Ich habe einen Traum Saoirse Ronan

"Ich erlebe meinen Tod. Es ist ein merkwürdiges Gefühl"
ZEITmagazin Nr. 5/2016

Ich laufe eine Straße entlang in der irischen Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin. Jemand verfolgt mich, er hat eine Waffe. Es gelingt ihm nicht, mich einzuholen. Ich versuche, zu meiner Mutter zu gelangen, sie ist irgendwo am Ende dieser Straße. Aber so schnell ich auch laufe, ich komme ihr nicht näher. Schließlich höre ich einen Schuss. Ich spüre, wie die Kugel in meinen Rücken dringt und mein Blut warm über meine Haut läuft und wie alle Kraft, alle Lebensenergie aus meinem Körper weicht. Ich sinke zu Boden und sterbe. Ich verlasse meinen Körper, bin mir aber meiner Existenz und aller Dinge, die um mich herum geschehen, immer noch bewusst. Es ist, als wäre ich an zwei Orten gleichzeitig.

Saoirse Ronan

21, ist in New York geboren und in Irland aufgewachsen. Als Zwölfjährige bekam sie eine Rolle in der Literaturverfilmung Abbitte und erhielt dafür eine Oscar-Nominierung. In dem Film Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten, der gerade in den deutschen Kinos angelaufen ist, spielt sie die Hauptrolle. Auch dafür ist sie jetzt für einen Oscar nominiert.

In meinen Träumen bin ich schon einige Male gestorben. Seltsamerweise erwache ich nicht kurz vorher, wie viele andere Menschen. Ich erlebe meinen Tod in diesen Träumen. Es ist ein merkwürdiges Gefühl.

An intensive Träume erinnere ich mich immer sehr detailliert. Nach dem Aufwachen erscheinen sie mir zuerst wie wahllose, ungeordnete Fragmente, aber meist gelingt es mir dann nach einer Weile, sie zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen.

Verstörende Träume habe ich in Phasen der Veränderung und Unsicherheit. Häufig haben diese Angstträume mit meinem Beruf zu tun. Seit ich meinen ersten Film gedreht habe, ist mein größter Traum, weiter als Schauspielerin arbeiten zu können. Bisher läuft es ja auch gut. Aber ich weiß, dass diese Branche launisch ist, nach jedem Film kann es vorbei sein. Meine größte Angst ist, nicht mehr Teil davon zu sein. Ich wüsste auch nichts anderes, worin ich gut genug bin.

Ich wünschte nur, dass in Filmen vielfältigere weibliche Charaktere vorkämen. In meiner Jugend gab es als Vorbild in Hollywoodfilmen und Fernsehserien fast nur das beliebte Mädchen, das den tollen Typen anhimmelt. Ich träume davon, auch in Zukunft in Filmen mitzuspielen, die dieses Rollenbild ändern.

Als Tagträumerin würde ich mich nicht bezeichnen. Wenn ich wach bin, dann bin ich wach. Die merkwürdigen Dinge in meinem Kopf geschehen nachts. Allerdings führe ich seit meiner Kindheit ständig Selbstgespräche.

Das liegt wohl daran, dass ich ein Einzelkind bin. Ich habe früher auch mit meinen Puppen geredet. Ich war fest davon überzeugt, dass sie zum Leben erwachen, wenn ich nicht da bin. Vielleicht habe ich zu oft Toy Story gesehen, wer weiß. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass mein Teddy irgendeinen Blödsinn anstellt, wenn ich weg bin. Er befindet sich nach meiner Rückkehr jedenfalls immer an einem anderen Platz als vorher. Ich glaube, dieser Schritt zurück in eine kindliche Vorstellungswelt, in der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Vorstellung verschwindet, hilft mir, besser mit der Realität zurechtzukommen.

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Kommentare

2 Kommentare Kommentieren

Ja das ist natürlich hart. Irgendjemand hat irgendwo Angst keinen Erfolg in der Karriere zu haben. Wohlgemerkt jemand der bisher (so scheints) erfolgreich war und keinerlei Not leidet.
Man könnte genauso einen Bankmanager interviewen welcher die Sorge hat, dass er seinen Boni nicht mehr bekommt und eventuell gehen muss.
Ich verstehe schlichtweg diese Artikel nicht. Diese sind soooo extrem nichtsaussagend.
Was war denn der Antrieb von Jörg Bockem ihn zu schreiben ? Wieso sollte er für die Leser hier interessant sein ? Manchmal frage ich mich, was ich verpasst habe, dass ich ernsthaft 0,0 damit anfangen kann.
Gerade das franz. und deutsche Kino haben massenhaft Filme in denen Frauen die mannigfaltigsten Bilder vertreten. Ebenso auch in Hollywood ("Die Reifeprüfung", etc....)
Nunja, vielleicht weiss es ja jemand anderes