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Lebensphasen Woran wir merken, dass wir älter werden

Bohrmaschine? Drogen? Zahnzusatzversicherung? Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die uns zeigen, dass wir älter werden. Zeit, da mal genauer hinzusehen. Von , und

Zum Ende eines Jahres wird allen Menschen klar: Jeder wird im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich ein Jahr älter werden. Es gibt Lebensphasen, in denen ändert sich grundsätzlich vieles, wenn man etwa das Laufen lernt, sich zum ersten Mal verliebt oder in Rente geht. In anderen Zeiten ändern sich Dinge ein wenig leiser, dafür aber grundlegend. Irgendwo in den bewegten Jahren zwischen 25 und 45 werden Lebensentwürfe plötzlich zur Realität. Drei Frauen im Alter von 29, 32 und 40 kommentieren die kleinen Dinge des Lebens, die den großen Unterschied machen. Von A bis Z.


A wie Altersvorsorge

29: Oh Gott… Ich hab doch grad erst angefangen, zu arbeiten!
32: Wer hat mich gerade alt genannt?
40: Hab’ ich seit ich 20 bin.


B wie Bohrmaschine

29: Ich wünschte, ich hätte eine. Aber die von meiner besten Freundin auszuleihen, ist sinnvoller – wenn ich sie wieder abliefere, gibt’s ein Glas Wein.
32: Bohren? Ich lehne Bilder nur an die Wand.
40: Ich kenne einen Mann, der repariert alles mit Streichhölzern. Ich neige zum Nagel.


C wie Champagner

29: Meine Freunde schenken sich plötzlich Champagner zum Geburtstag. Wer soll das bezahlen?
32: Auf meiner Bucket List stand einmal: Sektpyramide aufgießen. Der Sekt wurde nun durchgestrichen und durch Champagner ersetzt.
40: Sehr sinnvoll! Gräbt man mehrere Champagner-Flaschen falsch herum in die Erde, hat man eine super Schneckenschneise um das Gemüsebeet.


D wie Drogen

29: Es ist nie zu spät für das erste Mal.
32: Dafür bin ich zu alt.
40: Damit warte ich noch 20 Jahre.


E wie Einsamkeit

29: Ich kann allein sein, ohne mich einsam zu fühlen. Sinn hat das Alleinleben für mich trotzdem nicht. Wer gründet mit mir eine Friends-and Family-WG? Kommune 6, oder so.
32: Ich hole jetzt all die entspannten Abende allein nach, die ich in den Zwanzigern nicht hatte. Einsamkeit ist was anderes.
40: Wenn man die Einsamkeit nicht als etwas grundsätzlich Negatives begreift, bemerkt man schnell, wie oft man zu wenig davon hat.


F wie Feiern

29: Langsam komme ich ins Alter des Versackens. Aber noch treibt uns immer einer aus dem Haus. Wie lange noch?
32: Ich gehe einmal aus, es ist zufällig toll und das Gefühl hält dann auch erst einmal wieder für drei Monate. Genau wie die Augenringe.
40: Glücklicherweise kann man sonntags nach dem Frühstück ins Berghain.


G wie Geld

29: 50 Euro am Automaten. Mehr schaff’ ich nicht.
32: Mein Sparkassen-Betreuer spricht mir regelmäßig auf die Mailbox. Einen Termin zu vereinbaren, hat er aufgegeben. Er erzählt jetzt immer nur noch, wie es ihm so geht.
40: Die 29 braucht ständig Bargeld. Hebe deshalb immer mehr ab.


H wie Heiraten

29: Ich warte immer noch auf den großen Hochzeitssommer. Er kommt und kommt nicht.
32: Meine Mutter heiratet nächstes Jahr zum ersten Mal. Das ist unsere Geschwindigkeit bei diesem Thema.
40: Verstehe ich immer noch nicht, das Konzept.


I wie Ich

29: Immer wieder für eine Überraschung gut.
32: Immer noch da. Hurra.
40: Ich weiß auch nicht immer.


J wie Jugend

29: Seit wann ist das eine Frage des Alters?
32: Ich sage jetzt "früher" und es fühlt sich tatsächlich so an.
40: Wann hört das endlich auf?


K wie Kinder

29: Die Hochzeiten lassen auf sich warten. Die Kinder kommen. Aber bitte nicht noch einen Theo!
32: Ich habe nun einen eigenen Kalender für die Geburtstage der Kinder im Freundeskreis. Und ein Lego-Abonnement.
40: Sind immer noch das Beste, was dieser Welt passieren kann.


L wie Liebe

29: Ich habe als 18-Jährige unter "Was ich nicht mag" in unser Abibuch geschrieben: Ohne Liebe sein. Hat sich nichts dran geändert.
32: Herrlich. Wirklich sehr herrlich. Und wird immer herrlicher.
40: Wird sogar herrlichstens.


M wie Männer

29: Mit 29 haben sie ihre Krise.
32: Mit 32 haben sie ihre Krise.
40: Mit 40 haben sie ihre Krise.


N wie Nagellack

29: Habe mich als Studentin für eine Marke entschieden (ist immer noch das einzige, was ich mir von dieser Marke leisten kann). Vielleicht kann ich die Sammlung irgendwann einem Museum vermachen.
32: Alle verschenkt. Jetzt hab ich noch zwei Fläschchen. Rot und Überlack. Reicht völlig.
40: Was genau ist Überlack?


O wie Osteopathie

29: Nein.
32: Vielleicht.
40: Ja.


P wie Putzen

29: Aufräumen finde ich mittlerweile großartig (Ja, Mama, auch wenn Du es nicht glaubst!). Putzen, naja. Eine Putzfrau habe ich auch mal probebeschäftigt. Aber da kam ich mir vor wie eine Hochstaplerin.
32: Finde ich nicht mehr so dramatisch wie früher. Danach ist’s halt schöner.
40: Es hat mich jahrelang Überwindung gekostet, mir Hilfe zu suchen. Seit ich eine gefunden habe, preise ich sie wie eine Königin.


Q wie Quittungen

29: Hoffentlich liest meine Steuerberaterin das nicht: Quittungen und ich, wir passen einfach nicht zusammen.
32: Meine Steuerberaterin ist ein Karton. Da sind alle Quittungen der letzten zwei Jahre drin. Der Karton ist so groß, dass das Patenkind hineinspringen kann, ohne sich zu verletzen.
40: Gerade die Quittung vom Finanzamt bekommen. Die Steuerberaterin sagt, nächstes Jahr wird alles besser.


R wie Reisen

29: Ich habe während meines ganzen Studiums nicht eine große Reise gemacht, weil in jeden Semesterferien ein Praktikum anstand. Das will ich jetzt nachholen. Will...
32: Jederzeit, aber bitte ohne Zelt. Und mit Kopfkissen.
40: Fast Idealzustand, wenn man nicht gerade mit dem M29 in Berlin unterwegs ist.


S wie Sex

29: Ja!
32: Ja!
40: Ja!


T wie Träume

29: Schreib ich mittlerweile manchmal auf. Wer weiß, wann die erste Psychoanalyse ansteht.
32: Ich träume relativ viel, aber die Träume werfen mich nicht mehr so sehr aus der Bahn. Morgens wache ich auf, wundere mich und winke ihnen dann zum Abschied.
40: Wenn ich dieses Leben bisher richtig verstanden habe, muss man sich immer mal wieder fragen, wovon man eigentlich träumt. Und das dann einfach auch machen.


U wie Urknall

29: Ich wart’ noch drauf.
32: Wird mal wieder Zeit.
40: Nicht gehört?


V wie Verwandtschaft

29: Noch habe ich kleine Cousinen und Cousins. Ich kann mich also an den Kindertisch verdrücken, wenn die Großen über Obergrenzen diskutieren oder mich ins "Wann ist es denn bei euch soweit?"-Verhör nehmen wollen.
32: Wir haben Weihnachten bei mir gefeiert. Ich hatte nicht genug Teller. Aber wenigstens fragt man mich nicht mehr, wie groß ich geworden sei, sondern nach meinem Job.
40: Du brauchst Teller? Ich habe gerade Omas Sonntagsgeschirr geerbt.


W wie Wochenende

29: "I go out on Friday night and I come home on Saturday morning", singen Nouvelle Vague. Oh nein, es ist schon wieder Montag!
32: Samstag alles erledigen, was man unter der Woche nicht geschafft hat, um dann am Sonntag mal seine Ruhe zu haben. Am besten auf dem Land.
40: Wer Samstag noch ausgeht, ist selber schuld.


X wie XL-Pullover

29: Bei meinen Eltern liegt schon einer bereit, wenn ich anreise.
32: Ich besitze ungefähr 17.
40: Habe mich schon zu XXL hochgearbeitet.


Y wie Yoga

29: Bikram!
32: Das Seufzen, wenn man nach zwei stressigen Wochen mal wieder in die Taube sinkt. Und das Knacken der Hüfte.
40: Mach ich! Alle zwei Jahre, meine Ärztin nennt das aber Gesundheits-Check-Up.


Z wie Zahnzusatzversicherung

29: Als Kakaokind unerlässlich.
32: Mir ist gerade erst mein letzter Milchzahn rausgefallen. Jetzt habe ich auch eine Zahnzusatzversicherung. Man lernt ja fürs Leben.
40: Denke ich seit 20 Jahren drüber nach.

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