Erziehung Hat Dir das keiner beigebracht?

Vom Schnürsenkelbinden bis zum Uhrzeitlesen: Sind unsere Kinder eigentlich alltagstauglich? Von

ZEITmagazin Nr. 51/2015

Schieb ich’s halt auf den Computer. Denn an jenem Wochenende, als der neue kam, drifteten meine Jungs mal wieder aus der Welt. Sie wurden in das digitale Universum hineingesogen, und es blieben von ihnen nur ihre körperlichen Hüllen. Mit denen versuchte ich zu kommunizieren. Das ging so: Kommt ihr jetzt mal? Zieht ihr bitte zum Mittagessen die Schlafanzüge aus? Warum? Weil! Es-sen!! Die Zähne habt ihr heute Morgen auch noch nicht geputzt. Hände waschen! Esst das bitte auf, der Computer läuft nicht davon. Stellt ihr die Teller bitte in die Maschine? Nein, nicht auf den Tisch – in die Ma-schi-ne! Nicht quer, das habe ich doch schon hundert Mal erklärt. Und könntet ihr bitte den Müll runterbringen. Na, in die Tonne!? Nicht barfuß in den Hof, es regnet seit zwei Tagen, hast du das nicht gemerkt? – Hallo, Schatz, bitte schau mich mal an. In die Augen. Und jetzt einatmen, ausatmen. Guten Tag, ich bin deine Mama. Und was sollst du jetzt bitteschön machen?

Zähne putzen, Hände waschen, Gesicht auch. Schnürsenkel binden. Hose aufknöpfen, wenn man reinschlüpft, dann wieder zuknöpfen. Schulranzen packen. Uhr lesen, Karten lesen, Fahrkarte lösen. Einfach nur ein Brot schmieren; schön wäre mehr, aber immerhin. Alles in allem: sich im Alltag zurechtfinden.

Das wäre mir wichtig. So als Mutter und Mensch würde ich es meinen Kindern gern vermittelt haben. Nicht nur, damit sie später ohne Putz-Mamsell und Pizzaboten klarkommen. Sondern auch – ich sage das, weil ich die Frage nach dem tiefer gehenden Sinn gut kenne: weil ich glaube, dass das keine spießige Zumutung ist. Überflüssig, weil wir doch Apps, Gadgets und Imbissbuden haben. Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass es für den Menschen wichtig ist, sich zu verorten. Im Körper wie im Geist. Also da zu sein, nach dem Motto: Ich bin hier, also bin ich. Und nicht: Ich – Major Tom, die da – Ground Control.

Warum ich so scharf daherrede? Weil ich Zweifel habe, an meinen Kindern. Und an uns Eltern, ihren Vorgesetzten und Vorbildern. Ich fürchte nämlich, da läuft was schief.

Seit Jahren verfolgt mich ein Satz. Ausgesprochen wird er eigentlich nie, aus Rücksichtnahme. Er lautet: "Hat dir das keiner beigebracht?" Ich sehe diesen Satz in den Augen von Schwiegermüttern und Großvätern – und manchmal sogar in denen anderer Eltern. Die es vermutlich besser drauf haben als ich, als wir, unsere Kinder zu selbstständigen Wesen heranzuziehen, die auch all jene praktischen Fertigkeiten beherrschen, die das Leben des Menschen ausmachen.

Dieser Artikel stammt aus dem ZEITmagazin Nr. 51 vom 17.12.2015. Hier können Sie die aktuelle Ausgabe lesen.

Dieser Satz – wenn sich die Großmutter zum Kind hinabbeugt, das – acht war es da – mit seinen Schnürsenkeln ringt und diese typische arabeske Mehrfachverschlingung anstellt. Die, das sieht man sofort, nach ein paar Schritten aufgelöst sein wird. Oder wenn der Großvater mit Fassungslosigkeit beobachtet, wie sein Enkel – zehn ist er schon – mit Butter, Messer und Brot kämpft. Und ein Schlachtfeld aus Brocken und Bröseln hinterlässt. Und mein eigenes Erstaunen darüber, wie ein Schulranzen "heutzutage" aussieht: ein Gefledder aus losen Papieren, stumpfen Stiften und geknickten Heftern. Und kein Mensch sagt was. Doch sie meinen: "Hat ihnen das keiner beigebracht?!"

Habe ich absurde Ansprüche? Wofür Schulhefter, wenn sie Smartboards haben? Und außerdem: Sind Wissen, Leistung, Sport und Spaß nicht viel wichtiger als dieses Alltags-Gedöns?

Einige Freundinnen sagen: Das Leben da draußen sei hart genug – da wollten sie die Kinder, so lange es geht, hier drinnen verwöhnen. Aber sind die dann, erstens, nicht überfordert, wenn sie auf die Welt losgelassen werden? Wie lernen sie, zweitens, die Dinge des Alltags? Und werden sie, drittens, dann nicht genauso wie die meisten Männer um mich herum: verwöhnte Muttersöhnchen? Auf die, leider, was selbstständige Unternehmungen im Haushalt angeht, immer noch Ulrich Becks Klassiker aus den Achtzigern zutrifft: "verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre". Oder ist es gar kein Geschlechterding?

Die Tochter eines Bekannten zum Beispiel, klug, lieb, nett und gerade nominell erwachsen geworden. Als ich ihr einen Ferienjob vorschlug – ich musste sie mit Engelszungen bequatschen –, stellte sich heraus: Sie hatte noch nie ein Bad geputzt. Sie konnte nicht kochen. Und wie oft muss man, öh, Blumen gießen? Jetzt, da sie studiere, brauche sie eine Putzfrau. – Wow, dachte ich, und in meinen Augen züngelte es vermutlich, wieso hat dir das denn keiner beigebracht?

