Barbiere Guter Schnitt

Es wird höchste Zeit, dass Männer wieder zum Barbier gehen Von
ZEITmagazin Nr. 13/2016

Es gab einmal Zeiten, da war der Barbier für alles da. Man ging nicht nur zu ihm, um sich den Bart stutzen und die Haare schneiden zu lassen. Barbiere behandelten auch Wunden und Knochenbrüche, und sie zogen Zähne. Ohne einen Barbier wäre man als Mann völlig aufgeschmissen gewesen. Aber das war im Mittelalter. Danach nahmen die Ärzte dem Barbier die Krankenheilung ab. Der Zahnarzt zog die Zähne. Und dann verbreitete sich auch noch Ende des 19. Jahrhunderts der Rasierhobel. Fortan konnte sich der Mann alleine rasieren. Der Beruf des Bartschneiders starb aus – in Deutschland etwa in den 1930er Jahren. Lange Zeit konnte man sich nur in Städten mit einem gewissen arabischen Bevölkerungsanteil als Mann noch rasieren lassen. Doch seit einiger Zeit machen vereinzelt wieder Barbershops auf. Dazu ist es auch höchste Zeit. Denn seit der Mann sich selbst rasiert, tut er es zunehmend lustlos. Ein Rasurset besteht heute aus einer Dose Rasierschaum und einem Wegwerfrasierer. Immer mehr Männer benutzen Elektrorasierer. Damit ist Rasieren genauso sinnlich geworden wie etwa Zähneputzen, man macht es halt. Oder auch nicht. Karl-Theodor zu Guttenberg läuft jetzt mit einem Bart herum. Aber man weiß nicht, ob das modern sein soll oder ob er einfach die Lust am Rasieren verloren hat. Dabei kann es für einen Mann eigentlich kaum ein schöneres Ritual geben als die Rasur am Morgen – wenn man sie richtig macht. In der Rasur kann der Mann alles vollziehen, was er für sein Selbstbewusstsein braucht. Er kann akribisch pinseln, ein Handwerk verrichten – und sieht am Ende besser aus als zuvor. Es sind einige Minuten, die man sich nehmen sollte, wenn man etwas vorhat. So wie einst Alexander der Große. Der Eroberer war der Erste, der seinen Soldaten die Rasur befahl. Bis dahin trug man stets Bart. Aber Alexander erkannte, dass der Bart im Kampf dem Gegner viel Angriffsfläche bot. Alexander wurde damit das Vorbild des modernen Politikers. Fast alle Männer mit Macht rasieren sich seither. Wer viele Haare im Gesicht hat, hat offenbar nicht so viel zu sagen.

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