Gesellschaftskritik Über Zufallsbegegnungen

© Bundespolizei München/dpa
ZEITmagazin Nr. 43/2016

Arnold Schwarzenegger führte sich in München unlängst wie Conan der Barbar auf, eine intellektuell wenig ausgereifte Figur, die Arnie, so glaubte man bisher, bereits 1984 hinter sich gelassen hatte. War wohl ein Irrtum. Wahrscheinlich liegt es daran, dass man als ultimativer Last Action Hero, der Schwarzenegger seit 1993 ist, nicht mehr der Running Man von 1987 sein kann. Jedenfalls war Arnie auf dem Oktoberfest, der bayerischen Variante von End of Days. Und sauste, begleitet von einem privaten Phantom-Kommando aus zwei Bodyguards, im Red Heat-Tempo so wild auf einem Fahrrad durch den Münchner Hauptbahnhof, dass es schon mehr bedurfte als eines austro-amerikanischen Kindergarten-Cops, um ihn zu stoppen. Ein bayerischer Polizeibeamter musste ran. Ein Eraser, wie nur Arnie selbst einer war.

Judgement Day – der Tag der Abrechnung war gekommen. Seinen Escape Plan von 2013 konnte Schwarzenegger in seiner misslichen Situation nicht auspacken, seine True Lies von 1994 nicht wiederholen – die Totale Erinnerung hat er ja leider 1990 verloren. Was also tun?

Wäre Arnie noch Adam Gibson aus The 6th Day, hätte er dem uniformierten Jüngelchen gesagt: "Das ist der natürliche Lauf des Lebens: Du wirst geboren, du lebst, du stirbst." Als Mr. Freeze aus Batman & Robin hätte er mitgeteilt: "Ich muss dich enttäuschen. In meiner Verfassung lässt mich dein Winseln um Gnade völlig kalt." Und der beste Arnie, der Terminator, hätte ihn wissen lassen: "Aufgrund deines Pupillenreflexes, deiner Hauttemperatur und deiner Motorik errechne ich eine 83-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass du den Abzug nicht betätigen wirst."

Was aber sagt der Real-Life-Schwarzenegger zu dem Polizisten? "Hey, ist alles okay? Was macht der Job?"

"Hey, ist alles okay? Was macht der Job?" – das ist genau die Mischung aus cool und total bescheuert, die seine Filmfiguren groß gemacht hat. Auch wenn Arnie als Collateral Damage dieser Bahnhofsbegegnung nicht gleich halb München in Schutt und Asche legte – ein Selfie war immerhin drin. So lieb war der Predator noch nie, das Raubtier als Veganer.

Aber der leicht hirntote Charme des Terminators steckt in dem 69-Jährigen immer noch drin: "Hey, ist alles okay? Was macht der Job?" könnte solch ein Klassiker werden, wie es "I’ll be back" längst ist.

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