54 Kommentare

Ich habe bereits mit 20, als ich unseren ältesten Sohn zur Welt brachte, gewußt, dass ich nun mindestens 18 Jahre nur sehr wenig oder keine persönliche Zeit haben würde. Kind geht nämlich vor Eigeninteresse, zumindest nach meinem Dafürhalten.
Selbst bei einer Vollzeit-Berufstätigkeit kann man/frau Kinder in den Alltag einbinden, altersgerecht, ohne zu meckern, mit Geduld. Man/frau kann dann eben nicht in ein Fitness-Studio, sich mit Freund(en)innen treffen, sondern liest (liest vor) Bücher mit den Kindern, schaut ausgewählte Dinge am Fernseher oder spielt am Computer MIT den Kindern.
Schon ein zweijähriges Kind kann mit Kinderbesteck essen, die Krümel werden dann einfach weggewischt und das Gesichtchen gesäubert. Wenn es aber dann etwas größer wird, sind Besteckteile keine fremden Gegenstände. Zehnjährige können einen Kinderkochkurs besuchen und schon an den Wochenenden für die Familie eine Mahlzeit zubereiten, Zwölfjährige eine Bohrmaschine bedienen. Dauert alles länger, als wenn die Eltern es selbst machen. Die erwachsenen Kinder sind aber alltagstauglicher.
Ich habe Verständnis dafür, dass der Alltag mit Kindern die Eltern erschöpft, aber relativ wenig Verständnis, wenn die Elternrolle nicht ernst genug genommen wird.

Bleibt einiges zu hoffen. Zu allererst, dass die Söhne schön bei ihren Gepflogenheiten bleiben - und niemals über den Artikel ihrer Mutter fallen. Schon mal daran gedacht, wie es diesen Kindern gehen muss, wenn sie lesen, wie unverholen ihre eigene Mutter öffentlich kund tut, dass sie im Grunde froh ist, wenn sie sich nicht noch um ihre Kinder kümmern muss. Autsch. Ja - auch an ungewollt Kinderlose an dieser Stelle mein Mitgefühl.
Auch schon mal auf die Idee gekommen, wie es den Kindern damit geht, wenn sie ihre eigenen Unzulänglichkeiten täglich spüren müssen? Die fragenden, fassungslosen Augen der Großeltern sehen u.a.?
Was Kinder antreibt, ist das gleiche wie bei Erwachsenen: Erfolg (auch vor sich selbst!) und Anerkennung (und hier können die meisten angebrachte Anerkennung von Pseudolob recht gut unterscheiden). Beides scheint die Autorin ihren Kindern systematisch und gänzlich empathiefrei vorzuenthalten. Traurig.

Es geht nicht immer nur ums "Beibringen", es geht darum, Kindern etwas zuzutrauen, es geht darum, beim Lernen Fehler und Unperfektes zuzulassen. Daran mangelt es offensichtlich auch der Verfasserin des Artikels. Kinder sind heute nicht nur Projekte, sie sind Ausstülpungen des Selbsts ihrer Eltern. Kein Wunder, dass sie einerseits alles gemacht bekommen und so unselbständig gehalten werden und dass sie anderseits in der Schule und an der Uni brillieren sollen und dies auch tun. Das Argument der fehlenden Zeit oder gar dasjenige, dass die "digitale Welt" das verursachen solle, sind m.E. Ausreden dafür, dass man Kindern keine Eigenständigkeit zutraut, dass diese den Eltern auch Angst macht. Im Deutschen spricht man übrigens vom Er-Ziehen; das romanische Pendant heißt educare: herausführen. Zum Führen muss ich - anders als beim Ziehen - loslassen und ermutigen können.

Es gibt in jeder Generation Eltern, die bereit sind Zeit und Geduld für ihre Kinder zu haben, und dann eben die anderen. Mir waren meine Abendstunden mit den Kindern z.B. immer wichtiger als ein Yoga-Kurs.
Kein Kind benötigt 147 Versuche um eine Schleife binden zu lernen.
"Das Digitale ist für mich das Bild für einen Zustand. Der Mensch verschwindet, als verabschiede sich der Geist von seinem Körper, als würde er abgezogen aus dem Hier und Jetzt. Wenn ich sehe, wie meine Kinder an den Bildschirm und in das digitale Universum gesaugt werden ..., ist es für mich, als stürben sie."
Hat diese Dame noch nie ihre Kinder beobachtet, wenn sie ein pannendes Buch lesen?

eltern die ihren kindern nichts beibringen können, weil ihnen zeit oder geduld fehlen und gleichzeitig der neuen modetechnologie die schuld an der unselbstständigkeit und unfähigkeit der kleinen die schuld geben, sind das letzte.

auch maß halten gehört zu den dingen die eltern ihren kindern beibringen müssen. wer das nicht macht, hat eben aktiv einen 'smartphone zombie' herangezogen. selber schuld.

