© Alex Walker

Wundertüte Geheimschrift

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ZEITmagazin Nr. 10/2016

Wenn der geheime Tagebucheintrag entdeckt wird, ist das ärgerlich. Oder sogar peinlich. Und manche Nachrichten sollen auch gar nicht alle Menschen lesen können – etwa die, die nur für den besten Freund oder die beste Freundin bestimmt sind. Dann ist es gut, wenn man sie verschlüsseln kann. Zzzebra, ein Web-Magazin für Kinder, stellt unter labbe.de/zzzebra/ mehrere Geheimschriften vor, darunter die hier abgebildete "Winkelschrift". Man zeichnet zunächst zwei Kästchengitter: eines aus vier Strichen mit drei mal drei, also neun Feldern und eines aus zwei diagonalen Strichen mit vier Feldern. In diese 13 Felder trägt man das Alphabet ein: in der richtigen Reihenfolge von links nach rechts und immer zwei Buchstaben in ein Feld. Neben den zweiten Buchstaben wird unten rechts jeweils ein kleiner Punkt gesetzt. Gedanklich löst man dann die Kästchen voneinander, sodass unterschiedliche Zeichen entstehen (die meisten sind Winkel, daher der Name der Geheimschrift). Der erste Buchstabe jedes Feldes wird dann durch das entsprechende Zeichen ohne Punkt dargestellt, der zweite Buchstabe durch das Zeichen mit Punkt. Beim Schreiben ersetzt man die einzelnen Buchstaben durch das jeweilige Zeichen. Natürlich kann diese Schrift auch als Inspiration für andere Geheimschriften dienen, die man gemeinsam mit Freunden entwickelt – und die so exklusiv sind, dass wirklich niemand anders sie entschlüsseln kann.

Kommentare

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Als Kind habe ich mich eher mit der Frage beschäftigt wie lang der verschlüsselte Text sein muss damit man ihn knacken kann. Das obige Beispiel reicht vermutlich bequem aus. Meine Schwester hat mir zu Testzwecken damals einen Satz in ihrer Geheimsprache aufgeschrieben und anschließend Angst um die Sicherheit ihres Tagebuchs.

Ich fand aber die Logeleien um die Leute aus Abi, Bebi und Cbi interessanter.

"und die so exklusiv sind, dass wirklich niemand anders sie entschlüsseln kann. " Ja das ist falsch. Nur weil ich mir eine Buchstabenersetzung ausdenke, heißt das nicht, dass die unknackbar ist. Simple Ersetzungen sind immer knackbar (und ohne allzu großen Aufwand).
Deswegen ist Xryptographe im Internet ja ein solch breit diskutiertes Thema. Wenn jeder einfach seine eigenen Buchstaben benutzen könnte, wäre es das nicht...

Sehr geheim ist das aber nicht.

Erstens gibt es keinen Schlüssel, sondern nur ein Verfahren. Das aber ist hier veröffentlicht. Man müsste die Buchstaben noch mal vertauschen, um überhaut eine Geheimschrift zu erhalten.

Zweitens handelt es sich um eine reine Buchstabenersetzung, und die ist mit Häufigkeitsanalyse leicht zu knacken - mit etwas Sprachgefühl reichen schon die kurzen Standardwörter, um es zu durchschauen.

Nettes Kinderspiel - aber man sollte den Kindern auch sagen, dass eine Geheimschrift so nicht funktioniert.