Gesellschaftskritik Über die Nähe zu Serienfiguren

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 5/2016

Im Fernsehen kommen die Friends wieder zusammen. Rachel, Monica und Phoebe, Joey, Chandler und Ross – im Januar hat der Sender NBC angekündigt, die sechs im Februar in einem Studio zu vereinen. Das ist jetzt wie einer dieser Tests im Internet: Bist du ein Achtziger-Jahre-Kind? Wem bei Friends ein orangefarbenes Sofa vor Augen steht, wem die Titelmelodie ("Da-dada-da-da-daaa – I’ll be there for you") ins Ohr steigt, der kann zumindest nicht viel jünger sein. Ab Mitte der Neunziger wurde Friends ausgestrahlt, ein Jahrzehnt lang lief die Sitcom, durch die Jennifer Aniston und Courteney Cox zu Stars wurden.

Und jetzt gibt es davon also mehr? Äh, nein. Die Wiedervereinigung findet in kleinstmöglicher Dosierung statt: NBC zeichnet eine Sondersendung zu Ehren eines der Regisseure der Serie auf, James Burrows. Seine früheren Hauptdarsteller kommen nicht etwa, um neue Folgen aufzunehmen, sondern um artig Glück zu wünschen. Es kann gut sein, dass die ganze Sache nur ein paar Minuten dauert.

Wir könnten jetzt darüber philosophieren, was Geld und Ruhm aus Freunden beziehungsweise Friends-Schauspielern machen. Weil aber schon die Minimeldung über ihr höchst vergängliches Zusammentreffen weltweiten Widerhall gefunden hat, sollten wir uns lieber fragen, was diese und andere Fernsehfreunde mit uns gemacht haben. Denn archetypisch stehen die sechs für all die Serienfiguren, die uns jahrelang durch den Alltag begleiten. Von parasozialen Verbindungen sprechen Psychologen, wenn Menschen sich emotional an fremde Personen (etwa Prominente) oder fiktive Charaktere (etwa Filmfiguren) binden. Das ist so ähnlich wie bei Kindern, die mit imaginären Freunden leben.

Stabile Beziehungen können daraus werden. Alle Friends-Episoden zusammen dauern 86 Stunden, Downton Abbey bringt es auf 50 Stunden, Homeland ebenfalls. Das schweißt zusammen. Hier liegt wohl das Erfolgsrezept für die Dominanz von Serien in unserer Flatrate-Streaming-Welt.

Was bedeutet das nun für uns Achtziger-Jahre-Kids mit dem Neunziger-Jahre-Da-dada-da-da-daaa im Ohr?

Wenn wir Glück haben, heißt es, dass wir einmal so randvoll mit realen Erinnerungen an fiktive Begebenheiten sein werden, dass uns niemals der Gesprächsstoff ausgeht. Wenn wir Pech haben, werden wir uns eines Tages als serienaffine Rentner im Internet Friends-Heizdecken andrehen lassen.

Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

SORRY
aber ich habe selten einen so sinnlosen und ausserdem sinnfreien artikel gelesen. was will uns der autor sagen ?? es macht nichts wenn du kein eigenes leben hast. du hast ja deine FRIENDS. es macht nichts wenn du nichts erlebst. erzähle einfach den inhalt einer folge so als du selber es erlebt hättest. ???????
für mich sind solche dinge nicht wichtig...vor allem nicht so wichtig das ich mein leben nach ihnen richte. ich schaue überhaupt nicht fern. ich habe zwar einen apparat. aber den beutze ich um das was ich ansehen will zu streamen (Amazon Fire TV Stick).
ausserdem erlebe ich selber genug lustige oder traurige dinge..schon allein beruflich bedingt.(arbeite in einem Seniorenheim) ich habe viel mit anderen menschen zu tun...da muss ich mir nicht einbilden das irgendein darsteller ein FREUND ist.

Tatsächlich gibt es Filme und Serien, die mir guttun, die mir das Gefühl geben: Ich bin nicht allein.
Friends habe ich damals mit ein paar sehr guten Freundinnen und Freunden geguckt. Die Abende gehörten zu den Höhepunkten unserer Woche. Wir freuten uns nicht nur schon Stunden vorher auf das Abendvergnügen - wir unterhielten uns auch danach noch sehr aufgeregt, angeregt.
Es war wie ein Mini-Urlaub. Für ein paar Minuten konnten wir alle Sorgen und Ärger vergessen und uns eins fühlen mit Rachel, Joey und Phoebe. Hach, das waren sehr schöne, unbeschwerte Stunden!