Medikamente Verschreibungspflichtig

4.740,10 € pro Packung. Mit Nexavar wird Leber-, Nieren- und Schilddrüsenkrebs behandelt. Die Packung reicht für einen Monat. © Aziz Wakim

Neue Medikamente drängen auf den Markt, die Todgeweihte wieder hoffen lassen. Doch sie sind exorbitant teuer. Darf jeder Kranke die Arzneien bekommen? Können die Kassen das leisten? Und was, wenn nicht? Von

ZEITmagazin Nr. 2/2016

Es sieht aus wie Wasser, was da aus einem handgroßen Infusionsbeutel in die Vene des Patienten tropft. "Nivolumab" steht auf dem Etikett des Plastiksäckchens. Der Wirkstoff des Krebsmittels Opdivo. Das also ist es: ein Medikament, das mich seit Wochen beschäftigt. Ich befinde mich im Behandlungsraum des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg.

Ich weiß, dass in der transparenten Flüssigkeit Eiweißmoleküle gelöst sind, die im Körper des Kranken den Krebs blockieren sollen, sodass die Abwehrzellen des Patienten ihn erkennen und bekämpfen können. Immuntherapie nennen das die Mediziner. Viele sagen, aus dem Beutel fließe die wichtigste Neuentdeckung der Krebsforschung seit zwei Jahrzehnten: nein, kein Wundermittel – aber für etliche Krebspatienten eine Riesenhoffnung.

Ich weiß auch, dass in dem Beutel 4.337 Euro gelöst sind. So viel berechnet der Hersteller für eine Dosis Opdivo. Alle zwei Wochen bekommt der Patient einen Beutel verabreicht. Ein Behandlungsjahr kostet also rund 100.000 Euro. Was aussieht wie Wasser, ist die teuerste Flüssigkeit, die ich je vor Augen hatte. Sie treibt die Medizin – und uns alle – in ein gewaltiges Dilemma.

"Diese neuen Wirkstoffe können Fortschritt bedeuten", sagte mir der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. "Aber Medikamente wie diese stellen uns vor eine Grundfrage: Wie viel ist die Gesellschaft bereit, für die Hoffnung auf längeres Leben zu zahlen?"

"Am Ende", konstatierte Professor Wolf-Dieter Ludwig, Chefarzt der Krebsmedizin der Berliner Helios Kliniken, "geht es auch darum: Wir müssen gemeinsam entscheiden, ob wir bereit sind, jeden Preis zu zahlen – auch wenn wir wissen, dass die meisten dieser Medikamente nicht heilen, sondern das Leben im Schnitt um wenige Wochen bis Monate verlängern."

Und eine Chefärztin, die anonym bleiben will, mahnte: "Wir müssen die Diskussion darüber jetzt führen. Der Berg der geburtenstarken Jahrgänge liegt noch vor uns. Wir sollten uns darüber geeinigt haben, was wie bezahlt wird, bevor diese Alterskohorte alt und immer kränker wird. Sonst kollabiert das System."

An diesem Morgen blicke ich in Heidelberg ratlos auf die Infusion: Was rinnt da in die Vene? Ein Medikament, das uns hoffen lässt? Oder eines, das unser solidarisch finanziertes Gesundheitssystem Tropfen für Tropfen vergiften wird? Hightech-Medikamente wie Opdivo stellen uns vor eine ethische Frage, der wir auf Dauer nicht ausweichen können: Was ist der Preis des längeren Lebens? Wie hoch darf er sein? Unendlich, mag man versucht sein zu sagen. Wenn einer werdenden Großmutter noch ein Tag mehr bleibt und sie so ihren Enkel noch zu Gesicht bekommen kann, wenn ein Ehemann noch zwei Wochen hat, um die Hand seiner Frau zu halten, eine Schwester noch einen Monat, um endlich ihrem abtrünnigen Bruder zu verzeihen – sollte man dafür nicht bereit sein, jedes Geld der Welt zu zahlen? Oder macht man es sich damit zu leicht? Ist wirklich jeder Preis gerechtfertigt? Selbst wenn klar ist, dass ein endendes Leben mit einem Zehntausende Euro teuren Medikament nur um Tage, vielleicht Wochen verlängert werden kann? Wenn das Geld dann an anderer Stelle bitter fehlt? Sind Mittel nicht immer auch endlich?

Gehen wir fünf Monate zurück. Alles begann an einem Sommertag. Ich traf mich mit einem Bekannten, er ist Krebsarzt in einem großen Klinikum und sah an diesem Tag ein bisschen müde aus. Ein seltener Anblick. Meist sieht er todmüde aus. Seine Station ist unterbesetzt.

Er sagte: "Bei uns ist was los!"

Ich sagte: "Wie immer."

Er: "Das meine ich nicht. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es werden gerade derart teure neue Medikamente zugelassen, dass ich an manchen Tagen Arzneimittel in Höhe meines Jahresgehalts verschreibe."

Danach beugten wir uns mehrere Abende lang über Zulassungsstudien und Verschreibungslisten. Ich wollte verstehen, "was gerade los ist", begreifen, wieso er Zehntausende Euro pro Tag "verschreibt" – "sprunghaft mehr als je zuvor".

Ich sprach weitere Onkologen. Gesundheitsökonomen. Branchenanalysten. Und alle teilten die Diagnose meines Medizinerfreundes:

In diesen Monaten bringen Pharmafirmen reihenweise Medikamente wie Opdivo auf den Markt, die alle bekannten Preisgrenzen sprengen. Manche dieser Arzneimittel könnten Todkranke dauerhaft heilen, manche versprechen einige Wochen Linderung und Lebensqualität, bei wieder anderen ist der Nutzen zweifelhaft. Nur eins eint sie: Ihre finanziellen Nebenwirkungen für das Gesundheitssystem sind gewaltig.

Der berühmteste Fall ist sicher Sofosbuvir, vermarktet unter dem Namen Sovaldi, ausgeliefert in einem schlichten Plastikdöschen voll länglicher Pillen. Menschen, die mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert sind, schlucken eine am Tag. Zwölf Wochen lang. Das klingt überschaubar. Bloß kostet momentan eine einzige Pille 637 Euro. Das sind 53.566 Euro pro Behandlung.

Das bislang teuerste Medikament ist Glybera, eine Gentherapie, die verspricht, Patienten zu helfen, die an einer ererbten Stoffwechselerkrankung leiden. Verkauft wird das Mittel in halbfingergroßen Ampullen zum sagenhaften Stückpreis von 53.781 Euro. Ende Oktober 2015 haben Ärzte der Charité Glybera erstmals in der empfohlenen Dosis von 40 Ampullen gespritzt. Kosten der Behandlung: etwa eine Million Euro.

Und da sind noch all die Arzneimittel, die mein Medizinerfreund verschreibt und die durch den Infusionsschlauch in Heidelberg laufen: die neuen Krebsmedikamente.

Fast im Monatstakt entlässt die europäische Zulassungsbehörde neue Wirkstoffe in beschleunigten Verfahren auf den Markt: Immuntherapien, aber auch Arzneimittel, die verheißen, "zielgerichtet" gegen die Mutationen in den Krebszellen zu wirken. Glaubt man den Experten, kosten die neuen Therapien im Schnitt zehn- bis vierzigmal so viel wie die alte Chemotherapie, die sie ersetzen.

Lipoproteinlipase-Defizienz – jene Erbkrankheit, gegen die das sündhaft teure Glybera wirken soll – ist ausgesprochen selten. In ganz Deutschland sind nur zehn Fälle bekannt. Auch gibt es jährlich nicht mehr als schätzungsweise 5.000 Neuinfektionen mit Hepatitis C. An Krebs aber erkranken hundertmal so viele Menschen: 500.000 neue Fälle waren es allein 2014. Krebs – die Krankheit der alternden Gesellschaft. "Es gibt zwei Dinge, die sicher sind", sagt der Berliner Krebsspezialist Ludwig: "Auch in den nächsten Jahren wird die Onkologie das Gebiet sein, in dem die meisten neuen Arzneimittel auf den Markt kommen. Außerdem wird die Onkologie auch in fünf Jahren, ebenso wie heute, die Indikation sein, mit der die Pharmaindustrie die mit deutlichem Abstand höchsten Umsätze erzielt – bereits im Jahr 2018 weltweit schätzungsweise 120 bis 140 Milliarden US-Dollar."

