwachungsmaßnahme geraten waren, weil die Telefone von ihren Informanten abgehört wurden.

Ich rufe bei der Generalbundesanwaltschaft an. Die Sprecherin sagt, es könne auch sein, dass ich von der Polizei bei Ermittlungen gegen Verdächtige zufällig belauscht wurde, meine Daten aber längst wieder gelöscht wurden. Abgelauschte personenbezogene Daten müssten nicht gespeichert werden, wenn sie für die Ermittlungen nicht relevant seien. Es kann also sein, dass mein Gespräch mit dem NSU-Helfer mitgeschnitten, aber gar nicht aufgehoben wurde. Ich hoffe, dass die freundliche Frau recht hat. Doch meine Verunsicherung konnte sie mir nicht nehmen.

Ich empfinde die Antwortbriefe der Dienste als Farce. Sie spiegeln im Kleinen aber den Grundkonflikt von geheim arbeitenden Behörden in einer nach Transparenz strebenden Demokratie wider: Auf der einen Seite wollen wir in einem sicheren Land leben, das seine Feinde beobachten muss – auch so, dass diese es nicht merken. Andererseits sollen die Wände der Geheimdienste gläsern sein. Wie passen Nachrichtendienste mit ihren Methoden, wie sie in den fünfziger Jahren in der alten Bundesrepublik entstanden sind, noch in unsere moderne digitale Demokratie? Müssen sie vielleicht einfach anders kontrolliert werden?

Ich besuche einen Bundestagsabgeordneten. Aufgabe der Parlamentarier ist es auch, die Dienste zu überwachen. Die Volksvertreter sind quasi die Chefs der Agenten. Als ich das Abgeordnetenbüro betrete, wendet sich als Erstes eine Mitarbeiterin an mich und sagt etwas Überraschendes: "Bitte legen Sie Ihr Mobiltelefon in einem anderen Raum ab, bevor wir anfangen, uns hier zu unterhalten."

32 Kommentare

Bei all den in diesen Kommentaren erwähnten Anlässen für eine Überwachung fehlt mir der plausibelste. Angenommen, man arbeitet in einer regierungskonformen Institution von Fernsehen, Rundfunk oder Presse, deren Chefredakteur mit Gott und der Welt in freundlichem Kontakt lebt – ist es da nicht naheliegend, dass dieser seine in- oder ausländischen Freundschaften in gewissen Diensten dazu nutzt, die Gesinnungstreue seiner Mitarbeiter überprüfen zu lassen?

Andersdenkende scheinen wohl für jede Regierung eine Gefahr darzustellen.
Daraum vergeudet die Regierung mit ihren Geheimdiensten Steuergeld, um harmlose Bürger zu übrrwachen, nur weil die nicht alternativlos denken.

Zum dem Thema der Übereachung in Deutschland forscht und veröffentlich seit Jahren der Zeithistoriker Professor Josef Foschepoth.
Seine Erkenntnisse, dazu Wikileaks und Edward Snowden bewirken selbst bei Optimisten totale Desillusionierung hinsichtlich Vertrauen des Staates in seine Bürger.

Nur bei ehem. DDR-Bürgerrechtlern offensichtlich nicht.
Für die ist die Welt wohl in Ordnung, solange es Bananen gibt.

Und solange der Anführer aller Bürgerrechtsbewegungen, Pfarrer Gauck, das höchste Amt im Staate inne hat, kann umfassende Überwachung so schlecht nicht sein.
https://foschepoth.wordpr...

https://foschepoth.wordpr...

Man muss nicht alles preis geben. ein wenig Know-how und schon wird es dunkel. Ich verwende Linux als Betriebssystem. Für die Websuche StartPage.com. Als Browser Thor. Weiters ein weit verzweigtes VPN System. Zum Mailen verwende ich StartMail.com. Das ist das einzige Programm, dass PGP per Mausklick zur Verfügung stellt und meine Schlüssel kann ich in einem Tresor mit 4098 bit Verschlüsselung aufbewahren. Es gibt also Möglichkeiten ;-)

jgbk: "Vielleicht kann er mir dann einmal in der Woche eine Zusammenfassung schicken." Können Sie theoretisch bekommen, wenn Sie schon das neue Windows10 haben. Eltern erhalten, so habe ich gelesen, jede Wochen einen "Aktivitätsbericht", damit sie im Bilde sind, was ihre Kinder im Internet so treiben. Meinen Sie, das geht für Erwachsene nicht auch? Nein, der Geheimdienst interessiert sich nicht für jeden seiner Millionen Bürger persönlich. Aber es gibt viele, die an Ihren Daten Interesse haben und welche Auswirkungen das auf Ihr Leben hat, können Sie gar nicht nachvollziehen.

