Alexander Gauland Die Rolle seines Lebens

© Peter Kaaden

Er war Staatssekretär und Herausgeber einer Tageszeitung, er ist ausgesprochen höflich und sehr gebildet. Was macht einer wie Alexander Gauland bei der AfD? Von

ZEITmagazin Nr. 10/2016

Es ist Ende Januar, als Alexander Gauland das erste Mal Polizeischutz braucht. Er ist auf dem Weg nach Thüringen, und irgendwann auf der Autobahn ist nicht klar, ob er an diesem Abend überhaupt auftreten kann. Sein Mitarbeiter telefoniert mit den Beamten. Sie könnten für Gaulands Sicherheit nicht garantieren, heißt es. Vielleicht muss die AfD-Kundgebung in Jena abgesagt werden, zu viele Gegendemonstranten. Gaulands Fahrer zischt: "Kriminelle!" Und Gauland lächelt. Es ist ein hintergründiges Lächeln, der Mund geschlossen, nur die Augen verraten Amüsement.

Einerseits bereitet es ihm Vergnügen, wie viel Aufmerksamkeit er erregt, andererseits kann er nicht fassen, dass er bedroht wird. Wegen seiner politischen Meinung. Im Augenblick löst Gauland, egal, wo er auftritt, Schnappatmung aus – entweder aus Abscheu oder aus Bewunderung. Dazwischen gibt es nichts.

Gauland wird in diesen Tagen 75, er trägt gern Tweedsakkos und Cordhosen. Nie würde er eine Dame unterbrechen oder auch nur vor ihr durch eine Tür schreiten. In seiner Partei duzt er einen einzigen Menschen, den er seit mehr als vierzig Jahren kennt. Das Internet benutzt er nicht, seine Mitarbeiter drucken ihm die Mails aus. Gauland ist ein Mann des vergangenen Jahrhunderts und trotzdem die Hoffnung seiner Partei. Vor allem im Westen soll er im Wahlkampf um die bürgerlichen Stimmen werben.

Gauland war Büroleiter des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Wallmann, später Staatssekretär in Hessen, dann vierzehn Jahre lang Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) in Potsdam, schrieb Bücher über Helmut Kohl, die Windsors, das Konservativsein. Nun ist er Vizechef der AfD und Landesvorsitzender in Brandenburg.

Er ist einer der wenigen in seiner Partei, der die konservative bürgerliche Mitte erreichen kann, weil er sie personifiziert. Er polarisiert nicht so stark wie Björn Höcke oder Frauke Petry. Obwohl auch seine Sätze oft verstören. Wenn er Flüchtlinge mit "Barbaren" vergleicht, die über den Limes kamen und zum Untergang des Römischen Reiches führten. Nur, aus seinem Mund klingen die Worte wohlformuliert. Vielleicht sind sie deshalb umso gefährlicher?

Es gibt diese Auftritte, zum Beispiel in Erfurt im vergangenen Oktober, Gauland zitiert den Grünen-Politiker Jürgen Trittin: "Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich einfach großartig." Die Menge skandiert: "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen." Aber Trittin hat diesen Satz nie gesagt. Gauland muss sich später dafür entschuldigen. Wenn AfD-Anhänger "Lügenpresse" oder "Volksverräter" brüllen, presst Gauland die Lippen schmal und schweigt. Er steht dann auf der Bühne und, ja, was? Genießt er den Jubel der Masse, verabscheut er ihn, oder rätselt er, wo er da hineingeraten ist?

Es fällt schwer, diese Auftritte mit dem Mann in Verbindung zu bringen, der im persönlichen Gespräch differenziert, angenehm und selbstironisch sein kann. Einer, der viele Jahre Kolumnen schrieb im Berliner Tagesspiegel, der zur Mediengruppe von Dieter von Holtzbrinck gehört, der auch 50 Prozent der Anteile an der ZEIT hält. Einer, der über die Parteigrenzen hinweg als angesehener Gesprächspartner galt.

