© Alexander Gronsky

Beresniki Das russische Atlantis

Die Stadt Beresniki versinkt. Ihr Untergang ist eine Parabel auf Korruption, Umweltzerstörung – und die Putin-Gesellschaft. Von

ZEITmagazin Nr. 12/2016

Die Überwachungskamera 12/H schwenkt von links nach rechts, langsam, gleichmäßig, dann bleibt sie stehen. Sie zeigt in Großaufnahme frisch verrutschte Erde. Mit einem Ruck setzt sich die Kamera wieder in Bewegung, schwenkt zurück. Ein Ziegelstein gerät ins Blickfeld, dann ein kleiner Baum. "Wo kommt der Baum jetzt her?", fragt Witalina Kataewa am Kontrollmonitor. Ihre Stimme klingt alarmiert. "Der war schon da", sagt die Kollegin, die neben ihr sitzt. "Der ist heute Nacht weiter nach unten gerutscht." – "Kleines Bäumchen, du", witzelt Kataewa. "Gibt’s noch einen Tee?", fragt sie ihre Kollegin. Die beiden Frauen sitzen in der Überwachungszentrale von Beresniki, einer Großstadt 1.200 Kilometer östlich von Moskau, Provinz Perm.

Beresniki unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sonderlich von anderen russischen Provinzstädten. Grau liegt der Ort in den grünen Wäldern des Ural, die meisten Häuser sind Plattenbauten. Hier leben 140.000 Einwohner auf 55 Quadratkilometern. An den Rändern der Stadt ragen die Schlote der ehemaligen Kombinate auf. Sie wurden privatisiert, doch der gelbe und weiße Rauch ist geblieben. Beresniki besitzt eine Straßenbahn, die von misslaunigen Schaffnerinnen gefahren wird. Wie überall in Russland wurden auch hier in den letzten Jahren wuchtige Shoppingzentren gebaut. Putin, der Krieg in der Ukraine, alles, was die Welt bewegt, scheint hier weit weg. Und doch hat es Beresniki zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Auf internationalen Kongressen diskutieren Geologen über Beresniki. Die Stadt versinkt. Sie steht auf den Stollen einer Kalisalzmine, die nach einem Wassereinbruch langsam in sich zusammenfällt. Mitten im Stadtgebiet tun sich riesige Krater auf. Die Bewohner leben in der ständigen Angst, von der Erde verschlungen zu werden.

Andrej Chorow steht nackt auf der Straße. Er ist verwirrt. Vor sich erkennt er das Haus, in dem er lebt. Er will darauf zulaufen, doch plötzlich beginnt das Gebäude zu kippen. Unter Andrejs Füßen formt sich ein Trichter, dessen Ränder immer steiler werden. Er beginnt zu rennen, langsam erst, schneller dann. Er rennt, doch er kommt nicht voran. Sein Herz rast. Die Häuser beginnen einzustürzen. Die Welt um ihn herum zerfällt, und bevor die Erde den Unternehmer Andrej Chorow in die ewige Finsternis mitreißt – wacht er auf. "Dieser schlimme Traum", sagt er am nächsten Tag müde. "Immer wieder dieser Traum." Er bläst in den Schaum seines Cappuccinos, seine Frau Irina sitzt neben ihm und blättert in einem Einrichtungskatalog. "Nur ein Traum", sagt sie. Andrej schweigt. Schlimmer als der Traum, der immer endet, bevor er stirbt, ist in diesem Haus das Erwachen.

Das Haus der Chorows gehört zu der letzten Häuserzeile vor der "Zone". "Die Zone bewegt sich schneller als früher", sagt Andrej zu seiner Frau. "Meinst du?" Sie blickt von ihrem Katalog auf. "Ich glaube, es hat wieder begonnen", sagt er. Vor ihren Fenstern erstreckt sich menschenleeres Land. Seit einigen Monaten wellt es sich. Einige der Garagenreihen, die darauf gebaut sind, haben sich gehoben, andere senken sich. Ein Verwaltungsgebäude ist in der Mitte auseinandergebrochen. Laternenmasten stehen schief. "Wir müssen hier weg", sagt Andrej zu seiner Frau. Das Land, auf das sie vor zwölf Jahren ihr Haus gebaut haben, das ihnen so vertraut war, ist ihnen jetzt so fremd wie die Oberfläche eines fernen Planeten.