Die Pharmafirmen, so beschreiben es Analysten der Unternehmensberatung McKinsey, haben ihre Strategie geändert: Sie forschen weniger und konzentrieren sich auf Krankheiten, die vor allem uns, die Bürger der alternden vermögenden Industrienationen, treffen – die also große Gewinne versprechen. Neben Krebs sind das Autoimmunerkrankungen wie Rheuma und multiple Sklerose und natürlich Alzheimer. Im Sommer 2015 gab es Indizien, dass man hier in der Entwicklung eines Wirkstoffs vorangekommen sei. Sofort schnellten die Aktien des Forschungsunternehmens in die Höhe.

Also wird in diesem Bereich wohl einer der ganz großen Kämpfe der Gesundheitspolitik ausgetragen werden: Schafft es das Solidarsystem, die Kosten für alle auf Dauer zu schultern? Oder müssen wir Grenzen setzen und festlegen: Ein Medikament, das nicht heilt, aber vermutlich Leben verlängert, darf einen hohen Preis haben, aber nicht jeden. Und nicht für jeden.

96 Kommentare

Warum macht Deutschland es mit patentgeschützten Medikamenten nicht wie die USA 2001 mit Ciprobay von Bayer? Damals erzwangen die USA Ramschpreise für das eigentlich patentgeschützte Medikament. Das würde ganz toll die "Lohnnebenkosten" senken, wenn man denn nur wollte.

Die Diskussion über den Preis führt an dieser Stelle in die Irre, denn die Kosten der Medikamente werden ja nicht durch die Herstellung verursacht, sondern durch rechtliche Bedingungen und Forschungskosten.
Es ist also im Prinzip völlig gleichgültig, ob man das Medikament jedem oder nur wenigen gibt. Tatsächlich ist es eigentlich auch wirtschaftlich besser, es jedem zu geben, denn dann kann man die Kosten auf mehr Nutzen verteilen.

Die Frage, die sich stellt, ist eher, in welcher Weise wir die als Gesellschaft die Entwicklung neuer Medikamente finanzieren wollen, und in für welche Medikamente wir aus diesem Grund Pharmakonzernen welche Gewinne ermöglichen wollen.
Wenn man mit dem deutschen oder sogar europäischen Gesundheitswesen im Rücken mit den Herstellern Preise verhandelt, dann sollte man da schon oft etwas rausholen können. Schließlich ist es für einen Hersteller enorm lukrativ, wenn ein Medikament für so einen rießigen Markt abgesetzt wird.
Zulassung nur gegen einen akzeptablen Preis aber dafür wird das dann Kassenleistung.
Dafür müssen die staatlichen Stellen aber natürlich wirklich verhandeln mit dem Wissen über Forschungskosten im Hintergrund.

"Es ist also im Prinzip völlig gleichgültig, ob man das Medikament jedem oder nur wenigen gibt. Tatsächlich ist es eigentlich auch wirtschaftlich besser, es jedem zu geben, denn dann kann man die Kosten auf mehr Nutzen verteilen."

Interessanter Gedanke. Möglich wäre natürlich auch, pro Medikament eine Pauschale mit dem Anbieter zu vereinbaren.

Das Dilemma bleibt nur das gleiche: wie viel ist die Gemeinschaft bereit zu zahlen für - häufig geringe - Verbesserungen Einzelner.
Ein bisschen wird dieser Ansatz bei dem neuartigen Hepatits (?) Medikament verfolgt, wo die Zahlen einigermaßen abschätzbar sind. Vom Ansatz her (Zahlen erfunden)
Preis=(Kosten für 10Jahre Standardbehandlung) / (Anzahl Betroffene)
als Verhandlungsposition

Der entscheidende Unterschied ist, dass oft niemand zur Entwicklungszeit, also da, wo eigentlich die großen Kosten anfallen, weiß, ob er einmal selbst eines dieser neu entwickelten Medikamente benötigen wird.
D.h. bei der Entscheidung dieses Dilemmas befindet sich jeder im Grunde
im Zustand des "veil of ignorance", dementsprechend weiß niemand, wer der Einzelne genau sein wird.
Würde ein Unternehmen ernsthaft damit rechnen, dass es sein Medikament nicht absetzen kann, weil die Kassen nicht mehr bereit sind, die Kosten zu tragen, würde die Forschung natürlich umgehend eingestellt.
Insofern ist jeder €, der heute in die Pharmaindustrie und -forschung fließt, auch gewissermaßen eine Spekulation auf die eigene Gesundheit von morgen und es handelt sich nicht nur um reine Solidarzahlungen aus Mitgefühl.

Alles korrekt, nur können Sie das nicht an den Forschungskosten festmachen.
Für jedes am Ende zugelassene Medikament verlaufen 99 andere Spuren im Sand. Teilweise früh, teilweise spät, nachdem schon Millionen für die Entwicklung 'verschwendet' wurden.
Das hat Forschung so an sich. Da man das Ergebnis nicht planen kann, stellt sich also nur die Frage Forschen oder nicht. Mit dem einen zugelassenen Medikament müssen also auch die 99 Fehlschläge finanziert werden, denn das Geld dafür kann man nur von dem einen Treffer wieder reinbekommen.

Ich würde mir wünschen, dass ich mit meiner Patientenverfügung mehr Einfluss auf die Krankenkasse hätte. Gerne verzichte ich auf solche Medikamente sowie auch auf Organtransplatationen, Dialyse etc. Dafür möchte ich eine individuell gerechnete Prämie, solidarisch mit denen die gleich denken.

Tragen eigentlich die Heuchler, die sich bei derartigen Problem meist massenhaft in den Kommentaren äußern, eigentlich irgendetwas zur Sachdiskussion bei ?
Jeder möge mal für sich selber prüfen ob er wirklich Jahrelang, ohne Gegenleistung aus 'Gier' heraus, irgendetwas geleistet hat. Wie kommt es das viele, die die Gier der Medikamentenhersteller ablehnen, selbst so vermögend sind, dass sie Zugang zum Internet haben ?
Ist kein Medikament besser als ein 10000€ Medikament ?
Ich fürchte das ein Artikel der zu einer echten Diskussion über Kosten und Nutzen der Medizin anregen soll, den rel. kleinen (<20%) Medikamentenanteil weglassen muss.
Artikel zur Leserbefriedigung bringen natürlich mehr Profit ;-)

Kann ich mit Ja beantworten und sehe mich nicht als Heuchler. Mich hat Geld nie groß interessiert. Ihr Argument "Wie kommt es das viele, die die Gier der Medikamentenhersteller ablehnen, selbst so vermögend sind, dass sie Zugang zum Internet haben ?" ist ja absurd. Zwischen 1 Mrd € und 20-30€/Monat Internetzugang ist ja wohl noch ein bisschen Unterschied, oder? Der Artikel dient mE nicht der Leserbefriedigung sondern regt eine enorm wichtige Diskussion an!
Soll Ihr Beitrag der Pharmazieherstellerbefriedigung dienen?

Nein nur falls man etwas ehrlich zu sich selbst ist wird man feststellen das man selbst genauso aus Profitgier handelt. Und mit einem I-Netz Zugang hat man sich schon mal mehr als die Hälfte aller Menschen ergiert.
Und unter uns: ist es nicht etwas schizophren das viele Kommentatoren Geräte von geldgierigen Konzernen wie Google, Intel, ... nutzen aber Medikamente umsonst haben wollen ?
Der Gewinnanteil Wenn nicht Geldgier Ein Kommentar scheint da mehr Wert zu sein als Gesundheit.
Wie groß ist der Gewinnanteil der Konzerne an den Gesamtgesundheitskosten? Einfach mal nachrechnen und auf Relevanz prüfen

sorry,aber ihre Vergleiche sind schon etwas seltsam
Medikamente gibts in der Regel nicht umsonst,normalerweise mit Zuzahlung und im übrigen zahlt man auch Versicherungsbeiträge
es geht einzig und allein um die bezahlbarkeit und die rechtfertigung des Preises irgendwelcher angeblicher Wundermittel ,darüber lässt sich diskutieren und nicht,ob man sich einen Internetzugang oder keinen leisten kann

Sorry, niemand hier hat verlangt, Medikamente generell kostenlos zu entwickeln und herzustellen. Und was es den von Ihnen zitierten "Gewinnanteil der Konzerne an den Gesamtgesundheitskosten" anbelangt: Dieser steigt seit Jahren stetig und kräftig an. Und dieser Anstieg ist sehr, sehr bedenklich.

