© Alex Walker

Wundertüte Geheimschrift

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ZEITmagazin Nr. 10/2016

Wenn der geheime Tagebucheintrag entdeckt wird, ist das ärgerlich. Oder sogar peinlich. Und manche Nachrichten sollen auch gar nicht alle Menschen lesen können – etwa die, die nur für den besten Freund oder die beste Freundin bestimmt sind. Dann ist es gut, wenn man sie verschlüsseln kann. Zzzebra, ein Web-Magazin für Kinder, stellt unter labbe.de/zzzebra/ mehrere Geheimschriften vor, darunter die hier abgebildete "Winkelschrift". Man zeichnet zunächst zwei Kästchengitter: eines aus vier Strichen mit drei mal drei, also neun Feldern und eines aus zwei diagonalen Strichen mit vier Feldern. In diese 13 Felder trägt man das Alphabet ein: in der richtigen Reihenfolge von links nach rechts und immer zwei Buchstaben in ein Feld. Neben den zweiten Buchstaben wird unten rechts jeweils ein kleiner Punkt gesetzt. Gedanklich löst man dann die Kästchen voneinander, sodass unterschiedliche Zeichen entstehen (die meisten sind Winkel, daher der Name der Geheimschrift). Der erste Buchstabe jedes Feldes wird dann durch das entsprechende Zeichen ohne Punkt dargestellt, der zweite Buchstabe durch das Zeichen mit Punkt. Beim Schreiben ersetzt man die einzelnen Buchstaben durch das jeweilige Zeichen. Natürlich kann diese Schrift auch als Inspiration für andere Geheimschriften dienen, die man gemeinsam mit Freunden entwickelt – und die so exklusiv sind, dass wirklich niemand anders sie entschlüsseln kann.

15 Kommentare

Fortsetzung: Es ist die typische destruktive Art der mittelmäßigen Experten, die hier auch über Ihnen ausgeschüttet wird. "Laß die Finger davon!", "Überlass es den Experten!" "Du bist zu dumm!", und als Höhepunkt: "Vertrau der NSA!"
Nein! Nehmt es in die eigene Hand! Spielt mit Verschlüsselung auch auf dem Papier(Papier ist auch ernsthaft gar kein schlechtes Medium) ! Bildet Euch weiter in dem Gebiet! Und wenn Ihr das Zeug dazu habt, dann programmiert Werkzeuge für den Computer, mit den wir uns gegen den Orwellschen Überwachungsstaat schützen können.
Für heute können Sie z.B. für den Computer mit den Googel-Suchen "open source elliptic curve cryptography" oder "open source elliptic curve encryption" starke und freie Verschlüsselungswerkzeuge finden, die allerhöchsten Ansprüchen genügen.
Leider findet man bei vielen "Krypto-Experten" mangelnde Selbstachtung, Unterwürfigkeit gegenüber der NSA oder ähnlichen Demokratiefeinden und blinde Rezitierung von NSA-gepflanzten Dogmen.

Mein Glückwunsch zu diesem wunderbaren Beitrag zur Verschlüsselung aus ganz anderer Perspektive.
Ich halte den Beitrag der Künstler, Schriftsteller oder Lyriker zu diesem Themenkomplex für enorm wichtig. Auf dem jährlichen Kongress des Chaos Computer Clubs zwischen den Jahren im Hamburg ist auch immer ein Platz im Programm für diesen Sektor reserviert. Unsere Gesellschaft ist durch die Orwellsche Schnüffelei unserer Dienste, von GCHQ, von der NSA und der unheiligen Allianz solcher Organisationen bedroht. Wir müssen uns alle, Kinder, Künstler, Kryprographen, Bürgerrechtler unseres Rechts auf vertrauliche Kommunikation bewusst sein, sie einfordern und notfalls oder auch zum Vergnügen in die eigene Hand nehmen.
Frau Schaub, lassen Sie sich nicht von der geballten Tüpflischießerei der Krypto-Experten verunsichern(tun Sie auch sicher nicht), natürlich ist das, was Sie beschreiben, eine leicht zu knackende Caesar-Chiffre. Aber darauf kommt es hier gar nicht an.
Es geht um den engagierten Einsatz für den Persönlichkeitsschutz und die richtige Einstellung dabei. Wir sollten nicht vergessen, dass ein Expertenkonformes, im Einklang mit den Standards, mit häufig verwendeten Primzahlen umgesetztes VPN von der NSA in ca 5-10 Sekunden geknackt werden kann. Länger hält Ihre Caesar Chiffre allemal durch. Und wenn einer Ihrer Leser später als arrivierter Kryptologe zu unserer Freiheit beiträgt, war es die herablassenden Bemerkungen heute auf jeden Fall wert.

Nur damit bei Laien keine Mißverständnisse aufkommen: Diese Verschlüsselung bietet als reine Symbolersetzung absolut keine Sicherheit. Es ist eine Spielerei für Kinder. Bitte dieser Technik keine Geheimnisse anvertrauen. Es handelt sich dabei um einen sog. Cäsar Code (siehe http://practicalcryptogra...), und der ist eigentlich nur dann "sicher" wenn der Großteil der Bevölkerung ohnehin nicht lesen kann.
Wenigstens Viginére sollte es sein, für kurze Nachrichten.

Liebe Frau Schaub, was Sie hier als das Nonplusultra vorstellen, ist im Wortsinne ein 'Kinderspiel'.
Ich empfehle als Lektüre Simon Singhs Buch über Kryptographie.
Oder Dorothy L. Sayers' witzigen und cleveren Kriminalroman "Zur fraglichen Stunde"; dort finden Sie die Beschreibung einer sehr viel raffinierteren Verschlüsselungsmethode.
Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Sehr geheim ist das aber nicht.

Erstens gibt es keinen Schlüssel, sondern nur ein Verfahren. Das aber ist hier veröffentlicht. Man müsste die Buchstaben noch mal vertauschen, um überhaut eine Geheimschrift zu erhalten.

Zweitens handelt es sich um eine reine Buchstabenersetzung, und die ist mit Häufigkeitsanalyse leicht zu knacken - mit etwas Sprachgefühl reichen schon die kurzen Standardwörter, um es zu durchschauen.

Nettes Kinderspiel - aber man sollte den Kindern auch sagen, dass eine Geheimschrift so nicht funktioniert.

Als Kind habe ich mich eher mit der Frage beschäftigt wie lang der verschlüsselte Text sein muss damit man ihn knacken kann. Das obige Beispiel reicht vermutlich bequem aus. Meine Schwester hat mir zu Testzwecken damals einen Satz in ihrer Geheimsprache aufgeschrieben und anschließend Angst um die Sicherheit ihres Tagebuchs.

Ich fand aber die Logeleien um die Leute aus Abi, Bebi und Cbi interessanter.

"und die so exklusiv sind, dass wirklich niemand anders sie entschlüsseln kann. " Ja das ist falsch. Nur weil ich mir eine Buchstabenersetzung ausdenke, heißt das nicht, dass die unknackbar ist. Simple Ersetzungen sind immer knackbar (und ohne allzu großen Aufwand).
Deswegen ist Xryptographe im Internet ja ein solch breit diskutiertes Thema. Wenn jeder einfach seine eigenen Buchstaben benutzen könnte, wäre es das nicht...

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