Tobias Rehberger Hello Africa?

© Tobias Rehberger
Die neue Arbeit des Künstlers Tobias Rehberger spielt mit unseren Vorstellungen von Ursprung und Authentizität. Von
ZEITmagazin Nr. 9/2016

Eines der Missverständnisse der Modewelt ist die Vorstellung, dass afrikanische Muster aus Afrika stammen. Die Stoffe, die Frauen auf den Straßen Luandas oder Accras tragen, waren ursprünglich holländische Kopien javanischer Batikstoffe, die Tuchfabrikanten Mitte des 19. Jahrhunderts auf den westafrikanischen Markt warfen. Noch heute werden viele dieser Stoffe in den Niederlanden entwickelt, abgestimmt auf den Geschmack der Kunden in Angola, in Ghana, im Senegal.

© Tobias Rehberger


Das Label "authentisch afrikanisch" hält nicht mehr so einfach. Diese Erfahrung hat auch Daniel Haaksman gemacht. Der Berliner DJ und Produzent berichtet von einer afrikanischen Musikszene, die jung, ungeniert und digital vernetzt ist. Neueste Clubklänge aus Europa mixt sie bei Bedarf mit traditionellen einheimischen Stilen. Von diesem Hybrid-Sound inspiriert, hat Haaksman ein eigenes Album produziert, auf dem er afrikanische Musiker vorstellt. Der Titel African Fabrics verweist natürlich auf die nicht authentischen Stoffmuster. Und auf die vielfältigen Soundverknüpfungen.

African Fabrics ist ebenfalls der Titel der Serie von Kunstwerken, die das ZEITmagazin in diesem Portfolio zum ersten Mal zeigt. Es sind Drucke des Frankfurter Künstlers Tobias Rehberger, eigens geschaffen als Bebilderung zu den Liedern auf Haaksmans Album. Hat man diesen Zusammenhang im Kopf, dann meint man, in Rehbergers Linien eine geometrische Abstraktion der typischen bunten Batikstoffe zu erkennen. Und liegt daneben.

Denn der Künstler zitiert hier ein Tarnmuster aus dem Ersten Weltkrieg. Mit dem hat er bereits 2009 bei der Venedig-Biennale die Cafeteria gestaltet. Auch bei den Farben hat er nach Bauchgefühl zugegriffen. "Die Bilder sehen afrikanisch aus, sind aber in Deutschland im Regen entstanden", sagt Rehberger. "Das ist doch spannend, wie das Klischee funktioniert, obwohl die Bilder nichts mit dem vermuteten Kontext zu tun haben."

Der 49-jährige Rehberger spielt mit den Vorstellungen von Ursprung, Originalität und Authentizität. "Durcheinanderbringen ist Teil meiner Arbeit", sagt er. Er hat schon Stuhlklassiker von Alvar Aalto und Marcel Breuer von Schreinern in Kamerun nachbauen lassen und einen Porsche 911 von thailändischen Automechanikern. Die Vorlagen dafür hatte Rehberger aus dem Gedächtnis skizziert, und die Ergebnisse sahen recht merkwürdig aus, aber der Künstler war zufrieden. Denn dass gutes Design die Welt verbessern kann, vermutet er nur. Bei seiner Kunst ist er sich hingegen sicher: "Sie sorgt dafür, dass Dinge, die klar zu sein scheinen, nicht mehr so klar sind. Das hilft uns, die Welt anders zu sehen."

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