Tee Macht Tee schön? Ist er gesund? Warum sehen Teebeutel neuerdings oft so komisch aus?

Das haben wir Experten gefragt. Hier sind ihre Antworten Von und
ZEITmagazin Nr. 47/2015

1. Warum sind manche Teebeutel pyramidenförmig?

ZEITmagazin: Herr Krapf, als Leiter der Tee-Abteilung von Dallmayr kennen Sie sich mit Teebeuteln gut aus. Warum begegnen einem neuerdings Beutel, die doppelt so lang sind wie üblich oder die wie Pyramiden aussehen?

Rudolf Krapf: Die Pyramidenbeutel haben wir seit drei Jahren im Angebot, die langen Beutel sind für Kännchen in der Gastronomie. In die neuen Beutel passen die großen Blattstücke hinein, die wir sonst als losen Tee verkaufen. Damit wird der Tee hell und blumig, und die Kunden sind begeistert. So einen guten Tee hätten sie noch nie getrunken, hören wir oft.

ZEITmagazin: Sie bestätigen die Alltagserfahrung, dass Tee in einfachen Teebeuteln normalerweise nicht schmeckt?

Krapf: Nein, dieses Vorurteil ärgert mich. Immer heißt es, im Teebeutel ist der ganze zusammengekehrte Rest drin. Das stimmt aber nicht. Es sind einfach nur die kleinblättrigen Bestandteile des Tees. Dieser Tee kommt, wie die großen Blätter, von derselben Pflanze und hat also dieselbe Qualität. Er zieht nur schneller und wird dunkler. Deshalb empfehle ich, Teebeutel nicht so lange ziehen zu lassen.

ZEITmagazin: Trotzdem mag man oft den Beuteltee nicht, der einem in Gaststätten serviert wird.

Krapf: Es gibt sehr gute Tees in Teebeuteln, aber wenn ich mir im Supermarkt eine Packung Tee mit 25 Beuteln für 2,50 Euro kaufe, muss ich mich darauf einstellen, dass das nicht die beste Qualität ist. Der Kunde greift gern zum bequemen Produkt. Teebeutel machen zwei Drittel des Markts aus.

ZEITmagazin: Also werden in Teebeutel doch eher schlichte Tees abgefüllt?

Krapf: Der Teebeutel steht für die einfache Variante des Teegenusses. Earl Grey oder Englische Mischung, also kräftige, ergiebige Tees, werden eher in Teebeuteln verkauft. Große Blattbestandteile schmecken feiner, da sind die Bitterstoffe nicht so im Vordergrund. Der großblättrige Tee ist deshalb auch teurer. Zum Beispiel Darjeeling, der Champagner unter den Tees. Und den bekommt man jetzt eben auch im Pyramidenbeutel.

ZEITmagazin: Beeinflusst der Teebeutel selbst auch den Geschmack?

Krapf: Nein, es kommt nur auf die Feinheit des Tees an. Allerdings ist bei den klassischen Teebeuteln immer ein ganz leichter Papiergeschmack zu bemerken. Die sind aus Abacá, einer Bananenstaude. Ist Ihnen aufgefallen, dass sich die neuen Beutel anders anfühlen?

ZEITmagazin: Sie sind glatter, als wären sie aus Kunststoff.

Krapf: Ist aber Maisstärke, geschmacks- und geruchsneutral. Leider um einiges teurer in der Herstellung, so ein Beutel kostet im Laden 30 bis 40 Cent.

ZEITmagazin: Warum wird der klassische Teebeutel, der jahrzehntelang gleich aussah, ausgerechnet jetzt verändert?

Krapf: Der Teebeutel mit den zwei Kammern, den es seit den zwanziger Jahren gibt, ist eine geniale Erfindung. Das Wasser kommt gut an den Tee heran, und er kann sehr einfach produziert werden. Die neuen Beutel sind für den Genusstrinker, der bisher losen Tee gekauft hat und es einfacher haben will.

ZEITmagazin: Was ist der nächste Trend, kugelförmige Beutel?

Krapf: Es soll bald Tee in Kapseln geben. In Frankreich ist der schon auf dem Markt, aber mich hat er nicht überzeugt. Immer populärer wird außerdem alles, was süß und bunt und aromatisch ist. Wir arbeiten jetzt mit Roten Beten und mit Karottenstücken. Das sieht alles gut aus, hat aber mit echtem Tee nichts mehr zu tun. Das finde ich als Tee-Experte jammerschade.

Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Danke für den schönen Bericht. Tee ist eines der sehr gesunden Praefernzen (zusammen mit bitterer Schokolade ) des modernen Menschen. Es hat sehr hohe Antiooxidantien wie z.B die Polyphenole, EGCG die unabdingbar für gesunde Zellen und chronische Entzündungen (Inflammation) wirken. Und ausserdem schmeckt es wunderbar und hat auch wenig Kaffein. Mit Zitrone wird es viel gesünder weil die Antioxidantien besser absorbiert werden.