Diese Geschichte, die davon erzählt, wie eine Stadt sich selbst zerstört, handelt von Trägheit und Gier. Sie handelt von Menschen, von denen jeder für sich das Beste will und das Schlimmste für alle bewirkt. Sie führt in eine Gesellschaft, die sich selbst zum Feind geworden ist.

70 Jahre lang gruben die Bergleute in der Tiefe, hoben Stollen und Kammern aus in einem der reichsten Kalisalzvorkommen der Welt. Das Gebiet unter der Erde ist achtmal größer als die Stadt auf ihr. Ein Hohlraum von 84 Millionen Kubikmetern. Platz für 11.000 fünfstöckige Plattenbauten, hat mal jemand ausgerechnet. Über der Erde gibt es in Beresniki davon nur 1.300. Das Kali ernährte die Leute hier, aber sie gruben zu gierig. Am 17. Oktober 2006 drückte Wasser in die Mine. Seither lösen sich in 400 Meter Tiefe die Salzschichten auf. Die Gesteine darüber brechen in die ausgeschwemmten Löcher. In manchen Vierteln wirkt die Stadt völlig normal. Doch zum Nordwesten hin, dort, wo der Hauptschacht der untergegangenen Mine liegt, werden die Straßen leerer. Die meisten Gebäude sind evakuiert, die Gärten verwildert. Alle Wege enden an silbern schimmernden Metallzäunen. Das Ende der bewohnbaren Welt. Dahinter klaffen gigantische Krater. Schlünde, so gewaltig, dass man glaubt, durch sie könne man ins Innerste der Erde blicken.

Am 12. Juni 2007 stürzt in Beresniki zum ersten Mal der Untergrund ein. In der Nähe des Hauptschachts der Mine öffnet sich ein Krater, "das Großväterchen", wie er mittlerweile genannt wird. Seine Felswände fallen 350 Meter lotrecht in die Tiefe. Nur aus der Luft ist der Grund zu sehen. 2.000 Menschen werden umgesiedelt. 2010 bricht ein Güterwaggon durch die Schienen. Der Bahnhof von Beresniki wird geschlossen, die Stadt verliert ihre Eisenbahnanbindung. 2011 gibt die Oberfläche in der Nähe der Minenverwaltung nach. Ein mehrere Hundert Meter breites Areal verschwindet in einem Krater. Aufsteigendes Methangas entzündet sich in einer gigantischen Explosion. Der Rauchpilz hängt zwei Tage über der Stadt. 2014 werden Teile einer Datschensiedlung außerhalb der Stadt verschlungen. Im Februar 2015 öffnet sich vor der Schule 26 erneut die Erde. Für dieses Jahr rechnen die Geologen mit einem weiteren Krater, irgendwo vor dem Haus der Chorows.

"Hast du den Brief von Uralkali schon gesehen?", fragt Irina Chorow am Küchentisch ihren Mann. "Eine Anhörung", sagt sie. Auf dem Tisch liegt ein Brief mit gelbem Umschlag. Das Bergbauunternehmen will prüfen, ob sie evakuiert werden müssen. Ob man ihnen Schadensersatz für das Haus zahlt. Andrej setzt seine Lesebrille auf, holt den Brief aus dem gelben Umschlag. Er stöhnt. "Die haben den Brief am gleichen Tag abgeschickt, an dem die Anhörung war." So verfährt Uralkali mit ihnen schon zum vierten Mal.

Irina und Andrej Chorow wollen weg aus Beresniki, auch ihr Haus droht einzustürzen. © Alexander Gronsky

Das Haus war Andrejs und Irinas ganzer Stolz, ihr zweiter Anfang. Er ist 50, hager, leicht ergraut. Ein scheuer Mann, der in seinem Leben den meisten Konflikten aus dem Weg gegangen ist. Sie, 53 Jahre alt, blondiert, lustige Augen, schließt mit jedem schnell Freundschaft. Beide kommen aus einer gescheiterten Ehe. "Es war keine Liebe auf den ersten Blick", sagt Irina. "Er war mir zu dürr." Sie führt einen Jeansladen in der Shopping-Mall, er eine kleine Schlosserei. Zusammen hat es das Paar in das beste Viertel Beresnikis geschafft, genannt Edelmanns Nest.

