Deutschlandkarte "Tatort" gegen "Polizeiruf 110"

ZEITmagazin Nr. 11/2016

Als Kommissar Thiel und Professor Boerne im November vorigen Jahres einen Mordfall in der psychiatrischen Einrichtung Schwanensee aufklärten, schauten 13,7 Millionen Menschen zu. Die Tatort-Folge aus Münster war damit die meistgesehene Fernsehsendung 2015. Mit einem Marktanteil von 35,5 Prozent lag sie weit über dem Durchschnitt eines gewöhnlichen Tatorts (27 Prozent) oder Polizeirufs 110 (22,7 Prozent). Erstaunlich ist, wie unterschiedlich gut die beiden Krimireihen in den einzelnen Regionen ankommen. Sieht man von Ausnahmen wie Berlin ab, sind sowohl der ursprünglich westdeutsche Tatort als auch sein Ost-Pendant Polizeiruf 110 in den alten Bundesländern erfolgreicher als in den neuen. Und das, obwohl der seit 1971 ausgestrahlte Polizeiruf 110 in der DDR ein regelrechter Straßenfeger war – mit einer Einschaltquote von 40 bis 70 Prozent. Solche Werte kann man sich heute aufgrund der großen Anzahl an Programmen, die miteinander konkurrieren, kaum noch vorstellen. Nicht mal für den Tatort aus Münster.

Quelle: AGF/GfK

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...das liegt auch daran, dass der "Tatort" seit Anbeginn in verschiedenen Bundesländern mit (welchselndem) Personal gedreht wird, der "Polizeiruf 110" (der eigentlich "Polizeiruf 110, Rostock" lauten müsste) lokal auf Rostock festgelegt ist. Dennoch ist P 110 bundesweit auf einem steigenden Ast.

Unerklärlich, wie bei der Feststellung der Marktanteile "Zuschauer ab 3 Jahren" berücksichtigt werden. Da ist wohl etwas faul...

"Zuschauer ab 3 Jahren" werden erfasst? Interessant, wie wenig eigentlich noch der Jugendschutz greift, sofern da wirklich auch 3-Jährige zuschauen. Daher mal mein Vorschlag: machen Sie mal eine Karte, die erfasst, wie viele Haushalte in einer anonymen Umfrage noch dem Jugendschutz auch nur ansatzweise eine Bedeutung beimessen! Das wäre mal ein interessanteres Spiegelbild der Deutschen als solche unnötigen Erhebungen wie dieser hier.

"Sieht man von Ausnahmen wie Berlin ab, sind sowohl der ursprünglich westdeutsche Tatort als auch sein Ost-Pendant Polizeiruf 110 in den alten Bundesländern erfolgreicher als in den neuen. Und das, obwohl der seit 1971 ausgestrahlte Polizeiruf 110 in der DDR ein regelrechter Straßenfeger war – mit einer Einschaltquote von 40 bis 70 Prozent."

Fehler 1) Berlin hier als "Ausnahme" unter den Ostländern hinzustellen verkennt, dass Berlin kein rein "neues" Bundesland ist. Kommt häufiger vor in solchen Ost-West-Vergleichen. Berlin war aber durchweg in der Mehrheit westdeutsch geprägt.
Fehler 2) Dass nicht alles, was mal der Burner im Osten war, ewig an den "Ossis" klebt, verwundert auch nicht. Mögliche Erklärungen: a) die ab der Wende starke Sehnsucht nach der Ferne und dem Westen, b) Erinnerungen an die manchem doch weniger als immer behauptet angenehme alte Zeit, c) kein direkter Bezug mehr zur eigenen Geschichte in den neueren Folgen des Polizeirufs, d) ...

Ich (als Ossi) empfinde es schon sonderbar, wie nach 25 Jahren immer noch solche Klischees oberflächlich bedient werden. Aber für Tiefgang ist dies die falsche Rubrik, ich weiß ... daher ...

Die absoluten Zahlen wären weitaus interessanter. Ich bezweifele nämlich, dass das Fernsehen überhaupt noch eine hohe Wertigkeit besitzt, was natürlich nicht diskutiert werden soll. Da jeder Haushalt, unabhängig davon, ob er dieses Medium überhaupt nutzt, jährlich über 200 Euro dafür bezahlen muss, sind solche Zahlen natürlich unerwünscht. Prozente sehen da viel schicker aus, gerade beim beliebten Tatort.