Wie geschah die Radikalisierung des Alexander Gauland? Ist er ein bürgerlicher Intellektueller, der seine Mitte verloren hat? Oder verliert gerade das ganze Land seine Mitte?

Auf der Autobahn nach Jena schneit es. Kurz vor der Stadt hält Gauland an einer Raststätte, wieder Telefonat mit der Polizei. Die AfD-Kundgebung wird doch nicht abgesagt. In Jena steigt Gauland in ein Polizeiauto um, die Beamten fahren ihn zur Demonstration. Sie machen Selfies von sich mit dem Star der AfD. Einer von ihnen sagt zu Gauland: "Der Wagen wird durch Sie richtig aufgewertet."

In einer engen Gasse stoppt das Auto, alle Wege zum Marktplatz sind von Gegendemonstranten blockiert. Polizisten nehmen Gauland in die Mitte und begleiten ihn bis zum Rednerpult. Vor Gauland warten etwa 750 AfD-Anhänger, hinter ihm 2.500 Gegendemonstranten, die laut Technomusik abspielen. Gauland steht genau dazwischen. Die Menge vor ihm ruft: "Merkel muss weg!" Gauland stützt sich auf den Stiel einer Deutschlandflagge. Vierzig Jahre war er in der Partei der Kanzlerin.

Vor Gauland betritt Björn Höcke die Bühne, Lehrer, Thüringer Fraktionsvorsitzender und der wohl umstrittenste AfD-Politiker im Moment. Unter anderem stellte er abstruse Thesen über die angeblich unterschiedlichen Reproduktionsstrategien von Afrikanern und Europäern auf. In Jena greift er die Asylpolitik der Regierung an. "Die Flüchtlinge sind jung, muslimisch, männlich und überwiegend ungebildet. Sie sind keine Bereicherung für unser Land." Worte wie Brandsätze. Die Gegendemonstranten drehen die Musik lauter. Höcke nennt sie "rot lackierte Nazis". Daraufhin rufen die AfD-Anhänger: "Nazis raus!" Hinter der Bühne bekommen die Gegendemonstranten nicht sogleich mit, von wem die Parole stammt, und stimmen ein. Für ein paar Sekunden rufen beide Seiten vereint in bizarrem Chor: "Nazis raus!"

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"Eine Verschiebung der Gewissheiten", durch die unwahrhafte Unverbindlichkeit einer Frau Merkel. Wer war Gauland? Wie konnte er so werden wie er ist? Vielleicht hat er sich aber gar nicht verändert, vielleicht hat sich nur die Sicht auf ihn verändert, derjenigen die meinten ihn zu kennen und ihn nun mit geänderten Maßstäben beurteilen. Vieles ist bei der AfD noch eine uneinheitliche Kakofonie und der eine oder andere, aber insbesondere die eine, hätte mal öfter schweigen sollen. Mir hat bis heute noch niemand die Frage beantwortet warum Deutschland islamischer werden muss und wieso dieses Land anders werden muss um sich den Flüchtlingen anzupassen, warum man mir die Selbstaufgabe diktatorisch aufoktroyieren darf. "Wir schaffen das" ist nicht das Problem, sondern erst im Zusammenhang mit der zweiten, weniger beachtenden, undefinierten Aussage der Frau Merkel: "Dieses Land wird ein anderes sein", ohne die Menschen zu fragen ob sie das wollen. "Wir schaffen es dieses Land ein anderes zu machen"? Anders wie?
Fremde Menschen, deren Kultur unserer Kultur feindselig ja sogar aggressiv gesonnen ist, sollen zu uns kommen dürfen um unsere Land anders zu machen? Darf man da Angst haben? Vielleicht haben solche apodiktischen Aussagen ohne demokratische Zustimmung, Gauland verändert, Aussagen die seine bekannten möglicherweise ignorieren.

