Unter Strom Mirko Borsche testet einen Rasierapparat für die Reise

Von
© Ryōhin Keikaku
ZEITmagazin Nr. 3/2016

Wir Männer haben ja so unsere Gewohnheiten. Wir jubeln seit Jahren für denselben Fußballverein, tragen seit Jahren die gleiche Art von Unterhosen und wechseln gerade in Umbruchphasen auf keinen Fall die Frisur. Wir verkaufen das gern als Überzeugung, das klingt besser als Gewohnheit. Ich zum Beispiel bin ein überzeugter Nassrasierer. Wenn ich morgens aufstehe, brauche ich nicht viel, ein Kaffee reicht mir. Aber das Rasieren ist mir wirklich wichtig. Es ist mein Ritual, der einzige Moment des ganzen Tages, in dem ich nur mit mir selbst beschäftigt bin. Ein Moment der Ruhe. Vorher hat die Dusche mir ins Ohr gerauscht, die elektrische Zahnbürste summt, nachher im Büro will jeder ständig was von mir, als Grafiker klingelt dauernd mein Telefon. Beim Nassrasieren höre ich nichts als das leise, beruhigende Schaben der Klinge. Und nach dem Rasieren fühle ich mich herrlich erfrischt.

Neulich ist mir aber blöderweise im Flugzeug der Rasierschaum in meiner Reisetasche explodiert. Eine Riesensauerei, an die mich der Geruch in der Tasche wochenlang erinnerte. Also habe ich mal wieder überlegt, ob ich mir für solche Fälle nicht doch einen elektrischen Rasierapparat zulegen sollte. Früher habe ich mich immer dagegen entschieden, weil ich nicht viel Geld ausgeben wollte für etwas, was ich nur ein paar Tage im Jahr nutze. Der Rasierer von Muji ist da für mich genau richtig. Er ist nicht teuer, schlicht im Design, total simpel zu bedienen und zu reinigen. Funktioniert auch gut, gebe ich zu. Aber trotzdem werde ich ihn nur unterwegs und nicht zu Hause benutzen. Seine Überzeugungen gibt man eben nicht so schnell auf.

Technische Daten

Reise-Rasierer von Muji mit Klingen aus Yasugi-Stahl; Maße: 5,7 x 9,7 x 2,5 cm; batteriebetrieben (zwei Mignon-1,5-Volt-Batterien); Reinigungsbürste enthalten; Preis: 24,95 Euro

Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne "Unter Strom"

8 Kommentare

Unabhängig von der Grundsatzfrage nass oder trocken, die sicherlich von verschiedenen Anwendern unterschiedlich gut vertragen und akzeptiert werden, sehe ich bei der Entscheidung für trocken keine Notwendigkeit für einen Reiserasierer. Ich rasiere nass und trocken und kann alle hier bereits vorgetragenen Argumente nachvollziehen. Nass ist gründlicher und hat das schönere Selbstpflegeerlebnis. Trocken ist schnell und unkompliziert, von mir auch besser vertragen. Verreise ich, nehme ich meinem Braun, Lithiumakku, bei täglicher Anwendung mindestens 3 Wochen Laufzeit.

Hier noch die letzten 2 Sätze: Vielmehr stellt sich mir die Frage, wofür man Listenpreise von ca 400€ ausgeben soll, wenn es 24,95€ genauso tun, auch ein Halbjahresbedarf Premiumklingen kriegt man ja kaum für das Geld. Tut er es wirklich, dieser Muji, das wäre doch mal was.

Gibt es...na ja, zumindest gab es das mal. Schauen Sie weiter unten im Kommentarbereich. Da habe ich schon grob geschrieben, dass ich ein solches Gerät habe.

Ich hatte mir das mal so vor ca. 12 Jahren gekauft, inkl. 2 Sets Klingen zum Tauschen. Fragen Sie mich aber bitte nicht, wo...ich hatte das in irgendeinem Katalog gefunden. Eurotops oder so was ähnliches...

Jedenfalls funktioniert es, auch wenn ich es nur selten benutze.

Ich hätte für Reisen eher auf Pinsel und Rasierseife/Rasiercreme gesetzt... die explodiert garantiert nicht im Koffer.
Ich habe es einmal elektrisch probiert (Philips irgendwas, mit diesen runden Scherköpfen)... furchtbar. Die Haut war rot, blutig und wund und trotzdem war die Rasur nicht mal im Ansatz sauber und glatt.

Gegenbeispiel: seit meiner Konfirmation vor 45 Jahren bin ich Trockenrasierer. Jahrzehntelang Braun, mit der letztlich verschleissanfälligen "Scherfolie". Vor einigen Jahren habe ich dann einen Philips gekauft (3 rotierende Scherräder unter massivem Gitter), und bevorzuge den. Gut zu zerlegen und reinigen.
Hautwunden hatte ich fast nie (allenfalls mal bei löchriger Braun-Folie), und für meine Ansprüche ist die Rasur sauber und glatt genug.

Auch ich bin überzeugter Nassrasierer. Das mit der explodierten Tube ist mir zwar noch nicht passiert (zudem benutze ich gar keinen klassischen Rasierschaum/Rasiercreme, vielmehr ein Pregel, um die Haut geschmeidiger und die Bartstoppeln leichter absäbelbar zu machen), aber für den Fall der Fälle habe auch ich immer einen Zweitrasierer dabei.

Aber warum Batterie/Akku? Selbst ist der Mann! Meinen Zweitrasierer muss ich mittels einfacher Mechanik und ein wenig Kraftaufwand selbst aufziehen. Dauert ca. 5 Sekunden, anschließend kann ich mich ca. 30 Sekunden rasieren. Heißt: 4x aufziehen reicht aus, um eine recht ordentliche Rasur hinzubekommen.

Ist zudem auch ein kleines Muskeltraining...
;-))

"Beim Nassrasieren höre ich nichts als das leise, beruhigende Schaben der Klinge. Und nach dem Rasieren fühle ich mich herrlich erfrischt. "

Jaaa, ... seltene Momente der inneren Einkehr im irren Alltag.

ps. Ich habe bisher nur wenige Male, und dann mit einem nagelneuen Braun getestet, Fazit: ich bekam eine solche Hautröte und Juckreiz, es blutete aus tausend winzigen Poren, ... und war selbst nach einer halben Std. verzweifelter Versuche mit allen erdenklichen Mttelchen nicht vorbei, schrecklich.
Mit Gel und einem Naßrasierer bin ich in 2min fertig, ohne Probleme.

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