Im Russland des Wladimir Putin kommt eine Siedlung wie diese der Idee von Freiheit am nächsten. In dieser Gegend gibt es Bauvorschriften nur auf dem Papier. Jeder baut, wie er will, weil er es sich leisten kann. Häuser wie Ritterburgen, Häuser wie griechische Tempel. Andere erinnern an Kerker, sie sind fast fensterlos. Wieder andere sind fast ganz aus Glas. Es gibt Flachdächer, Spitzdächer, Turmbauten. In der Stadt genießt das Viertel nicht den besten Ruf. Das Edelmanns Nest ist das Quartier der Aufsteigerklasse des neuen Russlands, der hohen Beamten und Ingenieure. Viele hatten bei Uralkali gearbeitet, viele in leitender Funktion in der havarierten Mine 1. Sie haben sich an der Mine bereichert, heißt es. Sie haben Bestechungsgelder genommen, haben die Augen zugedrückt, unfähigen Subunternehmern Aufträge gegeben, weil sie von ihnen einen Teil der Auftragssumme bekamen. Andrej war für den Werksschutz der Mine verantwortlich. Er scheint ein ehrlicher Mann zu sein, aber in Edelmanns Nest trifft jeden der Verdacht. Jetzt, so heißt es, steigt die Korruption aus der Tiefe an die Oberfläche, lässt Beresniki einstürzen, wird für jedermann sichtbar. Was mit gestohlenem Geld aufgebaut wurde, verschlingt sie wieder.

Den Brief von Uralkali in der Hand, beschließt Andrej, etwas zu tun, was er noch nie getan hat: Er wird in die Konzernzentrale im Stadtzentrum gehen und sein Recht einfordern. Er will Erklärungen. Die Chorows möchten nach Südrussland ziehen, weg von Beresniki. Dorthin, wo Andrejs Schwester wohnt. Doch sie können es nicht, denn alles Geld steckt in dem Haus.

"Ist das nicht ein schönes Bild?", sagt Witalina Kataewa vor ihrem Monitor zu ihrer Kollegin. Die Kamera 165/Z: Kinder planschen in den Becken der neuen Wasserspiele auf dem Zentralplatz. Strahlend schauen ihnen die Mütter aus sicherer Entfernung zu. Ein Idyll, das trügerisch ist. Unter dem Platz soll sich die größte Blase des Methangases befinden, das sich in den Resten des havarierten Bergwerks sammelt. Kataewa streckt ihren Nacken. Der Kommandoraum der Zivilschutzbehörde ist in einem Flachbau in der Stadtmitte untergebracht. Drei Frauen in blauen Oberteilen sitzen hintereinander vor den Monitoren. Wie die Pilotinnen eines Kampfjets. Jede starrt auf einen Bildschirm. Alle drei arbeiteten bis vor ein paar Jahren noch als Kindergärtnerinnen. Die Behörden haben den Kontrollraum 2010 eingerichtet, um Rutschungen und Bodensenkungen rasch entdecken zu können. Hunderte Kameras haben sie im Ort installieren lassen. Fast jede Straße ist videoüberwacht. Hunderte weitere Kameras werden von privaten Sicherheitsdiensten betrieben. Kameras sind an Häuserfronten zu finden, auf Masten, im Gras. Kaum ein Ort in Russland wird so intensiv überwacht wie Beresniki.

© Alexander Gronsky

Am Ende der Woche feiert die Stadt ihr 73-jähriges Bestehen. Es soll ein großes Fest werden. Witalina Kataewa sieht auf ihrem Monitor, wie Arbeiter auf einem Platz im Zentrum die große Bühne aufbauen. Der Bürgermeister legt Wert auf fröhliche Feste. Er hat das Organisationskomitee angewiesen, internationale Rockbands einzuladen. Uralkali sponsert das meiste. Eine Vielzahl von Arbeitsgruppen ist mit der Organisation des Kulturprogramms beschäftigt. Beresniki, so soll vermittelt werden, ist lebenswert, der Zukunft zugewandt.

