Unter Strom Mirko Borsche testet ein Springseil, das zählen kann

ZEITmagazin Nr. 7/2016

Es gibt ja Leute, die mehr Zeit auf das Aussuchen der perfekten Sport-Funktionskleidung verwenden als auf den Sport selber. Oder, wie ich es als Münchner formulieren würde: Die Norddeutschen haben immer die neuesten Ski. Wer sich jetzt selbst in diesen zwei Sätzen wiedererkannt hat, der sollte unbedingt weiterlesen, denn für all diese Leute ist das Springseil Smart Rope der koreanischen Firma Tangram vielleicht genau das Richtige.

Zunächst mal: Seilspringen ist toll. Es ist ja ein bisschen in Vergessenheit geraten, dabei ist es richtig gutes Training, kurzweilig und superanstrengend. Ich boxe, und Seilspringen gehört zum Training: fünfmal drei Minuten, dazwischen 30 Liegestütze. Ein Springseil, sollte man denken, ist ein Springseil – wie soll das verbessert werden? Geht alles. In der Mitte des Seils stecken beim Smart Rope 23 LEDs, die ab einer bestimmten Geschwindigkeit die Zahl der Sprünge, die man gemacht hat, wie in einem Hologramm aufscheinen lassen. Man sieht tatsächlich eine in die Luft geschriebene Zahl aus Licht. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die LEDs beim Springen eine kaum merkliche Unwucht erzeugen, sodass man leichter am Seil hängen bleibt. Man kann das Smart Rope, das direkt über die Firma bestellbar ist, auch über eine App mit dem Smartphone verbinden und seinen Kalorienverbrauch überprüfen, Intervalltraining einstellen oder sich mit anderen in einer Community messen. Mir reicht es, mich beim Training direkt mit meinen Boxkumpels zu messen. Die haben übrigens gelacht, weil sie fanden, die Seilgriffe sähen aus wie Vibratoren. Wahrscheinlich sind sie einfach nur neidisch. Aber das sagen die Norddeutschen sicher auch über uns Münchner.

Technische Daten

2,28 bis 2,87 Meter Länge; kompatibel mit Apple oder Android; aufladbar mit USB-Handyladekabel. 89,99 Dollar

Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne "Unter Strom"

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