"Ehrlich gesagt, will ich auch gar nicht in einer paranoiden Stasi-Gesellschaft leben, in der man solche Verschlüsselungsmethoden braucht."

Hihi,
lustige Formulierung, als ob man sich das aussuchen könnte.
Auch wenn erst ein kleiner Teil dessen was an Überwachung passiert rausgekommen ist, ...
Es ist mir VÖLLIG unverständlich, wie man zu einer Einschätzung kommen kann, dass wir NICHT in einer Gessellschaft leben, die mit Methoden, die über die Möglichkeiten der Stasi weit hinausgehen, eine totale Überwachung der Gesellschaft beständig - stets am rand des technisch machbaren - zu optimieren bestrebt ist.
'INDECT' war lediglich ein kleiner Anfang, wie wir jetzt wissen, falls wir es wissen wollen.

Wir (mein Mann und ich) machen seit Jahren Witze darüber, dass der Verfassungsschutz wahrscheinlich immer wieder Leute austauschen muss, weil diese sich den Bockmist, den sie sich bei uns anhören müssen, nicht mehr ertragen können. Selber schuld.

PS: Ich bin leider völlig unmusikalisch. Ich erlaube hiermit jeder Band, die sich entsprechend betätigen will, sich meines Namens "Hörkraftzersetzung" zu bedienen. Ein schöner Bandname, finde ich....

die Grenze der Schnüffelei ist schon längst erreicht,aber es wird munter weitergehen und man sollte auch nicht mehr von Schnüffelei oder Spionage sprechen
immer mehr Menschen sind gefangen in diesem high tech Nirwana und geben ihr Privatleben freiwillig aus der Hand,wieviel Nutzer hat z.B. facebook jetzt ,mehr als eine Milliarde angeblich
der ach so moderen Mensch von heute wird auch seine privatesten Räumlichkeiten,sein Fahrzeug freiwillig verwanzen und sein Vermögen,Dank abschaffung des Bargeldes bedenkenlos an externe Verwalter auslagern um sich danach über die Überwachung und Schnüffelei aufzuregen
was für eine Farce

Um alles über mich heraus zu finden bräuchte man kaum Aufwand. Ich bin AlgII- Empfängerin und wegen einer schweren psychischen Erkrankung habe ich eine berufliche beantragt - das Amt hat nun genauen Einblick in meine Finanzen, meine Kontoauszüge, darf in meine Wohnung um nach verdächtigen Zahnbürsten oder verborgenen Reichtümern Ausschau zu halten, hat Zugang zu meinen Krankenakten, natürlich auf "mit meiner Zustimmung", aber wenn ich irgend etwas verweigere bekomme ich keine Unterstützung. Und wäre in wenigen Wochen obdachlos. Also muss man nur meine Akte beim Jobcenter lesen um alles über mich zu wissen. Kein gutes Gefühl.

Ja.
So ist das.
Und es gibt auch ein Gegenüber: die Parallelgesellschaft der Vermögenden und der Reichen, die abseits jeglicher Kontrolle nach Belieben ihre Vermögensteile steuerfrei quer über den Globus schieben können.
Nennt sich dann "die Friheit der marktkonformen Demokratie".
Genau dass ist gemeint, wenn die Mächtigen postulieren, dass "WIR" Sicherheit und Überwachung brauchen, um "UNSERE" Freiheit zu verteidigen.
Pluralis majestatis nennt sich das eigentlich. Und da erstaunt es mich auch nicht, wenn (zu Recht) von einer Re-Feudalisierung der Gesellschaft gesprochen und geschrieben wird.

"Ich kann mich nicht erinnern, dem Verfassungsschutz jemals meine Postanschrift gegeben zu haben. "
Die Postanschrift (zumindest die Adresse des Hauptwohnsitzes) steht üblicherweise auf dem Personalausweis. Wenn der Autor also beide Seiten seines Personalausweises in Kopie den Behörden übermittelt hat, haben die Behörden auch seine Postanschrift, zumindest die seines Hauptwohnsitzes. Oder habe ich etwas überlesen/falsch verstanden?

Zitat: Der Guardian-Journalist Luke Harding berichtete fast zeitgleich, dass sich der Mauszeiger auf seinem Laptop manchmal ganz von allein bewegte oder vor seinen Augen eigenständig gerade geschriebene Zeilen löschte.

Kein Einzelfall wird hier aufgezeigt. Bevor ich sämtliche relevanten Dateien für die Remote-Kontrolle von der Festplatte gelöscht hatte, hatte ich die gleiche Erfahrung gemacht. Ursache sind Hintertüren in Microsofts Betriebssystemen, die höhere Admin-Rechte erfordern, als diejenigen, die in dem erworbenen und installierten Betriebssystem zur Verfügung stehen:
http://forum.freenet.de/s...

Danke für den Artikel.
Informantenschutz. Der ist nicht mehr gegeben. Keine Redaktion kann diesen mehr garantieren. Auch wenn Kommunikation nicht elektronisch erfolgt. Verabeitet werden die Daten IMMER innerhalb der Redaktion elektronisch. Auch Metadaten fallen an. Cellphone!
Briefe schreiben. Süss. Echr süss.
Zugbrücke hochziehen, wenn keine Zugbrücke mehr vorhanden. Journalisten, Ärzte, Seelsorger. Gesetzelslos, da kein Rechtsschutz mehr. New World. Aber es ist nicht unsere ... keinesfalls.

Da Internet hat systembedingt keine Privatsphäre. Alles was man ins Netz schreibt ob Mail oder Kommentar, ist genauso als wenn man eine Postkarte auf die Straße wirft, in der Hoffnung dass sie einer zum Empfänger bringt ohne sie zu lesen. Das muss einem einfach klar sein wenn man sich im Internet bewegt alles Andere ist grenzenlos naiv.
Wenn einer meint, unbedingt den ganzen Spam den ich bekomme, lesen zu müssen, dann soll er es halt tun wenn er nichts anderes zu tun hat. Vielleicht kann er mir dann einmal in der Woche eine Zusammenfassung schicken.

Ich kann mich noch gut an das deutliche "klick" erinnern, wenn sich die Stasi wieder mal in unserer Telefonleitung breit gemacht hatte. Das war dann der Zeitpunkt, mal wieder richtig vom Leder zu ziehen. Man wusste ja, dass es ein Protokoll geben würde.
Habe dutzende Abschriften in meiner Akte gefunden.
Insofern ist es doch immer noch die direkteste Art von Kritik, die man nach oben weitergeben kann.
Mir ist es mittlerweile egal, wer was mithören kann.

Merkwürdige Welt, in der jeder vor Abgabe einer Meinung sich erst versichern muss: „Ich stehe Verschwörungstheorien grundsätzlich skeptisch gegenüber, aber...“ oder „Ich habe mit den Nazis nichts am Hut, aber...“ Was ist das für eine hysterische Gesellschaft geworden, in der jeder jeden jeder „Gesinnungsperversion“ verdächtigt oder sich ihrer verdächtigt fühlt und schon mal präventiv mit einer Präambel beginnt, bevor er zur Sache kommt? Wer es nötig hat, das zu bekräftigen, der muss es wohl nötig haben. Ich gehe mittlerweile konsequent davon aus, dass jedes meiner Worte und jede meiner Tätigkeiten beobachtet werden oder beobachtet werden können. Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht der Fall, wird aber für unsere Kinder und Enkel wahrscheinlich bereits zum Alltag gehören. Jeder Gegenstand den sie benutzen wird dank Internet der Dinge geeignet sein, seinen Benutzer an allen möglichen und unmöglichen Stellen zu verpetzen. Ich glaube nicht, dass sich das noch aufhalten lässt. Selbst der Chip unter der Haut jedes Menschen wird irgendwann Alltag sein und so selbstverständlich getragen werden ,wie heute ein Smartphone. Ob man das dann noch freiheitliche Demokratie nennen kann, ob man es selbst heute noch kann, mag jeder selbst entscheiden.