Harald Martenstein schrieb in der Print-ZEIT in dieser Woche: "Ich hasse Artikel, die kein Kommentar sind und keine Kolumne, aber in denen schon der erste Satz klar macht, auf welcher Seite der Autor steht, meistens kommt danach polemisch-moralisierendes Gefasel."
Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

Herr Gauland ist ein wenig profilneurotisch. Aber sind wir das nicht alle ?
Vom früheren Staatssekretär zum Minister mit Gestaltungsmacht.
Das ist legitim, sich das zu wünschen. Nur was will er denn genau ?
Oskar Lafontaine schrieb nach seinem Rücktritt das heute noch
aktuelle Buch: " Das Herz schlägt links " . Wo bleibt da Herr Gauland ?
Da fehlt einiges und er sollte einmal mittels einer Biographie selbst öffentlich nachlegen. Er ist 75, viel Zeit bleibt nicht mehr.

Interessant, wie AFD-"Politiker" sich bemühen Zustimmung von ihren Zuhörern einzuholen. Gerade Gauland, der ja im Gegensatz zu z.B. Höcke fundiertes Wissen mitbringt, stößt dabei hin und wieder auf gähnende Gesichter, wenn es mal um Sachen geht die sich nicht über das Thema Flüchtlinge handeln. In dem Moment wo es komplizierter wird zuzuhören, und keine demagogischen Parolen mehr fallen, können AFD-Zuhörer nur noch gähnend in die Luft starren.

Es ist nur schwer erträglich, daß selbst bei einer Zeitung wie DIE ZEIT nicht bekannt ist, was und wie das Grundgesetz unsere Meinungsfreiheit schützt. Schon die Frage "Was macht einer wie Alexander Gauland bei der AfD?" ist einer ZEIT unwürdig. Beinhaltet sie doch eine besserwisseri­sche Bevormundung eines Andersdenkenden. Es ist auch ein schlechter journalistischer Stil, denn er bewertet den Andersdenkenden von vornherein negativ. Damit wird der Andersdenkende genau unter den Generalverdacht gestellt, welchen die ansonsten ach so aufgeklärten, Pseudowis­sen versprühenden Nachwuchsjournalisten attackieren.

Nein, ich habe keinen Haß auf Flüchtlinge, ich lehne sie aber ab. Damit bin ich nach der Terminolo­gie der Linksopportunisten und -populisten (und da gehört inzwischen die Mehrheit auch der Journalisten dazu) bereits rechtsradikal. Eine Lachnummer. Denn sie verstehen bereits nicht die unterschiedlichen Be­griffe wie Ablehnung, Verachtung und Haß. Sie können dem Andersdenkenden und -schreibenden nicht die Toleranz, Freiheit und Meinung zugestehen, die sie jedoch fürs sich als total selbstverständlich in Anspruch nehmen. Da kommt dann bei mir Haß auf: für sich etwas in Anspruch nehmen, was ich dem anderen nicht zubillige. Genau das aber wird durch die grundge­setzlich garantierte Meinungsfreiheit abgelehnt. Die Meinungsfreiheit gilt für jeden, überall und nur beschränkt durch bestimmte §§ des StGB. Darüber sollten die Linksopportunisten einmal nachdenken.

"Nein, ich habe keinen Haß auf Flüchtlinge, ich lehne sie aber ab."
"Sie können dem Andersdenkenden und -schreibenden nicht die Toleranz, Freiheit und Meinung zugestehen, die sie jedoch fürs sich als total selbstverständlich in Anspruch nehmen."

Sie nehmen dasselbe Recht wie Sie in Anspruch: abzulehnen, wen sie wollen.

"Da kommt dann bei mir Haß auf: für sich etwas in Anspruch nehmen, was ich dem anderen nicht zubillige."

Ach, Sie müssen sich nicht selbst hassen für Ihre Inkonsequenz. Gehen Sie einfach in sich und bessern Sie sich.

Alexander Gauland ist stock-konservativ. Die CDU ist es nicht (mehr). Da liegt es nahe eine eigene politische Formation zu gestalten.
Nebenher: Die Barbaren die über den Limes kamen und das römische Reich ruiniert haben waren u.a. die Germanen, also wir bzw. unsere entfernten Vorfahren. Es zeigt sich dass Hr. Gauland nicht in emotionalen Soundbites denkt sondern sich mit Geschichte auskennt.

