Unter Strom Der Maschine beim Sticken zusehen

© Dejan Sokolovski
ZEITmagazin Nr. 1/2016

Ich war mal richtig gut im Nähen. Es gab in unserer WG eine Nähmaschine. Sie stand da so herum. Irgendwann begann ich, damit meine Pyjamas zu nähen. Ich war einfach neugierig, ob das geht. Zunächst war ich froh, dass es Kleidungsstücke waren, die ich nur nachts trug. Aber ich wurde besser. Irgendwann habe ich dann sogar angefangen, mein Monogramm auf den Schlafanzug zu sticken. Ich empfand das als eine tolle Winterarbeit. Früher saß man ja auch am Kamin und strickte und stopfte und stickte. So eine Tätigkeit hat für mich etwas Meditatives. Allerdings kann man sich dabei auch mit der Nadel stechen, man vernäht sich, und wenn man sich arg konzentrieren muss, dann bekommt man vielleicht einen krummen Rücken. Heute ist die typische Kamintätigkeit, mit dem Laptop auf dem Schoß herumzuhängen und wahllos im Netz herumzuklicken. Leider hat man danach kein besticktes Taschentuch als Produkt in der Hand. Nun glaube ich einen guten Kompromiss gefunden zu haben. Von Pfaff gibt es eine idiotensichere Näh- und Stickmaschine mit dem Namen Creative 1.5. Man füttert sie per USB-Stick mit Daten aus dem Laptop. In einem Programm kann man sich viele hübsche Muster aussuchen. Dann beginnt die Maschine zu sticken. Sie kann ein zehn mal zehn Zentimeter großes, in einen Rahmen gespanntes Stück Baumwollstoff bearbeiten. Nur kurz unterbricht sie, wenn man neues Garn einlegen muss. Diesem kleinen Apparat an einem Winterabend dabei zuzusehen, wie er so in aller Seelenruhe bunte Blümchen stickt, hat etwas Beruhigendes. Und ich bekomme keinen krummen Rücken.

Technische Daten

Original-IDT™-System; 150 verschiedene 7-mm-Stiche; automatische Vernähfunktion; 101 Stickdesigns; USB-Stick; Preis: 1.499 Euro

Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne "Unter Strom"

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Mich faszinieren diese neuen Werkzeuge. Aber etwas mehr Informationen zu dieser Wundermaschine wäre dann doch noch zu wünschen. So habe ich eigentlich nur eine Modellnummer und muss mir die relevanten Informationen aus dem Netz ziehen. Ok, dort sind dann die richtigen Cracks zu finden, es gibt Foren, etc., aber von einer Zeitung erwarte ich mir dann doch noch nähere Details als so eine kurze Meinungsäußerung. Und Platzgründe können im Internet wohl nicht so das Problem sein, oder?

Ok, nun habe ich mal nachgeschaut. Mal davon abgesehen, dass in diesem Artikel noch nicht einmal das Modell erwähnt wird, so dass man sich das entsprechende Modell anhand des ungefähren Preises heraussuchen muss, konnte ich der Beschreibung auch noch entnehmen, dass es die für diese Maschine notwendige Software nur für den "PC" gibt. Schön, Pfaff verzichtet also auf die ganzen (ft gutbetuchten) Apple-User. Irgendwie scheinen immer noch nicht alle traditionellen Firmen im Internetzeitalter angekommen zu sein....