Gesellschaftskritik Über Eheringe nach der Scheidung

© Patrick Seeger / dpa
ZEITmagazin Nr. 46/2016

Kürzlich tauchte auf eBay ein Diamantring auf mit der Gravur "Sarah 29.02.2004" und dem Hinweis, er habe einen "prominenten Vorbesitzer". Schlussfolgerung interessierter Medien: Der Herr des Rings muss Marc Terenzi sein, Ex-Mann von Sarah Connor, der das einstige Zeichen ewiger Liebe verscherbeln will oder verscherbelt hat. Uns führt dieses unmoralische Angebot zu einer Frage, die hier noch nie erörtert wurde: Was macht man eigentlich nach einer Scheidung mit dem Ehering?

Viele Geschiedene schreiben ihrem Ehering eine unglückselige Macht zu, die tolkienhafte Züge trägt – zumindest lassen die seltsamen Rituale, mit denen sie sich laut Internetforen des Rings entledigen, das vermuten. Sie lassen ihn zu winzigen Handschellen umschmelzen, die sie als mahnende Anhänger um den Hals tragen. Ringe werden in Flüsse geworfen oder in der Erde vergraben (der passende Mini-Sarg in edlem Holz ist online erhältlich). Einer hat den Ring seiner Ex zu Zahngold gemacht, ein anderer ihn gegen Drogen eingetauscht.

Da klingt eBay plötzlich äußerst akzeptabel. Unter "Ehering, gebraucht" werden momentan 418 Unglücksringe angeboten. Tolkien wäre neidisch (und wie viel Mühe er sich erspart hätte, hätte Gandalf den Ring auf eBay entdeckt und Frodo und Sam als DHL-Boten losgeschickt!).

Auch Terenzi hat sein Ring kein Glück gebracht. So steil, wie die Karriere seiner Frau nach der Hochzeit anstieg, fiel die des Boy-Band-Beaus ab. In den Doku-Soaps Sarah & Marc in Love und Sarah & Marc Crazy in Love hatte man das Gefühl, sie mache eh nur mit, damit er mal wieder ein paar Platten verkauft (was nicht passierte). Nach der Trennung schimpfte seine Mutter, Sarah sei nett und reich und er solle sich in seiner Heimat USA, wo ihn keiner kenne, nicht mehr blicken lassen. Er trank zu viel, fand vorübergehend sein Glück mit einem ehemaligen Playmate, sie drehten zusammen eine Online-Doku-Soap, er meldete Privatinsolvenz an. Momentan arbeitet er bei der Männer-Striptease-Gruppe Sixx Paxx.

Man könnte also verstehen, wenn sich Terenzi mit dem Ring auch symbolisch von seiner Vergangenheit lösen wollte. Er hätte dazu allerdings vielleicht vorher noch mal bei Tolkien nachschlagen sollen: Dort muss der Ring zerstört werden, damit er seine Macht verliert. Mit dem Verkauf des intakten Rings würde Terenzi genau das wiederholen, was er während seiner Ehe gelernt hat: sein Privatleben zu Geld zu machen. Manchmal ist so ein Ring eben doch mächtiger, als man denkt.


In einer früheren Fassung des Beitrags hatten wir Myriel aus der Online-Doku-Soap Marc & Myriel als Stripperin bezeichnet. Tatsächlich ist sie keine Stripperin, sondern Playmate gewesen. Wir stellen das hiermit richtig.

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