"Der Ort ist sicher", sagt Sergej Djakow, der Bürgermeister im Rathaus. "Das Schlimmste haben wir hinter uns." Doch das hat er schon immer gesagt. Bis zur Überflutung der Mine 1 hat er diese selbst geleitet. Er ist groß und kantig, in seinen Sechzigern. Zu seinen Bürgern spricht er meist im Kommandoton, wie er es von seiner Zeit als Minenchef gewohnt ist. "In dieser Stadt leben fröhliche Menschen", sagt er trotzig. "In Beresniki tragen die Leute immer ein Lächeln auf ihren Gesichtern." Er will die Einwohner halten, damit Uralkali und anderen großen Betrieben nicht die Arbeitskräfte ausgehen. Das ist das Paradox von Beresniki: Es gibt viele gut bezahlte Jobs, und es soll in Zukunft sogar noch mehr von ihnen geben. Im Auftrag von Uralkali bohrt das deutsche Bergbauunternehmen Deilmann-Haniel vor der Stadt zwei 400 Meter tiefe Schächte in den Boden. Ein neues Bergwerk soll erschlossen werden. Doch wer soll dort einmal arbeiten? 60.000 Menschen sollen Beresniki in den letzten Jahren verlassen haben.

61 Kommentare

Ja wie in einem "Endzeitfilm"
Der Film heißt Stalker von Andrej Tarkowskij
von 1979 !!

Dort werden zwei Personen von
einem Pfadfinder (Stalker) in eine
"Zone" mit verfallenen Industrieanlagen
geführt, wie in Beresniki .

Der Film ist mystisch-verstörend und poetisch.
Ein Meisterwerk nach Motiven aus einer Novelle
von Arkadi und Boris Struatzki

Geehrter Galgenstein, es ging mir nicht so sehr darum, zu relativieren, sondern darauf hinzuweisen, das es sich um ein globales Problem handelt.
Die von mir angeführten Beispiele sind eben auch nur, Beispiele.
Im übrigen bin ich mir ziemlich sicher, das die Betroffenen in D-Land nicht ganz Ihrer Meinung sein dürften, da die Entschädigungen in aller Regel nicht von selbst kommen, sondern erst nach längeren Gutachtereien.
Mal davon abgesehen, das Geld nicht Alles ist und der Verlust von Heimat ein nicht zu verachtender Faktor.
So, muß jetzt schaffe gehen und wünsche allerseits schönes Wochenende.

"Aber bei Euch werden Neger gelyncht" Ich habe mir erlaubt Ihren "wertvollen" Beitrag zu übersetzen.
Wir haben hier in Deutschland Probleme mit PEGUDA und Co, in der Regel bekennenden Putinfans. Die mögen grundsätzlich alles nicht, was nicht weiss ist. Aber gelyncht wurde deswegen noch niemand auch wenn das russische Fernsehen anderes behaupten mag.

Diese Auswirkungen hemmungsloser, jahrzehntelanger Ausbeutung, getrieben von grenzenloser Gier sind weder Russland- noch Putinspezifisch.
Sie finden sich rund um den Globus, auch direkt vor unserer Haustür.
Schon mal durch ein Geisterdorf im rheinischen Braunkohlenrevier gefahren? Kann ich nur empfehlen, so als Bildungsreise.
Oder Thema Bergsenkungen im Ruhrgebiet? Die Betroffenen dort haben doch mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wenn es z.B. um Entschädigungen geht.
Oder die Gebiete in den USA wo gefrackt wird?
Die Verantwortlichen werden doch nie zur Verantwortung gezogen.
Im Übrigen sind wir alle mitschuld, denn etwas dagegen unternehmen tun wir nicht, oder? Ich nehme mich da selbst nicht aus.

Relativieren, vergleichen, aus vielen Fraktalen ein Gesamtbild formen, das ist Meinungsbildung wie sie ein denkender Mensch betreiben sollte.
Dogmatik (oder Rassismus, oder Faschismus) ist: Wir sind gut, die sind schlecht.
"Sicher, bei uns liegt auch einiges im Argen, aber wie sind ja ein Rechtsstaat, wir bekommen das in den Griff!" => Das ist die eigentliche Relativierung.

