Ich habe einen Traum Stefanie Sargnagel

"Ich dachte, eine Art Teufel sitze auf mir"
ZEITmagazin Nr. 3/2016

Seit ich denken kann, habe ich einen eigenartigen, wiederkehrenden Traum. Ich befinde mich in einer Zweitwohnung in einem anderen Wiener Bezirk und denke, ich sollte diese Wohnung auflösen, da ich eh nie dort bin. In einer Variante des Traums stelle ich fest, dass es in der Wohnung noch einen großen Raum gibt, den ich bisher nicht bemerkt habe.

Als Kind wollte ich immer eine größere Wohnung haben, denn ich lebte mit meiner Mutter in einer Zweizimmerwohnung. Wir schliefen im selben Zimmer, nur durch Raumteiler getrennt. Als Kind war mir das wahnsinnig unangenehm. Es war mir peinlich, wenn andere Kinder zu Besuch kamen.

Häufig träume ich von realen Menschen. Das kann verstörend sein, vor allem, wenn es sich um sexuelle Träume handelt. Kürzlich wurde ich im Traum von einem prominenten österreichischen Komiker sexuell bedrängt. Vorher mochte ich ihn, jetzt ekelt es mich, wenn ich an ihn denke. Obwohl er ja nichts dafür kann.

Stefanie Sargnagel

30, ist in Wien geboren und heißt eigentlich Stefanie Sprengnagel. Ihre Erfahrungen in einem Callcenter inspirierten sie zu zahllosen Facebook-Posts, aus denen dann ihr erstes Buch hervorging, Binge Living – Callcenter-Monologe. Ihr neuestes, viel gelobtes Werk trägt den Titel Fitness

Schon oft haben Träume mein Bild von realen Menschen beeinflusst. Einmal hatte ich im Traum Sex mit jemandem, an dem ich in Wirklichkeit gar kein Interesse hatte. Aber nach diesem Traum erschien er mir plötzlich deutlich interessanter.

Als ich sechzehn war, hatte ich ein erschreckendes Traumerlebnis. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht, meine Augen waren geöffnet, aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich war gelähmt, fühlte einen Druck auf der Brust und hatte Atemnot. Hinzu kamen merkwürdige Halluzinationen. Ich hatte das Gefühl, es sei jemand im Raum, der mich beobachtet. Dann dachte ich, eine Art Teufel sitze auf mir. Das hat mich extrem erschreckt.

Später habe ich gelesen, dass dieses Phänomen Schlafparalyse heißt: Die Lähmung der Muskulatur während des Schlafes verschwindet dann nicht sofort nach dem Aufwachen. In dem Zustand kommen Halluzinationen vor. Ich vermute, dass sich dadurch auch angebliche Alien-Entführungen oder Gottesvisionen erklären lassen. Wenn ich vor dem Einschlafen zu lange auf einen Bildschirm gestarrt habe, erlebe ich so etwas bis heute noch hin und wieder. Aber seit ich weiß, was es ist, empfinde ich es nicht mehr als so beängstigend.

Einen Lebenstraum habe ich eigentlich nicht, außer vielleicht den, möglichst wenig mit Einkommensbeschaffung beschäftigt zu sein: viel Freizeit haben, viel spazieren gehen. Ich dachte, durch meine Bücher würde das einfacher, aber im Moment nimmt der Stress eher zu. Eigentlich bin ich nicht gerne selbstständig. Ein Zwanzig-Stunden-Job wäre für mich ideal. Ich würde alles machen, auch Klos putzen, wenn ich damit nur genug verdiente und danach meine Ruhe hätte – zwanzig Stunden arbeiten und den Rest Müßiggang und Tagträumen! Und irgendwann würde ich gern mit meinen Freunden eine Art Wohngemeinschaft auf dem Land gründen. Das wäre als Lebenskonzept ganz cool. Aber leider fehlt uns dafür das Geld.

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Kommentare

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ich habe erst heute wieder einen meiner spielfilmartigen träume gehabt, diesmal war es der mit diesem abgefahren unheimlichen alien, das sich in alten unzugänglichen stollen, verlassenen unterirdischen gebäuden versteckt und aus einer art schwarzem kristallinen und doch extrem flexiblen zeug besteht, im traum braucht es nur ein staubkorngrosses überbleibsel aus dem showdown des vorigen films, und wehe dem, der diesem vieh zu nahe kommt, dann bemächtigt es sich dessen, lässt dem opfer aber allen freien willen, zudem ist sich das opfer des aliens bewusst und gleichzeitig nicht, dann dreht der plot richtig auf, john williams hat meist die musik komponiert, lauter wirre sachen passieren, die dramaturgie wendet sich in sich selbst wie ein möbiusband, irgendwann wache ich auf und mache mir einen kaffee.

Beängstigend. Man sollte dem ekelhaften Komiker unbedingt lebenslängliche Sicherungsverwahrung angedeihen lassen. Einmal ganz von den Träumen, abgesehen, an die sich Stephanie Sargnagel nicht erinnert, eines Tages aber vielleicht erinnern wird. Mein Vorschlag: alle Komiker (alle Männer?) in vorauseilende lebenslängliche Sicherungsverwahrung nehmen, damit Stephanie Sargnagel im Schlaf nicht mehr gelähmt zu sein braucht, cool aufs Land ziehen kann, und dort glücklich und zufrieden 20 Stunden die Woche in die Kloschüssel greifen wird. Mal ganz im Ernst: sind so, denken so, träumen so die Literat_Innen des Jahres 2016? Wer braucht diese Literat_Innen und ihre Literatur? Wen interessieren sie??