Wundertüte Flüssigseife selbst machen

Aus 120 g fester Seife erhält man durchschnittlich ungefähr 800 ml Flüssigseife. © Alex Walker

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ZEITmagazin Nr. 4/2016

Erinnern Sie sich noch an das glibberige Stück Seife, das früher häufig in einer schleimigen Seifenschale auf dem Waschbeckenrand lebte, jederzeit bereit, aus der Hand zu flutschen? Inzwischen ist es aus genau diesen Gründen von der viel hygienischeren Flüssigseife abgelöst worden, Seifenstücke gibt es eigentlich nur noch in Geschenkform. Wohlriechend und hübsch verpackt, finden sie ihren Weg in die Haushalte, wo sie keiner mehr auspackt, weil ... siehe oben. Was tun? Melanie Kugel aus Neukirch am Bodensee zeigt uns auf ihrem Blog kugelig.com, wie man Seifenstücke in Flüssigseife verwandeln kann:

Man raspelt etwa 120 g Seifenreste in eine hitzebeständige Schale und übergießt die Mischung mit 120 ml kochendem Wasser. Einmal kurz umrühren und eine Minute lang einweichen lassen. Dann stellt Kugel die Schale für 30 Sekunden bei 600 Watt in die Mikrowelle, ergänzt etwa 120 ml Wasser und rührt, bis die Masse weich ist. (Das funktioniert alternativ zur Mikrowelle auch in einem Wasserbad, dauert aber länger.) Die Mischung wird mit dem Stabmixer püriert, Kugel mischt außerdem 5 Gramm Glycerin (gibt es in der Apotheke) zur besseren Bindung von Wasser und Seife unter. Auch ätherische Öle können in kleiner Dosierung hinzugefügt werden. Während des Abkühlens wird die Mischung so lange mit warmem Wasser aufgefüllt und püriert, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Falls die Seife beim Erkalten zu fest wird, einfach Wasser hinzufügen und nochmals pürieren.

6 Kommentare

In dem Blogartikel (auf den sich der Zeit-Beitrag bezieht) steht folgendes:

"Beim Bad aufräumen sind mir eine Schachtel Seifen und Seifenreste in die Hände gefallen. Ich benutze inzwischen nur Flüssigseife. Was tun mit dem Bestand an festen Seifen und Seifenresten? Upcycling ist angesagt.
Auf wikihow.com bin ich auf verschiedene Anleitungen zum Thema Flüssigseife herstellen gestoßen. Eine Abwandlung der angebotenen Anleitungen habe ich versucht: [jetzt folgt das Rezept und ein Hinweis auf die eingeschränkte Haltbarkeit]"

Die kritisierten Aspekte der anderen Kommentare beziehen sich auf hinzugefügte bzw. weggelassene Aussagen des Zeit-Artikels.

Was für ein Unsinn.
Bei so einem hohen Wasseranteil muss das Ganze unbedingt konserviert werden. Da Seifen basisch sind, braucht man einen Konservierer, der das auch kann, z.B. Chemikons 9010. Ob das lohnt, um aus Industrieseife eine Flüssigseife herzustellen? Eher nicht.
Wenn, wird man eine Naturseife entsprechend sieden und zwar mit KOH, nicht wie bei fester Naturseife mit NaOH. Diese Seife wird dann weiterverarbweitet und letzlich mit Wasser gemischt und dann muss konserviert werden, denn sonst wird das Ganze schnell gammelig.
Wenn man ein Naturseifenstück auf einer Ablage, in der das Wasser nicht stehen bleibt, lagert, ist sie keineswegs matschig ung schmierig. Gewusst wie.
Aber das was augf diesem Blog behauptet wird ist schlicht Unsinn.

In dem Blogartikel (auf den sich der Zeit-Beitrag bezieht) steht folgendes:

"Beim Bad aufräumen sind mir eine Schachtel Seifen und Seifenreste in die Hände gefallen. Ich benutze inzwischen nur Flüssigseife. Was tun mit dem Bestand an festen Seifen und Seifenresten? Upcycling ist angesagt.
Auf wikihow.com bin ich auf verschiedene Anleitungen zum Thema Flüssigseife herstellen gestoßen. Eine Abwandlung der angebotenen Anleitungen habe ich versucht: [jetzt folgt das Rezept und ein Hinweis auf die eingeschränkte Haltbarkeit]"

Die kritisierten Aspekte beziehen sich auf hinzugefügte bzw. weggelassene Aussagen des Zeit-Artikels.

Erstens ist so hergestellte Seife ein extrem hohes Hygienerisiko aufgrund des hohen, nicht konservierten Wasseranteils, zweitens ist flüssige Seife in keinster Weise hygienischer als feste Seife! Wenn man die Studien der letzten Jahre verfolgt hat, sollte man es wissen. Zumal Zeit selber darüber berichtet hatte wie Flüssigseifen überbewertet werden und ein Stück Seife weniger Bakterien beherbergt als jede Flasche mit Waschlotion.
Diese Kolumne ist gefährliches Halbwissen gepaart mit Werbungswissen.

Glibberige Seife in schleimiger Seifenschale am Waschbeckenrand lässt sich noch einfacher und die Umwelt schonender umgehen. Einfach ein kleines Loch in die Seife bohren, Schnürli durch und die Seife damit an einen Haken. Übrigens auch sehr beliebt bei älteren Menschen, die mit der Technik die Seife besser greifen können und sich nicht mit nassen Händen beim Öffnen irgendwelcher Flaschen abmühen müssen. Die Keimbildung in selbst angerührten Flüssigseifen ist ebenfalls ein Krankmach-Faktor. Gut getrocknete Seifenstücke sind hygienischer.

Ungern gieße ich Wasser in den Wein ... äh ... diese Flüssigseife. 120 ml kochendes Wasser, 30 Sekunden bei 600 W in der Mikrowelle, mit dem Stabmixer püriert, während des Abkühlens mit warmen Wasser aufgefüllt und püriert ... . Vielleicht haben einige User die Zeit dafür und Spaß daran. Aber die Vielfalt der kommerziellen Flüssigseifen ist fast unendlich groß, und im industriellen Maßstab muss pro Packung weitaus weniger Energie eingesetzt werden. Etwas mehr Nachhaltigkeit täte auch dieser Kolumne gut.

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