MfG: M.B.

Zitat: "Diese Geschichte, die davon erzählt, wie eine Stadt sich selbst zerstört, handelt von Trägheit und Gier. Sie handelt von Menschen, von denen jeder für sich das Beste will und das Schlimmste für alle bewirkt."

GIBT ES SO ETWAS NUR IM REICH PUTINS, dem von all jenen ausgedeuteten, die einen dicken Balken im Auge haben und auf das Sandkorn in den Augen des anderen moralisierend zeigen?

Nein. Der Satz müsste heißen: "Diese Geschichte, die davon erzählt, wie das GLOBALE PROFIT UND KONKURRENZSYSTEM sich selbst UND DIE WELT (Natur + Menschheit) zerstört, handelt von Trägheit und Gier. Sie handelt von Menschen WIE UNS (!!!), von denen jeder für sich das Beste will und das Schlimmste für alle bewirkt."

Interessant wäre eine Karte Russlands mit allen sozioökonomisch versinkenden Gebieten, speziell, was die Dörfer betrifft.
Eine Photomontage - der Kontrast Metropole und Peripherien -
so, wie man gerne Altphotos in Neuphotos mengt.
Schwarz weiß vs. Farbe.

Das ist mal ein Interessanter Vorschlag!
Allerdings möchte ich den noch etwas erweitern und die USA und EU einer gleichen Kartografierung unterziehen, vielleicht auch noch Kanada und Australien.
Kanada könnte z.B. glänzen mit dem Abbau der Teersände, Australien mit dem großflächigem Tagebau von Kohle und Erzen, die USA mit Kohleabbau, Fracking und Infrastruktur usw.
Nur wenn verglichen wird, kann eine ausgewogene und faktenorientierte Meinung gebildet werden. Nur Vergleiche verhindern Einseitigkeit.

MfG: M.B.

Anderswo sind andere verantwortlich, nur auf dem Mond niemand,
also in Russland die Russen und im speziellen Fall die verfehlte Entwicklungspolitik der Herrschaftszeit Putins, wer denn sonst.
Dieses vergleichende Verharmlosen ist doch irrwitzig und bringt gegen Null.
Jeder muss seine Probleme lösen. Nur die russische Hochnäsigkeit, die sich anderswo aggressiv bemerkbar macht, bringt die Anderen, angegriffenen doch dazu, bei Russland mal genauer hinzuschauen.
So ist das, wenn man sich unangenehm bemerkbar macht.
Das gilt dann gleichzeitig für Sie mit.

Schon im neuen Testament der christlichen Bibel heißt es: "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?" (Matthäus 7:3).

Journalistisch und gesellschaftlich wäre es VIEL besser, über ähnliche Industriesünden bei uns zu berichten. Das hier beschriebene Umweltdrama ist Sache der Russen. Die müssen das lösen.

So übertitelt die FAZ heute einen Kommentar ihres Mitherausgebers Berthold Kohler:

"Desinformation, Aufwiegelung
Putins Untergrabungskrieg"

Und fährt fort:

"So groß die Herausforderung durch die Flüchtlingskrise auch ist – im Osten zeigt sich noch eine ganz andere Bedrohung."

Tja. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Woher haben Sie denn Putins 'Imperalismusansatz'? Er hat sich im Gegenteil für eine multipolare Weltordnung ausgesprochen und den hegemonialen Führungsanspruch der USA abgelehnt. Lesen und hören Sie Putins Rede vor dem deutschen Bundestag von 2001 (Youtube). Erst die transatlantische Politik hat Putin danach zu dem angeblichen Monster gemacht, dass er nun meint, bekämpfen zu müssen.

Die Eisenbahnverbindung gab es schon in den 80ern nicht mehr, zumindest nicht für den Personenverkehr, der kam aus Richtung Perm mit Tragflächenbooten übers Wasser oder aus allen anderen Richtungen per Bus.

Und Großsstadt - selten so gelacht. 150.000 Einwohner laufen in Russland eher unter Provinznest.

