Stilkolumne Endlich schlechtes Wetter!

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 3/2016

Ein Regenmantel ist ein Kleidungsstück, das eigentlich jeder braucht. Die Welt ist voller Regen, und wir müssen uns trotzdem in ihr bewegen. Also benötigen wir etwas, das uns das Wasser vom Leib hält. Nicht zufällig wurde der Regenmantel in jenen Gegenden besonders populär, in denen es viel und heftig regnet. Sein Urtyp ist der Mantel der Marke Mackintosh, vom schottischen Chemiker Charles Macintosh 1823 zum Patent angemeldet und aus einem Baumwollstoff gefertigt, der mit Gummi imprägniert war und in Glasgow hergestellt wurde. Einem anderen Ansatz folgte Barbour um 1900 mit der heute noch in adeligen Kreisen beliebten gewachsten Baumwolljacke.

Aus dem ebenfalls recht feuchten Deutschland kommt der etwas leichtere Kleppermantel, auch ein Gewebe, das dank Gummi-Imprägnierung wasserundurchlässig ist. Es hat den Vorteil, dass man darin nicht so leicht schwitzt. Leider wurde der Kleppermantel von den fünfziger Jahren an vom Regenmantel aus PVC verdrängt, unter dem man ziemlich schnell ins Schwitzen kommt. Der PVC-Mantel ist meist bunt, Kinder tragen ihn ebenso wie Erwachsene – eines der wenigen Kleidungsstücke, die in allen Altersklassen gleichermaßen verbreitet sind. Obwohl es natürlich nicht jedem behagt, mit grell leuchtendem Regenzeug durch graue Tage zu marschieren.

Der PVC-Regenmantel erfüllt zwar seinen Zweck, verliert allerdings jeden praktischen Nutzen, sobald es nicht mehr regnet. Und Regen ist ziemlich unberechenbar. Er legt unvermittelt los, schwächt sich schnell wieder ab und lässt einen unter Umständen plötzlich im Trockenen zurück. Dann muss man mit einer nutzlosen Regenhaut herumlaufen und darauf hoffen, dass nicht auch noch die Sonne rauskommt.

Daher ist der älteste Typus des Regenmantels meist der beste: ein klassischer Mackintosh, kurz Mack genannt. Er sieht auch dann gut aus, wenn es gerade nicht schüttet. Wer ihn trägt, zeigt, dass er jederzeit auf die Unwägbarkeiten des Lebens eingestellt ist. Und wenn man den Klimaprognosen glaubt, wird das Wetter künftig eher noch extremer werden. Im deutschen Sommer sollen sich bald lange Trockenperioden mit heftigen Regenfällen abwechseln. Viele Winter waren zuletzt erstaunlich warm, weiße Landschaften sind zu einer Seltenheit geworden. Die Niederschläge werden womöglich extrem zunehmen. Es werden also gute Zeiten für Menschen, die gerne einen Regenmantel tragen.

Foto: Regenmantel von Herno, 650 Euro

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Mal davon abgesehen, dass Regenmäntel in einer Zeit, in der man maximal von der Haustür bis zum Auto/Bus geht regelrecht unnötig sind und nur angeschafft werden, weil die Mode der Woche so billig und nicht wasserdicht ist - handelt es sich hier doch um ein typisches First World Problem.

"Was soll ich nur tun? Nehme ich den Regenmantel, der mich schützt oder achte ich mehr darauf, was andere von mir denken?! Ich bin so verzweifelt, dass sind Entscheidungen, die kann keiner nachvollziehen. Stil ist doch alles was uns noch bleibt, die wir schon alles haben. Buhuhu!"

"....das dank Gummi-Imprägnierung wasserundurchlässig ist. Es hat den Vorteil, dass man darin nicht so leicht schwitzt..."

Wie funktioniert das? Kann das jemand erklären (Entweder der Autor, falls er seine Aussage recherchiert hat; oder jemand, der sich damit auskennt)?

Nach meiner Logik ist jeder Stoff, der so weit mit Gummi imprägniert ist (oder aus Kunststoff besteht, wie der PVC Mantel), dass er wasserdicht ist, auch luftdicht; damit sollte man in allen gleichermaßen schwitzen.

Einzige Ausnahme sind meines Wissens höchstens diese "Membran"technologien aus der Outdoorkleidung, wobei selbst da der Effekt umstritten ist... bzw. die Vorteile bei weitem nicht so ausgeprägt, wie es die Hersteller gerne suggerieren.

Es bleibt halt ein physikalisches Problem... Nicht schwitzen basiert auf Luftaustausch, und dort wo Luft ausgetauscht wird, kann auch Wasser rein. Und selbst bei Membranen braucht man noch einen "Feuchtigkeitsgradienten" der Umgebungsluft zur körpernahen Luft, der wohl eher nicht besteht, wenn man gerade im Regen steht.