Gesellschaftskritik Über gute Vorsätze

Von

ZEITmagazin Nr. 12/2016

Anders als allgemein üblich, scheint Mark Zuckerberg seine Silvestervorsätze einzuhalten. Und die Bewunderer des Facebook-Gründers und Stifters machen mit. 2015 nahm sich Zuckerberg vor, viele wichtige Bücher zu lesen, und veröffentlichte seine Leseliste – die Verkäufe der Titel schossen nach oben. Für 2016 verkündete er den Plan, jeden Tag eine Meile zu joggen. Bis Redaktionsschluss gefiel das 436.000 seiner Facebook-Anhänger, und etliche Kommentare deuten darauf hin, dass er eine neue Fitnesswelle losgetreten hat. Wie kommen Zuckerbergs Vorsätze zustande? Wir von der Gesellschaftskritik haben mal versucht, uns das vorzustellen:

Zuckerberg und seine Frau Priscilla in ihrer Villa in Palo Alto.

Priscilla: "Hast du dir für 2017 eigentlich schon was vorgenommen?"

"Ich wechsle Max jeden Tag die Windeln."

"Oh, nein, Darling, das grenzt zu viele aus, die nicht das wunderbare Glück haben, so ein prachtvolles Kind zu haben. Und ehrlich gesagt, manchmal ist es auch nicht cool." (streichelt ihr Baby)

"Ich geh jeden Tag mit dem Hund raus?" "Schatz, dafür braucht man einen Hund, viele da draußen haben keinen." (streichelt ihren Hund)

"Ich hab’s, Prisc! Jeden Tag eine gute Tat!" "Mhm, irgendwie nicht. Das ist zu sehr Definitionssache, nicht einfach genug. Und außerdem: Du tust schon so viel Gutes." (streichelt ihren Mann)

"Ich könnte jeden Tag einen Fremden anlächeln."

"Nein, dann haste die an der Backe ..." "Also, dann weiß ich auch nicht mehr, Prisc ..." (nimmt einen Apfel, kaut versonnen vor sich hin)

"Schatz, du bist so genial."

"???"

"Du isst jeden Tag einen Apfel! Das ist so cool. Da fällt mir so viel zu ein – ich schreib dir gleich mal einen Post." (Tippt in ihr Smartphone: 2017 esse ich jeden Tag einen Apfel. Auf die Idee hat mich meine Oma gebracht: An apple a day keeps the doctor away. Ich finde, das ist ein schönes Motto für dieses wunderbare neue Jahr auf dieser Erde, auf der so viele Kinder zu wenig Vitamine zu sich nehmen. Ich glaube, wir können alle etwas dafür tun, dass die Welt besser wird für unsere Kinder. Unsere Tochter Max wird sich mir anschließen, sie hat bereits ein paar niedliche kleine Zähne, sodass sie Apfelstücke kauen kann. Jeden Tag unterhalten wir uns auf Englisch und Mandarin, und ich lerne jetzt schon mehr von ihr als sie von mir. Liebe Freunde, das Jahr des Apfels hat begonnen. Love Mark."

"Prisc, du bist noch viel genialer! Und das ist auch nicht so nervig wie Lesen und Joggen."

"Mark?! Warst du heute eigentlich schon joggen?"

4 Kommentare

Ein schöner Text, der das Massenphänomen Facebook gut beschreibt. Wieviele Nachahmer werden jetzt jeden Tag in den sauren Apfel beissen müssen. Übrigens, die gezüchteten Äpfel, die es im Supermarkt zu kaufen gibt sind längst nicht mehr so gesund. Vielleicht wäre es besser einen Apfelbaum zu pflanzen. Möglichst eine unkonventionelle Sorte und die Pflanze täglich zu umhegen.

Neuere Kommentare anzeigenNeuere
Ältere Kommentare anzeigenÄltere