Ich habe einen Traum Suzanne Vega

"Bevor 'Luka' veröffentlicht wurde, träumte ich, ich bin die Frau mit diesem Hit"
ZEITmagazin Nr. 34/2016

Als Kind träumte ich oft von Löchern im Garten, durch die ich in andere Welten fiel – Kinderträume eben. Seit meiner Teenagerzeit begleitet mich ein besonderer Traum: Da bin ich in einem Holzhaus, das mir zwar vertraut ist, das aber in jedem Traum anders aussieht. Einmal ist da ein neues Stockwerk mit Treppenhaus, dann ist da ein neuer Eingang. Manchmal stehen Freunde und Familienmitglieder herum, mal ist das Haus voller Fremder, die mich alle zu kennen scheinen. Auch die Größe des Hauses wechselt ständig, mal ist es klein, mal groß. Die einzige Konstante in dem Haus bin ich.

Natürlich habe ich mich gefragt, ob dieser Traum eine bestimmte Bedeutung hat, und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass er mit meinem Verhältnis zur Öffentlichkeit zu tun hat. Das Haus ist mein Privatleben: Wer kommt da rein – und wer nicht? Schon als Teenager bin ich vor Publikum aufgetreten. Seitdem beschäftigen mich Fragen wie: Was muss ich zulassen? Wo ziehe ich die Grenze? All das war schon immer verwirrend für mich.

In der Folkszene, aus der ich komme, ist es zum Beispiel üblich, dass die Musiker mit ihrem Publikum sprechen. Ich verweigerte jedoch bei meinen ersten Auftritten strikt jeden Kontakt zu den Zuhörern. Eines Tages lud mich der große Jazz-Bassist Richard Davis zu einem gemeinsamen Konzert ein. Zwischen den Auftritten seiner Band sollte ich das Publikum unterhalten – da war ich siebzehn. Ich stand also mit meiner Gitarre auf der Bühne und sang, sprach aber sonst kein Wort. Danach nahm Richard Davis mich sehr freundlich zur Seite und sagte mir, dass die Leute es mögen, wenn die Musiker mit ihnen sprechen, egal, worüber, und dass es für alle Beteiligten einfacher sei, wenn ich das einfach mal probierte. Von da an bemühte ich mich, die Kontaktaufnahme mit dem Publikum immer wieder zu üben. Und das ist mir tatsächlich ganz gut gelungen.

In einem anderen Traum habe ich schon vorab erlebt, dass mein Song Luka ein Hit werden würde. Anfang 1986 träumte ich, dass ich in einem Treppenhaus bin und mir zwei Männer entgegenkommen, und der eine sagt zum anderen: Schau mal, da ist Suzanne Vega, die diesen großen Hit Luka hat. Diesen Traum hatte ich ein Jahr, bevor der Song veröffentlicht wurde. Und genau so kam es dann ja auch, ich war die Frau mit diesem großen Hit. Dass ich das schon lange vorher geträumt hatte, war mir unheimlich.

Zu der Zeit, als Luka ganz oben in den britischen Charts war, stand ich einmal vor einem Plattenladen, der mit Postern von mir plakatiert war. Und kein Mensch hat mich beachtet. Gar nicht beachtet zu werden war auch seltsam.

Andererseits passiert es mir bis heute manchmal, dass ich in irgendeine Drogerie gehe, nach einer Hautcreme frage, der Verkäufer mich grinsend anschaut – und beginnt, Luka zu pfeifen. Das ist wohl der Preis, den man zahlen muss, wenn Träume in Erfüllung gehen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio.

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

Hm, komisch, ich verbinde Suzanne Vega spontan stets mit "Tom's Diner" ... "Luka" ... ja, kennt man auch, ... "Tom's Diner" wurde sogar vor "Luka" veröffentlicht worden und war international auch weitaus erfolgreicher, glaubt man mal den Listen, die sich so im Web finden lassen. Aber Frau Vega wird schon wissen, wieso sie da in der Zeit vor Luka träumte. Luka stand lt. Wikipedia auch nur auf Rang 23 der UK-Charts ... ggü. Rang 9 für "Tom's Diner" ... ganz oben war augenscheinlich UK nie. Künstler und Fakten ... selten eine gute Paarung.