Familie Was vom Patchwork übrig bleibt

Hanna Bischof hat zwar keine Studie parat, als sie selbst Patchworkmutter wird, aber sie erinnert sich an ihre eigene Kindheit. So folgt sie ihrer Intuition, als sie ihren Exmann Patrick kennenlernt und erfährt, dass er einen dreijährigen Sohn hat, der damals noch in einer anderen Stadt wohnt. Er ist das Ergebnis eines Urlaubsflirts, seine Eltern waren nur kurze Zeit ein Paar. Als Erstes drängt sie Patrick, der seinen Sohn Theo nur alle paar Monate sieht, ihn häufiger zu treffen. Sie besuchen den Jungen gemeinsam, weil Hanna Bischof ihn und auch seine Mutter kennenlernen will. "Am Anfang waren wir alle etwas unsicher." Auch dem Jungen merkte man die Nervosität an. "Er war völlig überdreht und spielte den Kasperl", erinnert sich Bischof. Aber die Frauen finden einander nett – das ist Hanna Bischof wichtig. "Man muss sich um des Kindes willen gut stellen mit dem Expartner", sagt sie, "für Eifersucht ist da kein Platz. Es muss zuerst um die Gefühle der Kinder gehen, danach um die eigenen."

Von nun an verbringt der Junge immer mal wieder das Wochenende mit seinem Vater und Hanna. Sie versucht erst gar nicht, ihm eine zweite Mutter zu sein. Das Verhältnis beschreibt sie als herzlich. "Wir umarmen uns feste und geben uns einen Kuss, wenn wir uns sehen", sagt sie. "Am ehesten sieht er so etwas wie eine Tante in mir." So ist sie keine Konkurrenz zur leiblichen Mutter, sondern eine zusätzliche Bezugsperson, ein Zugewinn für den Jungen. Die beiden kuscheln viel miteinander, aber Theo weiß auch, dass bei Hanna strengere Regeln gelten als bei seiner Mutter, dass Hanna Wert legt auf bestimmte Essens- und Schlafenszeiten. Als Hanna und Patrick ihre erste Tochter, Sophie, bekommen, ist Theo fünf Jahre alt. "Er hatte von Anfang an eine besondere Verbindung zu ihr und nannte sie 'meine kleine Schwester' ", sagt Hanna Bischof. Das zweite Kind von Hanna und Patrick kommt – und kurz darauf die Trennung.

Seither bemüht sich Hanna Bischofs Exmann kaum um den Kontakt zwischen den Geschwistern. Sie hingegen will die gemeinsamen Wurzeln der drei Kinder stärken und verhindern, dass ihre Töchter ihren großen Bruder Theo verlieren. "Genau das ist die Aufgabe der Eltern", sagt sie. Deshalb beschloss sie gemeinsam mit Theos Mutter, dass sie auch weiterhin so etwas wie eine Großfamilie sein wollen, nur ohne Vater. Die Frauen treffen sich regelmäßig. Wenn Sophie und Theo beieinander übernachten, schlafen sie Hand in Hand ein. Die Mutter von Bischofs Exmann unterstützt die beiden Frauen und fährt mit ihren drei Enkeln gemeinsam in den Urlaub.

In den letzten Monaten stieß Hanna Bischof beim Versuch, als Alleinerziehende eine Großfamilie zusammenzuhalten, an ihre Grenzen. Sie wurde immer wieder krank. Als sie zuletzt eine Woche lang mit Grippe im Bett lag, hat sie die Krankheit fast als Entlastung empfunden. Endlich durfte sie sich ausruhen. "Entweder ich arbeite, oder ich kümmere mich um die Kinder", sagt sie. Jetzt merkt sie, wie kraftlos sie nach zweieinhalb Jahren ist. Eigentlich hatte sie schon lange vor, Theo auch mal nach der Schule zu sich zu holen. Sie hofft, dass das bald klappt. In ihrer Wohnung hatte sie früher eine "Theo-Schublade" mit Kleidern des großen Bruders, damit er etwas hat, wenn er zu Besuch kommt. Die Schublade ist mittlerweile leer.

In einer Patchworkfamilie zu leben sei eine "Kunstsituation", sagt der bekannte deutsche Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer, der auch die Liebeskolumne im ZEITmagazin schreibt. Seine Erfahrung der letzten Jahre ist: "Wenn sich solche Paare trennen, sagen die meisten: Ich würde so einen Versuch nicht wieder starten." Vielleicht kann man auch sagen, dass sich nach der Trennung erst zeigt, ob die Patchworkfamilie tatsächlich eine Familie war oder nur ein Konstrukt der Hoffnung. Erst dann stellt sich heraus, ob die Stiefeltern wirklich wichtige Bezugspersonen für die Kinder sind.