Ihr Telefon rauscht? Kaufen sie sich ein neues, ihr aktuelles ist kaputt oder von schlechter Qualität. Falls sie tatsächlich abgehört werden, so wird sich das ganz bestimmt nicht durch ein Rauschen oder Abreissen der Verbindung bemerkbar machen. So etwas mag zu Zeiten der Analogtelefonie vorgekommen sein, aber Mobiltelefone funktionieren digital und ein Digitalsignal wird durch mithören in seinem Informationsgehalt nicht verändert, daher gibt es kein Rauschen oder dergleichen.
Auch der Rest ihres Artikels enttäuscht mich, denn ich habe immer noch keine Antwort darauf, ob sie nun abgehört werden oder nicht. Nur weil sie ihr Telefon im Vorzimmer ihres Bundestagsabgeordneten abgeben mussten, heisst das nicht, dass es eine Bestätigung ihres Verdachts ist. Ich vermute eher, dass man verhindern wollte, dass sie das Gespräch mitschneiden.
Leider heisst das nicht, dass die Behörden ihnen gegenüber wahrheitsgemässe Angaben gemacht haben und nichts über sie wissen. Wir sind leider genau so schlau wie vorher, nur mit dem dumpfen Gefühl, dass eventuell doch etwas dran ist an ihrer Geschichte. Aber wir sind ja alle keine Verschwörungstheoretiker und schenken solchen Hirngespinnsten keinen Glauben, oder etwa doch?

Sehr interessant... wenn Deutschland noch ein Rechtsstaat ist, dann sollte man gleich anfangen, die Behörde für Stasiunterlagen, in die Behörde für die Einsichtnahme für die Unterlagen der NSA/BND und Stasi der Bundesrepublik Deutschland umbenennen. Am besten unter der Federführung von Herrn Gauck. der weiß ja noch wie es geht. :((

Herr Fuchs Danke für Ihren Artikel.
Ich habe ihn 1 Minute nach erscheinen gelesen. Beim Video ist mein iPad 2* mal abgestürzt und zuletzt war es blockiert - es erschien für ca. 1 Minute nur das Apfel-Symbol. Bin ich jetzt Sympatisant? Wenn ja - für wen?

Danke für den Aufsatz in eigener Sache. Mir ist es beim Lesen mehrmals eiskalt den Rücken runtergelaufen. Und das liegt weniger daran, dass Christian Fuchs diesen gut geschrieben hat, sondern noch viel eher am beklemmenden Inhalt, an den meines Erachtens antidemokratischen Zuständen. Ich habe mich gefühlt wie damals, als ich zum ersten Mal "Das Leben der Anderen" gesehen habe.

"Auch wenn vieles bei den Diensten in den vergangenen Jahren nicht korrekt lief, ist Deutschland immer noch ein Rechtsstaat."

Ist das so?
Woran machen Sie das fest?
Was müsste passieren, daß es (für Sie) nicht mehr so ist?

Nein, das ist keine Polemik, das sind ernsthafte Fragen!
Ich persönlich bin eher der Meinung, daß wir schon lange keinen Rechtsstaat mehr haben, möglicherweise nie einen hatten.
Aber auch mir ist klar, daß die Realität nie mit theoretischen Idealzuständen mithalten kann.

Wo also ziehen wir die "praktische" Grenze?

Was akzeptieren wir noch?
Wann sagen wir: Nein! DAS darf in einem Rechtsstatt nie vorkommen!

???

Was bei der Stasi Unrecht war, das ist auch beim Verfassungsschutz Unrecht, oder ist das etwas anderes?

Nennen wir ein paar Kinder beim Namen:

- Einwanderung von Gefährdern. Wir gewähren Gefährdern Asyl, die versucht sein können Konflikte aus ihren Heimatländern hierzulande auszutragen. Es flüchtet ja keiner ohne Grund und die Gründe müssen nicht immer nett sein.

- Wir führen selbst in der Heimat von Asylsuchenden Krieg, tragen an toten Zivilisten Mitverantwortung und produzieren so Zorn.

Unsere "Kollateralschäden" hatten alle Freunde und Verwandte.

Können wir, so wie es läuft, gleichzeitig "die Guten", sicher und unüberwacht sein? Wähle zwei von dreien.

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