Kate Bush "Wenn ich nervös bin, bete ich"

Ihre Alben erscheinen so unregelmäßig wie eine Sonnenfinsternis. Ihre Konzerte sind flüchtige Ereignisse, Videoaufnahmen unerwünscht. Interviews gibt sie so gut wie nie – für uns hat Kate Bush eine Ausnahme gemacht. Ein Interview von
ZEITmagazin Nr. 50/2016

Die britische Sängerin Kate Bush ist schwer zu fassen: Interviews gewährt sie äußerst selten, Fototermine schon lange nicht mehr. Ihr Privatleben möchte die 58-Jährige privat lassen – jahrelang hielt sie sogar geheim, dass sie einen Sohn hat. Skandale oder auch nur Klatsch um ihre Person gibt es nicht. Sie ist so scheu wie einflussreich: Zu ihren Fans gehören Sängerinnen wie Björk, Madonna, Courtney Love, Annie Lennox, begeistert über ihre Musik geäußert haben sich so unterschiedliche Kollegen wie Elton John, der ehemalige Sex-Pistols-Sänger John Lydon und der kürzlich verstorbene Prince.

Bush war 19, als sie 1978 mit ihrer Single Wuthering Heights berühmt wurde. Damit war sie die erste Frau, die mit einem selbst komponierten Song an der Spitze der britischen Charts landete. Seither veröffentlichte sie in sehr unregelmäßigen Abständen unkonventionelle Bestselleralben wie The Hounds of Love (1985) oder Aerial (2005). Sie untermauerten ihren Ruf als freundliche Verweigerin, die immer wieder gern gegen die Regeln der Musikbranche verstößt.

So war ihre erste Tournee im Jahr 1979 zugleich auch ihre letzte. Zwischen ihren Alben lagen oft längere Auszeiten, in einem Fall waren es zwölf Jahre.

Wenn sie doch mal ein Interview gewährt, dann nur telefonisch – persönliche Begegnungen sind so ausgeschlossen wie Fragen zu ihrem Privatleben. Im Grunde spricht sie immer nur über aktuelle Projekte, alle anderen Themen blockt sie normalerweise freundlich, aber bestimmt ab. Selbst Fragen nach ihrem Lieblingsregisseur findet sie eigentlich schon zu intim.

Kate Bushs aktuelles Projekt ist ein Livealbum mit Aufnahmen ihrer ersten Konzertreihe seit 35 Jahren, das in diesen Tagen erscheint: Unter dem Titel Before the Dawn hat Kate Bush vor zwei Jahren 22 Konzerte in einer mittelgroßen Konzerthalle in London gegeben. Sämtliche Shows waren innerhalb von 15 Minuten ausverkauft.

Das Telefon klingelt auf die Minute genau zur vereinbarten Zeit, und eine freundliche, warme Stimme sagt: "Hallo, hier ist Kate" – und das Interview beginnt.

ZEITmagazin: Um die insgesamt 80.000 Tickets Ihrer "Before the Dawn"-Konzerte sollen sich mehr als acht Millionen Fans bemüht haben, die Schwarzmarktpreise stiegen schnell auf tausend Pfund. Hat Sie die enorme Nachfrage überrascht?

Kate Bush: Ich war sehr erstaunt, wie schnell die Tickets weg waren. Und begeistert, natürlich. Denn es zeigte mir, dass da immer noch ein Publikum auf mich wartet, was immer ein tolles Gefühl ist. Die Schwarzmarktpreise allerdings schockierten mich. Wir hatten ja versucht, die Preise so niedrig wie möglich zu halten. Gemessen an dem Aufwand, den wir getrieben haben, hätten wir eigentlich viel mehr verlangen müssen. Aber mir war es wichtig, dass es bei diesen Abenden nicht ums Geld ging.

ZEITmagazin: Angeblich war es Ihr Sohn Albert – ein Teenager, der Bertie genannt wird –, der Sie zu dem Bühnen-Comeback überredet hat.

Bush: Es war tatsächlich schon sehr lange her, dass ich Konzerte gegeben hatte. In den vergangenen Jahren verbrachte ich viel Zeit im Studio, um an zwei Alben zu arbeiten. Danach hatte ich das Bedürfnis, etwas ganz anderes zu machen. Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl, dass ein paar Auftritte mir Spaß machen würden. Ich wollte wieder außerhalb des Studios Musik machen. Ich hatte Lust, eine Show zu planen, mit aufwendigen optischen Effekten, denn das Visuelle war für mich schon immer genauso wichtig wie die Musik. Hinzu kam, dass ich Kontakt zu meinem Publikum suchte, das in den vergangenen Jahrzehnten immer sehr geduldig mit mir gewesen ist. Das alles besprach ich mit Bertie, und der ermunterte mich, die Idee in die Tat umzusetzen.

ZEITmagazin: Sie gelten als sehr unkonventionelle Musikerin, entsprechend hoch waren die Erwartungen der Zuschauer. Machte Ihnen das zu schaffen?

Bush: Da es die ersten Konzerte seit langer Zeit waren, war mir schon klar, dass die Ansprüche enorm hoch sein würden. Ich wusste auch, dass ein Berg Arbeit auf mich zukommen würde.

ZEITmagazin: Angeblich waren Sie vorab zeitweilig so nervös, dass Sie aussteigen wollten. Dann soll es wieder Bertie gewesen sein, der Sie drängte, keinen Rückzieher zu machen. Stimmt das?

Bush: Klar hatte ich Angst. Ich war mir zwar sicher, dass ich eine gute Show auf die Beine stellen kann, und ich hatte viele Ideen. Aber die Vorstellung, das alles auf einer Bühne vor Publikum umsetzen zu müssen, hat mich zeitweilig doch belastet. Ich war eine Studiokünstlerin geworden – auf einer Bühne zu stehen ist etwas grundsätzlich anderes. Als ich Unterstützung brauchte, machte mir in der Tat Bertie Mut. Dazu kam ein kleiner Kreis sehr enger Freunde, die mich so lange aufbauten, bis ich mich wieder traute. Bertie hat auch sonst viele Ideen zu den Shows beigetragen, ich schätze seinen Rat sehr.

ZEITmagazin: Was hat er Ihnen geraten?

Bush: Eigentlich habe ich alles, was ich in den Shows gemacht habe, vorab mit ihm durchgesprochen. Er ist ein schlauer Junge, sehr kreativ.

ZEITmagazin: Er trat sogar jeden Abend mit Ihnen auf und sang ein Lied. Wie fand er das?

Bush: Darüber haben wir gar nicht gesprochen. Aber er schien das sehr lässig wegzustecken. So wie wir alle hat er es sicher genossen, vom Publikum so gefeiert zu werden.

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