Ich habe einen Traum Ed Sheeran

"Meine Freundin träumt von mir und ich von ihr, und leider streiten wir uns"
ZEITmagazin Nr. 10/2017

Als Kind hatte ich typische Kinderträume. Sehr oft war ich auf Piratenschiffen unterwegs, aber dummerweise nicht als Pirat, sondern immer als Gefangener.

Heutzutage träume ich besonders wild, wenn ich abends vor dem Schlafengehen Käse gegessen habe. Diese Träume bescheren mir immer wieder Ärger mit meiner Freundin. Denn dummerweise hat sie nach Käsegenuss am Abend ähnlich bizarre Träume wie ich. Sie träumt von mir und ich von ihr, und leider streiten wir uns auch mal heftig im Schlaf. Das geht so weit, dass wir uns beide zugleich im Traum trennen wollen. Wenn wir am Morgen danach aufwachen, schauen wir uns wütend an und sind nicht gut aufeinander zu sprechen – nur wegen dieser Träume.

Zuletzt passierte das vor zwei Monaten. Bei diesem Streit im Traum ging es eigentlich um nichts, irgendeine Lappalie, und dann schaukelte sich das hoch. Das sind anstrengende Träume, die tatsächlich meinen Alltag beeinflussen, wobei sie meine Freundin sehr viel mehr mitnehmen als mich. Eigentlich führen wir wirklich eine sehr glückliche Beziehung. Vielleicht sind wir tatsächlich so glücklich miteinander, dass uns die versteckten Ängste nur im Schlaf einholen können. Manchmal träumen wir allerdings auch nett und romantisch voneinander. Wir sollten wohl weniger Käse essen, um uns diesen Traumstress zu ersparen. Aber leider liebe ich Käse viel zu sehr.

Einen schönen Traum habe ich zusammen mit meiner Freundin verwirklicht: Bevor ich mit den Aufnahmen zu meinem neuen Album begann, setzte ich ein Jahr aus und reiste mit ihr um die Welt. Das hatte ich schon lange vor. Nachdem ich vorher fünf Jahre lang nahezu ununterbrochen auf Tournee gewesen war, brauchte ich sowieso mal eine Pause, und so machten wir uns auf den Weg. Es gab keinen Plan, und an jedem Ort, an dem wir eine Weile waren, überlegten wir, wo wir als Nächstes hinfahren könnten. Wir starteten in Island, wo ich in dem Thermalfreibad Blaue Lagune schwamm, und reisten nach Japan, wo ich Skifahren lernte. Dann flogen wir weiter nach Australien, Neuseeland, den Fidschi-Inseln, nach Ghana, Liberia, Indien – und zum Schluss nach Italien.

Ein ganzes Jahr lang waren wir aber doch nicht unterwegs, weil mir die ganze Reiserei irgendwann auf die Nerven ging und ich nach Hause wollte. Träume, die wahr werden, können einem auch auf die Nerven gehen. Wie ein Traum fühlte es sich an, als ich vor zwei Jahren an drei Abenden hintereinander im Wembley-Stadion auftrat. Ich stand dermaßen unter Strom, dass ich überhaupt nicht schlafen konnte. Vielleicht schlief ich in diesen drei Nächten insgesamt eine Stunde, mehr nicht. Schuld war das viele Adrenalin. Erst als alle drei Konzerte vorbei waren, schlief ich zufrieden einen ganzen Tag lang durch – und zwar so tief, dass mich gar keine Träume störten. Auf Käse habe ich an diesen drei Tagen lieber verzichtet.

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