Warum nicht konkret benennen ?
kurzer Blick auf Novartis (dem wohl größtem):
aktuelle Dividende 3,x% d.h. ein Eigentümer (vielleicht ihr Nachbar daher die Missgunst ?) bekommt aus seinem 100.000€ Rentenkapital dieses Jahr fast 4000€. Wahnsinn.
Warum diese Missgunst nur im Gesundheitsbereich ? Müssen Sie nicht jedes Mal beim Einkaufen befürchten irgendjemand könnte profitieren ?

Wir sollten bei dieser Debatte auch über Patente unterhalten, diese sind es, die den Pharmakonzernen es ermöglichen, solche Summen zu verlangen. Gäbe es diese nicht, würden schon nach wenigen Jahren gleiche, günstigere Präperate auf den Markt kommen. Mit unserem Patentrecht schaffen wir uns 20 Jahre lang Monopolstellungen. Wäre die Deutschland ohne Patente besser dabei? Dann würde keiner mehr forschen, morgen wäre die Konkurrenz auf dem Markt. Ein Mittelweg würde das Problem langfristig zumindest entschärfen. Wobei es interessant wäre zu wissen, wie es im internationalen Umfeld aussieht.

Ich glaube sogar, dass auch ohne Patente an neuen Medikamenten geforscht werden würde, wahrscheinlich sogar MEHR als bisher, weil die Forschung von Ärzten wieder um der Wissenschaft willen erfolgt, nicht mehr ob des Kommerzes willen. Derzeit fragt doch bei einem neuen Medikament jeder nur eine Frage: "Lohnt es sich?" Künftig stellt man wieder die Frage: "Was bringt es den Patienten?"

Klar wird man einen Weg finden müssen, um Zulassungsstudien zu sponsorn. Andererseits findet man z.B. in der Physik auch einen Weg, großartige Forschung (wie Hubble, CERN, Pluto Express etc.) zu finanzieren, OHNE, dass es einen kapitalistischen direkten Nutzen hat.

Am Ende muss finanziert werden. Entweder direkte öffentlich kontrollierte Forschung oder die Forschung wird in gewinnorientierte Konzerne ausgelagert und die Öffentlichkeit bezahlt die ensprechenden Produkte dann über Krankenkassenbeiträge.
Was besser ist, weiß ich nicht.

Ich bin selber Krebs-Patientin, eine Packung meines Medikamentes kostet 10.164 Euro, seit Diagnose 226.000 Euro. Es macht mich wütend und hilflos, wenn ich merke, dass meine lebensbedrohende Krankheit Grund zum Jubeln für die Pharmaindustrie ist. Gewinne, Gewinne, Gewinne!!! Mit dem ethischen Anspruch, mein Leben zu erhalten erpresst die Pharmaindustrie mittels ihrer allmächtigen Lobby in Berlin die Lizenz zum Gelddrucken. Es regt mich auf, ich bin wütend!!! Wenn ich nicht mehr genug einbringe, nehmen die Herren über Leben und Tod also einfach mein Medikament vom Markt. Nicht Lebenserhaltung ist das Ziel, sondern Gewinnmaximierung und ein Mehr an Maximierung geht nun wirklich nicht mehr. Berlin muss diese modernen Wegelagerer in die Schranken weisen. Stattdessen eine Diskussion darüber zu führen, wessen Leben denn so viel wert ist, dass er die Medikamente bezahlt bekommt und eine anderer nicht, halte ich für mehr als zynisch. Das kann doch wohl nicht der Weg sein.

Bis jetzt wird diese Diskussion ja noch garnicht geführt. Diese teuren neuartigen Medikamente sind m.E. auch Grenzfälle aber da liegt das Problem nicht bei der Pharmaindustrie. Die forschen und vermarkten halt und legen über den Preis des Produkts die Kosten, wie jedes Privatunternehmen, auf den Kunden(die krankenkassen) um. M.e. nehmen sie Ihre Behandlung etwas zu selbstverständlich hin. Die heutigen medizinischen Möglichkeiten sind ein großer Segen und konnten (u.a.) nur erreicht werden durch das Streben gewinnorientierter Privatunternehmen. Wenn meine Fenster kaputt geht verfluche ich ja auch nicht den Glaser der am Ende schließlich prächtig daran verdient.

Gut. Wenn wir nicht wollen, dass in dieser Branche Gewinn gemacht wird (wofür es von einem ethischen Standpunkt her vieleicht auch Argumente geben mag) müsste da entweder allein auf freiwilliger Basis Geld investiert werden (mit allen Risiken eingeschlossen) oder der Staat übernimmt das. Beides wäre für den Patienten am Ende aber wohl die schlechtere Alternative.

Und wenn die alle so übermäßig viel verdienen hindert sie ja auch niemand daran mal für 80€ (oder so ähnlich) eine novartis aktie zu kaufen . Müsste ja ein sicheres Geschäft sein.

Die Frage ist doch mehr: wie sehr hafte ich egoistisch an meinem Leben und wie sehr kann ich die Gesellschaft für meine private Bedürfnisse ausbeuten. Hier muss ganz klar ein Mittelweg gefunden werden und eine Diskussion und Lösung, die sich die Gesellschaft leisten kann. Sterben tun wir alle, früher oder später. Die ganze Diskussion scheint ja von Denkverboten durchdrungen zu sein. Ein guter Artikel, der aber genauso wie die ganze Debatte rumeiert. Ich denke wegen 2,5 Monate länger leben sind maximal 10,000€ gerechtfertigt. Das wichtigste ist natürlich Schmerzreduktion und eine gute Begleitung und Umgebung beim Sterben.

Und genau diese Debatte werden wir zukünftig - in Zeiten der alternden Babyboomer und ausgeplünderter Sozialkassen - noch häufiger haben: Wie viel ist ein Menschenleben wert? Und ist nicht ein sozialkassenverträgliches vorzeitiges Ableben volkswirtschaftlich begrüßenswert und weniger "egoistisch"? Es gruselt mich.

Am Ende ist es eine Frage des Maßes, wie viel kann ich für mich beanspruchen, wie viel kann ich von der Gemeinschaft erwarten oder gar "verlangen"? Der ganze Artikel schwelgt recht episch in Empathie, klammert aber die persönlich ethische Komponente in der Betrachtung aus. Es ist auch eine persönlich ethische Frage. ICH FRAGE MICH: 'Sterben muss ich sowieso. Wenn ich sowieso sterbe und ich schwer krank bin, wieviel Lasten und Kosten bürde ich anderen auf für mein eigenes Wohl auf? Was war meine Beitrag bisher für die Gesellschaft?' Diese individuell ethische Frage wurde hier und wird hier nicht gestellt und damit klammert der Artikel einen Hauptpunkt der Betrachtung geschickt aus, nämlich den durch die Individualisierung und den Kapitalismus geprägten Individualismus und daraus resultierenden Egoismus. Egoismus geht immer zu Lasten von anderen und denkt nicht über die Folgen für andere nach.
------
Nur am Rande: Dass die Pharma-Firmen bei uns in Deutschland den großen Reibach machen, halte ich für völlig inakzeptabel und ein Resultat falscher Politik. Jeder Hebel das einzuschränken, sollte mE genutzt werden.

Momentan diskutieren Sie nur um lebensverlängeren bei Krebserkrankung, aber diese neue immunsuppressiva sind ja auch für andere Erkrankungen gedacht. Denken Sie da auch dafür eine preisgranze existieren sollte? Nehmen wir an die ganze liegt bei 100.000 € im jahr. Tja da hätte ich schon längst verloren und hätte zu einem Großteil mein Sehvermögen eingebüßt. oder ich hätte die Medikamente bekommen weil ich Anfang 20 bin, Ausbildung sowie Abitur besitze und ein Studium anstrebe und auch noch Kinder auf die Welt bringen möchte - also ein produktiver teil der Zukunft darstelle. DaS alles wäre mir bei stark eingeschränkter sehleistung erschwert möglich.
Die frage ist nicht "was kann alles getan werden um Leben zu verlängern" sondern meiner Meinung nach " was ist sinnvoll um Leben lebenswert zu machen?"

Ich habe als Neurochirurg in meinem Leben sehr viele Entscheidungen zu treffen gehabt, die sich in Grenzbereichen bewegen und manche waren in Ausnahmesituationen schlicht illegal. Meist ging es bei letzteren Entscheidungen darum, etwas Hochriskantes bei meist jungen Patienten zu wagen, wenn die Alternative der sichere Tod oder die sichere Invalidität war. Man berät sich mit Kollegen, trifft eine Risikoabwägung und handelt. Es ging dabei nie um Wochen oder Monate mehr Lebenszeit. Patientin, 23 Jahre in Moskau, Erstdiagnose Leberkrebs, ich sehe sie zur Abklärung von Metastasen, da eine neurologische Problematik befürchtet wird. Es ist aber ein bakterieller Leberabszess, kein Krebs, der Erreger multiresistent und andere Organe ebenfalls befallen. Als Diagnose ein Kolibri. Das Antibiotikum, das helfen könnte, ist zum damaligen Zeitpunkt neu, teuer und weder für eine entsprechend lange Behandlung zugelassen noch jemals bei diesem Krankheitsbild getestet worden und in Russland nicht verfügbar und zugelassen. Ein Todesurteil. Eine russische Infektologie-Professorin, zwei Internisten , ein Pharmazieprofessor und ich haben das ausdiskutiert, das Medikament beschafft und dann die Behandlung eingeleitet. Die Patientin hat überlebt, aber der Aufwand und das Risiko waren extrem hoch. Wiederholen wird das wohl so schnell keiner. Wo zieht man die ethische Grenze? Oft ist die Grenze der Spiegel, in den man jeden Morgen schauen muss.

Muss die Frage nicht vielmehr lauten: Wieviel Profit sind wir bereit den Pharmaunternehmen zu gönnen, die uns mit Medikamenten dieser Art das Geld aus den Krankenkassen saugen und ihrerseits sich im finanziellen Erfolg sonnen und ihre Stakeholder beglücken?

Technologisch sind diese Medikamente und die dazu gehörigen Tests noch lange nicht ausgereizt. Digitale Pathologie und machine learning halten gerade erst Einzug in den Pharmabereich. Das erfordert natürlich gut qualifiziertes Personal verbunden mit weiteren Forschungs- und Entwicklungskosten, die sich schließlich im Preis widerspiegeln werden. Mittlerweile arbeiten eine ganze Reihe von Big-Pharmas an neuartigen (Krebs-) Medikamenten und dadurch gibt es durchaus Konkurrenz. In diesem Fall allerdings muss, sobald ein "Treffer" gelandet wird, d.h. eine Zulassung erreicht ist, der Preis möglichst hoch angesetzt werden, um die womöglich nur kurze Zeit, bis der nächste Konkurrent nachzieht, voll auszuschöpfen.
Pharmafirmen sind Wirtschaftsunternehmen und werden daher - oh Wunder - alles daran setzen (müssen, um nicht von den Mitbewerbern vom Markt gedrängt zu werden bzw. um die Aktionäre bei Laune zu halten) möglichst hohen Profit zu machen. In Hochtechnologie-Ländern strebt nunmal alles immer weiter Richtung (teurer) hi(gher)-tech, selbst wenn sie nicht die Lösung erster Wahl für manche Probleme sein mag. Vielleicht hilft ja wider aller Technologisierung ein ganz fester Glaube an zukünftige Kostensenkungen durch neue Entwicklungen...

Technologisch sind diese Medikamente und die dazu gehörigen Tests noch lange nicht ausgereizt. Digitale Pathologie und machine learning halten gerade erst Einzug in den Pharmabereich. Das erfordert natürlich gut qualifiziertes Personal verbunden mit weiteren Forschungs- und Entwicklungskosten, die sich schließlich im Preis widerspiegeln werden. Mittlerweile arbeiten eine ganze Reihe von Big-Pharmas an neuartigen (Krebs-) Medikamenten und dadurch gibt es durchaus Konkurrenz. In diesem Fall allerdings muss, sobald ein "Treffer" gelandet wird, d.h. eine Zulassung erreicht ist, der Preis möglichst hoch angesetzt werden, um die womöglich nur kurze Zeit, bis der nächste Konkurrent nachzieht, voll auszuschöpfen.
Pharmafirmen sind Wirtschaftsunternehmen und werden daher - oh Wunder - alles daran setzen (müssen, um nicht von den Mitbewerbern vom Markt gedrängt zu werden bzw. um die Aktionäre bei Laune zu halten) möglichst hohen Profit zu machen. In Hochtechnologie-Ländern strebt nunmal alles immer weiter Richtung (teurer) hi(gher)-tech, selbst wenn sie nicht die Lösung erster Wahl für manche Probleme sein mag. Vielleicht hilft ja wider aller Technologisierung ein ganz fester Glaube an zukünftige Kostensenkungen durch neue Entwicklungen...

Ein sehr wichtiger Lösungsansatz wird bis heute völlig ausgeblendet, weil den meisten Laien (auch und gerde Politikern) das nötige Fachwissen fehlt. Doch bevor jetzt eine ethisch viel schwierigere Debatte geführt darüber geführt wird, was es noch ksoten darf, sollten wir endlich anfangen darüber zu reden, dass nicht mehr nur die Pharmafirmen alleine Wirkstoffentwicklung machen dürfen. Die Hochschulkliniken sind der ideale Ort für Wirkstoffentwicklung. Dort sind die Patienten, dort sitzt exklusiv das Wissen. Wenn der Staat endlich bereit wäre die Wirkstoffentwicklung an Hochschulen zu finanzieren, würde er vielleicht 3-5 Milliarden pro Jahr investieren müssen aber gleichzeitig 40 Milliarden und ansteigend mehr pro Jahr sparen.

Die ständigen Referenzen auf Nazideutschland, mit denen die Ignoranz gegenüber der nachfolgenden Generation (die, die das alles dann bezahlen dürfen) gerechtfertig werden, haben mich wirklich angewidert.

Natürlich brauchen wir eine offene Debatte zu maximalen Behandlungskosten - und zwar insbesondere unter Berücksichtigung ihrer Wirksamkeit. Und selbstverständlich ist ein 85-jähriger weniger Wert als ein 20-jähriger. Wer da jetzt schon wieder reflexartig aufschreit darf sich in Ruhe die Frage durch den Kopf gehen lassen, wer dann die Beiträge bezahlt, wenn man dem 85jährigen noch ein paar Jahre verschafft, aber dafür den 20 jährigen sterben lässt.

Und auch eine werdende Großmutter ist nicht jeden Preis wert, um ihr ein paar Tage mehr zu verschaffen.

Emotionalität hat in dieser Debatte einfach nichts verloren. Und der ständige Versuch der Autorin (ohne nachgeguckt zu haben vermute ich einfach, dass der Text von einer Frau verfasst wurde), mit hochemotionalen Bildern den Verzicht auf Ratio und Verstand zu fordern, ist einfach nur ungeheuerlich!

Ich bin zwar noch einige Jahre von der 80 entfernt, aber wenn Ansichten wie diese sich wieder verbreiten, dann ist ein Nazivergleich durchaus angebrach! Alles, was wir erschaffen, erforschen und bewahren dient doch letztlich dazu, unser aller Leben lebenswert zu gestalten. Beginnen wir nun also Menschenleben gegen Lebloses auf zu wiegen, sind wir schnell wieder beim "lebensunwerten Leben"... Ich bete, dass die mehrheit der jungen Menschen es anders sehen wird, wenn sie alsbald in die Entscheiderpositionen kommen werden.

Ja, bei allem Idealismus und bei aller Realitätsverweigerung steht man am Ende doch immer wieder vor dem klassischen Brückendilemma.

Stellen wir uns den Fakten:
a) Die Sterbekosten (die Summe der Kosten, die ein Mensch verursacht, bevor er stirbt) steigen exponentiell , die erwarteten Einzahlungen (bezogen auf die verbleibende Lebenszeit) in die Gesellschaft der Person gehen gegen Null
b) Eine (Solidar-)Gesellschaft ist nicht beliebig belastbar.

Ist die Belastungsgrenze erreicht, MÜSSEN Entscheidungen getroffen werden. Zwangsläufig, unausweichlich. Die Entscheidungen sind auch keine A/B-Entscheidungen, in denen man klar zwischen zwei Alternativen wählen kann. Viel realistischer ist die Situation: Das Budget für alte Menschen wird begrenzt, was zwangsläufig dazu führt, dass weniger alte Menschen eine gegebene Medikation zu gegebenen Preis bekommen. Dafür kann z.B. gewährleistet werden, dass für junge, aussichtsreiche Fälle ausreichend Geld da ist.

In einer utopischen Gedankenwelt, in der unendlich Geld da ist, und jede Medikationen einen unbegrenzten Mehrwert stiftet, ist es natürlich erstrebenswert, jedes Leben unendlich zu bewerten und "koste es was es wolle" zu verlängern.

In der Realität sind die Nutzen aber marginal (mein Opa starb z.B. vor etwas mehr als einem Jahr, und es war ehrlicherweise scheißegal, ob er noch 4 Wochen länger am Leben gehalten worden wäre. Wir haben uns alle verabschiedet, als es an der Zeit wahr. Und die Zeit konnte ER bestimmen)

Wie gesagt: Wenn wir endlos Geld haben, und davon reden, den Patienten (und deren Angehörigen) durch die Preise auch echte Mehrwerte erkaufen zu können, dann ist das alles schön und gut.

Ein paar Wochen oder Monate sind aber schlichtweg nicht nennenswert, und schon gar nicht zu den Preisen. Und spätestens wenn dann die Gelder für die Therapie eines Kindes oder eines Jugendlichen oder eines jungen Erwachsenen fehlen, ist der Spaß einfach vorbei.

Dafür braucht man allerdings auch eine gewisse Ehrfurcht vor dem Leben als solches. Wenn ein Verwandter Stirbt, lasse ich sprichwörtlich alles stehen und liegen - egal wo ich bin - und verabschiede mich gebührend. Ich lasse ihn NICHT aus purer Arroganz noch ein paar Wochen dahin vegetieren.

Erstens gilt es für fast immer, dass Geld das Leben im Schnitt verlängert.
Das ist nunmal die Gesellschaft, die sich spätestens '89 alle ausgesucht haben (die ob die Alternative besser wäre, will ich damit aber nicht sagen). Und die Pharmalobby wird nicht Geld in Forschung investieren, wenn am Ende nicht der große Reibach herausspringt. Ich gehe auch nicht 41h arbeiten, wenn am Ende nicht ein vernünftiges Einkommen steht.

Und da das Leben sowieso endlich ist - will heißen, auch bei erfolgreicher Behandlung muss jeder Mensch irgendwann sterben - kann man genausogut sagen, dass ab einem bestimmten Lebensjahr die Kosten nicht übernommen werden. Damit verbietet man ja nicht die Behandlung (und das ist der wichtigste Punkt), aber man handelt im Sinne des Gemeinwohls, dass nicht alles gemacht wird, was technisch machbar ist. Und der Ansatz von String.Rnd ist in meinen Augen der richtige.

In diesem Zusammenhang würde es ungemein helfen, wenn man als Mensch jeden Tag so lebt, als wäre es der letzte. Das klingt abgedroschen. Aber wenn man das Leben lebt, dann kann einen eine Krankheit im höheren Alter auch nicht mehr erschrecken, weil man eben nicht in die Verlegenheit kommt, zu merken, dass man die bisherige Lebenszeit nicht sinnvoll genutzt hat.

Und was das nun mit Nazivergleichen zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Hier wird einfach nur die finanzielle Unterstützung diskutiert, die man bei Behandlungen gewährt oder nicht. Die Nazis haben aktiv Menschen umgebracht.

Wenn Emotionalität in der Debatte nichts verloren hat, stellt sich die Frage, wieso der Verfasser der vorgenannten Zeilen, einen derart emotionalen Kommentar schreibt.
Dass er als Ration und Verstand betitelt wird, ändert nichts daran. Der Verfasser nimmt wohl seine Sicht als "Ratio" und eine davon abweichende, die ihm nicht gefällt als Emotion, die nur von einer Frau verfasst worden sein kann und die er ablehnt.
Dass er nicht merkt, wie emotional sein eigener Tenor ist, würde eines gewissen Witzes nicht entbehren, wenn der Inhalt seiner Aussage nicht dermaßen grotesk wäre.

Die Einstellung nach der ein 85jähriger, Zitat, "weniger wert" sei, als ein 20jähriger, der schließlich in der Zukunft Beiträge bezahlen wird, zeugt leider nicht von Rationalität, sondern von bloßer Menschen- und Lebensverachtung.
Da möchte jemand allen Ernstes den "Wert" eines Menschen an seinem Alter und künftigen Beitragszahlungen festmachen.
Und was darf es nächstes Kriterium sein? Haarfarbe? Attraktivität (irgendwie muss man ja ausgleichen, wenn man eine emotionale Frau ist), Arbeitsfähigkeit? IQ? oder doch lieber EQ? Darf der 30jährige Bezieher von Sozialleistungen sich eher dem 20jährigen zurechnen oder muss er sich mehr dem 85jährigen "wertmäßig" zuordnen?
So eine Menschenverachtung zu verzapfen und das als Ration zu vermarkten, ist das einzig "Ungeheuerliche".

OK, Sie empfinden es als Menschenverachtend wenn Foristen finanzielle Mittel, auch im Gesundheitswesen, als endlich betrachten. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie denn wenn es sich um eine real begreifbare beschränkte Ressource handelt ? Wer soll das Spenderherz bekommen der 85, der 20jährige oder das Kleinkind ? Die Ärzte aus dem letzten Skandal haben sich jeweils für ihren Patienten entschieden, Emotional. War das in Ihrer Meinung nach die beste Lösung ? Oder lieber eine Lotterie damit alle gleich wert sind ?
Die beiden die leer ausgingen sind übrigens nach 3 Monaten verstorben.

Die Pharmaindustrie hat im Rahmen der klinischen Forschung natürlich hohe Kosten, viele Stoffe kommen nie auf den Markt, das versucht man im Rahmen der Patentlaufzeit reinzuholen. Dennoch sind die Gewinne nach wie vor hoch.

Der Kampf gegen den Krebs wird immer hochgehalten. Er ist letztlich jedoch ein Luxusproblem reicher Gesellschaften, global gesehen sind andere Stoffe, z.B. gegen Infektionskrankheiten viel wichtiger für die Versorgung der Weltbevölkerung und teils recht billig.

Der enorme Anwachs von Zulassungen für teurer Medikamente ist auch darauf begründet, wie ihm Artikel angerissen, das früher wenige Medikamente viele Diagnosen abgedeckt haben, während heute für jede Diagnose und jede genetische Teilpopulation möglichst ein eigenes "Targeted Therapy"-Medikament entwickelt werden soll, die zwar die Therapie oft verbessern, aber natürlich enorme Kostentreiber sind.

Es ist nicht einzusehen, dass die Lobbies der Pharmaindustrie ihre Interessen bei der Politik massiv durchsetzen, während z.B. die Pflege kaputtgespart wird, um das Geld wieder reinzuholen. Warum Patienten mit teuren Medikamenten versorgen, nur um sie dann freudlos vor sich hin dümpeln zu lassen.

Im Zusammenhang "hohe Kosten für wenige Patienten" ist mein Standpunkt: Prinzipiell sollte jeder, dem von der Lebensqualität ein Nutzen entsteht, auch die beste Therapie erhalten. Zumindest muss gleiches Recht für alle Patienten gelten. Es hat jedoch keinen Sinn, Patienten weiterzutherapieren, wenn keine Erhöhung der Lebensqualität mehr zu erwarten ist. In diesem Zusammenhang sollten wir auch über die Legalisierung aktiver Sterbehilfe sprechen, wenn der Patient dies wünscht.

Wenn man im Zeit Magazin liest über Medikamente Krebs und in einem andern Artikel über die Verteilung von Vermögen in unserer Gesellschaft, dann kann man auch hier eine Parallelität ziehen und unsere angebliche Solidaritätsgesellschaft betrachten.
Haben die wir wirklich noch?
Die am meisten verdienen zahlen doch nichts mehr in die Systeme ein. Die können sich freikaufen oder haben eigene Versicherungen.
Architekten, Ärzte, Beamte, Juristen, Steuerberater usw. Alle diese zahlen nichts mehr ein, weder in die Kranken- noch Rentenversicherungen.
Wäre ein möglicher Schritt wieder zu einer Gesellschaft zu kommen, wenn alle in die gleichen Kassen einzahlen.
Man könnte jetzt noch über die Gier der Pharmaunternehmen schreiben, aber es reicht. Selbst diese Zeilen sind unnötig, weil sich nicht ändert.
Die Gesellschaft wird von Gier und Macht beherrscht, die meisten Menschen werden ausgenutzt, die Reserven der Erde werden verbraucht auf Teufel kommt raus und die Schadstoffen in der Luft oder in unseren synthetischen Essen nehmen zu und wir erkranken daran. Höher, weiter schneller....