Der Artikel ist der Versuch einer Demontage. Er überzeugt nicht. Gauland mit Eitelkeit zu überführen ist lächerlich. Er kämpft eben nicht nur für sich. Denken Sie daran: "80% der Deutschen sind gegen diese Flüchtlingspolitik" - dazu gehören auch Ihre Leser!

Wo ist der gefährliche Dämon Gauland, den alle in ihm sehen wollen? Ist diese einfache Seriösität eines reiferen Mannes nicht der Kontrapunkt zu dem, was er für weite Teile der Öffentlichkeit sein sollte? Wo ist der Unterschied zum gereiften Stoiber, der den einen zum Dämon den anderen zum elder-statesman machen soll?
Wird nicht die ganze völlig übertriebene maßlose Kritik an der AfD als Teil des Selbsthasses ihrer Kritiker offenbar? Haben die Etablierten nicht die AfD zum "medialen Abschuss" freigegeben um selbst ihren Allerwertesten zu retten? Ist das Ganze eine Riesenshow des Establishments gegen plötzlich und unangemeldet auftretende Gegner? Eine Hatz auf einen einzelnen Rechts-Populisten ist manchen noch gewärtig, die auf Jörg Haider. Was war das für ein medial inszeniertes Getöse und viel Wirbel um fast nichts. Der Mann hatte die Rolle des Dämons vor Gauland.

Ich kann auch bestätigen, dass Merkel kein Ungeheuer ist.
Die stellt sich im Supermarkt ganz brav an die Kasse, drängelt sich nicht vor, legt ihren Kram selbst aufs Band, sagt nett "Guten Abend" zahlt und verabschiedet sich. Sehr bescheiden und freundlich.
Was aber nichts daran ändert, dass Frau Merkel mit dafür gesorgt hat, dass Millionen Menschen im Prekariat gelandet sind, zig-Millarden € für Bankenrettungen verbrannt wurden, Merkel das Asse-Debakel mit einer drohenden Verseuchung des Grundwassers versucht hat auszusitzen, unbedingt zusammen mit Bush Jr. den Irak überfallen und ruinieren wollte, die Geheimdienste tun lässt, was diese wollen, ihren Teil dazu beigrtragen hat, dass Griechenland heute noch weit mieser als vor Beginn der Krise dasteht und sonst auch keine Hemmungen hat, mit korrupten Verbrechern wie Erdogan oder Rajoy zusammenzuarbeiten oder Despotien wie Saudi Arabien zu hoffieren.
Aber im Gegensatz zu Gauland ist Merkel noch nicht so tief gesunken, offen auf einheimische Rechtsradikale zuzugehen und deren Wahlstimme als Steigbügel zur Macht zu sehen.

1. Interessant wie die Polizisten zu ihm zu stehen scheinen. Die Polizei scheint mir in einigen Gegenden leider nicht 'neutral' zu sein.

2. Der Artikel gefällt mir wirklich gut. Herr Gauland macht aber den eindruck eines verbitterten alten Fieslings.

"Auf der Autobahn ist auch Zeit, über das Thema zu sprechen, ohne das die AfD vermutlich gar nicht mehr existieren würde: die Flüchtlingspolitik. "

dann ein paar Zeilen weiter:

" Nach einer ARD-Umfrage sind 80 Prozent der Deutschen gegen Merkels Flüchtlingspolitik."

Da muss man wohl nicht mehr viel zu sagen.

