Stilkolumne Der Rüssel zum Erfolg

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 11/2017

Ein Elefant ist das Motiv, das die Künstlerbrüder Jake und Dinos Chapman auf Taschen und Rucksäcke von Louis Vuitton gedruckt haben. Die sind Teil einer kleinen Kollektion, die die französische Luxusmarke zusammen mit den Künstlern entwickelt hat. Bei Louis Vuitton hat dies eine gewisse Tradition. Als Marc Jacobs Chefdesigner der Marke war, erkannte er, wie schlau es ist, Mode zur Kunst zu erklären. Also arrangierte er zahlreiche Künstler-Kooperationen. Am bekanntesten wurden die Graffiti-Schriftzüge in Neonfarben, die Marc Jacobs zusammen mit Stephen Sprouse 2001 auf Taschen drucken ließ. Auch mit Yayoi Kusama, Takashi Murakami, Richard Prince und Sylvie Fleury arbeitete Louis Vuitton zusammen.

Die Kunst auf Kleidung dient dazu, Mode aus dem Morast des Profanen zu befreien. Scheinbar wird so aus einem Kleidungsstück ein Museumsstück. Die Elefanten-Kollektion der Chapman-Brüder ist in diesem Sinne allerdings sehr modisch ausgefallen. Denn Tiermotive auf Kleidung haben eine noch viel längere Tradition als Künstler-Kooperationen. Sie sind gewissermaßen der Nachfolger der Höhlenmalerei. Wie unsere Vorfahren einst ihre Wände mit Stiermotiven bemalten, um ihr Jagdglück zu beeinflussen, tragen Menschen seit dem vorigen Jahrhundert Pullover mit Raubtiermotiven, damit ein kleines bisschen Gefährlichkeit auf sie abfärbt. Bei Givenchy etwa schmückte Riccardo Tisci die Kunden mit Pantherköpfen.

Unter all den Tieren, die sich derzeit auf Stoffen tummeln, sind Elefanten recht selten. Bei Gucci gibt es Poloshirts mit Elefantenprint, Kenzo druckt den Elefant auf Tücher. Dabei sind die Tiere Sympathieträger. Abgesehen vom Gewicht wäre jeder gerne wie ein Elefant. Außerdem hat der Elefant eine lange Tradition als Imponiertier. Im 16. Jahrhundert gab es in Europa eine wahre Elefanten-Euphorie. Herrscher waren erpicht darauf, die bulligen Tiere per Schiff aus den Kolonien zu beziehen, um sie in den höfischen Menagerien zu halten. Das ging für gewöhnlich nicht lange gut, sie bekamen falsches Futter. Im deutschsprachigen Gebiet wurde 1552 der Elefant Soliman bekannt. Er war ein Geschenk Johannas, der Tochter des Kaisers Karl V., und Isabellas von Portugal an den späteren Kaiser Maximilian II. Leider verstarb Soliman ein Jahr nach seiner umjubelten Ankunft in Wien. Er wurde ausgestopft und als Präparat an den bayerischen Hof gegeben. Zuletzt lagerte er im Keller des Bayerischen Nationalmuseums. Von dort verschwand er nach dem Zweiten Weltkrieg. Man vermutet, dass die Haut heimlich zu Schuhwerk verarbeitet wurde. Man kann dies als die Entdeckung des Elefanten für die deutsche Mode werten.

Foto: Peter Langer / Spitze Sache: Rucksack von Louis Vuitton mit Elefantenmotiv

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