Gesellschaftskritik Über Fehler

© Andrew Toth/Getty Images
ZEITmagazin Nr. 38/2016

Kann der Mensch sich ändern? Große Frage. Beschäftigt Psychologen, Ideologen, Diät- und Suchtberater und vor allem viele Frauen. Bei Letzteren lautet die Frage oft ganz konkret: Kann mein Mann sich ändern? Und nicht selten beantworten sie sich die Frage so: Ja, denn ich werde ihm helfen, zu seinem besseren Selbst zu finden. Durch wahre Liebe. Und mit viel Geduld.

Warum wir ausgerechnet jetzt darauf kommen? Huma Abedin ist eine wichtige Beraterin Hillary Clintons. Auch Abedins Mann Anthony Weiner wollte Karriere in der Politik machen, er saß für die Demokraten im Kongress. 2011 tauchte auf seinem Twitter-Account ein Foto auf, das ihn in Unterhose zeigte. Nachdem noch weitere Fotos vom halb nackten Weiner ans Licht kamen, entschuldigte er sich öffentlich bei seiner schwangeren Frau, versprach, seine Ehe zu retten und eine Therapie gegen Sexsucht zu beginnen. Als 2013 weitere Sex-Chats von ihm bekannt wurden, trat er von seiner Kandidatur um das Amt des Bürgermeisters von New York zurück. Abedin stellte sich mit ihm vor die Kameras und sagte: "Er hat schreckliche Fehler gemacht. Aber ich liebe ihn. Ich habe ihm vergeben."

Das war ja irgendwie naheliegend, ihre Chefin hatte es ja auch geschafft. Also: Zähne zusammenbeißen, ein ernstes Wort mit ihm reden, weitermachen. Eine klassische amerikanische Geschichte: Mit eisernem Willen, Leidenschaft und viel Liebe kann man sich aus dem dunkelsten Tal der Peinlichkeit hinaufarbeiten auf den Gipfel ins strahlende Licht. Die berühmte zweite Chance. Gut, bei Weiner streng genommen schon die dritte.

Er wurde Hausmann, sie wurde immer erfolgreicher. Wenn Hillary Clinton es ins Weiße Haus schafft, wird sie wohl eine noch wichtigere Rolle einnehmen.

Nun tauchten vor einigen Tagen wieder Fotos von Weiner auf. Er hatte sie an eine Frau an der Westküste verschickt. Eines davon zeigt ihn mit deutlicher Wölbung unter weißem Feinripp. Hässlicherweise ist auf dem Bild auch sein kleiner Sohn zu sehen, der neben ihm schläft.

Es gibt einige mögliche Gründe für diese traurige Geschichte. Entweder es war keine wahre Liebe. Oder: Menschen können ihr altes Ich doch nicht so einfach hinter sich lassen. Oder: Weiner hat sich nicht so gefühlt, als sei das Hausmanndasein nun der strahlende Gipfel nach dem dunklen Tal, sondern allzu langweiliges Mittelgebirge. Suchen Sie sich bitte die Erklärung aus, die am besten in Ihr Weltbild passt. Huma Abedin jedenfalls hat sich von dem Dödel getrennt.

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Der Dödel?
Wie muss ich diese Dödelbemerkung verstehen? Verniedlichend? Herablassend? Fremdschämend? Unüberlegt? Gar sexistisch? ;)

Diese Angelegenheit, die eigentlich nur die beiden Involvierten etwas angeht, hätte niemanden zu einem Artikel inspiriert, wenn die Geschlechter anders verteilt wären. Denn eine Ehefrau, die ihrem erfolgreichen Mann ein paar Fotos in Unterwäsche schickt, während dieser auf Geschäftsreise ist, hätte keinen Schw... pardon, "Dödel" interessiert. Wahrscheinlich auch keine "Mumu". Aber hier beißt offenbar der Mann bzw. die Frau den Hund.