Hanna Bischofs Verhältnis zu Theo hat durch die Trennung von seinem Vater nicht gelitten. Ihre Rolle für den Jungen hat sich nicht verändert, weil diese Rolle sich nicht so sehr über den Vater definiert hat, sondern über ihre Töchter. Hanna Bischof war nie eine Stiefmutter für ihn, sondern die Mutter seiner Schwestern. Und Hanna und Theo haben nie zusammengewohnt – das minimiert die Konfliktmöglichkeiten.

Die gemeinsame Wohnung ist der große Einschnitt für eine Patchworkbeziehung, sagt Wolfgang Schmidbauer. "Die meisten Paare unterschätzen die Schwierigkeiten völlig, die damit auf sie zukommen." Das sei einer der Hauptgründe für das Scheitern. Das Komplizierte an Patchworkbeziehungen sei eben, dass es nicht nur die Liebesbeziehung zwischen dem Paar gebe, sondern noch eine zweite, eine konkurrierende Beziehung: die des leiblichen Elternteils zu seinem Kind. Mütter oder Väter stellen plötzlich fest, dass sie nicht damit klarkommen, wenn der neue Partner ihr Kind kritisiert. Oder der neue Partner hat das Gefühl, der andere falle ihm in den Rücken, weil der bei einem Streit zu seinem Kind hält.

In herkömmlichen Familien müssen die Eltern mit ihren Kindern auch diskutieren, aber es sind eben die eigenen. Und leibliche Eltern haben einen entscheidenden Vorsprung: Die Liebe zwischen ihnen und dem Kind stellt sich mit dessen Geburt normalerweise von selbst ein. Stiefeltern müssen das Vertrauen der Kinder des neuen Partners erst mit viel Geduld erwerben. Manchmal stellt man erst nach der Trennung fest, ob das gelungen ist.

Nils Wiedmann, 37, hat sich vor einigen Monaten von seiner Freundin getrennt – und von deren 17-jährigem Sohn. Sie haben vier Jahre lang zusammengewohnt. Wiedmann ist selbst in einer Patchworkfamilie aufgewachsen, sehr glücklich, wie er sagt. Allerdings hatten er und sein Bruder die wohl beste Position unter den fünf Kindern: Sie waren der gemeinsame Nachwuchs der Eltern.

Als er mit seiner Freundin zusammenkam, zog er bald mit ihr und ihrem damals 13-jährigen Sohn zusammen. "Ich wollte, dass wir miteinander leben, nicht nur nebeneinanderher", sagt Nils Wiedmann. Er versuchte das Vertrauen des Jungen zu gewinnen und verreiste bewusst auch mit ihm alleine, er kochte und sorgte dafür, dass alle drei gemeinsam aßen. Er wollte, dass sie eine Familie sind. Umso schwerer war es für ihn, zu akzeptieren, dass er zwar für den Jungen sorgte, aber der Vater, der sich nur einmal in der Woche blicken ließ, dessen Held war. Ihn begrüßte er überschwänglich, von ihm sprach er mit Hochachtung. "Fast hatte ich das Gefühl, dass der Junge in mir eine Bedrohung sah", sagt Nils Wiedmann. "Hätte er mich zu nah an sich herangelassen, dann hätte ich dem Vater die Rolle restlos streitig gemacht."

Wiedmann fühlte sich zunehmend als Außenseiter. Auch wenn der Junge ihn nie offen ablehnte. Der typische Satz "Du hast mir gar nichts zu sagen" fiel nicht. Vermutlich deshalb, weil Nils Wiedmann tatsächlich nie etwas sagte. Wenn er fand, der Junge sollte mal die Küche aufräumen, machte er es lieber selbst. Später räumte dann die Mutter auf, bevor es Diskussionen gab. "Wir haben eigentlich nie über unser Zusammenleben geredet", sagt er. Konflikten gingen alle drei aus dem Weg. Bis es zu spät war. Irgendwann hatte Nils Wiedmann kein Verständnis mehr für die vielen Freunde des Jungen, die ständig zu Besuch waren, während er in der Wohnung arbeiten musste. Dann zog die Freundin des Jungen ein, ohne dass Nils Wiedmann gefragt wurde. Die beiden schafften sich eine Katze an, gegen die er allergisch war, die aber trotzdem bleiben durfte. Für seine Lebensgefährtin war das alles kein Problem, sie nahm ihren Sohn in Schutz. Sie hatte ihren Freund auch bislang nicht besonders darin unterstützt, ein eigenes Verhältnis zu ihrem Sohn aufzubauen. Nils Wiedmann wurde das alles irgendwann zu viel, und er sagte: "Wenn die Katze nicht geht, dann eben ich."