Als ich fünfzehn war, das war 1987, gab es eine Erzieherin, die mich vor dem Computer warnte und versuchte, mich davon fernzuhalten. Ich würde schon viereckige Augen haben, ich solle mich nicht dauernd von dem Ding bedudeln und berieseln lassen. Ich haßte sie dafür.
Heute kann ich die Autorin dieses Artikels sehr gut verstehen. Heute würde ich den Kindern und Jugendlichen auch am liebsten den ganzen Digitalquatsch aus den Händen winden.
Aus genau dem Grund: diese Dinge sind die reinste Droge; alles ist so schön übersichtlich, schematisch und bunt, alles darauf ausgelegt, viele kleine Erfolgserlebnisse und Kicks zu verschaffen, damit man dranbleibt und immer wiederkommt. Das war schon beim Fernsehen so, und wird mit Computern, Smartphones, Tablets, Smartwatches usw. immer weiter perfektioniert.
Die Menschen leben immer mehr in einer Scheinwelt mit Scheinfreunden und Scheinerfolg, und wollen mit der Wirklichkeit nicht mehr als unbedingt nötig zu tun haben.

Eltern, die Erziehung verweigern, sind eine Plage!
Für ihre Kinder, für ihre Umwelt, für Kita und Schule, für alle.
Wer keine Grenzen kennenlernt, keine Fähigkeiten erlernt hat, weil ihm die Erzeuger den Schulranzen hinterher tragen, ihn im Grundschulalter noch die Schnürsenkel binden, ihm materiell jeden Wunsch erfüllen, nichts von ihm erwarten, außer stundenlang vpr TV und PC abzuhängen, ihm vorgaukeln, dass die Umwelt nur dazu da ist, auf ihn Rücksicht zu nehmen-- umgekehrt aber nicht, der hat sehr schlechte Karten, sein Leben erfüllt leben zu können.

Wofür sollen Kinder sich begeistern in einer Welt, in der scheinbar alles da und käuflich ist? In der sie und jede Anstrengung evident überflüssig und im Grunde nicht erwünscht sind und alles auch durch andere gemacht werden kann? "Sich regen bringt Segen" war ein altes Sprichwort. Heute gilt "Wer sich versteckt, überlebt." wo? Im Digitalen:)

Das "Digitale" ist daran nicht schuld - eher diese Verkinderung. 18jährige können nichts und sind stolz drauf, sind in facebook-Gruppen wie "gegenlaufen, umrennen, hinfallen-ich:D" und finden das voll süß und frech und Chaos ist ja so niedlich... Außerdem kriegen sie eingebleut, neimals Hausarbeit können zu müssen, weil das ja so Un-Karriere, so Un-Selbstverwirklichung ist. Es soll ja an manchen Unis Elternabende geben. Von solchen Schnullis sollen dann deren wirkliche Kinder noch was lernen? Die Armen! Außer Umrennen, Gegenlaufen, Hinfallen und Chaoskäfer wird's dünn. Kann ich nicht, mach ich nicht, hab ich 'ne Allergie gegen und wie kann der Lehrer sowas bloß fordern?? Wenn mal in der Schule oder Uni (ist mittlerweile fast das gleiche, mit genau dem gleichen Niveau) mal was anderes als Jeder-hat-mal-recht-Diskussionen mit ununterbrochener Wassersauferei (babymäßig "mein Trinken" genannt) veranstaltet wird, wird's schon kritisch und viel zu schwer.

"Es soll ja an manchen Unis Elternabende geben. "
Weil es mittlerweile viel mehr minderjährige Studenten gibt als früher.

"facebook-Gruppen wie "gegenlaufen, umrennen, hinfallen-ich:D""
Was Spaß an der Infantilisierung (gab es schon immer, siehe Modelleisenbahnen) mit Lebensuntüchtigkeit zu tun hat, leuchtet mir nicht ein.

Als ich auf der Toilette eines amerikanischen Lebensmittelbetrieb ein 1. Mal den Hinweis "Vergiss nicht, Deine Hände zu waschen" (nach dem "Geschäft") zu lesen bekam, war mir klar: Keine unserer Kulturtechniken ist selbstverständlich, und Regression zurück zur Tierwelt droht jederzeit und allen, Groß wie Klein.

JA ERZIEHUNG IST MÜHSAM

Das IGING schrieb vor 4000 Jahren:
"Nichts ist leichter zu vermeiden und schwerer durchzusetzen, als Kindern den Willen zu brechen...."
Aber wenn Eltern frei sein wollen, tun Kinder nicht was sie sollen, ganz einfach und wenn man sie in KITA und KIGA steckt sind sowieso unerziehbar, weil man den andern Eltern ja keine Vorschriften machen kann....

Witzig geschrieben, aber doch bitte nicht immer die Technik verteufeln! Die Begriffe "Traumsuse" und "Hans-guck-in-die-Luft" sind keine Erfindung des PC-Zeitalters, der Kopf in den Wolken auch nicht. Manche Menschen sind eben nicht so körperlich wie andere, auch kein Drama, aus denen kann trotzdem noch was werden.
Und der Rest? Wird sich wohl finden, bislang hat jede Generation überlebt. Für Kinder ist oft alles interessanter als der Alltag, und wenn wir ehrlich sind geht es uns doch genauso. Nur haben wir schlicht keine Wahl und schummeln uns so durch. Ich kann bis heute keine gerade Stulle vom Brot abschneiden, darf aber trotzdem Auto fahren und arbeiten ;)

