Katzen Der springende Punkt

© Daniel Gebhart de Koekkoek
Was machen Katzen, wenn sie allein sind? Schlafen, die Krallen wetzen – und fliegen. Der Fotograf Daniel Gebhart de Koekkoek hat die Tiere dabei erwischt. Von
ZEITmagazin Nr. 47/2016

Wie ein Kind, das sich ausmalt, in der Nacht begännen seine Puppen zu tanzen, hat sich Daniel Gebhart de Koekkoek immer gerne vorgestellt, dass Katzen im Geheimen, wenn ihre Besitzer nicht zu Hause sind, durch die Wohnung hüpfen, schweben, fliegen. Diese Fantasie wollte der Fotograf in seinen Bildern zum Leben erwecken.

Für sein Projekt hat er mit Katzenhaltern aus seinem Familien- und Freundeskreis zusammengearbeitet. Und nein, die hier abgebildeten Tiere wurden weder erschreckt noch gegen ihren Willen zum Sturzflug genötigt, versichert der Fotograf. Nur ein kleines bisschen nachgeholfen habe man manchmal. Dabei hat man aber für Fiffy, Flitzie, Justus und Co. natürlich die besten Bedingungen geschaffen: So wurden die Böden mit Kissen ausgelegt, um die Landung abzufedern.

Es ist eine herrliche Vorstellung, dass Katzen in der Zeit von Herrchens und Frauchens Abwesenheit nicht nur schlafen und ihre Krallen am Sofa wetzen, sondern wie ein Flummi vom Schlaf- ins Wohnzimmer hüpfen.

Und tatsächlich sind Katzen in der Lage, ziemlich hoch zu springen – einige schaffen zwei Meter, aus dem Stand. Außerdem lieben sie die Höhe, Plätze, von denen sie ihr Revier gut überblicken können. Doch wer schon einmal eine verzweifelt miauende Katze in einer Baumkrone vorgefunden hat, weiß: Das Hochkommen fällt ihnen oft leichter als das Runterspringen. Denn obwohl ihr Skelett viel elastischer ist als etwa das menschliche (Katzen also eine Landung viel besser abfedern können und dabei auch gewöhnlich zuerst mit den Füßen aufsetzen), haben sie Respekt vor weiten Sprüngen in die Tiefe. Der ist auch angebracht. Dass Katzen nämlich aus jeder beliebigen Fallhöhe stets unversehrt unten ankommen, ist ein Mythos.

Im Fall der fliegenden Katzen von Daniel Gebhart de Koekkoek kam kein Tier zu Schaden – im Gegenteil, sie seien mit großer Freude bei der Sache gewesen, sagt der Fotograf. Den Anstoß zu diesem Projekt gab ihm der Wiener Verlag für moderne Kunst, der ihn fragte, ob er nicht Lust habe, einen Kalender zu machen. Er entgegnete, halb im Scherz: "Einen Katzenkalender?" – "Ja, warum eigentlich nicht?!", lautete die Antwort. Nun sind die Jumping Cats auch in einer Ausstellung zu sehen: im Rahmen von Eyes On – Monat der Fotografie Wien.

Hat Gebhart de Koekkoek eine Lieblingskatze? "Nein, aber Dottie ist besonders: Sie springt immer über Gegenstände, den Esstisch zum Beispiel. Und Elli, die Katze meiner Eltern, war die Erste, die ich für diese Serie fotografiert habe – im heimischen Badezimmer."

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