Stilkolumne Neue Zeichen der Zeit

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ZEITmagazin Nr. 52/2015

Von Uhren sagt man, dass sie heute viel mehr anzeigen als nur die Zeit. Sie erzählen etwas über Status, Geschmack, Tradition und das Verhältnis zur Technik. Die Zeit steht heute auf jedem Smartphone, auf jeder E-Mail, der Zeit kann man eigentlich nicht entkommen. Das war früher ganz anders, im Mittelalter galt die angezeigte Zeit als Kostbarkeit: Sie zu wissen machte einen vom Lauf der Sonne unabhängig. Doch mechanische Uhren waren teuer, also setzten sich als Erstes Turmuhren durch. An Rathäusern und Kirchtürmen angebracht, waren sie nicht nur weithin sichtbar, sondern verliehen dem Gebäude auch eine große Autorität. Das runde Uhrblatt mit den kreisförmig angeordneten Ziffern war intuitiv gut abzulesen. So gut, dass man das Design jahrhundertelang nicht änderte – so lange, wie man von Uhren noch vor allem die Zeit ablesen musste.

Doch Taucher waren auf Uhren mit Leuchtziffern angewiesen, um zu wissen, wie lange ihr Sauerstoff noch reichen würde. Und Piloten brauchten extrem übersichtliche Uhren, von denen man auch mit einem flüchtigen Blick aus den Augenwinkeln die Zeit ablesen konnte. So kamen digitale Uhren in Mode: In den siebziger Jahren zog man sie wegen ihres geringen Gewichts den mechanischen Modellen vor. Sie zeigten die Zeit einfacher und genauer an. Als dann ein paar Jahrzehnte später mechanische Uhren wieder begehrt wurden, stand die Zeitangabe nicht mehr im Vordergrund: Die Schweizer Marke Hublot brachte eine schwarze Uhr mit schwarzen Ziffern auf den Markt – die gut aussah, aber kaum noch lesbar war. Musste sie auch nicht mehr sein, denn inzwischen besaß fast jeder ein Handy.

Nun kommen die ersten Smartwatches auf den Markt. Apple hat die Apple Watch entwickelt, bei Tag Heuer heißt die Smartwatch Connected. Nur wenn man das Handgelenk hebt oder das Display berührt, zeigen die Smartwatches einem die Zeit an – sowie die aktuellen E-Mails. Ansonsten bleibt bei beiden Uhren das Display schwarz. Mit der Smartwatch ist gleichzeitig eine Uhr entstanden, die wie schwarzer Obsidian am Handgelenk hängt – und einem nur noch auf Wunsch die Zeit sagt.

Der Moment scheint gekommen, sich den Ziffern zuzuwenden. So hat etwa die Luxusmarke Hermès mit der Slim d’Hermès eine Uhr vorgestellt, die nicht nur sehr flach ist, sondern Ziffern hat, die der Grafikdesigner Philippe Apeloig im Bauhaus-Stil gestaltet hat.

Foto: Slim d’Hermès in Rotgold

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

"So kamen digitale Uhren in Mode: In den siebziger Jahren zog man sie wegen ihres geringen Gewichts den mechanischen Modellen vor. Sie zeigten die Zeit einfacher und genauer an. "
Die ersten digitalen Armbanduhren waren LED-Uhren, sie waren eher nicht leicht, sie zeigten die Uhrzeit nicht einfach an, nur auf Knopfdruck und die Genauigkeit war auch damals nur eine Scheinbare. Und sie waren beliebt wegen ihres Szatus: "neu", "hypermodern".
Dann folgten die LCD-Uhren, die wurden dann leichter, die Anzeigegenauigkeit war wiederum mehr Show als Wirklichkeit. Die Ablesefähigkeit war jeder Zeigeruhr unterlegen, denn es kam sehr auf den Blickwinkel drauf an und auf die Beleuchtung, die meisten (?) hatten deshalb eine Zusatzbeleuchtung eingebaut, die - selbstverständlich, sonst wäre die Batterie ganz, ganz schnell leer gewesen - auch nur auf Knopfdruck aktiviert wurde.
Also wieder nichts mit "sie zeigten die Zeit einfacher und genauer an".

Zur Genauigkeit: 1. eine Uhr ist nur so genau wie sie gestellt wird.
2. Gute mechanische Uhren sind seit langem in der Regel schon hinreichend genau, vor allem wenn man sie so oft stellt, wie bei den ersten Digitaluhren die Batterie gewechselt werden musste (okay, leicht je nach Uhr leicht übertrieben).
3. Digitale Anzeigen haben prinzipiell das Problem eine falsche Genauigkeit vorzugaukeln. Eigentlich muss man (mindestens) mit +/- 1 Digit rechnen. Der eine Digit ist die Anzeige, das "mindestens" die Genauigkeit des Messgerätes (Uhrwerks)

Schön Artikel, schön geschrieben... Aber leider falsch!

Die Tag Heuer Connected kann, sowie alle Uhren mit Googles Smartwatch-System "Android Wear", die Uhrzeit ständig anzeigen - ohne dass man dafür einen Knopf drücken, das Display berühren, den Arm heben oder sonst irgendein Firlefanz machen muss.
Funktioniert sogar mit Apps wie Navigation, Notizen, Stoppuhr usw.: Die Inhalte bleiben immer sichtbar, egal ob man die Uhr aktiv nutzt oder nicht.
Also, schöner Begriff, " schwarzer Obsidian", aber trifft wenn dann höchstes auf vereinzelte Smartwatches zu.

"You can set your watch's display to do the following:

•Remain always on, showing the time when you're not using the watch. […]"
(https://support.google.co...)

Schön Artikel, schön geschrieben... Aber leider falsch!

Die Tag Heuer Connected kann, sowie alle Uhren mit Googles Smartwatch-System "Android Wear", die Uhrzeit ständig anzeigen - ohne dass man dafür einen Knopf drücken, das Display berühren, den Arm heben oder sonst irgendein Firlefanz machen muss.
Funktioniert sogar mit Apps wie Navigation, Notizen, Stoppuhr usw.: Die Inhalte bleiben immer sichtbar, egal ob man die Uhr aktiv nutzt oder nicht.
Also, schöner Begriff, " schwarzer Obsidian", aber trifft wenn dann höchstes auf vereinzelte Smartwatches zu.

"You can set your watch's display to do the following:

•Remain always on, showing the time when you're not using the watch. […]"
(https://support.google.co...)