Beibringen können auch andere, aber alles zu seiner Zeit.
Ich muss so fünf (1941) gewesen sein, da sagte meine Schwester, wir müssten sparsam mit der Butter sein. Als ich sie mir aufs Brot kratzte, meinte meine Mutter, ich würde sie mir gemeinerweise in die Löcher stopfen.
Also diese Rabenmutter hat mir auch das mit den Schnürsenkeln nicht beigebracht. Das war eine nette Frau auf der Straße: "Kannst Du das nicht? Dann zeige ich es dir." Da war ich vielleicht sieben.
Einer meiner Söhne hat in der ersten Klasse das Lesen nicht gelernt, brauchte er auch nicht, denn er kannte das Lesebuch wegen seiner beiden älteren Brüder auswendig. Seine Lehrerin hat's nicht gemerkt, ich habe sie gefragt, ihr aber nichts gesagt. Als wir dann nach Dänemark zogen, fiel es der dänischen Lehrerin schon in der ersten Woche auf. Auf meine Frage, wie sie das mit dem Lesen denn so handhabte, meinte sie: "Viele Kinder können schon lesen, wenn sie in die Schule kommen. Anderen bringen wir es bei, wenn sie es bis acht nicht können."
Seine Brüder haben es ihm dann gezeigt, weil sie ihm keine Comics mehr vorlesen wollten.
Irgendwie hat irgendwer den Kindern das beigebrachte, was sie zum Leben brauchen.
Allerdings weiß ich seit gestern, dass sich eins meiner Kinder selbstständig machen will. Zu meiner Frau habe ich gesagt: "Da muss ich ihm aber noch ein bisschen Buchhaltung beibringen, damit er Umsatz und Gewinn auseinander halten kann." Werde ich machen, ein Nachmittag muss reichen.

Was für ein alberner, überflüssiger Artikel. Wer jemals gesehen hat, wie stolz eine Sechsjährige ist, dass sie etwas selbst gelernt hat und daher kann, was ihr vor zwei Monaten noch wie Zauberei erschien, wird nicht mehr fragen, ob sie das lernen muss. Ja, sie muss!
Und noch eine Frage: Verschenkt Frau Bleuel ihre Geschenke mit Klettverschluss?! Und was kreativeres als Kinder, die ihre Geschenke verpacken, gibts sowieso nicht...

Sie schlagen ernsthaft vor, durch mangelndes Antreibern erlernte Lethargie mit zusätzlicher Sanftheit und noch mehr Verständnis zu kompensieren? So werden Sie ganz schnell lebensunfähige Fleischberge züchten! Kinder brauchen Regeln, Vorbilder und Grenzen, damit Sie Eigenständigkeit entwickeln können.

Wozu Kinder antreiben? Kinder sind neugierig. Und machen eben alles nach. Wie man Staubsaugt, Kehrschaufel und Besen benutzt, Zähne putzt und sich ein Brötchen buttert etc., kann ein Kind mit zweieinhalb Jahren durchaus beherrschen (eigene Erfahrung), wenn man es denn machen lässt.
Bei mir persönlich führt äußerer Antrieb eher dazu dass ich etwas nicht gerne mache...

Meine Meinung: weniger Antreiben, mehr vormachen und machen lassen. Und eben nicht erst mit 12, da ist das Thema Erziehung eh durch.

das große problem sind eltern, die schon galle spucken, wenn ein kind zwei brötchen und den tisch beim beschmieren lernen versauen. und auch solche die so kommen 'wenn dus nicht richtig machst kann ichs auch gleich alleine machen'
kinder sind keine kleinen arbeiter denen man die hausarbeit abdeligiert damit man selbst weniger arbeit hat.

Herrlicher Artikel der das heutige Dilemma ziemlich genau trifft....
Und anstatt aufzuräumen, damit ich nachher mehr Zeit für meine Kinder habe, sitze ich hier und kommentiere....
So jetzt leg ich den Zeizfresser weg und gehe ans Werk.

Die Zeiten ändern sich einfach und die Computer werden nie wieder weg gehen. Die eigentliche Tragik ist doch, dass hier von den Eltern Kompetenzen im Putzen und Kochen angeboten werden. Damit kommen sie heute und morgen bestimmt sehr weit. Ich verstehe auch nicht so recht, was es da zu lernen geben soll außer vielleicht Disziplin. Man könnte sich ja auch gleich beklagen, dass die Jugend heutzutage weder Spinnrad noch Pflug bedienen kann. Sich gönnerhaft zu fühlen, wenn man jungen Abiturientinnen eine Putzstelle anbietet, topt dann noch alles.

Irgendwie wiederholt sich alles. Mama sagt zur Tochter: 'Kind, zieh die Schuhe aus, wenn Du reinkommst, ich habe keine Putzfrau!' Tochter zieht aus, in die erste Uni WG, wir kommen erstmals zu Besuch. 'Könnt ihr bitte eure Schuhe ausziehen, sonst kriege ich Stress mit meinen Mitbewohnern.' Und den Teller stelle ich wirklich selber in die Spülmaschine, bevor mich das stundenlang aufregt. Ist besser für die Nerven. :)

"Die Tochter eines Bekannten zum Beispiel, klug, lieb, nett und gerade nominell erwachsen geworden. Als ich ihr einen Ferienjob vorschlug – ich musste sie mit Engelszungen bequatschen –, stellte sich heraus: Sie hatte noch nie ein Bad geputzt. Sie konnte nicht kochen. Und wie oft muss man, öh, Blumen gießen? Jetzt, da sie studiere, brauche sie eine Putzfrau. – Wow, dachte ich, und in meinen Augen züngelte es vermutlich, wieso hat dir das denn keiner beigebracht? "
Oh, ja. So eine kenne ich auch. Aber ihre Mutter sagte, sie sei mit ihrer Leistung (sprich fast nur Einser in allen Fächern) zufrieden. Ich persönlich war nicht von der schnöselartige Haltung ihrer Tochter beeindruckt. Als ich gefragt habe, ob sie ihren Eltern in dem Haushalt helfe, kuckt sie mich mit Empörung an. "Was?" fragt ich. "Putzt du nie in den langen Ferien, so dass, wenn deine Eltern von der Arbeit zu Hause kommen, dass sie nichts mehr zu tun haben?" Also, mich hat sie mit so viel Hohn und Abscheu angeschaut - als ob ich etwas Schlimmes vorgeschlagen hätte.
Ich frage mich nur, wie sie jetzt als Studentin in einer entfernten Stadt zurecht kommt. Nie etwas gewaschen, gebügelt, gekocht, geputzt...

Nun, sie wird googeln, wie man das macht ;-). Man kann ja auch googeln oder sich bei youtube anschauen, wie man Eier kocht.
Sie wird allerdings vermutlich weiter schnöselig bleiben. Sollte dann irgendwann das Leben mit voller Härte zuschlagen und sie vor einer Aufgabe stehen, die sie mangels Hilfe anderer alleine bewältigen MUSS, könnte es auch sein, daß sie in Tränen ausbricht.
Für Söhne gilt das entsprechend auch, nur wird dieses schnöselige Verhalten leider bei ihnen öfters toleriert als bei Töchtern. Da stecken wohl noch immer alte Geschlechtstraditionen dahinter.

"Für Söhne gilt das entsprechend auch, nur wird dieses schnöselige Verhalten leider bei ihnen öfters toleriert als bei Töchtern. Da stecken wohl noch immer alte Geschlechtstraditionen dahinter" ist Blödsinn. In meiner Umgebung sind in WGs immer die Herren ordentlicher, aufräum- und putzbereiter als die Damen. Die lehnen sich eher auf ihrer Weiblichkeit aus, denn die Erfahrung zeigt ja, dass ihnen jemand hilft oder ihnen die Arbeit abnimmt. Auch gekocht wird eher von Männern, vlt haben sie da ein paar Entwicklungen der letzten Jahre verschlafen

Das kann sein - muss aber nicht. Ich habe schon mehrere 18-20jährige kennengelernt, die gerade frisch entschlüpft und allesamt technisch voll gebildet sind. Doch diese Technik auch anzuwenden - daran hat es meistens gekrankt.
Kurz gesagt: Internet einrichten und Smartphone bedienen keinen Problem. Aber wenn ein Brief vom Bafög-Amt kommt, dann kommt man nicht auf die Idee ein unbekanntes Wort bei Google einzutippen.

Das Thema "Schnürsenkelbinden" erinnert mich an die Einschulung eines meiner Enkelkinder in München, der, weil nur Schuhe mit Klettverschluss gewöhnt, tatsächlich keine Schuahbandl'n binden konnte. Was für ein Malheur! Die Mutter Tränen aufgelöst, meldete das Kind in einer anderen Schule an. Heuer hat das "Kind" (Sohn) sein Abi erfolgreich bestanden und studiert auf der TH.

"Aber sind die dann, erstens, nicht überfordert, wenn sie auf die Welt losgelassen werden?"

Doch, das werden sie vermutlich sein. Ein Bisschen Überforderung ist auch vollkommen OK - aber es ist Erziehungssache, wie junge Erwachsene mit Überforderung umgehen: Als zu meisternde Herausforderung oder als Bedrohung vor der man Schutz suchen muss.

Der Trend aus den (uns immer voraus eilenden) USA deutet teilweise Richtung Schutz suche. Dort ist es an den Uni mittlerweile hohes Gebot, "safe spaces" einzurichten, in denen emotional angegriffene Studenten sich beruhigen können.

Als an der renommierten Brown University vor einiger Zeit eine Diskussion über den Begriff "rape culture" stattfinden sollte (ist Vergewaltigung ein Teil unserer Kultur, den man als normal ansieht?), wurde für Zuhörer, die sich emotional aufgewühlt fühlen könnten, ein Ruheraum mit Knete, Hundevideos und Malbüchern eingerichtet, damit die Überforderten wieder runterkommen konnten.

http://www.nytimes.com/20...

Zweites Beispiel: in Yale gab es eine Rundmail vor Halloween, man solle mit der Wahl der Kostüme auf die Gefühle anderer achten. Die Frau des Vorstehers eines Colleges schrieb eine sehr neutrale Email, dass sie denke, man könne den Leuten selbst die Entscheidung überlassen und wer sich beleidigt fühle, könne das ja ansprechen. - Reaktion: Studenten stellten den Vorsteher auf dem Hof und schrien ihn an, er solle sich entschuldigen:

https://www.youtube.com/w...

Es gibt keinen allgemein anwendbaren Weg. Allerdings ist Erziehung ist Vorbild und Nachahmung. Wer nicht von frühester Kindheit an seine Kinder zum Nachahmen der Alltagstätigkeiten ermuntert und ermutigt (also z.B. zum Essen mit [nicht zu scharfem] Messer und Gabel), der muss sich nicht wundern, wenn Kinder mit 8 Jahren noch nicht damit umgehend können.

Ein Kind mit 8 oder 10 Jahren sollte tatsächlich mit Messer und Gabel adäquat umgehen können, ebenso wie ein 6jähriges Kind sich alleine die Schuhe zubinden sollte. Das hilft einfach im täglichen Leben weiter und zeigt auch den Kindern auf, daß sie Fertigkeiten beherrschen, was sicherlich positiv zum Selbstbewußtsein beiträgt. Kinder in Watte zu packen hat die unangenehme Eigenschaft, daß irgendwann, spätestens bei Auszug aus dem Elternhaus, das Leben voll zuschlägt.

