Harald Martenstein Über den Unterschied zwischen Herrenmode und Tierfutter

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ZEITmagazin Nr. 10/2016

Ich kann den Henley nicht vom Hoodie unterscheiden. Beides ist etwas zum Anziehen, oder? Und der Howie ist ein Sänger? Wenn ich die Zeit zusammenrechne, die ich im Lauf meines Lebens mit dem Nachdenken über mein Outfit verbracht habe, dann komme ich auf etwa 20 Minuten. Es gibt so viele wichtigere und interessantere Themen als Herrenmode. Ich glaube, ich bin nicht gerade eine Stil-Ikone. Aber wenn ich vors Haus trete, falle ich nicht negativ auf, zumindest vermute ich dies.

Nun kommt ein peinliches Geständnis. Fast immer suchen Frauen meine Kleidung aus. Sie tun dies, weil sie es möchten. Ich habe niemals, wirklich niemals, einen diesbezüglichen Wunsch geäußert. Wieso sollte ich das auch tun? Kleidung ist mir nicht wichtig. Gute Gespräche sind wichtig. Literatur, Wein, Musik, all dies. Sport. Malerei – ach so, Sexualität hätte ich beinahe vergessen, dazu braucht man nun wirklich kein Sakko. Sogar Brettspiele halte ich irgendwie für relevanter als Mode.

Bei den Frauen scheint Kleidung höher im Kurs zu stehen, die patriarchalische Gesellschaft und die sexistische Erziehung haben sie halt so gemacht. Frauen treten in mein Leben, irgendwann öffnen sie den Kleiderschrank, schütteln fassungslos den Kopf, und es geht los. Ich kaufe widerspruchslos, was ich kaufen soll, unter der Bedingung, dass ich nicht länger als zehn Minuten in dem Modegeschäft verbringen muss.

Viele Männer leben so. Herrenmode ist, ökonomisch betrachtet, ein ähnliches Phänomen wie Tierfutter. Tiere kaufen etwa ebenso selten Tierfutter, wie Männer Herrenmode aussuchen.

Wenn ich alte Fotos von mir sehe, kann ich an dem Hemd, das ich auf dem Foto trage, sofort erkennen, wer zu dieser Zeit meine Partnerin gewesen ist. Ich stelle fest, dass ich offenbar als das Spiegelbild des Modegeschmacks meiner jeweiligen Partnerin durch die Welt gelaufen bin. Ich bin ein bisschen so wie das Äffchen, das früher bei den Leierkastenmännern auf dem Leierkasten gehockt hat und dem der Leierkastenmann ein Wams und ein Hütchen geschneidert hat – nein, wahrscheinlich war es die Frau des Leierkastenmanns. Oder ist die Kleidung eines Mannes eine Art Brandzeichen, wie es die Rinderbarone ihren Kühen auf den Po brennen? Eine neue Partnerin erkennt sofort den Stil ihrer Vorgängerin und drängt auf Beseitigung aller Sakkos aus dieser Epoche. Bei den Löwen ist es so, dass der neue Rudelführer alle Jungtiere tötet, die sein Vorgänger gezeugt hat. Frauen sortieren Sakkos aus.

Eine interessante Sonderrolle spielen Krawatten. Alle meine tragbaren Krawatten, drei oder vier, waren ein Geschenk meiner Mutter. Dazu besitze ich noch etwa 20 untragbare Krawatten, die mein Vater vor 40 Jahren aussortiert hat, weil sie ihm nicht modern genug waren. Ich trage aber immer dieselbe Krawatte, seit 1975, das ist mir auf den Fotos aufgefallen. Ich bin ein Mann, der sein gesamtes Leben lang immer dieselbe Krawatte getragen hat. Die Krawatte ist bunt, genauer kann ich es nicht beschreiben.

