Gesellschaftskritik Über unbeaufsichtigte Prominente

Von
© Jonathan Leibson/Getty Images for VIOLET GREY
ZEITmagazin Nr. 13/2016

Zum Weltfrauentag ließ sich Kim Kardashian etwas ganz Besonderes einfallen, etwas ganz besonders Peinliches: Sie verbreitete auf Instagram und Twitter ein Foto, das sie nackt vor einem Spiegel zeigt, notdürftig bedeckt von zwei Balken. Als die 70-jährige Bette Midler zurück-twitterte, Kardashian müsse ihr Handy schon verschlucken, um der Welt noch etwas Neues von sich zu zeigen, forderte Kardashian die alte Dame auf, doch selber ein Nacktfoto von sich zu posten. Aua! Dabei hatte neulich schon Kardashians Ehemann, Kanye West, einen globalen Laughingstorm ausgelöst, als er – die Gesellschaftskritik berichtete – in den sozialen Netzwerken kundtat, die undankbare Welt möge einem armen Künstler wie ihm endlich etwas zurückgeben und seine Schulden in Höhe von 53 Millionen Dollar begleichen.

When you're like I have nothing to wear LOL

Ein von Kim Kardashian West (@kimkardashian) gepostetes Foto am


An dieser Stelle fragen wir uns: Was ist eigentlich aus dem Job des PR-Agenten geworden? Wir erinnern uns: Das waren jene humorlosen Menschen, die Prominente früher davon abhielten, öffentlich Dinge zu sagen, die ihrem Image schaden könnten.

Bei Interviews saßen diese Leute am Rand herum wie Babysitter auf dem Spielplatz, um sofort eingreifen zu können, wenn das Gespräch sich einem Thema näherte, das privat oder kontrovers oder im schlimmsten Fall interessant zu werden drohte. Dann fuhren sie mit schneidender Stimme dazwischen: "David doesn’t talk about this."

Wobei mit this alles Mögliche gemeint sein konnte, von Davids Engagement gegen die Todesstrafe bis zu Davids Festnahme in einem von Crystal-Meth-Schwaden vernebelten Auto an der Seite eines minderjährigen Ladyboys.

Aber das war früher. Im Zeitalter der sozialen Netzwerke wäre es notwendig, Promis 24 Stunden am Tag zu betreuen, und weil das nicht möglich ist, geben manche Promis tatsächlich wie Kinder alles von sich, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Und kein Erwachsener weit und breit, der sie daran hindern könnte.

Vielleicht ist es so: In der ersten Karrierehälfte muss man sich als künstlerisch tätiger Mensch eher Freiheiten verschaffen, um seine "Vision" gegen Bedenkenträger und Manager durchzusetzen. Ist man dann reich und berühmt geworden, braucht es eher das Gegenteil, nämlich Menschen, die einem ab und zu widersprechen. Und wenn, wie im Falle West/Kardashian, der Ehepartner nicht als Korrektiv dienen kann, empfiehlt sich die alte Twitter-Bauernregel, über öffentliche Äußerungen mindestens eine Nacht zu schlafen.

Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Genial, wenn es die Venus von Milo ist, ist es Kultur, wenn Kim Kardashian macht platzen Millionen von Frauen vor Neid und sprühen ihr Gift.

Ehrlich gesagt, stehe ich gar nicht so auf den kurvigen Typ, aber seit Urzeiten, wird er als das Idealbild der Frau angesehen. Da ist ein solches Bild doch sehr passend um Weltfrauentag.
Und die Antwort auf Betty Midler, Volltreffer.