Stilkolumne Die Kobolde kommen

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 47/2016

Die Farbe Blau ist die erklärte Lieblingsfarbe der Deutschen. Mehr als ein Drittel bevorzugt Blau, nur jeder Fünfte Rot. Blau soll außerdem beruhigend wirken und gleichzeitig die Konzentration steigern. Beste Vorzeichen für die kommende Saison. Alle werden sehr gelassen und gleichzeitig hoch konzentriert sein, denn die Kleidung wird sehr blau. Nicht einfach blau, sondern kobaltblau. Ein Blau also, das aus allen Blautönen herausleuchtet. Bei Miu Miu gibt es ein gemustertes Oberteil in Kobaltblau mit passend gestaltetem Maxirock. Bei Courrèges finden wir gerippte Einteiler zu kobaltblauen Mänteln und bei Fendi Männerstrickjacken mit superblauen Farbakzenten. Und im Frühjahr soll es genauso blau weitergehen – etwa bei Acne Studios, Céline und Louis Vuitton.

Dabei können Kleider genau genommen gar nicht kobaltblau sein, denn das Element Kobalt wurde dazu verwendet, Glas zu färben. Kobalt hat seinen Namen von "Kobold": Im frühen Bergbau glaubte man, dass Kobolde das Metall verunreinigten. Man nahm an, sie würden Silber essen und Silbererz ausscheiden. Kobolde waren kleine Unholde, gewissermaßen die Gruselclowns der Mythologie. Dass sie Namensgeber für die neue Modefarbe sind, passt gut, schließlich ist Blau ja auch eine Farbe mit einer besonderen spirituellen Aura.

Für die Romantiker war die blaue Blume ein zentrales Symbol. Dem französischen Maler Yves Klein genügte die Erfindung eines einzigen Blautons, um künstlerisch unsterblich zu werden: des violettstichigen "International Klein Blue", besser als Yves-Klein-Blau bekannt. Ein weiterer bekannter Blauton ist das Majorelle-Blau, eine Abstufung des Kobaltblaus. Der französische Maler Jacques Majorelle ließ sich 1931 ein Haus in geometrischen Formen entwerfen, legte einen prächtigen Garten an und strich sowohl die Fassade seines Hauses als auch einen Großteil des restlichen Geländes in intensivem Blau. Nach seinem Tod verfiel das Anwesen immer mehr, bis schließlich im Jahr 1980 der Modedesigner Yves Saint Laurent und dessen Lebensgefährte Pierre Bergé das Anwesen kauften und restaurierten. Laurent verbrachte seine letzten Jahre in der Villa, seine Asche wurde im dazugehörigen Rosengarten verstreut. Das Blau findet also immer seinen Weg in die Mode.

Wer allerdings Erfolg bei einer Verabredung haben will, sollte Blau trotzdem meiden. Die Forschung sagt: Wenn man etwas Rotes trägt, wird man am attraktivsten gefunden.

Foto: Peter Langer / Oberteil und Rock von Miu Miu

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