Dass sich Bemühen um die Kinder finde ich sehr wesentlich für ein positives Selbstempfinden dieser. Wie wunderbar wenn sie wieder etwas Neues geschafft haben. Wie wunderbar, den Eltern so wichtig zu sein, die sich auch nicht vor Auseinandersetzungen fürchten und immer wieder ermutigen. Aufmerksamkeitsdefizite sind etwas, worunter viele Kinder heute auch leiden, das sehe ich in seiner extremeren Form auch als einen weiteren Auslöser für z.B. Radikalisierung an, denn wenigstens dann ist diesen Aufmerksamkeit sicher, was immer auch als Hilferuf gewertet werden kann. Die grenzenlose und interessenlos wirkende Erziehung ist m.E. genau so schädlich wie die autoritäre, unterdrückende mit körperlicher Züchtigung. Das beste Mittel ist ganz sicher gemeinsame Zeit, Liebe und Interesse. Dafür bedarf es auch einer Umstrukturierung der Arbeitszeitmodelle für Väter und Mütter (weniger Arbeiststunden pro Woche, da jetzt erfreulicherweise beide Elternteile arbeiten und Väter mehr mit einbezogen werden) , familienfreundliche Betriebe mit betriebsinternen Kinderbetreuungsmöglichlkeiten und Ausgleichszahlungen, aber da hat sich ja auch schon was getan :). Auch der letzte Vorschlag von Frau Schwesig findet meine ausdrückliche Zustimmung, nämlich Zitat: Das Wichtigste sei, die Familien so zu stärken, dass es erst gar nicht zur Eskalation komme. Dabei könnten beispielsweise Familienhebammen helfen, die eben auch ganz viel Wissen vermitteln könnten.

Hier nochmal der ganze Wortlaut aus dem Artikel: Berlin (dpa) - Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will mit einer Reform der Kinder- und Jugendhilfe Minderjährige besser schützen. So sollen die Rechte von Pflegekindern gestärkt und einschlägig Vorbestrafte effektiver von der Jugendarbeit ausgeschlossen werden. Bei Problemen in Familien soll frühzeitig eingegriffen werden; Städte und Gemeinden sollen dafür jährlich 51 Millionen Euro Unterstützung erhalten. Das Wichtigste sei, die Familien so zu stärken, dass es erst gar nicht zur Eskalation komme. Dabei könnten beispielsweise Familienhebammen helfen.

Je früher Familienhilfe einsetzt um so besser die Vorbeugung vor Fehlentwicklungen. Dazu müsste vielleicht auch die Hebammenausbildung noch erweitert werden. Je sicherer sich Eltern fühlen, um so weniger Überlastungssymptome stellen sich auch ein. Deshalb sollten der beruf der Hebamme alle erdenkliche Unterstützung erhalten. Ich hatte schon solche Sorge um diesen unerstzlich wichtigen Beruf, denn die Hebamme war mir so wichtig auch nach der Geburt und das macht jetzt wirklich Hoffnung .

Obwohl ich Ihren Standpunkten weitgehend zustimmen kann, ist mir Ihr Beitrag etwas zu sehr durch die rosarote Brille gesehen. "Familienfreundliche Betriebe", "gemeinsame Zeit, Liebe und Interesse", das sind wünschenswerte Zustände, bedienen aber hier doch eher nur Allgemeinplätze. Der Artikel geht doch eher ins Eingemachte. Und so sehr ich Ihre Ansicht teile, daß Aufmerksamkeit gegenüber den Kinder notwendig ist, so sehr belegen nicht wenige praktische Beispiele aus meinem Bekanntenkreis, daß gerade diejenigen Kinder, die ein Höchstmaß an Auferksamkeit erhielten, sich in Bequemlichkeit eingerichtet haben, zu Drogensucht neigten und wenig Leistungsbereitschaft zeigten. Die eher vernachlässigten hingegen schienen hatten sich die Fähigkeit angeeignet, sich durch's Leben durchzubeißen. Ob diese aufgrund dessen auch zu besseren Menschen geworden sind, vermag ich nicht zu sagen. Wer sich aber bemüht und im Leben mit eigener Kraft etwas erreicht, ist in der Regel zufriedener. Ich weiß nicht, inwieweit Sie mir da zustimmen würden.

Toller Artikel, der vielen aus der Seele sprechen dürfte! Zwar haben schon seit jeher Eltern die nachkommende Generation als verlottert und verloren angesehen, aber dank der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft fange ich an, diese Empfindung für unsere Nachkommen so langsam ernst zu nehmen.
Die Antwort auf den Artikel müßte fast schon ein Buch sein. Simple Vergleiche mit der eigenen Kindheit sind jedenfalls problematisch. Am einfachsten bringt man es wohl auf den Punkt, wenn man sagt, daß uns damals deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde und wir deshalb notgedrungen viele Dinge gelernt haben, die heute selbstverständlich bis zum endgültigen Auschecken aus dem Hotel Mama von den Eltern übernommen werden. Spülmaschine einräumen? Die beharrliche Energie der Kinder, es so lange (absichtlich) falsch oder schlecht zu machen, bis die Eltern entnervt aufgeben, diese Energie haben berufstätige Eltern doch nie und nimmer. Kinder neigen zur Tyrannei, wenn man nicht gegensteuert. - Mit einem Buch gegen die Verlockungen des PC anstinken wollen? Das wäre so, als wolle es ein Teletubby mit King Kong aufnehmen... Internet abdrehen? - Es gibt auch offline-Spiele? PC wegnehmen? - Das nächste Tablet oder iPhone ist sicher nicht weit. Woher die Geduld für all das nehmen nach 40 Stunden Arbeit, nach Haushalt und Planung der Familie, wenn schon die Schulen die Eltern gehörig mit in Anspruch nehmen und das Organisieren des Lebens immer komplizierter wird?