Mal wieder jemand, der ahnungslos in die Debatte geht. Beamte zahlen nicht nur in die Kasse (Arbeitgeber übernimmt 50% der Krankheitskosten, den Rest muss man privat versichern), sondern sie tun das auch noch ein Leben lang, nach der aktiven Dienstzeit dann immer noch mit 30% PKV. Sie subventionieren überdies die gesetzlichen Kassen durch Querfinanzierung, denn sie zahlen den mehrfachen Satz der GOÄ, es weiß zwar niemand warum, aber es ist so.
Also m.schmi67, erst informieren, dann kommentieren.

Stimmt so nicht. Die Beamten bezahlt der Staat, also der Steuerzahler, also 90 % der Bevölkerung - entspricht so ziemlich den gesetzlich Versicherten. Die Beihilfe für die PKV der Beamten zahlt ebenf. - na der Steuerzahler. Einen mehrfachen Satz der GOÄ zahlen sie nicht, regelhaft den 2,3 fachen Satz. Dazu muss man wissen, das mancher Einfachsatz GOÄ unter dem der GKV liegt. Sodann sind lediglich 10 % der Versicherten Privatversichert. 10 % können nun mal rein finanziell und betriebwirtschaftlich gerechnet den Gesamtkoloss Gesundheitssystem nicht stemmen. Der PKV-Versicherten profitiert also letztlich von der umfassenden Infrastruktur, die die GKV und der Steuerzahler aufbauen und unterhalten. Diese Mär von der Subventionierung der GKV durch die PKV ist angesichts der Gesamtsummen, die beide Systeme bewegen, schlicht falsch.

Unsere Gesellschaft ist unerträglich geworden. Jeder will das neueste Handy, Zweitwagen, Eigenheim und 3x im Jahr in der Urlaub fliegen. Kaum einer ist bereit in ein marodes Gesundheitssystem (mehr Personal!) oder den Anreiz zur Forschung zu investieren. Sehr traurig das ganze, aber durch unser Gesundheitssystem verlieren die Menschen und Medien das Gefühl dafür, wie viel uns unsere Gesundheit (und die unserer Mitmenschen) wert sein sollte. Mir ist es Jedenfalls sehr viel mehr wert als mein Handy + Zweitwagen + Haus + Urlaub + etc!.

Aber damit gewinnt man keine Wahlen :(

Sie haben schon recht. Wenn ich Geld für ein Handy bezahle, so ist das freiwillig und OK. Wenn ich aber Geld in eine Sozialversicherung einzahle, "nimmt mir der Staat was weg". Das hierfür auch eine Gegenleistung vom "Staat" erbracht wird, wird nicht realisiert.

Unsere Gesellschaft ist unerträglich geworden. Jeder will das neueste Handy, Zweitwagen, Eigenheim und 3x im Jahr in der Urlaub fliegen. Kaum einer ist bereit in ein marodes Gesundheitssystem (mehr Personal!) oder den Anreiz zur Forschung zu investieren. Sehr traurig das ganze, aber durch unser Gesundheitssystem verlieren die Menschen und Medien das Gefühl dafür, wie viel uns unsere Gesundheit (und die unserer Mitmenschen) wert sein sollte. Mir ist es Jedenfalls sehr viel mehr wert als mein Handy + Zweitwagen + Haus + Urlaub + etc!

"An Krebs aber erkranken hundertmal so viele Menschen: 500.000 neue Fälle waren es allein 2014. Krebs – die Krankheit der alternden Gesellschaft."
Nein, Krebs ist nicht einfach eine Alterskrankheit. Wir sind umgeben von krebserregenden Stoffen von Feinstaub bis Glyphosat sowie tausendenden von Stoffen für die es keine Studien zu Wirkungen und Wechselwirkungen gibt, die aber in unseren Körper gelangen.

Ein Drittel der Krebsfälle ist "lebensstilabhängig" schreibt die dt. Krebsgesellschaft.

Der Artikel kratzt an der Oberfläche: Denn wieviele Medikamente könnten wir uns leisten, wenn wir Hunderttausende Kranke weniger hätten, weil wir uns erst gar nicht selbst schaden?
Erst nicht schaden, dann helfen - dieses alte Prinzip ist längst über den Haufen geworfen.

Viele, die den Artikel gelesen haben, sind wohl durch die Fragen, die damit aufgeworfen werden, tief getroffen. Kaum eine dieser Fragen lässt sich mit "ja" oder "nein" beantworten. Wie kann man dann zu einer verantwortlichen Entscheidung kommen, und was ist überhaupt "verantwortlich"?
In einem System privat finanzierter Gesundheitskosten ist die Verantwortung, insbesondere hinsichtlich finanz. Kosten, klar geregelt: Es entscheidet derjenige, der das Finanzbudget verantwortet. Das kann der Kranke selbst, das können Familienangehörige, oder aber auch Familienfremde sein. Die Auswirkungen von Entscheidungen betreffen somit auch nur diesen jeweiligen Kreis - Und eine gesellschaftliche Debatte beschränkt sich wohl allein auf die Frage, ob es gerecht ist, dass zusätzliche Lebenszeit nur denen zusteht, die mehr "Wert" in der Gesellschaft haben.
In einer sozialen, (neo-) liberalen Gesellschaft werden zwei zuvor untergeordnete Kräfte wirksam:
1.) Der Wunsch, dass, unabhängig von den Kosten, grundsätzlich Allen geholfen wird
2.) Das Bestreben von Unternehmen, maximalen Profit zu erzielen.
Beide Kräfte berühren Grundfesten unserer, als frei empfundenen Gesellschaft. Offensichtlich aber ist auch, dass eine Lösung nur erfolgreich sein kann, wenn BEIDE Kräfte begrenzt werden können. Es wird keine Lösung geben, die allen gefällt. Die Stärke einer Demokratie sich darin zeigen, auch einmal "weniger Wohlbefinden" zu entscheiden.

Noch ein letzter Nachsatz zu kurzsichtigen Kostenrechnungen:
Wenn ich nun zB einen Hep C Patienten mit einer Sovaldi kuriere - statt Jahrzehnten mit ständiger Medikamententherapie, in denen der Körper immer mehr abbaut, um die therapieresistente Hep C einigermaßen unter Kontrolle zu behalten in chronischer Form, bis evtl. irgendwann eine Spenderleber verfügbar ist, danach weiter bis an das Lebensende teure Medikamente um die Abstoßung der neuen Leber zu verhindern - dann ist dieser Patient in 12 Wochen gesund. Austherapiert. Kuriert. GESUND!

Selbst wenn ich diesem unglaublichen Lebensglück, ein Unterschied wie Tag und Nacht für einen Menschen, keinen Wert beimessen möchte - dann ist dieser Mensch doch zB Arbeitnehmer. Dann ist er keine jahrzehntelange Bürde für das Sozialsystem, weil er ständig krank ist, vielleicht auch bald gar keinen neuen Job mehr findet und dauerhaft Sozialgeld beziehen muss, usw., sondern dann ist er wieder vital, sorgt für sich selbst - und kann selbst wieder solidarisch sein und Steuern und Abgaben bezahlen. Da kommt also auch wieder ein ordentliches Plus rein.

Oder die Familie - wieviele Kinder, bei denen ein Elternteil an einer schweren Krankheit verstarb, wurden dadurch vollkommen aus der Bahn geworfen und haben kein Bein mehr auf den Boden bekommen und enden beim Jobcenter. Wenn ein Patient leidet und "ausfällt", dann leidet seine Familie, sein Umfeld, mit. Auch ökonomisch! Auch ökonomisch ist sowas wie der QALY unzureichender Murks.

Der eigentlich wichtige Punkt in der Debatte wird nur kurz gestreift und lieber nicht ausformuliert. Die zentrale Frage lautet nämlich nicht, ob wir uns längeres Leben leisten können und wollen, sondern ob wir uns DIESE Pharmaindustrie weiterhin leisten können und wollen.
Ich bin für massive, staatliche Eingriffe in Form von Forschung und staatlicher (!) Produktion. Wir werden genau diese Entwicklung in Zukunft in den USA erleben. Nicht weil die USA den Kommunismus entdecken, sondern weil sie die Grenzen des bisherigen Systems unmittelbarer erleben als wir in Deutschland. Denn wenn der US-Vize Biden darüber nachdenken muss, sein Haus zu verkaufen, um die Krebsbehandlung seines (einst sehr gut verdienenden) Sohns bezahlen zu können, dann bekommt man ein Gefühl für die Brisanz des Themas. Das ein so prominentes Beispiel keinen Eingang in den Artikel gefunden hat, zeigt in welche in Richtung der Artikel den geneigten Leser hin erziehen will. Lasst Euch keine Schein-Debatte aufzwingen, deren ethische Antwort wir alle kennen, stellt die richtige Frage!