Ich habe, um für diese Kolumne Kompetenz zu erwerben, endlich mal einen Stilratgeber gelesen. Die schlimmste männliche Modesünde sind angeblich Motivkrawatten, sie schlagen sogar gemusterte Socken und fette Siegelringe. Es gibt eine Art Hitparade, am drittschlimmsten sind Krawatten mit Mickymäusen darauf. Platz zwei: Nikoläuse. Die Goldmedaille der Scheußlichkeit aber geht an Krawatten mit Dollarzeichen. Wenn man die Wahl zwischen Nikoläusen und Dollarzeichen hat, sollte man die Nikoläuse nehmen.

Harald Martenstein ist Redakteur des Tagesspiegels.

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58 Kommentare

Lieber Herr Martenstein, stimmt, es kann lästig sein, sich Klamotten besorgen zu müssen, wenn einen das Thema weniger interessiert als alles andere. Aber es gibt auch noch einen anderen Weg, als das von Damen bekleidete Äffchen zu spielen. Gehen Sie in ein Kaufhaus, kaufen sich für Ihre Größe 100 gleiche weiße T-Shirts, 50 gleiche weiße Hemden, 20 gleiche dunkelblaue Jeans und 100 Paar schwarze Socken. Dann haben Sie das Thema für einige Jahre (oder vielleicht sogar für immer) vom Tisch und sind trotzdem jederzeit geschmackvoll angezogen. Ich kann diese Vorgehensweise nur empfehlen, mir geht es hervorragend damit. Eine Krawatte braucht man nicht.

Meine Fresse- deutsche Kommentatoren im Internet!
Moralinsauer und humorlos. Was man da alles lesen kann, nur weil ein Mann beichtet, dass ihm Mode schnurzpiepe ist. Ist das schlimm?! Kann doch jeder leben wie er will. Und wenn Martenstein alle Klamotten von seiner Mutti kaufen ließe oder in einem 15 Jahre alten, grauen, ausgewaschenen Schlabbershirt und mit Golfsocken in Sandalen herumliefe - solange er nicht nackt ist, Wayne stört' s ? Daraus abzuleiten, dass er "eine Schande für alle Männer", ein "Sklave", ein "Mitglied des Patriarchats" sei oder dass er sogar alle, die das mögen, was er nicht mag, implizit beleidigen würde - das ist echt ein wenig weit hergeholt. Ein gaaanz klein wenig. Muss man jetzt im Internet alles bejubeln und toll finden? Darf man nicht sagen, dass man irgendeine Sache persönlich nicht mag oder sich nicht dafür interessiert, ohne gleich in einen Sturm aus Fäkalien zu geraten? Leute- bitte bleibt geschmeidig, seid nicht gleich beleidigt!

Hallo Herr Martenstein,
es wird wahrscheinlich so sein, dass sie unselbständig genug sind, für sich selbst weder Kleidung noch Essen noch Wohnungseinrichtungsgegenstände noch Waschmittel oder Reinigungsmittel für die Wohnung aussuchen, sondern dass Sie da immer auf eine Frau angewiesen sind, die Sie dann aber auch schnell abschiesst. Herzlichen Glückwunsch zur Versklavung. Allein existieren können Sie offenbar nicht.

Der durchschnittliche Berliner Mann ist vom Obdachlosen manchmal nicht zu unterscheiden. Ich trat schon öfter ins Fettnäpfchen, wenn ich einem Penner ein Geldstück zukommen ließ.
Es ist allerdings nicht nur die Kleidung, auch die Sauberkeit, die einen irren lässt.

Mein Gott Herr Martenstein, sie sind mit Verlaub eine Schande für alle Männer, aber sicher sind sie nicht alleine. Was sie als "nicht wichtig" und für wenig relevant halten, ist nichts anderes als guter Geschmack oder auch die Freiheit sich auch über sein äußeres definieren zu dürfen. Sie sind ganz gewaltig auf dem Holzweg wen sie meinen die Frauen wären aufgrund der patriarchalischen und sexistischen Erziehung mehr auf ihr äußeres bedacht. Es ist ganz umgekehrt so, dass sie sich aufgrund ihrer sexistischen Erziehung und der patriarchalischen Gesellschaft nichts aus ihrem Äußeren und letztlich aus sich selbst machen. Funktionieren sie nur weiter als Sklave, Entschuldigung, als Mann.

