Deutschlandkarte Männliche Kinderbetreuer

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ZEITmagazin Nr. 51/2015

Auch Männer können Kinder erziehen, das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Trotzdem arbeiten in Kitas und Kindergärten nur sehr wenige Männer. In Weiden in der Oberpfalz gibt es zum Beispiel gar keine, in Frankfurt am Main und in Kiel ist immerhin jeder siebte Erzieher männlich – der Spitzenwert. Gründe für den Mangel gibt es viele: Kinderbetreuung wird schlecht bezahlt und ist traditionell ein Frauenberuf. Und dort, wo Frauen in der Überzahl sind, fühlen sich Männer unter Umständen als Außenseiter. Dass Männer besonders in bayerischen Kindergärten fehlen, liegt auch daran, dass jeder, der dort mit Hauptschulabschluss Erzieher werden will, erst einmal Kinderpfleger werden muss. Und Kinderpfleger tragen weniger Verantwortung, in der Praxis gibt es fast nur Kinderpflegerinnen. Anderswo haben es männliche Kinderbetreuer leichter, auch dank der Lobbyarbeit von Initiativen wie der Koordinationsstelle "Männer in Kitas" aus Berlin. Und wo Männer erst einmal sind, kommen mehr Männer nach.

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Fremde Kinder zu betreuen ist so ziemlich der schlechteste Rat, dem man einem jungen Mann bei der Berufswahl geben kann. In unserem Kindergarten wurde ein motivierter junger Berufsanfänger aufgrund seines Geschlechts von den Eltern abgelehnt. Der Mißbrauchsvorwurf steht ständig im Raum, in vielen Kitas dürfen männliche Erzieher nicht einmal ohne offene Tür die Windeln wechseln. Der Erzieherverband sprach schon vor Jahren vom "Damoklesschwert" des sexuellen Mißbrauchs, welches über jedem männlichen Erzieher schwebt. Warum sollte sich das jemand antun?
Übrigens: Der Vorwurf, das Männer das Erziehen fremder Kinder lieber Frauen überlassen, dürfte viele Scheidungsväter sauer aufstoßen, denn die dürfen nicht einmal ihre eigenen Kinder erziehen.

Genau das sind auch meine Erfahrungen auf diesem Gebiet: ständiges Misstrauen und Generalverdacht lassen kein entspanntes arbeiten zu, man verkrampft immer mehr und macht Fehler. Ich habe daher komplett das Berufsfeld gewechselt. Zudem muss man aufpassen, dass man(n) durch eine Arbeit, bei der man ständig von fast ausschliesslich weiblichen Kollegen misstrauisch beäugt wird, nicht seinerseits Vorurteile gegen Frauen entwickelt. So wichtig es also wäre, mehr Männer im Bereich der Vorschulichen Erziehung und Betreuung zu haben, kann ich aus meiner Erfahrung heraus leider nur sagen: Jungs, lasst es lieber.