Stilkolumne Brummendes Business

Von
© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 6/2016

Das Schöne und manchmal auch Problematische an der Mode ist ihre Vergänglichkeit. Alles, was man trägt, ist wenige Monate später schon letzte Saison. Bei vielen Marken wechseln die Kollektionen nicht nur zweimal im Jahr, sondern vier- bis sechsmal. Doch manchem ist sogar das noch zu langsam. Der Designer Wolfgang Joop hat einmal gesagt, das ideale Kleid solle nur einen Abend halten. Denn für einen neuen Abend brauche man ja ohnehin ein neues Kleid.

Dem Kunden wird das Gefühl vermittelt, vielleicht morgen schon nicht mehr up to date zu sein – und stets im neusten Garn gekleidet zu sein ist teuer. Auch für die Modehäuser, denn alle Teile müssen ständig in allen Größen vorgehalten werden. Eine Kollektion hängt nur wenige Monate in den Geschäften, dann geht sie in den Schlussverkauf. Deswegen sind Modelabels darauf aus, auch Artikel anzubieten, die eine längere Halbwertszeit haben: Bei vielen Marken ist das Geschäft mit Accessoires und Düften wichtiger als das mit der eigentlichen Kollektion. Diesem Umstand verdanken auch die Handtaschen ihren Aufstieg. Früher waren die Taschen einer Marke nicht entscheidend, sie sollten für Kunden mit schmaleren Budgets finanzierbar sein. Das wiederum machte die Taschen begehrter, und so stiegen auch sie im Preis. Handtaschen kosteten plötzlich um die tausend Euro, mittlerweile kann man auch um die 4.000 Euro für ein begehrtes Modell zahlen – und selbstverständlich wechseln die Modelle jede Saison. Aber was hat die Lücke gefüllt, die die günstigen Marken-Handtaschen hinterlassen haben? Es sind Kleinigkeiten wie Schlüssel- und Kofferanhänger aus Leder oder Hüllen für Visiten- und Kreditkarten. Auch Teddybären und andere Plüschtiere sind sehr beliebt.

Eine Handyhülle von Moschino kostet etwa 90 Euro – und ist damit deutlich billiger als eine Tasche der Marke, gleichwohl kann sich der Besitzer für jeden ersichtlich als Moschino-Kunde ausweisen. Solche sogenannten luxury tchotchkes (das kommt aus dem Jiddischen und bedeutet Schnickschnack) gehören mittlerweile zu den Bestsellern. Online-Boutiquen wie Net-A-Porter oder mytheresa.com müssen sie mehrmals pro Saison nachordern. Was dazu geführt hat, dass die Tchotchkes- Kollektion immer mehr an Bedeutung gewinnt. Überflüssig zu erwähnen, dass tchotchkes dadurch immer teurer werden. Für einen Fellpuschel-Anhänger mit Karl-Lagerfeld-Püppchen konnte man bei Fendi schon 1.200 Euro zahlen.

Foto: Teddybär aus Kaschmir, 525 Euro

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