Als er und seine Freundin noch zusammen waren, hörte Wiedmann einmal, wie der Junge zu einem Kumpel am Telefon sagte: "Ich bin mit dem Freund meiner Mutter unterwegs." Der Junge nannte nicht seinen Namen, sondern nur seine Funktion. "Als wäre ich keine eigenständige Person", sagt er. Eigentlich eine Lappalie, aber es hat ihn getroffen. Er erwartete, mehr zu sein als nur der Freund der Mutter, er wollte eine für den Jungen bedeutsame Person sein. Vielleicht glaubte er insgeheim, es müsse eine Gegenleistung geben für all das, was er für den Jungen tat – Stiefelternliebe ist weniger selbstlos als Elternliebe. Vielleicht war Wiedmann aber auch nur besonders dünnhäutig. Er erwartete von dem Jugendlichen, dass er sich wie ein dankbarer Erwachsener verhält.

Nach der Trennung hat Nils Wiedmann ein paar Versuche unternommen, den Sohn seiner Exfreundin zu treffen. Er hat ihm eine SMS geschrieben, er hat seiner Mutter schöne Grüße für ihn ausgerichtet. Von dem Jungen kam bislang nichts zurück. Mehr unternimmt Wiedmann nicht. Vielleicht weil er auch ein bisschen froh ist, dass es vorbei ist. Vielleicht war seine Verbundenheit mit dem Jungen doch geringer, als er es sich eingestehen wollte.

Für viele Menschen ist es schwer zu ertragen, wenn nicht sie für ihren Partner an erster Stelle stehen, sondern dessen Kinder. Zum Beispiel die Frau, die beleidigt ist, weil ihr Freund ein Telefonat mit ihr abbrechen muss, um seinen beiden kleinen Kindern hinterherzurennen. Oder der Mann, der mit seiner Frau allein in Urlaub fahren will, anstatt die Tochter aus erster Ehe mitzunehmen.

Deshalb keine Patchworkbeziehung einzugehen ist auch keine Lösung. Singles haben ab einem bestimmten Alter nicht unbedingt die Wahl, wenn sie einen Partner wollen. Entweder haben sie selbst Kinder oder aber treffen mit einiger Wahrscheinlichkeit auf einen Partner, der Kinder hat.

Nils Wiedmann hat seit ein paar Wochen eine neue Freundin. Wieder eine Frau mit Kind, es ist acht Jahre alt. Die drei wohnen schon zusammen. Man könnte sich nun fragen, ob das nicht ein wenig früh sei. Noch wichtiger als die Frage nach dem "ob" ist aber die nach dem "wie" des Zusammenwohnens.

Die Schweizer Familientherapeutin Doris Beerli hat an einem Buch mit dem Titel Patchwork-Familie, ja! mit geschrieben. Beerli ist auch Trennungsmediatorin und gibt in Zürich Workshops für Patchworkfamilien. "Wenn diese Familien scheitern", sagt sie, "liegt das meist daran, dass gegenüber den Kindern nicht geklärt ist, welchen Platz der neue Partner einnimmt."

Schnelle Tipps hat Beerli nicht parat, aber es gibt aus ihrer Sicht "klare Stolpersteine", die vermieden werden können. Das Wichtigste ist, dass der leibliche Elternteil den neuen Partner beim Kind einführt. Wie man zusammenlebt, müssen die Erwachsenen unter sich aushandeln. Wer übernimmt welche Aufgaben in der Wohnung? Wie verbringt man die Wochenenden? Wie kann der neue Partner in das bisherige Leben integriert werden? Welche Rolle spielen ehemalige Partner? Der leibliche Elternteil muss die Regeln dann vor dem Kind vertreten. "Der neue Partner wird scheitern, wenn er versucht, etwas alleine durchzusetzen, selbst wenn es nur um laute Musik oder Unordnung geht. Damit stellt er sich zwischen leiblichen Elternteil und Kind. Früher oder später fliegt er dann raus" – das ist Beerlis Erfahrung.