Viel Gerede mit wenig Inhalt. Erziehung läuft eh zum größten Teil passiv ab. Das was die Eltern den Kindern vorleben, so leben auch die Kinder. Dabei ist es egal, ob es positiv oder negativ ist, es wird eh übernommen. Wenn die Eltern abends keine Zeit finden um Sport zu treiben, dann werden die Kinder auch eher passive inaktive Menschen. Wenn die Eltern keine Lust haben die Kinder positiv kontinuierlich zu bestärken, dann wird deren Selbstbewusstsein mangelhaft sein usw. Es geht um das chronisch passive Verhalten und nicht um das aktiv gezwungene, perfektionistische Denken der heutigen Gesellschaft.
Und wenn schon, dann können die Kinder eben nicht alles was Erwachsene können, auch nicht mit 10, es sind nunmal einfach auch nur Kinder. Entspannung täte der Autorin auch mal gut. Vieles kann man auch als Erwachsener lernen, wenn man gezwungen ist es zu lernen.
Digitale Medien sind heute Alltag, damit muss man klar kommen. Man kann ja selbst als "Vorbild" fungieren und seinen eigenen Medienkonsum reduzieren und sich mehr mit den Kindern aktiv beschäftigen, dann lernen die Kinder auch passiv kennen was es heißt auch mal in der realen Welt zu existieren. "Vorbilder" sind durchaus immer die Eltern, ob die im wahrsten Sinne des Wortes Vorbilder sind, das ist eine ganz andere Frage.

Ein sehr ehrlicher Text, danke dafür. Weil es brauch mir keiner der Eltern erzählten, die eine leistungsstarke 40h Woche arbeiten, dass sie nachmittags einer entschleunigten Kindererziehung nachgehen in der alles nach dem Tempo der Kinder läuft und man total reflektiert jeden Abend pädagogische Brettspiele spielt. Da geht es doch recht oft einfach darum, den Status Quote zu halten. Dass die Kinder sauber in die Schule kommen, mit Nahrung zu versorgen und Ihnen zu sagen dass sie Helden sind, Mami aber jetzt mal 5 Minuten für sich braucht, um keinen Herzinfarkt zu bekommen...

„Vieles hätte ich gelernt, wenn man es mir nicht beigebracht hätte.“
Jerzy Stanislaw Lec, polnischer Dichter und Aphoristiker

In unserer Industrie-Gesellschaft läuft Lernen häufig auf Dressur hinaus. Alles muss funktionieren, soll schnell gehen. Eltern stehen im Arbeitsprozess. Sie haben keine Zeit, häufig noch nicht einmal für die Dressur ihrer Kinder. Man kann Kinder zum Lernen bringen, ohne dass man ihnen etwas beibringt. Ich habe es ausprobiert. Es geht. Hier ist ein Beispiel:
www.kamus-quantum.com/11....

„Erkläre es mir und ich werde es vergessen.
Zeige es mir und ich werde mich erinnern.
Lass es mich selber tun und ich werde es verstehen.“
[Konfuzius]

Soviel zum Verorten, wenn Papa und Mama es dann doch lieber selbst machen - weil es zu lange dauert oder der Sprössling lieb darum bittet.

Das Phänomen "keine Zeit haben" gibt es nicht. Es ist nur ein Gefühl. Wir haben alle Zeit der Welt und wir sind erwachsene Frauen, die sich Ihre Zeit hin organisieren können. Nur funktioniert das mit Kids nicht. Dass die Kinder eine andere Wahrnehmung haben, können wir nutzen, um uns zu erweitern. Nicht immer unserem erdachten Zeitstrahl folgen, sondern auch mal 10 Minuten hopsen an der Bushaltestelle. Man kann sich ärgern, man kann warten, man kann aber auch einfach Zeit mit seinen Kids verbringen oder sich Geschichten ausdenken, von was Schlimmem oder oder. Ich habe trainiert mich auf das Tempo meiner Tochter einzulassen. Und in den Momenten, wo uns kein Bus davon fährt oder ich nicht ein anderes starkes Bedürfnis habe, gehe ich mit ihr. Lege mich auf die Couch und lasse entstehen, was entsteht.

Meine persönliche Meinung ist, dass die Unterversorgung der Kinder mit nützlichem Können und Verantwortungsbereitschaft nicht durch irgendwelche digitalen Medien verursacht wird und auch nicht dadurch, dass man zu wenig Zeit mit den und für die Kinder verbringt, sondern genau das Gegenteil. Man nimmt sich durch geringe Kinderzahlen zu viel Zeit für die Kinder...

Manager Mama mit dem Hauptprojekt Kind organisiert komplett alles für den spärlichen Nachwuchs und bewahrt es vor Allem, was irgendwie unangenehm sein könnte.
Die komplette Zeitplanung des Kinds wird von Mama übernommen, so dass sich die Kinder keinen einzigen Termin mehr merken und es auch nicht mehr können.
Vor Allem, was ein klein wenig Risiko beinhalten könnte, wird Panik verbreitet und es wird vermieden, wenn es geht.
Die Kinder machen nicht mehr ihr "eigenes Ding" mit Eigenverantwortung sondern das, was die Eltern als "optimal" für es ansehen.

