Stilkolumne Gelbgoldene Zeiten

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 4/2016

"Wenn wir dereinst im Weltmaßstab gesiegt haben, dann werden wir, glaube ich, in den Straßen einiger der größten Städte der Welt öffentliche Bedürfnisanstalten aus Gold bauen", hat Lenin 1921 geschrieben. In diesem Sinne ist es eigentlich schade, dass aus der Weltrevolution nichts geworden ist, das hätte man gerne gesehen. Vor allem aber wollte der russische Revolutionär darauf hinaus, dass Gold, dieses Metall, für das ganze Kontinente blutig erobert wurden, keinen wirklichen Wert hat. Das mag aus seiner Sicht Sinn machen. Trotzdem hat die Menschheit es schon immer für besonders wertvoll gehalten, auch lange bevor darum Kriege geführt wurden.

Gold gehörte zu den ersten Metallen, die überhaupt verarbeitet wurden. Zum einen, weil es in Form von Nuggets vorkam, also nicht erst wie Eisen aus dem Erz herausgeschmolzen werden musste. Zudem ließ sich Gold leicht formen. Und seine glänzende Farbe hat die Menschen fasziniert: In einer trostlos-matschigen Welt erschien ein Goldklumpen wie eine Offenbarung. Vermutlich hat man Gold instinktiv einen hohen Wert zugesprochen – es wurde eines der wenigen Schmuckmetalle, die den Menschen durch die gesamte Geschichte begleiten. Dabei hat es immer wieder seine Farbe verändert: Da Gold allein zu wenig Härte hat, wird es mit anderen Metallen, etwa Silber oder Kupfer, legiert, und es entstehen unterschiedliche Töne.

In den vergangenen Jahren sah man hauptsächlich Rot- oder Roségold, das durch eine höhere Kupferbeimischung rötlich schimmert. Zunächst waren es Uhrenhersteller, die sich auf rötliches Gold verlegten, dann wurden dazu passend Ringe und Ketten mit Kupferschimmer verkauft. Der klassische Goldton, das Gelbgold, trat immer mehr zurück. Zuletzt wurden neue Uhrenmodelle nur noch in Rotgold hergestellt, der gelbliche Ton galt als unverkäuflich.

Rosé- und Rotgold, heißt es, schmeichle der Haut. Zudem sind Rottöne im asiatischen und russischen Raum besonders beliebt. Zur Jahrhundertwende war das rote Gold in Russland so populär, dass man gemeinhin von Russengold sprach. Nun gibt es erste Anzeichen dafür, dass die alten Goldtöne wieder zurückkommen. Beim Uhrensalon in Genf stellte etwa Audemars Piguet zum ersten Mal seit Jahren wieder Modelle in Gelbgold vor. Auch an einem Gold, das der blassen Haut schmeichelt, kann man sich offenbar sattsehen. So ist auch das scheinbar ewige Metall Gold steten Moden unterworfen.

Foto: Royal Oak Ewiger Kalender Gelbgold von Audemars Piguet

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