Sicher gibt es viele wichtigere und interessantere Themen als (Herren)mode. Aber auch Herrenmode ist ein Instrument, um der Welt zu zeigen, wer man ist, wie man gesehen werden und welche Stellung man darin haben möchte. Sich davon verächtlich zu distanzieren, ist keine intellektuelle Höchstleistung, sondern eine unausgesprochene Beleidigung derer, die die psychosoziale Bedeutung von Kleidung verstehen.
Im übrigen kenne ich viele gut gekleidete (heterosexuelle) Männer, die ihre Klamotten selbst aussuchen und dazu auch in der Lage sind, ohne sich zu blamieren. Ist inzwischen wohl überwiegend eine Generationsfrage, Herr Martenstein.

Da 'hetero' Frauen (relativ zu den 'hetero' Männern) auffallend viel Wert auf die 'richtige' Kleidung legen -primär also zumindest bei sich selbst einen hohen Maßstab haben- und die Männer wohl nur geringen Wert auf ihre eigene Kleidung legen... müsste wohl angemerkt werden, daß Männer nach "äußerlichen" und Frauen nach "inneren" Werten, potentielle Partner 'auswählen'. Dann würde: 'der Mann' gezwungen sein, die Frau durch 'intrinsische' Werte zu überzeugen (bspw. monetäre?) - die Frau den Mann durch 'extrinsische'Werte zu überzeugen (bspw. lange Beine/schöne Haare). Ergo müssten Frauen 'zweifeln' wenn Männer die Klamotten nicht zahlen können... & Männer wenn die Frauen nur mehr 'Säcke' tragen können... Ist aber nur eine Vermutung.

Lieber Herr Martenstein,

vielen Dank für diese ulkige Kolumne, deren Relevanz sich in etwa auf dem Niveau bewegt, wie Sie sie der Mode zuschreiben. Da können Sie sich aber glücklich schätzen, dass Sie in einer Beziehung leben. Wie verhielt es sich denn, als Sie mal single waren? Haben Sie dann immer dasselbe angezogen oder aus versehen auch mal eine Tischdecke umgewickelt und sind so zur Arbeit gegangen? Weil: woher sollten Sie es denn wissen!

Wie ich Ihrem Text entnommen habe, interessieren Sie sich nicht nur nicht für Mode, sondern generell nicht für Kleidung. Das ist natürlich vollkommen OK - niemand muss sich für spezielle Dinge interessieren.
Doch gerade als erwachsener Mann, der -ich spekuliere mal- sich selbst zur Intellektuellen Oberschicht zählen würde- sollte man doch bestrebt sein, das eigene Leben möglichst eigenständig führen zu können. Da man Kleidung jeden Tag trägt und damit stets auch kommuniziert (wie auch mit der Frisur) ist es geradezu fahrlässig, nicht selbst zu steuern, was man kommuniziert.

Dass es Ihnen eher auf gute Gespräche ankommt, auf Literatur, Wein, Musik, Sport, Malerei, mögen Sie selbst lobenswert finden, doch kann ich nicht Recht verstehen, warum Sie so selbstverständlich Literatur, Musik und Malerei nennen, was alles ebenso nutzlos und streitbar ist, wie Kleidung.

Wäre es nicht viel interessanter darüber nachzudenken, WARUM diese alltägliche Lebensbereich Ihnen so egal ist, anstatt uns mitzuteilen, DASS es so ist?

Genau.
Er trifft exakt das Wesentliche.
Nämlich die Einstellung sehr vieler Männer, speziell aus seiner Generation, zur Kleidung. Genau die beschreibt er, und das tut er sehr gut, mit einem deutlich erkennbaren Augenzwinkern.

(Naja, für gaaaaaaanz modern-bierernste Deutsche sicher nicht erkennbar. Das ist übrigens der Grund, weshalb wir bei Briten und Amerikanern als humorlos gelten.)