Ich würde neben anderen Faktoren meinen, dass viele Journalisten mit Gauland und Typen wie ihm nicht zurecht kommen, weil diese Menschen ansprechen, die im Denken der Journalisten nicht vorkommen: konservative alte Leute. Menschen, die ihr Leben lang mehr oder weniger ehrlich klein- bis mittelbürgerlich gearbeitet haben und von dem neuen Schnickschnack der letzten 20 Jahre nichts wissen wollen. Die interessiert es nicht, ob es noch Elefanten gibt oder ob in der Türkei gewählt wird. Sie wollen ihren erarbeiteten Wohlstand halten und sich an nichts Neues mehr gewöhnen. Sie haben die Rolle der bestimmenden Familienoberhäupter verinnerlicht in ihrem Leben viele Entscheidungen gefällt und wollen nicht wie Deppen handelt werden, denen man alles schonend erklären muss. Hier fehlt offenbar der Zugang. Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass konservative ältere Menschen ökonomisch und von ihrer Menge her sehr wichtig sind. Man kann sie nicht einfach ignorieren.

Ich denke man kann Gauland nicht unterstellen, dass es ihm noch um Macht oder Karriere geht, wie das hier im Artikel angedeutet und als Erklärungsmuster für Gaulands Aktivitäten in der AfD gesehen werden.
Gauland ist wie viele andere auch Opfer des Linksschwenks der CDU, der nicht nur ihn politisch heimatlos gemacht hat. Das konservative Establishment ist längst entzürnt und entfremdet von Frau Merkel's CDU. Selbst hat man nicht zu verlieren, aber es geht um eine gefühlte Verantwortung für das Land, die man in den späten 60- und 70iger Jahren des Lebens entwickelt. Gauland sieht eine ungute Entwicklung und er zieht daraus seine Motivation sich zu engagieren, anstatt in einer Charlottenburger Dachgeschosswohnung bei einer Zigarette über die Welt zu sinnieren.

"Einem 75jährigen, der in seinem Leben schon einige verantwortungsvolle Aufgaben hatte, Machtgelüste zu unterstellen, ist pure Ratlosigkeit: das ist kein Karrierist Anfang 30, das hat er nicht nötig."

Wie kommen Sie darauf, dass Macht im Alter weniger verführerisch wirken soll als in jüngeren Jahren? Ist ja schließlich auch ne Art Droge. Wieviele ältere Herren kennen Sie, die nach Jahrzehnten des regelmäßigen Weinkonsums meinen, dass ihnen das Zeug nicht mehr schmeckt?

Ich äußere meine persönliche Meinung, dass es sich hier bei Gauland eher um einen "Überzeugungstäter" handelt als um einen Machtbesessenen, der es noch mal wissen will. Ob es einen Berlusconi gibt oder einen Norbert Blüm, ist für diese Einschätzung völlig unerheblich.

Absolute Zustimmung. Alexander Gauland hat einmal in einer Talkshow gesagt, dass er das sagt, was er schon immer gesagt habe. Nur gilt das heutzutage als skandalös. Er ist einfach ein vir vere conservativus, der mit dem Linksschwenk der CDU unter Merkel nichts anfangen kann und demzufolge sich wehrt. Er ist damit quasi der Patron des deutschen Konservatismus, ein Leuchtturm und Idol gerade für uns junge Konservative geworden.

Ich denke, er hält die Stellung. Und sieht keine Alternative zu einer AfD, von der er vermutlich sehr genau weiß, dass man noch nicht wissen kann, was aus ihr wird: ein rechtsextremer Haufen - aber warum, wenn es doch die NPD gibt? Oder eben eine echte konservative Partei, wie es die CDU schon länger nicht mehr ist. Ein Wertkonservativer im besten Sinn. Einer, der Person und Inhalt unterscheiden kann und dem der Stil der Auseinandersetzung wichtig ist. Aber aufgrund vieler schriller Töne habe ich Zweifel, ob sein Standhalten Erfolg haben wird. Vielleicht kommt es zu spät. An ihm aber hats nicht gelegen.

Ich glaube er sieht eine Alternative zur AfD, wenn im Artikel auch nur kurz angerissen, das könnte Pegida sein (ich unterstelle nicht für ihn). Im Gegensatz zur NPD haben die eine ganze Menge mobilisiert. OB-Wahl Dresden fast 10 % Festerling Pegida, knapp 5 % AfD. Ich unterstelle Herrn Gauland nicht, daß er sich auf Festerling Niveau begibt, aber er läßt den rechten Rand gefährlich laufen. Und da kann ganz schnell der Inhalt auf der Strecke bleiben um Machtgelüste zu befriedigen.