Wenn ich es nicht überlesen habe, taucht im gesamten Artikel nicht einmal der Begriff "Ethik" auf. Dabei ist es doch weniger eine ökonomische Frage (denn die lässt sich relativ leicht beantworten) sondern eine ethische Frage, ob jemandem ein Medikament bezahlt wird oder nicht.

Außerdem verstehe ich nicht, warum auch per Schnellzulassung auf den Markt gebrachte Medikamente solch exorbitanten Preise bewilligt bekommen. Liegen sichere Angaben zur Wirkung vor, dann Bezahlung entsprechend des Nutzens, vorher nur Erstattung einer angemessenen Pauschale. OK, dann verschiebt sich evt. die Gewinnschwelle um ein paar Jahre, aber die Unternehmen wären auch mehr an EFFIZIENTEN Wirkstoffen interessiert.

PS: was viele hier leider nicht bedenken, nicht nur die Hersteller solcher extrem teurer Medizin haben wirtschaftliche Interessen. Deren ganze Konkurrenz, die bisher sehr, sehr gut davon lebte zB chronische Hepatitis C Patienten häufig ein ganzes Leben lang mit auch sehr teurer Medizin zu behandeln, die haben ein großes Interesse daran, solche "Wundermittel" aus dem Leistungskatalog herauszuhalten. Fiktives Beispiel einer HIV Kur. Mit einer superteuren Einmaltherapie könnte das HI Virus eradiziert werden, also was, wonach wir solange geforscht haben. Ich gehe jede Wette ein, dass die Pharmalobby mit aller Macht versuchen wird, dieses eine Mittel auch in den westlichen Ländern normalen Krankenversicherten nicht zugänglich zu machen. Denn die verdient blendend damit, dass HIV Patienten als chronische Patienten jeden Monat Pillen im Wert von ca. 1.000 € nehmen müssen um den Ausbruch von AIDS zu verhindern. Das sind 12.000 € im Jahr, 120.000 € in nur 10 Jahren und durch diese Therapien haben HIV Positive inzwischen eine annähernd normale Lebenserwartung, also über zB 50 Jahre ... you do the math. Da wäre eine "superteure" Therapie für zB 250.000 €, die HIV dann auch wirklich heilt, gut für Boulevardschlagzeilen und gut für Patienten, aber schlecht für die Erträge derer, die mit chronischen Patienten - langfristig - bisher noch viel mehr Geld verdient haben.

Dieser Aspekt gehört dringend in dieser Debatte berücksichtigt. Da wird manipuliert, dass sich die Balken biegen.

Das macht doch keinen Sinn!
Als Firma A ist es mir schnurtzpiep egal welchen Verlust ich bei Firma B heraufbeschwöre wenn ich eine 1-Tag-100%-Heilung Wunderpille auf den Markt Bringe.

So übrigens bei Sovaldi passiert: Plötzlich wird eine chronische Krankheit mit enormen Kosten für das Gesundheitssystem sehr schnell und fast sicher geheilt. Wenn das kein Fortschritt ist weiß ich auch nicht...

Mit dieser Nicht-Diskussion und der stillschweigenden Annahme, wir machen immer alles, was möglich ist, hat die Pharmaindustrie ein riesiges Erpressungspotential.
Ich selbst komme in den Genuss eines sehr teuren (aber immerhin nicht so teuer wie Krebsmedikamente) Medikamentes, das mir auch sehr gut hilft. Dennoch mache ich mir Gedanken über die Kosten, sowohl, in Bezug auf meine Handlungsmöglichkeiten-ich habe immer 4 Wochenpackungen und spare im Laufe des Jahres einfach wenigsten eine Packung ein, indem ich halt manchmal einfach "vergesse".
Andererseits ärgert es mich maßlos zu wissen, dass das Medikament in anderen europäischen um mindestens (!) ein Drittel billiger ist.
Da ist also viel Luft.
Und ja, die Diskussion muss geführt werden.
Als mein Vater im Sterben lag, wurde weiterhin die Dialyse durchgeführt, die er jahrelang brauchte.
Ich verstand überhaupt nicht, warum diese Behandlung nicht auch unter dem Gesichtspunkt des Verzichtes auf den Einsatz von Apparatemedizin bei einem absolut voraussehbar tödlichen Ausgang beendet wurde. Leider war da auch mit meiner Mutter nicht zu sprechen.
Letztlich wäre er wahrscheinlich einfach 2-3 Tage früher gestorben.
Aber ich denke, neben der Furcht meiner Mutter gaben da vor allem die Wirtschaftsinteressen des Krankenhauses den Ausschlag.

Die Frage "Was ist der Gesellschaft das Leben der anderen wert?" ist ein Widerspruch in sich selbst. Die Gesellschaft beinhaltet definitionsgemäß ALLE Individuen. Es gibt darin keine "anderen". Wer im gesellschaftlichen Zusammenhang von "anderen" spricht, sagt, dass gar keine Gesellschaft mehr da ist, sondern nur noch Einzelne. Doch genau DAS ist unser Problem.

Wenn wir eine Gesellschaft wären, würde es GANZ SELBSTVERSTÄNDLICH Medikamente für ALLE geben. Es gäbe gar keine Preise! Es gäbe gar kein Geld!

Diese Debatte geht in die falsche Richtung.

1. hat ein Menschenleben keinen Preis.

2. ist es nicht einmal ökonomisch opportun Leiden über Rationierung im Gesundheitswesen unnötig zu verlängern. Beispielsweise hat man zwischenzeitlich Erfahrungen mit den neuesten Präparaten gegen Hep C gesammelt, die, mancher mag sich noch erinnern, bei der Einführung ebenso heiß diskutiert wurden.

Diese wurden von quasi allen Patienten exzellent vertragen und mit einer einmaligen Therapie waren diese binnen 12 Wochen beschwerdefrei und genesen. Komplett und dauerhaft.

Alle vorherigen Therapien hatten weitaus geringere Erfolgschancen, dazu waren die Nebenwirkungen von Mitteln wie zB Interferon so stark, dass viele so behandelte Patienten eine körperliche Verfassung von Sterbenskranken hatten, arbeitsunfähig waren, das ganze Leben zerfiel (auch das soziale Leben). Einige hielten das schlicht nicht aus und begingen während der Therapie Selbstmord (ein Tabuthema, aber es soll hier wenigstens kurz erwähnt werden). Und die Menschen litten Jahrzehnte und verursachten - über diese lange Zeit - sogar NOCH HÖHERE Kosten, bis hin zur Lebertransplantation und daraufhin lebenslanger Therapie gegen die Abstoßung des Spenderorgans.

Langfristig - wenn wir also nicht das Quartalsdenken der Privatwirtschaft zum Maßstab nehmen - ist es sogar wirtschaftlich, Patienten mit sehr teuren Medikamenten nachhaltig zu behandeln.

Diese Debatte können wir uns also wortwörtlich sparen.

Ich denke hier treffen zwei Aspekte aufeinander. Zum einen "natürlich muss man alles für den Menschen tun" andererseits wirtschaftlich gesehen "mir doch egal hauptsache ich erwirtschafte Profit und verdiene an Hoffnung".

Für mich wäre es so, dass ich diesen Wahnsinn in der Hoffnung ein paar Wochen länger zu leben nicht mitmachen würde, man muss sich irgendwann damit abfinden, man ist nichts besonderes bei 7Mrd Mitbürgern auf diesem Planeten, und irgendwann läuft die Zeit ab - und wenn man da nichts heilen kann sondern nur künstlich verlängern, was bringt's ?

Naja gut, daran schlösse sich aber die Diskussion und die Krankenbeiträge, die Beitragsbemessungsgrenzen und die Flucht der Reichen und Wohlhabenden aus dem Solidarsystem.
Es müssten eben alle pflichtversichert sein mit einem bestimmten Prozentsatz des Einkommens und es müssten alle Einkommensarten einbezogen werden.
Hierzulande halten sich ja die Selbständigen, die Reichen und die Gutverdiener fein raus.