Ja, solche Kinder kenne ich. Aber zum Glück kenne ich auch die anderen, die sich selbst bestimmen, die Verantwortung für sich übernehmen und auf die man sich verlassen kann.

Es liegt halt doch Vieles an der Erziehung und gut gemeint ist noch lange nicht....

Ich finde das auch alles etwas kurz gedacht. Natürlich habe ich morgens keine Zeit, den Kindern beizubringen, die Schuhe zu schnüren. Aber am Wochenende habe ich die Zeit und vielleicht auch abends. Und wenn sie es dann können, habe ich morgens eben sogar mehr Zeit. Nur als Beispiel. Wenn ich mich natürlich immer an den Rechner flüchte und die Kinder dann entsprechend vor dem Fernseher/dem Computer parke, brauche ich mich über Unselbständigkeit nicht wundern. Ich stimme meiner Vorrednerin zu - es scheint so, als wollten Sie es nicht anders.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man Kinder durchaus verwöhnen kann und sie trotzdem zur Selbständigkeit erziehen kann. Denn das was Kinder am meisten schätzen, ist Zeit mit Ihnen zu verbringen. Das heisst nicht zwingend, alles für sie zu machen.

Es geht doch schon damit los, dass die Kinder heute nicht mal mehr selbstständig zur Grundschule laufen, sondern von ihren Müttern gefahren werden...
Ich bin, Anfang der 90er, in den ersten paar Tagen mit meinem Vater den Schulweg gegangen, danach allein. Gefahren wurden wir nur, wenn es wirklich Kuhmist geregnet hat, und das auch nur gelegentlich. Ansonsten bei Wind und Wetter...
Ich kann verstehen, dass es Eltern schwerfällt 'loszulassen' und mitanzusehen, dass das eigene Kind immer unabhängiger wird. Aber da muss man dann mal seinen Egoismus zurück stecken und sein Kind Erfahrungen sammeln lassen, damit es in dieser Welt überhaupt ansatzweise bestehen kann. Das sollte doch im Sinne der Eltern sein!
Ansonsten haben wir nachher unselbstständige Halbaffen, mit wenig Respekt und Empathie für andere, da Erziehung ja mittlerweile auch nur noch sporadisch zu erfolgen scheint...

Und ich bin damals bereits täglich in die Grundschule gefahren worden und trotzdem selbstständig geworden. Allerdings wohnten wir damals nicht in der Stadt oder direkt in dem Dorf, in dem meine Grundschule war, sondern weiter außerhalb (gerade mal grob die Luftlinie gemessen: 3km).
Da war es allerdings nicht Mami die gefahren ist, sondern ein privater Busdienst, der uns geholt und wieder abgeliefert hat. Und nicht nur uns, die weit im Nirvana wohnten, sondern auch andere Kinder, die in den Ausläufern des Dorfes wohnten. Ich schätze mal spontan, dass auch die keine unselbstständigen Halbaffen geworden sind.

Und inzwischen wohne ich in einer kleinen Stadt und werde meine Kinder - wenn es denn irgendwann mal so weit ist - zu Fuß zur Schule schicken. Weil wir eh kein Auto haben (wer braucht das schon in der Stadt) und ich das als Kind eh immer vermisst habe.
Will sagen: Zur Schule gefahren wurde damals schon. Geschadet hats nicht. Pauschalisieren in beide Richtungen allerdings auch nicht.

Das ist aber auch überhaupt nicht das, was ich meinte.
Wenn es nicht anders geht, weil die Schule zu weit weg ist, steht das auf einem ganz anderen Blatt als jeden Tag 5 Minuten das Kind im Auto zur Schule zu kutschieren, weil man Angst hat, dass das Kind mit dem Schulweg überfordert ist.
Es geht darum, dass Eltern ihren Kindern mehr zutrauen müssen.

Wenn die meisten Männer um Sie herum verwöhnte Muttersöhnchen sind, müssten Sie nochmal über Ihre Präferenzen nachdenken, es sei denn, Sie wollen es genau so. Eine Frage, die ich mir übrigens auch schon oft gestellt habe. Vice versa. ;-)

Was bei der Selbstbeschreibung und der Beschreibung ihrer Söhne auch so rüberkommt. Dass Sie es so wollen. Wollten Sie es anders, hätten Sie es auch anders gemacht. Viel interessanter als die Beschreibung des Ist, wäre eine Beschreibung, wie es denn so geworden ist. Haben Sie bewusst darauf verzichtet, mit den Söhnen das Schleife binden zu üben, haben Sie kapituliert oder war es Ihnen schlicht egal?

Wir sind als Eltern dann am besten, wenn wir den Kindern ein (unaufdringliches) Leitbild geben, an dem sie sich messen und vergleichen können, ohne sie zu demütigen. Sie ermuntern, sich selbst und Dinge auszuprobieren, darauf vertrauen, dass sie das, was ihnen wichtig ist, auch genau in dem Moment tun und lernen werden, wenn es ihnen wichtig ist. Das ist manchmal ziemlich schwer auszuhalten, vor allem, wenn Sie all diese Dinge, die Sie aufzählen, zu einem viel früheren Zeitpunkt bereits perfelkt beherrschten. Aber gab es zu dieser Zeit Schuhe mit Klettverschluss, Computer, Smartphones, Spielekonsolen, die unendlichen Weiten des Internets? Wohl eher nicht und auch nicht - für Ihre Eltern. Erinnern Sie sich noch an die Dinge, die Sie als Kind gesagt bekamen von Ihren Eltern, Tanten, Onkeln, Großeltern?

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