Was ich bei Gauland nicht sehe, sind Machtgelüste oder dass gerade einer wie er je seine "Inhalte" verleugnen könnte. Ich denke, er riskiert den rechten Rand, weil er keine andere Möglichkeit sieht, als genau das zu tun: es darauf ankommen lassen, die Alternative zum rechtesten Rand zu sein und notfalls auch zu ertragen, wenn es schief geht. Soll er sich, wie GeeBee das oben treffend geschrieben hat, in seine Wohnung zuirückziehen, nur, weil es schiefgehen könnte? Dazu ist gerade er nicht der Mann: er will diese Entscheidung, so oder so.

"Gauland ist ein Mann, der andere politische Meinungen akzeptiert, sie berühren nicht seine inneren Beziehungen zu Menschen."

Es wäre wünschenswert, wenn auch die Eliten der etablierten Parteien bald eine ähnliche Haltung ggü. Andersdenkende einnehmen könnten. Damit der politische Pluralismus endlich gelebt werden kann, und der zunehmende Gesinnungsterror, der sich in unseren Leitmedien breit gemacht hat, wieder abnimmt.

Wie wär's wenn wir mal weniger über 'Links', 'Rechts', 'Mitte', 'Radikale' oder 'Nazis'und ein wenig über 'Logik', 'gesundem Menschenverstand' und die 'Geburts- und Kultur-Rechte' des Deutschen Volkes beraten würden ? Weshalb werden die nachdenkenden Bürger schlicht in eine der 5 Denkweise Schubladen verbannt ? Persönlich fühle ich mich von keiner dieser Tendenzen angesprochen, aber als Deutsche macht mir der Berliner Zirkus und seine Entscheidungen oder eben Nicht-Entscheidungen sehr grosse Sorge für mein Land.

„Nach vielen Stunden mit ihm stellt sich ein Gefühl tiefer Ratlosigkeit ein. Er redet viel, aber die Konsequenzen des Gesagten bleiben stets verschwommen. Als ginge es immer noch nur um eine intellektuelle Debatte.“

Darin kommt zum Ausdruck, wie die Interviewerin denkt. Ihre Ratlosigkeit ist mir unverständlich, genauso wie die seiner Tochter. Gauland befürwortet bspw. das Verhalten der Nachfolgeländer der Donaumonarchie in der aktuellen Krise. Er kann dies sowohl in einen historischen als auch realen Kontext stellen. Er bot Lösungen bei der EURO-Krise und für die Flüchtlingskrise, die keine verschwommen Konsequenzen aufzeigen. Alles das, was Gauland sagt, hat Hand und Fuß. Er ist weder dumpf noch zu kurz gekommen. Es ist schändlich, wahlweise Herrn Gauland als Rassisten, Dumpfbacke und Zukurzgekommenen zu diffamieren, anstatt sich mit seinem Intellekt und seiner Logik auseinanderzusetzen, wenn er -wie auch bspw. Seehofer- fragt, wo soll die merklsche Politik hinführen, warum wollen 27 von 28 europäische Ländern keine Zuwanderung nach den merklschen Vorgaben, warum soll bei der Integration von 1,1 Mill. registrierten und sicherlich mehreren 100.000 weiteren nicht registrierten Zuwanderern 2015 etwas gelingen, was 30 Jahre nicht gelungen ist, warum sichert Europa seine Grenze nicht selbst? Es muss Politiker geben, die auch diese Fragen stellen und die Antworten haben, die im europäischen Ausland auch so gesehen werden. Mich macht die Ratlosigkeit der Interviewerin ratlos.

Das Bild mit dem "Wasserrohrbruch stimmt - aber die Situation ist anders, als Gauland sie beschreibt: seriöse Politiker wie gerade Angela Merkel, versuchen , den Wasserrohrbruch zu reparieren. Die AfD und auch Gauland allerdings jammern darüber, dass der Wasserschaden nicht beherrschbar ist!

