Ich habe einen Traum Sophia Flörsch

"Im Auto kenn ich keine Freunde mehr"
ZEITmagazin Nr. 49/2016

Schon als kleines Mädchen habe ich davon geträumt, in der Formel 1 zu fahren. Dort zu stehen, wo Michael Schumacher einmal stand und wo Nico Rosberg heute steht. Seit ich mit fünf Jahren zum ersten Mal in einem Kart gesessen habe, begleitet mich dieser Traum am Tag und in der Nacht.

In meinen Träumen sitze ich in Silverstone, Monaco oder auf dem Hockenheimring im Formel-1-Auto und führe das Feld an. Am Ende stehe ich ganz oben auf dem Siegertreppchen, umjubelt von Fans. Endlich habe ich das erreicht, wofür ich mein ganzes Leben gearbeitet habe.

Meine Albträume haben nie mit dem Rennsport zu tun. In ihnen muss ich mich mit Spinnen und Ameisen herumschlagen. Die mag ich überhaupt nicht! Ich bin ein normales 15-jähriges Mädchen, ich gehe zur Schule, habe meine Familie und meine Freunde.

Natürlich träume ich auch von anderen Dingen als der Formel 1, und ich habe auch noch andere Ziele – Abitur machen zum Beispiel. Aber die sportlichen Träume sind für mich die wichtigsten, sie hinterlassen die stärksten Eindrücke. Geschwindigkeit fasziniert mich, das Überholen, der Kampf gegen die Jungs auf der Rennstrecke. Ich bin schon früh gegen Jungs gefahren, musste mir immer Respekt verschaffen, vielleicht sogar draufgängerischer, härter sein als sie. Das treibt mich an. Nach jeder verbesserten Rundenzeit, nach jedem Sieg habe ich das Gefühl, meinem Traum näher zu kommen. Vor allem mein Wechsel in die Formel 4 hat dieses Gefühl verstärkt. Über einen Plan B denke ich nicht nach. Wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass es mit der Formel 1 nicht klappt, bleibt immer noch genug Zeit, um nach Alternativen Ausschau zu halten. Ich bin ja noch jung.

Vor jedem Rennen ziehe ich mich eine Stunde zurück, höre Musik und träume vor mich hin. Stelle mir vor, wie das Rennen verlaufen könnte, gehe im Kopf frühere erfolgreiche Rennen durch, um mich aufzubauen. Wenn ich dann den Helm aufsetze, blende ich alle Ablenkungen aus. Ich bin dann ein völlig anderer Mensch, das erschreckt mich manchmal selbst. Eigentlich bin ich positiv, lustig, freundlich. Im Auto kenne ich keine Freunde mehr. Manchmal steige ich nach einem Rennen aus dem Wagen und weiß gar nicht, was gerade passiert ist.

Einer meiner Träume jenseits des Rennsports ist es, einmal nach Bora Bora zu reisen. Meine Eltern waren dort, ihre Fotos fand ich toll. Ich war zwar schon auf vielen Rennstrecken der Welt, aber davon abgesehen bin ich wenig gereist. Noch ein Traum: Ich möchte unbedingt einmal Bungee-Jumping machen. Das ist bestimmt eine extrem coole Erfahrung: der freie Fall, das Adrenalin. Das mache ich dann in einigen Jahren, wenn ich hoffentlich Formel-1-Pilotin bin.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio.

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren