Deutschlandkarte Die Namen der Möhre

ZEITmagazin Nr. 5/2016

Für die orangefarbene Lieblingswurzel der Deutschen existieren im Supermarkt praktisch nur zwei Bezeichnungen: Möhre oder Karotte. Dabei gibt es Gegenden, wo man diese Begriffe im Alltag gar nicht verwendet. Man legt zwar Gemüse in den Einkaufswagen, das als Speisemöhre oder Karotte ausgezeichnet ist – zu Hause spricht man aber von Mohrrüben (im Nordosten), von Wurzeln (im Norden und Nordwesten) oder Gelben Rüben (im Süden). Wer daher ins Schwärmen geraten möchte über die Vielfalt der deutschen Sprache, sollte gewarnt sein: Der Gebrauch von "Möhre" und "Karotte" breitet sich immer weiter aus, während die anderen Begriffe langsam verschwinden. Laut Atlas zur deutschen Alltagssprache ist das Verbreitungsgebiet von "Wurzel", das vor 40 Jahren noch fast den gesamten Norden umfasste, auf rund die Hälfte geschrumpft. Warum? Die Macht der großen Supermarktketten ist gegenüber regionalen Lebensmittelgeschäften und Wochenmärkten in den letzten Jahrzehnten immer mehr gewachsen, auch die Sprachmacht.

Quelle: Atlas zur deutschen Alltagssprache

Kommentare

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Ich hatte in den letzten Jahrzehnten schon öfter den Verdacht, dass ich die Sage Kinvig des Wurzeleintopfs sein könnte. Aber ich habe es auf die sprachliche Diaspora geschoben.
Nun: man nehme einen Bund Wurzeln aus dem Garten (oder vom Markt), schrappe sie unter fließendem Wasser mit dem Kartoffelschälmesser -
Weiß noch jemand, was "schrappen" bedeutet? Oder wie man ohne Sparschäler Kartoffeln schält?
Vermutlich nicht. Das mit dem Schälen war schon bei Nora Ephron in den 80ern romantische Nostalgie.
Aber es gibt noch Windmühlenmesser, sogar die für Kartoffeln!
Also: schrappen, klein schneiden, Kartoffeln schälen und auch kleinschneiden, in Butter anschmoren, mit Brühe aus Beinscheibe (die braucht vorher für den Geschmack mind. 1,5 Std.), Salz und Pfeffer 15 Min. kochen. Und dann gehackte Petersilie dazu.
Für den großen Hunger: die Beinscheibe hineinschneiden. Pinkel passt genial. Für mäkelige Nicht-Vegetarier: zuerst Hackfleisch in der Butter anbraten. Für Vegetarier: es geht auch mit Gemüsebrühe. Für Veganer: geht eher nicht.

Hier in Wien ist es komplizierter, weil nämlich sowohl "Karotte" als auch "Gelbe Rübe" gebräuchlich sind: Kauft man eine Packung Suppengemüse, dann enthält diese in der Regel neben Sellerie, Petersilie etc. zweierlei einschlägige Wurzelgemüsesorten, eine gelbe und eine orangefarbene. Erstere läuft unter "Gelbe Rübe", letztere unter "Karotte".