Die Illustratorin Sandra Fischer will es erst gar nicht so weit kommen lassen. Deshalb hat sie vor vielen Jahren eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen. Nachdem sie sich vom Vater ihrer beiden Kinder getrennt hatte – sie waren damals ein und zwei Jahre alt –, ist sie nie mehr mit einem Mann zusammengezogen. Das ist jetzt 17 Jahre her. Sie wollte den Kindern ersparen, sich erst an jemand Neuen in der Wohnung gewöhnen zu müssen, der dann möglicherweise wieder weg ist. "Als mein Exfreund und ich uns nach vier Jahren trennten, haben zumindest meine Kinder die Trennung nicht als Verlust erlebt", sagt sie.

Man könnte Sandra Fischers Entscheidung als übertrieben bezeichnen – oder aber als bewundernswert selbstlos. Sie hat auch damit zu tun, dass sie als Teenager die Trennung ihrer Eltern miterlebte, die sich über Jahre hinzog. "Eigentlich glaube ich nicht daran, dass Beziehungen auf Dauer halten", sagt Sandra Fischer. Dabei hat sie sich längst selbst widerlegt: Sie und ihr Freund Eric sind seit 13 Jahren ein Paar. Er wäre gerne mit ihr zusammengezogen, sagt Sandra Fischer, aber sie hat es bislang abgelehnt. Sandra Fischer ist Ende vierzig, sie ist eine Frau, die mit althergebrachten Familienkonventionen nichts anfangen kann. Vor ein paar Jahren hat sie sich selbstständig gemacht. Sie mag es, ihr eigener Chef zu sein.

Fischer sitzt auf ihrem Balkon, umgeben von Tomatenpflanzen, und zieht an einem Joint. Sie raucht immer mal wieder zur Entspannung, seit Jahren schon. Ihre Tochter, die gerade Abitur gemacht hat, schaut kurz raus und rümpft dann missbilligend die Nase, sie mag keine Joints. "Hier stinkt’s", sagt sie und geht wieder hinein.

Sandra Fischer glaubt aus einem weiteren Grund nicht an das Modell Patchwork: "Eltern ertragen es sehr schlecht, wenn jemand anderer versucht, ihre Kinder zu erziehen", sagt sie. "Mein Freund und ich haben fast nie Streit – aber wenn wir zusammenwohnen würden, hätten wir ihn." Ihr Freund ist sehr ordentlich, er ist Vegetarier, die Kinder nicht. "Er fände die Wurst im Kühlschrank eklig. Er würde verrückt werden, weil die Kinder überall das Licht anlassen und den Müll nicht runterbringen." Weil es ihre eigenen Kinder sind, sagt Sandra Fischer, sei sie nachsichtiger.

Sie hat in ihrem Freundeskreis immer wieder erlebt, dass alleinerziehende Väter oder Mütter schon nach wenigen Wochen mit ihrem neuen Partner zusammengezogen sind. "Damit zwingt man die Kinder zu etwas, was sie vielleicht gar nicht wollen." Die Tochter einer Freundin ist genau aus dem Grund mit 16 von zu Hause ausgezogen. Und Sandra Fischer hat an ihrer eigenen Tochter erlebt, wie verunsichert sie war, als ihr Vater eine neue Frau kennenlernte, mit der er noch eine Tochter bekam. "Einmal kam sie von ihm nach Hause, kuschelte sich an mich und wollte wissen, ob zumindest ich sie noch lieb habe", sagt Sandra Fischer.

Mit den Kindern alleine wohnen? Kann das die Lösung sein?

Hanna Bischof, die Mutter der beiden Mädchen, die so an ihrem großen Bruder hängen, sagt, sie würde zumindest einige Zeit warten, bis sie mit einem neuen Mann zusammenzieht. Zwei Jahre hält sie für eine gute Zeitspanne. Seit ein paar Monaten hat sie einen neuen Freund. Manchmal übernachtet er bei ihnen in der Wohnung. "Schlaft ihr zusammen in einem Bett?", fragte Sophie neulich kichernd. "Und küsst ihr euch auf den Mund?" Die Mädchen wissen, dass ihre Mutter einen neuen Freund hat. Hanna Bischof hat den Glauben an die Patchworkfamilie noch nicht verloren. Zu ihrem Familiendiagramm sind noch ein paar Striche und Namen dazugekommen. Das Geflecht wird immer dichter. Ihr neuer Freund hat auch zwei Kinder.

Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Interessanter Artikel und wenn man das so liest, erscheint mir eine Patchwork- Familie irgendwie stets ein Kraftakt zu sein, wobei Familie doch eigentlich mehr ein Ort sein sollte, an dem man für die Stürme des Lebens Kraft schöpfen kann... Vielleicht geht man/frau doch oftmals heute zu schnell auseinander und wartet zu wenig ab, ob sich das Wellental nicht wieder gibt und man wieder zueinander findet, denn ehrlich, in jeder Beziehung gibt es auf und ab's...

Auch der Satz mit der Liebe -Stiefelternliebe ist wohl nicht so selbstlos, wie die Liebe der biologischen Eltern; - hat mir zu denken gegeben. Wer Kinder hat, sollte sich schon sehr gut überlegen, ob man wirklich verlassen sollte...

Meine Eltern haben viel gestritten und führten nicht die Bilderbuchehe, die man sich wünscht, auch wenn ich das als Kind nicht so sah, sehe ich doch heute, dass dieses Durchhalten auch gut gewesen sein kann, denn wir beiden Geschwister haben glückliche Beziehungen, die schon sehr lange halten, was unser Umfeld oft mit Staunen erfüllt...

Für ihre Töchter haben Sie damit vielleicht eine gute Entscheidung getroffen, andererseits sind die Kinder ja jetzt keine Kinder mehr und Sie könnten sich eine neue Partnerin suchen. Warum das auch Ihren Töchtern recht sein könnte?
Ich erkläre es aus meiner Sicht: ich bin Einzelkind, meine Eltern leben getrennt seit ich zehn war. Die Trennung war richtig, aber ich habe sehr darunter gelitten, das sowohl mein Vater als auch meine Mutter immer einsam waren. Jetzt, wo ich schon einige Jahre nicht mehr bei meiner Mutter wohne, habe ich zwei sehr einsame, alternde Eltern, die an verschiedenen weit entfernten Orten wohnen und um die ich mich nicht gleichzeitig kümmern kann und es bricht mir das Herz. Dabei bin ich ihnen das als Tochter doch schuldig, nur wie soll ich das bewerkstelligen, ich habe nicht mal ein Auto. Ich tue mein bestes, und sie beschweren sich nicht, aber traurig macht es mich trotzdem, dass sie alleine sind. Ich wünschte mir, es gäbe in ihrer beider Leben einen Partner, der sie glücklich macht und sie ihre letzten aktiven Lebensjahre noch mal genießen lässt anstatt sie zuhause vor dem TV zu verbringen. Sie hätten es sich beide verdient. Niemand sollte einsam sein, wenn er es nicht muss.
Denken Sie darüber einmal nach :) Es gibt so viele Singles da draußen. Ihre Töchter würden sich sicher für Sie freuen!

Das beschriebene Patchwork klingt ja wirklich gruselig. Vielleicht auch, weil die Erwachsenen schön wir Kinder wirken. Natürlich kommen die Bedürfnisse von Kindern zuerst - das sollte doch jedem Erwachsenen selbstverständlich sein. Nicht bis zur Selbstaufgabe, aber auch das ist für gewöhnlich eine Selbstverständlichkeit. Alles andere ist eigentlich ebenso klar: Kinder sind keine Erwachsenen. Von Ihnen ein solches Verhalten zu erwarten, ist an sich schon unreif. Die Beziehung zu einem Kind muss genauso gepflegt werden, wie zum neuen Partner. Auch hier gilt: manchmal funkt es, manchmal eben nicht. Ist Letzteres der Fall, genügt es, sich um einen respektvollen Umgang bemühen. Findet man allerdings auch Sympathien für das neue Stiefkind bei sich vor, um so besser - aber kein Muss.
Dass die Beziehungen der porträtierten Paare gescheitert sind, erscheint bei näherer Betrachtung nicht überraschend. Die zitierten Aussagen, Gedanken, Wünsche lassen auf recht unreife Charaktere schließen; dort Kinder mit hineinzuziehen, statt zuerst die eigene Person und dann die neue Beziehung abzuklopfen und zur Reife zu bringen, ist durchaus kritisch zu sehen.
An einer Beziehung komme, was wolle, für die Nachbarn, die "Leute", gar "aus Prinzip" festzuhalten, ist allerdings genauso unreif.
Blutsverwandtschaft oder Eheschließung ist kein Allheilmittel und verpflichtet - objektiv gesehen - zu nichts. Wahlverwandtschaften können stärker, glücklicher und gesünder sein - für alle Beteiligten.