Eben. Provinz. Nur das sogar in Worms oder Konstanz mehr los ist. Ich kenn die Stadt, meine Mutter ist dort geboren und aufgewachsen, ich habe als Kind öfter meine Sommerferien dort verbracht. Das beste an der Stadt ist die Natur rundrum, sonst gibt es dort nicht viel. Beresniki ist in den 30ern aus dem Boden gestampft worden und wird in den selben zurück versinken, wenn es nichts mehr zu holen gibt. Meine Tante, diverse Cousinen und andere Familienangehörige schildern die Situation im Übrigen weniger dramatisch als der Artikel das tut.

Wie valdai schon sagte:

Jelzins Vermächtnis wird Putin angelastet... Was soll das?
Verglichen mit den 90ern unter "Ausverkäufer" Jelzin samt extremer Kriminalität und Armut ist das Putin-Russland geradezu lebenswert!
Und ich rede hier nicht (nur) vom "Hörensagen" !

Warum wird Jelzin eigentlich nie thematisiert? Weils des Westens Darling war - und warum: kann jeder selbst rausfinden :)

@ nigromontanus

Mit Verlaub: das kann nur jemand behaupten, der von der ehemal. SU und den Folgen ihres Zerfalls aber rein gar keine Ahnung hat.

Alle ehem. Länder der SU haben immer noch mit gewaltigen alten Problemen zu kämpfen.

Putin ist - ja - sicher einiges davon anzulasten. Denn er hätte für ihre Beseitigung mehr tun können.

Aber so pauschal die Probleme als "seine" zu (v)erklären ist kindisch.

Die hier in Berenski geschilderten Probleme (bzw. auch die Probleme bei dem Versuch, die Probleme zu lösen) liegen vor allem an zwei Dingen: einer disfunktionalen Verwaltung und einer disfunktionalen Justiz. Beides sind DIE primären Aufgaben eines Staates. Ein Staatschef, der es nach 15 Jahren Regierung nicht geschafft hat, diese Aufgaben zu bewältigen, ist schlicht für sein Amt nicht geeignet - egal, wie der Ausgangspunkt aussah.

Jetzt aber - der Weisheit letzter Schluss.
Wissen Sie, wie manche Deutsche nach dem WK 2 über Hitlerdeutschland dachten. Alles durch die braune Brille.
Und Sie jetzt?
"Mit Verlaub:
das kann nur jemand behaupten, der von der
ehemal. SU
und den Folgen ihres Zerfalls
aber rein gar keine Ahnung hat."

Und erst die Trcokengebiete in der Sahelzone und und ...
Russland muss sich um Russland kümmern, meinen Sie nicht,
und es fällt auf, das sich Putin um Vieles um Russland herum kümmert, mit Gewalt, aber gleichzeitig sein Nichthandeln im Innern strukturelle Gewalt gegen die eigenen Bürger bedeutet. Das fällt auf, weil Putin international auffällt.
Und was ist mit Detroit?

" Diese Geschichte, die davon erzählt, wie eine Stadt sich selbst zerstört, handelt von Trägheit und Gier. Sie handelt von Menschen, von denen jeder für sich das Beste will und das Schlimmste für alle bewirkt. Sie führt in eine Gesellschaft, die sich selbst zum Feind geworden ist. "

Könnte auch das Arbeitsmotto der marktkonformen Erdbevölkerung für das 21. Jahrhundert werden...

Ein wenig 'Ausgewogenheit' ist dennoch erkennbar,
direkt darunter findet sich der Artikel "Kalifornien, Gefangen in einer gefährlichen Giftwolke"....... ;)
vielleicht wäre es nicht schlecht, einmal Photos und Berichte
aus der vielgepriesenen Zeit der 'Öffnung nach Westen' unter Yelzin hier zu bringen. Putin hat nicht aus einem Paradies eine Hölle gemacht......er hat vielmehr in den vergangenen Jahren damit begonnen, aus der Hölle unter Yelzin wieder einen funktionierenden Staat zu schaffen.....und für die Bürger Russlands wieder soziale Sicherheit, die diese unter Yelzin vollständig verloren hatten.Das ist ihm in weiten Teilen gelungen, und das ist auch der Grund für seine Popularität in der Bevölkerung.