Ich habe früher ähnlich wie Herr Martenstein wenig auf Mode gegeben und es Frauen überlassen. Inzwischen mische ich mich allerdings etwas ein. Mit völlig anderen Zielen als meine Frau.

Ich bin pragmatisch. Ich möchte möglichst wenig Zeit auf die Auswahl von Klamotten verwenden. Allerdings akzeptiere ich auch, dass man Fehler machen und unpassend gekleidet sein kann. Optimierungsziel ist also eine Garderobe, bei der man nichts falsch machen kann. Jedes T-Shirt sollte zu jedem Pulli passen. Meine Socken sind alle einheitlich schwarz und nach dem Waschen muss ich nicht sortieren. Jeanshosen passen auch zu allem. Das ist Freiheit! Ich könnte blind im Schrank ein passendes Outfit herausziehen.

Vielen Dank, Herr Martenstein, für diese gewohnt nüchterne Betrachtung. Vor gut einer Woche hat sich Ihre Kollegin Susanne Mayer hier ausschweifend über die (fehlende) männliche Taschenmode ausgelassen. Frau Mayer bemitleidet die Männer für ein vermeintliches Defizit, von dem ich glaube, dass sich nur die wenigstens Männer darüber jemals großartig Gedanken gemacht haben. Geschweige denn, das als Problem anzusehen. Tragisch, wenn so viel weibliche Mode-Empathie so nutzlos verpufft.

Doch. Taschen sind ein Problem bei Männern. Nehmen Sie den typischen Bankangestellten (es sei mir hier der Griff in die Klischeekiste erlaubt). Der zieht seinen Anzug an, schmeißt sich dann aber in der kälteren Jahreszeit eine Funktionsjacke über und zieht sich einen alten knallbunten Rucksack an. Klar kann man argumentieren, es komme nur auf den Zweck (= zur Arbeit fahren) an. Es sieht trotzdem grausig aus.

Das ist schon klar. Ich widerspreche lediglich der Ansicht, es gebe keinen Handlungsbedarf, nur weil man keinen sieht. Das ist eine gewisse ›Denkfaulheit‹, die in dieser Kolumne fröhliche Urstand feiert und die man kurioserweise nur in persönlich-ästhetischen Dingen zulässt, gerade bei Männern. Darum plädiere ich schon dafür: De gustibus est disputandum!

Es ist in der Tat ein Problem, dass viele Männer meinen keine Tasche zu brauchen und ihre Umwelt dann mit dem Anblick ihrer ausgebeulten Hosentaschen belästigen. Diese Männer mögen es nicht als Problem empfinden, genau so wenig wie die Mitmenschen, die nichts über die Notwendigkeit eines Deodorants wissen und die es nicht als Problem empfinden, wenn sie ihre Umwelt mit ihrem Gestank verpesten, aber Menschen mit Geschmack oder eben Geruchssinn empfinden beides sehr wohl als Problem.

»Gute Gespräche sind wichtig. Literatur, Wein, Musik, all dies. Sport. Malerei – ach so, Sexualität …«

Das ist das übliche Gerede von wegen nur der Inhalt zähle, aber nicht die äußere Form. Mit Verlaub, Herr Martenstein, das ist Unsinn! Ich weiß, man braucht nur jeden Tag mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen, und man sieht bei den werten Geschlechtsgenossen meist nur Ödnis in Sachen Kleidung. Da haben Sie schon recht. Meines Erachtens ist das aber nichts, womit man kokettieren muss.

Es ist wirklich ein Phänomen, dass der Deutsche oftmals unfähig ist, sich irgendwie passend und gut sitzend zu kleiden.

Ich habe die Hypothese, dass dieser Effekt eine Spätfolge der Nachkriegsjahre ist. In den Dekaden zwischen den Kriegen, oder vor dem 1. WK waren die Deutschen hierzu durchaus noch in der Lage. Die Österreicher sind es ja auch - an der Sprache kann es nicht liegen. Vermutlich war passende und schicke Kleidung für die arbeitenden Männer der Nachkriegsjahre einfach zu irrelevant und diese Einstellung haben sie an ihre Söhne weitergegeben usw. Den Söhnen wurde nicht vorgelebt oder beigebracht, zu welchem Anlass man was tragen kann und wie ein Sakko sitzen muss.

Klingt das plausibel?

Ein Tip zu den 40 vom Vater erhaltenen Krawatten aus den Siebzigern:

Die eignen sich prima für Weiberfastnacht. Und gerade, als es in der Frankfurter Arbeitswelt im Zuge der Globalisierung unüblich wurde, an Weiberfastnacht Schlipse abzuschneiden, waren die Schlipse meines Herrn Vaters aufgebraucht. Wunderbar.

Mein Revier ist im Kleiderschrank ca 50cm gross. Da hängen ein paar Hosen, Hemden 2 Sackos, und irgendwo in der Nähe gibt es nen Korb mit Unterwäsche, Shirts&Socken. Stop, ein kleiner Turm Pullover, Sweatshirts...existiert auch noch, und ... 2 "Schlipse"......einer für Beerdigungen, einer zum "Ärgern":-)
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Einkauf von "Plünnen" dauert Minuten. Rein in den Laden, anziehen, passt? gegebenenfalls eine andere Grösse, Kasse fertig. Schuhe brauchen etwas länger.
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KLeidung muss warm, bequem, mit Funktionen (Taschen genug )....... sein.
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Und so, das sie ohne Probleme zusammen, möglichst quer Beet anzuziehen ist. Das wars dann auch.
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"Mode" fällt mir nur auf, wenn mal wieder der Schnitt so geändert worden ist, das es "irgendwo" drückt :-))
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Bei Wäsche usw. scheint es einen nicht durchschaubaren Wechsel zu geben. Ähnlich wie die immer wieder unerklärlich aus dem Korb im Bad in den Schrank wandern, erneuern die sich auch ohne bewusstes Tun von meiner Seite. :-))
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Herren-Mode, was ist das?
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Gruss
Sikasuu

Ja eben, warum haben diese superteuren Weibersachen noch nicht mal TASCHEN? Immer müssen die armen Frauen eine Handtasche mitschleppen, in der natürlich allerhand Dingsda sich ansammelt, und dann muss frau auch noch ständig drauf aufpassen. Ohne Taschen ist das alles nix, da kann es noch so bunt sein. aj

"Fast immer suchen Frauen meine Kleidung aus. Sie tun dies, weil sie es möchten. Ich habe niemals, wirklich niemals, einen diesbezüglichen Wunsch geäußert. Wieso sollte ich das auch tun? "

Really? Ich will nicht die Kleidung für meinen Mann aussuchen, er ist doch schließlich kein Kleinkind. Und ich verstehe nicht, warum man sich - sorry - wie ein Kleinkind seine Kleidung aussuchen lassen will.

"Ach, ich bin nicht wählerisch beim Essen, kannst du für mich was bestellen, Schatz? Was du halt gut findest..."

Bleibt nur noch die Frage, warum das sexistische frauenverachtende patriarchat Männern den Sinn und das Interesse an Mode absozialisiert? Welchen Sinn ergibt das hinsichtlich der frauenunterdrückung? Ist das Phänomen das Herr Martenstein beschreibt etwa ein weiteres puzzlestück? Sind Frauen die über den Kleiderschränke ihrer Männer herrschen von genau den gleichen unterdrückt?

Dem sexismus weiter auf der Spur...