Ich kenne die Erfolgsrezepte der Pharma-Industrie nicht, aber man sollte nur bedingt und verantwortungsvoll mit den Hoffnungen der Kranken "spielen".
Ich befürchte, daß hier eher der Profit der Pharma-Industrie im Vordergrund steht. Allerdings kann man nicht ignorieren, daß Forschung eben auch seinen Preis hat.
Insgesamt eine schwierige Situation.

Man sollte hier aber den Kranken nicht die Möglichkeit der Wunderheilung vorspiegeln. Leider ist es auch bei Ärzten mittlerweile so, daß diese im Rahmen der lebensverlängernden Maßnahmen dem Patienten gegenüber eine umfassende Aufklärungspflicht haben. Ob das denn alles immer zum Vorteil des Patienten ist, muss man sich ernsthaft fragen....

Die Preisvorstellungen der Industrie sind in der Tat exorbitant. An der Stelle lässt sich in der Tat etwas drehen. Auch wenn die Industrie Kosten für die Entwicklung ausgiebt. Wenn die Medikamente billiger angeboten werden müssen sie eben etwas länger warten bis sie ihre Kosten wieder drin haben. Wenn Krankheiten wie Hepatitis C nicht jetzt vom Erdboden verschwinden wo es gerade die Medikamente gibt die Infektionsrate zu senken wird sie uns irgendwann wieder einholen und dann vielleicht in einer Situation in der es wirklich kein Geld mehr gibt.
Deswegen söllte man alle Mittel nutzen jeder Krankheit Herr zu werden die es gibt. Vielleicht könnte man ja das Geld auch wieder reinbekommen indem zum Beispiel auf sinnlose Rüstungsprodukte, die wie in der Bundeswehr noch nicht einmal mehr funktionieren, verzichtet. Oder indem Steuern eingeführt, respektive erhöht werden und zwar bei denjenigen die genug Geld haben.

Vielene Dank für den Artikel! Natürlich wird "Big Pharma" die Preisschraube für "neue" Medikamente immer fester anziehen. Bis irgendwann die Schraube abbricht. In Indien ist das schon der Fall, das Land ist aus dem Patentsystem für Medikamente faktisch ausgestiegen. Die (dank längerer Wirkdauer von vielen Männern geschätzte) Viagra-Alternative Cialis kostet in Deutschland 18,50 Euro pro Tablette. In Indien gibt es legale Cialis-Generika für unter 20 Cent pro Stück.

Wann folgt die EU und schafft Patente auf überlebenswichtige Medikamente ersatzlos ab?

Und jetzt kommt bitte keiner mit dem Totschlagargument: "Dann gibt es keine medizinische Forschung mehr". Das genaue Gegenteil wäre der Fall: Wenn sich mit vermeintlichen Wundermitteln keine Milliarden mehr abzocken lassen, wird die medizinische Forschung an den Hochschulen und Krankenhäusern wieder viel, viel seriöser. Die Folge: Mehr Fortschritt, nicht weniger.

Krebs die Geißel der Menschheit - wird besiegt ! Diese Botschaft geht von den modernen Forschungen aus, es ist nur mehr eine Frage der Zeit. Welche immensen Schäden, wieviel Trauer, Leiden und auch Kosten hat diese Krankheit der Menschheit über Jahrhunderte beigebracht. Jetzt gibt es Licht am Ende des Tunnels und alle reden über Kosten?

Derzeit gibt es keine Wehrpflicht. Freiwillig Wehrdienstleistende bekommen ein ganzes Paket aus Leistungen (u.a. kostenlose Unterkunft, Verpflegung, medizinische Versorgung und Heimfahrten, sowie Rentenzahlungen entsprechend einem Brutto-Verdienst von 1700 Euro) sowie von Anfang an über 800 Euro im Monat netto. Ab dem 7. Monat der Dienstzeit steigt das über 1000 Euro netto. Zusätzlich kommt am Ende der Dienstzeit nochmal das Entlassungsgeld von 96 Euro pro geleistetem Monat oben drauf, das man einrechnen muss. Für zahlreiche Dienste und deren Belastungen gibt es Zuschläge, für Überstunden eine Auszahlung mit 8,50 Euro, entsprechend dem Mindestlohn. Reich wird man davon nicht, das ist klar, aber man muss als Freiwilliger beim Bund auch nicht hungern, wie Sie das darstellen.

Sie hätten meinen wahrlich nicht langen Kommentar sorgfältiger lesen sollen. Ich schrieb dort von "Wehrpflichtigen", nicht von "freiwilligen Wehrdienstleistenden", was nur eine andere Bezeichnung für einen Zeitsoldaten ist. Meine Rentenanwartschaft aus meinen 1 1/2 Jahren Wehrdienst beträgt ca. 5 Euro monatlich abzüglich ca. 20 % für Versicherungen. Dafür hätten mich meine Vorgesetzten skrupellos in den Tod gejagt. um den Wohlstand der Wenigen zu verteidigen. Als Wehrdienstkrüppel hatte man noch weniger als heute Hartz-4.

Derzeit gibt es keine "Wehrpflichtigen". Sie hätten auch meinen Kommentar lesen sollen. Dass FRÜHER die Wehrpflichtigen tendenziell weniger bekommen haben als heute Hartz-IV-ler ist richtig, aber die Frage, auf die Sie antworten, war ja im Präsens gestellt.

Die Kassen sollten sich zusammensetzen und die Preisobergrenze festlegen, die sie bereit sind maximal zu zahlen. Jeder Kunde weiß dann, ab wann er im Sortiment eine alternative Zahlungsquelle braucht - das dürfte ein Geschäft für die Zusatzversicherungen sein.

Ist das Zweiklassenmedizin?
Ja, aber das ist eben der Preis der freien Marktwirtschaft. Wenn die Politik in diesem Bereich ein "alles ist erlaubt" zuläßt, dann nutzen das die Hersteller eben aus.

Ich bin mir sicher: Bevor die Konzerne - bei entsprechenden politischen Vorgaben - gar kein Geld mehr verdienen, würden sie sich den politischen Vorgaben unterwerfen und mit weniger Reibach auch ganz gut leben können. Aber die Politik dient in erster Linie eben nicht dem Bürger, sondern den Wirtschaftsverbänden und ihren Unternehmern. Und darum werden wir mit dieser Entwicklung leben müssen.

Lieber Gottloser Radfahrer,
bis jetzt habe ich noch nicht festgestellt, dass wir ein marktkonformes Gesundheitswesen haben und auch nicht, dass nur Premiumbürger teure Medikamente erhalten. Sorry - aber vielleicht können Sie hier ja mal ein nachprüfbares Beispiel für Ihre Behauptung hinterlegen?

Ich finde es nur natürlich, auch mal darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft was finanzieren können und wollen - oder wie handhaben sie es zu Hause, wenn Ihre Mittel beschränkt sind, Sie aber alles haben könnten und auch gern hätten - es sich aber auf Dauer nicht leisten können?

Es ist schlimm, dass wir es müssen, aber nachdenken darüber, wie wir alle Bürger unseres Landes mit ausreichenden Gesundheitsleistungen versorgen können, schadet keinem - auch wenn er nicht selbst betroffen ist.
MfG

Den Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient kennen Sie aber. Auch, dass viele Therapien von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt werden. Sie wissen auch, dass die Alterserwartung der Reichen weit über der der Armen liegt. Sicher liegt das auch an der Lebensführung - aber eben auch daran, dass sich Arme prinzipiell nicht die lebensverlängernden gesunden Lebensmittel, medizinischen Produkte Reicher leisten können u.a. alternativer oder ausländischer Arztbehandlungen. Den Unterschied von "Premiumbürgern" und Armen erkennt man oftmals schon am Zustand der Zähne.

Der Zustand der Zähne ist in erster Linie vom eigenen Zahnpflege-Verhalten abhängig.
Übrigens behandelt der Artikel doch gerade die Frage der Kosten für das Gesundheitssystem durch sehr teure Therapien für alle.

Und was Privatparienten betrifft: die "profitieren" nur in jüngeren Jahren von einem Überangebot an (teilweise) nutzlosen Leistungen. Im Alter zahlen Sie eine mittlere zweite Rente dafür.

Neuere Kommentare anzeigenNeuere
Ältere Kommentare anzeigenÄltere