Putin hatte in den 2000ern Billioneneinnahmen aus Öl und Gas, weil der Ölpreis explodierte. Unter diesen Umständen war ein Anstieg des Lebensniveaus in RU gar nicht zu vermeiden. Zu Jelzins Zeiten, in den 90ern, war das Öl dagegen spottbillig. Dazu mussten unter Jelzin elementarste Grundlagen der Marktwirtschaft wie freie Preise, Börsen und Privateigentum eingeführt werden. Alles von Null.

Und was haben Putin und sein Clan mit dem Geld aufgebaut? Richtig: nichts. Weder Industrie noch Wissenschaft, weder Tourismus noch (wettbewerbsfähige) Kultur. Umgekehrt wurde die Ölabhängigkeit weiter forciert. Jetzt rächt es sich; das Land sinkt immer weiter ab. Die Putin-Jahre waren verlorene Jahre.

Wenn man bedenkt, was gehen könnte, ist das ein Tropfen auf den heißen Stein, was sich da durch viel Ölgeld rabndständig hat regeln lassen, was jetzt wieder bei fehlendem Ölgeld verspielt wird, und das rapide schnell.
Der Abwärtstrend gewinnt an Tempo und die Strukturschwächen, die Versäumnisse wiegen jedes Jahr schwerer - das ist die Tendenz der Misswirtschaft Russlands - wie gehabt, bekannt aus der UdSSR.

Es hätte keine Rolle gespielt wie viel das Öl in den 90er gekostet hätte. Die Öl- und Gaskonzerne haben nicht einen Cent an Steuern gezahlt, diese haben getrickst wo es nur geht. Nach Yukos in 2003 hat sich dass grundlegend geändert.

Furchtbar.

""Die haben den Brief am gleichen Tag abgeschickt, an dem die Anhörung war." So verfährt Uralkali mit ihnen schon zum vierten Mal."

Und der verkommene russische Rechtsstaat wird den kleinen Leuten wie so oft vermutlich wieder nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern entweder das tun, was der mit der größeren Brieftasche oder aber der Staat will....

Auch nicht anders als in Amerika.
Wie lange hat es gedauert, bis das Gasleck geschlossen war?
Wie lange haben Menschen Bleiverseuchtes Wasser getrunken, weil die Wohngegend etwas heruntergekommen war?

Glauben Sie ernsthaft, im "Westen" wären alle gleich vor Gericht? Die Gerichte gerecht und unbeeinflussbar?

Mollath
Die "verrückten" hessischen Steuerfahnder
Höhness nach einem Jahr drausen, die Putzfrau die ein Brötchen vom abzuräumenden Buffet isst entlassen...

Russland ist kein Traumland.
Aber bei uns liegt nicht viel weniger im Argen...

Wenn Sie die transatlantischen Scheuklappen abnehmen, sehen Sie es auch!

Schönen Tag noch!

Für Sie auch nochmal. mein Gott, ist das so schwer oder sind alle begriffsstutzig?
Recherchieren zu Jelzin, 90er Jahre in Russland samt Mafia und Oligarchen.
Dann denken und dann feststellen dass es mit Putin nichts zu tun hat, im Gegenteil die Russen lieben ihren Putin vor allem weil er aus dem Sauhaufen von Jelzin wieder soetwas wie ein land gemacht hat.
Das erfährt man vor allem wenn man mal mit den Einwohnern REDET statt sich sein Weltbild anhand von Medienschlagzeilen stricken zu lassen.
Aber das verstehen Sie in Deutschland vor Ihrem PC nicht oder wollen es einfach nicht.. Putinbashing ist viel cooler.. Und Ignoranz auch.

Naja, wenn man heute mit gebildeteren Russen spricht, sagen die eher, dass das, was seit Gorbi in Sachen Recht und Freiheit und Ökonomie schief ging, auch von Putin nicht besser gemacht wurde. Er bedient die üblichen "Wir sind wieder wer"-Klischees - und wirtschaftet halt für seine Klientel und für sich, und man muss aufpassen, ihm nicht in die Quere zu kommen. Darum ist es in RU für Oppositionelle und kritische Journalisten inzwischen lebensgefährlicher als unter Jelzin.

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