-herzlichst-
Der Zielspieler

Das ist doch wirklich einfach. Wir hatten 1000nde Jahre Patriarchat, in dem Frauen abhängig vom Mann waren und sich nicht frei entfalten konnten. Weder arbeiten noch ausbilden noch studieren. Die einzige Möglichkeit der Frau, zu WOhlstand zu kommen, war entweder in einer reichen Familie geboren zu sein oder einen reichen/wohlhabenden Mann zu heiraten. Gleichzeitig wurde die Wertigkeit der Frau auf ihr Aussehen (und ihre Haushaltfähigkeiten und Gebärfähigkeiten) reduziert. Wer sich als Frau also mit Make-Up, Hungerkur und Kleidung schöner machen konnte, steigerte seinen Wert. Und genau das wurde über Generationen weitergegeben und ist noch heute Überbleibsel einer tief sexistischen Gesellschaft. Noch heute wird der Wert einer Frau viel stärker über ihr Aussehen definiert, als das bei Männern der Fall ist, auch wenn das im Wandel begriffen ist. Das Frauen die Oberhoheit im Haushalt haben, kommt genau aus der Zeit, wo ihnen zur Entfaltung nichts blieb als eben der Haushalt. Gesellschaftliche Veränderungen gehen halt langsam, auch wenn die Gesetzeslage gleichberechtigt ist, ist die Sozialisation der Geschelchter noch lange nicht gleichberechtigt.

Hallo Herr Schwanitz,

kennen Sie das Gefühl, wenn Sie einen Beitrag lesen und in den ersten Zeilen die freudige Erwartung entwickeln jetzt kommt ein lustiger Beitrag (Ihre Ironie-Marker in den ersten Sätzen: 1000nde Patriarchat, Frauen nicht frei entfalten können) und man dann beim lesen feststellt: Moment mal, der meint das Ernst. Das ist keine ironie, das ist bitterer Ernst.

Kennen Sie dieses Gefühl? Das habe ich gerade...

Und sie lachen sich über unbestreitbare Fakten kaputt? Bis 1997 konnten sie ihre Frau in der Ehe noch straffrei vergewaltigen. Bis 1977 brauchte Die Frau noch die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten zu gehen. Und durfte auch nur, wenn sie ihre Aufgaben zu Hause nicht vernachlässigte. Und das ist nur Deutschland. Lesen sie doch zur Abwechslung mal ein Geschichtsbuch zum Thema.

>>"Lesen sie doch zur Abwechslung mal ein Geschichtsbuch zum Thema."

Als Wirtschafts- und Sozialhistoriker maße ich mir an mehr Geschichtsbüchern in der Hand gehabt zu haben als Sie. Soviel Arroganz muss dann doch sein... :-)

Und mal unter uns Pastorensöhne: Wussten Sie, dass 1880 die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit ca. 75 Stunden betrug?! Schreiben Sie daher bitte noch einmal: "Wir hatten 1000nde Jahre Patriarchat, in dem Frauen abhängig vom Mann waren und sich nicht frei entfalten konnten. "

Und werfen Sie mir bitte noch einmal vor, ich würde mich "über Fakten kaputt lachen"... :-)

Meine Frau kann mich heute noch straffrei vergewaltigen. Es nimmt mir nämlich keiner ab, dass es Sex ohne Einverständnis war. Klingt schräg, aber es werden auch Männer in der Ehe geschlagen ... und so weiter. Insofern gebe ich meinem Vorredner Recht, es handelt sich da ein bisschen um Klischees, gell?

Ich find's okay, wenn meine Frau mir sagt was ich anziehen soll. Viel schlimmer sind die Schatz-Wie Sehe-Ich-Aus-Dauerfaschingsnachmittage vor irgendwelchen Events. "Sieht gut aus" sage ich. "Okay" sagt sie. "Ich zieh mal das Andere an." "Besser?" "Vielleicht". "Oder doch lieber das hier?".
Das endet dann oft darin, dass ich nach der fünften Variante die Nase voll habe und meine Frau über mein Desinteresse AN IHR (???) beleidigt ist.
Es ist deutlich nerviger, mit meiner Frau eine Hose für meine Frau zu kaufen als für mich, aber manchmal (selten) lässt sich's nicht vermeiden.

Mann könnte dazu verleitet sein, im Rahmen der Geschlechtergleichstellung den Souverän über seinen eigenen Kleiderschrank zurückzufordern, aber das würde für die meisten tatsächlich in Motivkrawatten gipfeln. Oder allerwenigstens Hawaiihemdfreitagen auf Arbeit.

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