Gesellschaftskritik Über das Aussteigen

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Frauke Petry steigt zur Wahlparty der AfD in Schwerin aus einem Boot. © Daniel Bockwoldt/dpa
ZEITmagazin Nr. 39/2016

Spätestens aus Serien wie House of Cards wissen wir, dass sich Politik zuweilen auf Rücksitzen von Limousinen abspielt. Aber da es indiskret wäre, weiter nachzufragen, wenden wir uns hier anderen Dingen zu: dem Aussteigen. Wenn schließlich dieser Moment gekommen ist, gilt nicht nur "Nieselregen, Detmold, die Frisur hält", sondern es gelten auch Würde, Grazie, Erhaben- und Entschlossenheit und was noch im Manufactum-Katalog der Seele unter der Rubrik "Wie steige ich angemessen aus einer Kutsche oder Ähnlichem?" steht.

Gemeinhin als wichtig erachtet wird das Winken im Moment des Türöffnens, kurz bevor sich ein Bein aus dem Fond streckt (nicht zu hollywoodesk, aber auch nicht wie eine hinfällige Gräfin). Natürlich ist es dabei für unseren inneren Rolf Seelmann-Eggebert interessant, aus welchem Modell sich ein Politiker schält. Ob es ein eher volkstümliches Gefährt ist wie der VW von Gerhard Schröder oder eines dieser Stretchdinger, in denen sich abstrus frisierte Diktatoren durch ihre Schwellenländer kutschieren lassen. Allerdings lohnt es sich, den Fokus etwas zu weiten: Neulich landete Barack Obama wegen des G20-Gipfels in China. Nur verließ er das Flugzeug nicht wie gewöhnlich vorn mit Schiebetreppe und Delegation – er ging hinten raus, und zwar über eine bordeigene Treppe. Aufmerksame Beobachter haben das sofort als "Verstimmung zwischen den USA und China" gedeutet. Politskeptische Geister im Internet betrachteten Obamas Hintertürabgang sogar als Sinnbild für seinen generellen Regierungsstil. Und da wir jetzt mittendrin im Raunen sind: Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Politiker auf dem Liegefahrrad zur Fraktionssitzung kommt? Vor wem muss man mehr Angst haben: dem, der aus dem Elektromobil weht, oder dem, der hauruckzackzack vom Pferd steigt? Oder kommt der wahre Grusel nicht sogar aus dem Wasser?

Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern kursierte das Bild von Frauke Petry, die über den Bug eines Motorboots an Land ging. Schneidig sah das aus, anmutig, sodass man fast übersehen hätte, wie das Boot hieß: Interceptor. Das bedeutet so viel wie Abfangjäger, was so martialisch gemeint ist, wie es klingt. Kurzum: Es ist nicht so wichtig, wie jemand aus einem Fahrzeug steigt, sondern was außen dransteht.

Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Die schießwütige Frau Petry ist mir so unsympathisch wie kaum eine andere Gestalt momentan. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass dieser ganze Artikel hier nur geschrieben wurde, um mal wieder ein bisschen Petry-Bashing auf eine besonders doofe Art zu betreiben.
Die AfD argumentiert völkisch/rassistisch und damit zutiefst irrational. Wir werden diesen (hell-) braunen Spuck sicher nicht in den Griff bekommen, indem wir uns argumentativ auf das Niveau der Populisten herablassen und uns über Frau Petrys Handtasche, Frisur, Fortbewegungsmittel etc. echauffieren.
Ach so, sollte witzig sein? Sorry, dann fehlt es mir wohl an Humor…

Mittlerweile beschäftigen sich die Miedien mit ihrer eigengeschaffenen Realität, erst selektiert man, dann pusht man bestimmte Bilder, dann interpretiert man sie und leitet daraus ab was man gerade braucht.
Nun denn, beschäftigt Euch ruhig mit dem Anblick eines sicher sehr dynamisch aus dem Dienstwagen springenden Vizekanzlers , dem Typenschild des Wagens, dem straffen Sitz seiner Anzüge , ernst nehmen wird man das nicht.