Merkel - eine seriöse Politikerin ? Na der ist gut ! Nicht nur, dass sie den "Rohrbruch" doch erst verursacht hat! Jetzt versucht sie auch noch, ihn mit den untauglichsten Mitteln (Türkei-Deal) wieder zu reparieren und diffamiert noch diejenigen, die wirklich erfolgversprechende Maßnahmen ergriffen haben

Stellen Sie ihre Schnappatmung ein. Merkel hat das gleiche getan, wie Kohl und Genscher 1989 mit den sogenannten Botschaftsflüchtlingen.
Wir können uns allerdings darauf einigen, dass was damals möglicherweise falsch war, heutzutage auch nicht ganz ohne Probleme ablaufen wird.

Gauland ist der Spezi des Kreml:
http://www.maz-online.de/...
"... In kurzer Zeit sei er zum „Putin-Versteher“ aufgerückt, sagt Gauland. „Das hätte ich nie für möglich gehalten.“ Nur weil er die Meinung vertrete, dass daran, was jetzt in der Ukraine und Russland passiere, „wir alle“ schuld seien. ... "
http://www.spiegel.de/pol...

" Spitzenleute der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) wollen sich künftig von russischen Diplomaten beraten lassen. Nach Bundesvorstand Alexander Gauland haben nun auch AfD-Bundesgeschäftsführer Georg Pazderski und Pressesprecher Christian Lüth die russische Botschaft in Berlin besucht. ...
Zwei Stunden lang tauschten sie sich am 26. November mit dem Gesandten Oleg Krasnitzky über die Haltung der AfD zu den Russland-Sanktionen und zur Ukraine-Krise aus. Auch Botschafter Wladimir Grinin begrüßte die Gäste. Die Russen boten den Euro-Gegnern strategische Beratung an. Während Bundessprecher Bernd Lucke dieses Angebot skeptisch sieht, will Gauland es annehmen: "Es spricht nichts gegen einen regelmäßigen konstruktiven Austausch mit den Russen."
Deren Diplomaten seien keine "Hardliner", und es gebe "keine vergleichbaren Angebote anderer befreundeter Staaten an uns". Ähnlich sieht es der Thüringer Landeschef Björn Höcke: "Gegen Ratschläge und offene Gespräche spricht nichts." ..."

Alles ja ganz nett, aber:

"Gaulands ehemaliger Chef Walter Wallmann sagte früher zu Gauland, dass er ein guter Beamter, aber kein Politiker sei. Er könne nicht auf Menschen zugehen. Alexander Gauland war immer oben, aber stets in der zweiten Reihe. Diese Partei ist seine letzte Chance auf die erste Reihe."

Ich weiß, Journalismus hat keine wissenschaftlichen Zitierregeln, aber ein kleiner Hinweis auf die FAS, in der das genauso vor ein paar Monaten stand, wäre keine schlechte Idee gewesen. Sie wissen ja, was die Leute heutzutage gerne über die Presse alles erzählen.

Was will Gauland in der AfD?

Das, was die meisten dort wohl suchen: Gefühlt immer zu kurz gekommen, jetzt mal richtig Dampf ablassen.

Gauland scheint objektiv nicht "zu kurz gekommen". Aber, da gleicht er Oskar Lafontaine, er ist ein Narziss und als solcher sieht er nur zwei Optionen: Sieg oder verbrannte Erde.

Moment mal: Gauland als der Lafontaine der CDU...interessanter Gedanke...

Verbitterte, zukurzgekommene Ehrgeizlinge und Narzissten sind die beliebtesten Ziele von industriellen und staatlichen Spionen zum Umdrehen und Anwerben. Dann sind sie plötzlich gefragt und werden gebraucht.

Das so ein erfahrener Polit- und Medienrentner aus der früheren Hessischen Stahlhelmfraktion nun für Putin wirbt und sich in dessen Botschaft beraten läßt, ist schon sehr merkwürdig.

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