© Silvio Knezevic

Wochenmarkt Ohne Vitamine schmeckt es besser

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 24/2016

Viele Theorien kursieren, warum der Westen viel zivilisierter sei als der Rest der Welt: die Aufklärung oder generell die "weiße Überlegenheit", die Rückständigkeit der anderen oder der Kolonialismus und so weiter. Eine Marktfrau in Marokko erklärte mir mal, dass sich der Vorsprung des Westens daraus ergebe, dass die Menschen südlich des Mittelmeers alle Vitamine verkochten. "Dafür schmeckt das Leben bei uns besser", sagte sie mit ernstem Blick. Wer eine Tajine besitzt, plant viel Zeit für dieses Gericht ein. Der Tontopf mit dem spitzen Deckel sorgt dafür, dass der Inhalt gleichmäßig und im eigenen Saft kocht. Das dauert auch mal länger als eine Stunde. Der westliche Schnellkochtopf erledigt das schon in 15 Minuten. Grenzgänger zwischen Orient und Okzident arbeiten mit einem normalen Topf.

Die Zwiebeln in Olivenöl anschwitzen. Das Hühnerfleisch (das man durch Kaninchen- oder Lammfleisch ersetzen oder für die vegetarische Variante auch ganz weglassen kann) dazugeben und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe leicht anbraten. Ein wenig frische Petersilie, Salz, Pfeffer, Kurkuma, Ingwer- und Paprikapulver hinzugeben und einige Minuten brutzeln lassen. Mit einem halben Liter Wasser auffüllen und weitere 15 Minuten kochen. Die Erbsen und die in Streifen geschnittenen Möhren dazugeben. 30 Minuten auf mittlerer Flamme köcheln lassen. Ziel ist es, einen salzigen Sud zu erhalten, in den man frisches Brot tunken kann. Aufgepasst: Wenn die Flüssigkeit komplett verdampft, das Gemüse aber noch nicht durchgegart ist, muss man noch etwas Wasser dazugeben. Dafür gibt es keine Mengenangaben: Die im Süden machen das natürlich nach Gefühl.

Marokkanisches Huhn mit Erbsen und Möhren (für 4 Personen)

Zutaten – 2 große Zwiebeln, Olivenöl, 500 g Hühnerfleisch, 1 Knoblauchzehe, Petersilie, Salz, Pfeffer, je 1 Prise Kurkuma, Ingwerpulver und süßes Paprikapulver, 500 g frische Erbsen ohne Schote, 1 kg junge Möhren

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