Die großen Fragen der Liebe Muss er sich so verantwortlich fühlen wie sie?

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Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 23/2016

Die Frage: Hubert und Ronja sind verheiratet und versorgen arbeitsteilig die kleine Molly. Hubert kümmert sich zusätzlich um Achim, seinen achtjährigen Sohn aus einer früheren Beziehung. Seit Ronja ebenso wie Hubert nicht mehr voll berufstätig ist, gibt es oft Streit, weil Ronja Hubert tadelt, er kümmere sich nicht genug um den Haushalt. Er sei kein gutes Vorbild für Achim, denn er lasse ebenso wie dieser in Bad und Küche alles liegen. Und irgendwann werde Achim dann ein übles Vorbild für Molly! "Ich kann ja aufräumen, wenn dich etwas stört", sagt Hubert versöhnlich, "mir macht ein bisschen Unordnung nichts aus." – "Ich will dir das nicht immer vorbeten müssen", sagt Ronja empört, "du musst selbst Verantwortung übernehmen!" – "Früher war es bei uns gemütlicher", sagt Hubert.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Dieser Streit erinnert an die Debatten über die Leitkultur. Solange sich der Fremde meiner Kultur fügt, muss ich mir keine Gedanken über seine machen. Das mag Denkarbeit ersparen, blockiert aber eine gemeinsame Entwicklung. Haushalte von Paaren, die sich die Kinderarbeit teilen wollen, sind ein interkulturelles Unternehmen, in dem Frau wie Mann Respekt verdienen. Wie schwierig das sein kann, zeigt Ronjas Überzeugung, selbstverständlich sei sie die Bestimmerin der Leitkultur. Sie allein weiß, was Verantwortung und Ordnung sind. Hubert soll seine eigenen Vorstellungen durch die Ronjas ersetzen. Sein versöhnlicher Vorschlag gilt ihr als Zeichen, dass er seine Aufgabe immer noch nicht begriffen hat. Um die gute Laune wiederherzustellen, sind Verhandlungen angezeigt.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Coaching in der Liebe. Neue Spielregeln für das Leben zu zweit" ist im Kreuz-Verlag erschienen.

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