Gesellschaftskritik Über eine besondere Immobilie

© Robert Mora/Getty Images
ZEITmagazin Nr. 4/2016

Der legendäre Playboy-Gründer Hugh Hefner sucht für sein nicht minder legendäres Anwesen "Playboy Mansion" in Los Angeles einen Käufer. 29 Zimmer, Kinoräume, Weinkeller, diverse Gästehäuser, Sportplätze, Pool mit Wasserfällen und höhlenartigen Grotten: Das klingt schon – selten ist der Ausdruck passender – geiler als 3 Zi., Kü., Bad, 4. Et., Seitenflügel. Doch bevor Sie nun spontan zuschlagen, sollten Sie drei Dinge bedenken.

– Auch nach dem Verkauf möchte Hefner die Mansion weiterhin als Wohn- und Arbeitsplatz nutzen. Einem 89-Jährigen ein lebenslanges Wohnrecht einzuräumen dürfte sich aber als ein Problem erweisen, das sich in absehbarer Zeit von selbst lösen wird.

– Das Ding kostet immer noch 200 Millionen Dollar.

– Die Playboy Mansion ist weltweit bekannt für ihre, sagen wir mal, ausgelassenen Partys. Wollen Sie wirklich auf einem Anwesen wohnen, in dessen Zimmern, Kinoräumen, Gästehäusern, Pools, höhlenartigen Grotten und vermutlich sogar in dessen Weinkellern wildfremde Menschen Sex miteinander hatten? Stellen Sie sich nur mal vor, welchen Druck es auf den nächsten Playboy-Mansion-Besitzer ausübt, die Tradition seines Vorgängers, ähm, hochzuhalten.

Noch interessanter als die Frage, ob Sie nun kaufen sollen oder nicht, ist die, warum Hefner verkaufen will. Der Verdacht einer grundlegenden Verwirrung drängt sich auf.

Unlängst erst hat Hefner das, was viele Jahrzehnte lang sein Leben bestimmte, vom Cover seines Magazins verbannt: die nackte Frau. Und jetzt verkloppt er auch noch den Ort, an dem er seinem Lebensinhalt noch intensiver huldigte als in seinem Magazin. Steht da jemand neben sich? Wohl kaum.

Wir sehen einen anderen Grund: Hefner war diverse Male verheiratet, lebte mal mit sieben, mal mit drei Frauen zusammen und hatte in seinem Leben mehr Affären als VW, Siemens und die Helmut-Kohl-CDU zusammen. Seine aktuelle Frau ist 60 Jahre jünger und liebt ihn garantiert wegen seiner inneren Werte.

Hefner verkauft im Alter von 89 Jahren die Playboy Mansion unter der Bedingung eines lebenslangen Bleiberechts, weil er eine Beziehung sucht, die bleibt. Würde er zur Begrüßung des Käufers ein Foto von sich aufhängen, wäre dies ein Porträt des Playboys als arme Sau.

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren